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Dienstag, der 28. Juli 2020

Issa Watanabe

Illustratorin aus Peru

Instagram: @issawatanabe

 


* Warum bist du Illustratorin geworden?

Ich erinnere mich an einen Besuch des brasilianischen Künstlers Vik Muniz, bei dem ein Junge ihn fragte, ob er sich erinnere, wann er mit dem Zeichnen begonnen hat. Er sagte, er erinnere sich nicht mehr, aber er erinnerte sich doch daran, wann die anderen damit aufhörten. Wie alle Kinder habe ich schon in jungen Jahren gezeichnet, und ich hatte das Glück, dass meine Mutter damals Kinderbücher illustrierte: Illustration zu Hause war eine natürliche Art, Geschichten zu erzählen, Gefühle auszudrücken, zu erfinden, zu spielen.
Das habe ich nicht verloren.

* Wie sieht so ein Arbeitstag bei dir aus?
Meine Arbeitsroutine hängt stark von der Art des Projekts ab, in dem ich mich befinde, und davon, was ich in dieser Zeit erlebe. Vor ein paar Jahren ging ich zum Beispiel jeden Tag sehr früh in mein Atelier und arbeitete stundenlang, ohne jemanden zu sehen oder zu sprechen. Mittlerweile habe ich mir mein Atelier zu Hause eingerichtet. Ich lebe alleine mit meiner Tochter und es fällt mir schwer, einen festen Arbeitsplan zu haben, besonders jetzt, da aufgrund der Pandemie der Unterricht in diesem Jahr unterbrochen wurde und es nötig wurde, vieles zu meistern. Aber ich kann sagen, dass ich wirklich gerne morgens aufstehe, eine Kanne Kaffee vorbereite und direkt vor dem Fenster sitze und zeichne. Manchmal beschäftige ich mich so sehr mit einer Illustration, dass ich wie besessen davon bin. Ich kann stundenlang sitzen und finde es sogar schwierig zu schlafen, weil ich so viel Lust habe, am nächsten Tag weiter zu zeichnen.


Niña océano

* Gibt es IllustratorInnen, die dich beeinflusst haben/beeinflussen?
Ich denke, wenn wir etwas erschaffen, greifen wir bewusst oder unbewusst auf alle Einflüsse zurück, die wir während unserer gesamten Entwicklung erfahren haben. Natürlich bewundere ich viele IllustratorInnen, aber mich inspirieren auch Musik, Bücher, Museumsbesuche, Kino, ungezwungene Gespräche …

* Was war deine allererste Illustration?
Als ich vier Jahre alt war, stellte unsere Lehrerin ein kleines Buch zusammen mit den Geschichten, die die Kinder ihr erzählten. Und sie bat mich, das Cover zu gestalten! Ich habe eine Giraffe, eine Blume und einen kleinen Vogel gezeichnet. Das Buch habe ich noch immer. Meine Mutter und mein Vater haben seit unserer Kindheit alle Zeichnungen von mir und meiner Schwester aufbewahrt.


* Was inspiriert dich? Woher kommen die Ideen?

Ich denke, man kann sich von allem inspirieren lassen, was einen bewegt: ein Bild, ein Text, ein Gedicht, ein Vogel vor dem Fenster am Morgen. Die Ideen aber schwirren normalerweise Monate oder Jahre in meinem Kopf. Manchmal sind es Erfahrungen, die ich gemacht habe und die Zeit brauchen, um Gestalt anzunehmen. Und es braucht meist nur einen Auslöser zu einem bestimmten Zeitpunkt, damit ich das Bedürfnis verspüre, diesen Erfahrungen Ausdruck zu verleihen.

* Hast du einen persönlichen Lieblingsillustrator, eine Lieblingsillustratorin?
Oh, sehr viele: Leo Lionni, Sendak, Quentin Blake, Erlbruch, Roberto Innocenti, Tomi Ungerer, Janosch, Enzo Mari. Und um einige aktuellere zu nennen: Beatriz Alemagna, Martin Jarrie und Simone Rea.


Cómo en un árbol

* Hörst du beim Illustrieren Musik oder Hörbücher oder soll es lieber still sein?
Ich bevorzuge die Stille.

* Hast du einen Lieblingsplatz zum Illustrieren?
Ich habe 15 Jahre lang auf Mallorca gelebt und die meisten davon in einem Haus verbracht, das praktisch am Meer lag. Es sah aus wie ein kleines Boot. Das war mein Lieblingsort. Jetzt lebe ich in Peru und habe mehr als einen Lieblingsort. Ich brauche bestimmte Bedingungen, die mir helfen, an einem Ort bequem zu arbeiten. Zum Beispiel ist natürliches Licht für mich sehr wichtig. Auch Einsamkeit brauche ich. Ich teile die Momente des Zeichnens nicht gerne mit jemand anderem als meiner Tochter. Die Tische sind auch wichtig: sehr glatt und je größer desto besser. Ich bin sehr chaotisch, wenn ich arbeite und fange an, all den Platz um mich herum zu erobern. Ich habe gerne meine Bücher in der Nähe, eine Kaffeemaschine und ein Sofa.


La barca (Migrantes)

* Gibt es eine Wunschgeschichte, die du gerne mal illustrieren würdest?
Es gibt ein Thema, das in meinem Leben sehr präsent war und das ich jetzt zu gestalten versuche. Es hat mit Objekten, Erinnerungen und Abwesenheit zu tun. Es wird wahrscheinlich auch ein stilles, wortloses Buch sein wie "Migrantes".

* Gibt es eine Illustration, auf die du besonders stolz bist?
Die Illustration von "Migrantes", in der die ganze Gruppe marschiert und hinter ihr läuft der kleine Tod. Diese Illustration hat für mich einen besonderen Wert.


El largo camino (Migrantes)

* Wenn du gerade nicht illustrierst, was tust du dann gerne?
Ich bin langsam und keine sehr aktive Person. Ich genieße die Stille und das zu Hause sein, obwohl ich sehr gerne reise. Ich lese viel Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Tochter.
Ich gehe gern ins Kino, mit einem Freund in ein Café, und in letzter Zeit arbeite ich mit Modelliermasse, um kleine Bühnen zu formen oder zu bauen.

* Was macht für dich den Beruf des Illustrators/der Illustratorin aus?
Es ist nicht einfach, sich den Anforderungen der Realität anzupassen. Durch das Illustrieren kann ich diese Realität ein wenig umformen und symbolisch eine andere aufbauen. Andererseits ist mein Ansatz beim Illustrieren meist intuitiv. Als hätte ich ein paar kleine Legostücke und würde sie alle auf dem Tisch ausbreiten. Die Möglichkeiten, die Teile zu kombinieren, sind unendlich und durch das Zusammenbauen und Zerlegen entdeckt man die Welt wie ein Kind beim Spielen.


El Encuentro (Migrantes)

* Was macht deiner Meinung nach einen guten Illustrator/ eine gute Illustratorin aus?
Ich wünschte ich hätte eine Antwort darauf! Ich weiß nicht, was das Rezept ist, aber ich bin sicher, es hat mit Ehrlichkeit zu tun, umso mehr, wenn man für Kinder illustriert.

* Hast du manchmal auch einfach keine Lust zu zeichnen/zu malen? Musst du dich dann motivieren? Und wenn ja, wie machst du das? Gibt es so etwas wie eine Schreibblockade auch bei Illustratoren? Also so eine Kreativblockade?
Oh ja! Manchmal, wenn wir etwas veröffentlichen, gibt es viel Tamtam und Ablenkung und es ist sehr leicht, sich darin zu verlieren. Dann hilft es mir, mich daran zu erinnern, warum ich das tue, was ich tue und woher meine Motivation kommt. In anderen Fällen kommt die Stimme von innen. Diese Stimme, die uns beurteilt und sagt, dass das, was wir tun, nicht gut oder nicht genug ist. Ich meine, es war Schiller, der so etwas gesagt hat wie "die Vernunft ist ein nerviger Zeuge während des poetischen Prozesses". Wir müssen lernen, das zu erkennen und ruhig zu bleiben. Ich habe mehrere Jahre als Art Director für eine Content-Produktionsfirma gearbeitet. Es war ein Job, den ich mochte und der mir große finanzielle Stabilität gab, aber ich hatte keine Freizeit mehr. Ich wollte illustrieren, aber unter diesen Bedingungen war es unmöglich. Vor zwei Jahren hat meine Mutter in Brüssel einen schrecklichen Unfall gehabt, von dem sie sich nur sehr langsam erholte und wir haben sie dabei begleitet. Obwohl wir uns der Zerbrechlichkeit des Lebens bewusst sind, vergessen wir sie oft. Als ich zurückkam kündigte ich meinen Job und fing an, "Migrantes" zu gestalten. Anfangs hatte ich natürlich sehr viele Bedenken und Angst, aber jetzt habe ich keinen Zweifel daran, dass es die richtige Entscheidung war.


La garza (Migrantes)

Gaëlle Vejlupek

Illustratorin aus der Schweiz

Website: www.gaellevejlupek.com


* Wie sieht so ein Arbeitstag bei dir aus?
Aufwachen um 7, ein bisschen Yoga, eine gute Tasse grüner Tee, ein Spaziergang, danach in aller Stille arbeiten. … Das WÄRE wunderbar! In den letzten Jahren habe ich sehr viel gearbeitet, vom frühen Morgen bis in den späten Abend, was auf die Dauer nicht aufrechtzuerhalten ist. Langsam werde ich organisierter und plane für die Abende und Wochenenden ein bisschen freie Zeit für mich ein. Etwas, das ich lange vernachlässigt habe. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass sich Grenzen zu setzen überraschenderweise mehr Freiheit bringt. Aber es braucht seine Zeit, das richtige Maß zu finden.

* Was war deine allererste Illustration?
Ich glaube, das war eine Arbeit für ein Puppentheater. Ich mag das kleine Booklet immer noch sehr, auch wenn ich oft nicht sehr milde bin mit meinen früheren Arbeiten.

Peau d'âne, Ink on paper, 35x26 cm

* Was inspiriert dich? Woher kommen die Ideen?
Ich war als Kind ein wenig seltsam, hab mit Bäumen, Vögeln und Blumen gesprochen…
Ich habe recht früh ein Gefühl für Magie entwickelt, während ich den größten Teil meiner Freizeit in den Wäldern verbracht habe. Wir haben den Hang dazu, Geschichten zu erfinden, um die Dinge um uns herum zu erklären, die wir nicht verstehen. So sind der Wald, die Berge und das Wetter Elemente, die mich zu Figuren und Geschichten inspiriert haben.
In meiner Kindheit habe ich viele Volksmärchen gelesen, Bücher aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen, die alle mein Verständnis der Welt definiert haben; eine metaphorische Sprache ist für mich die anschaulichste/deutlichste Sprache. Meine Träume sind auch sehr lebendig. Sie sind fast wie ein zweites Leben, in dem ich mich in der Nacht bewege. Die Vorstellungskraft in unseren Träumen ist grenzenlos, und einige meiner Figuren sind auch aus ihnen heraus entstanden. Ich schenke der Symbolsprache meiner Träume große Aufmerksamkeit und man findet sie oft in meinen Bildern, um meine Sicht der Welt zu übersetzen.

* Hast du einen persönlichen Lieblingsillustrator, eine Lieblingsillustratorin?
Es gibt so viele großartige IllustratorInnen! Aber ganz spontan denke ich an Sergio Toppi und seine Schwarz-Weiß-Arbeiten, seine unglaublichen Kompositionen, den Stil und die Strukturen.

Hamelin

* Hörst du beim Illustrieren Musik oder Hörbücher, oder soll es lieber still sein?
Das hängt von dem Entwicklungsstand des Bildes ab. Wenn ich skizziere, definiere, entwerfe und anordne, dann muss ich vollkommen konzentriert sein. Sobald dieser erste Schritt getan ist, kann ich bei der Arbeit auch Musik hören, aber nichts mit Gesang.
Wenn ich dann male, höre ich gerne Hörbücher oder Musik, die zu dem, was ich male, passt. Ich kann dann sogar nebenher ein Telefonat führen, so lang ich mehr zuhören als selbst kommunizieren muss. Aber mein Favorit sind lange Hörbücher, solche, in die ich ganz eintauchen kann und die das Bild bis zum Schluss begleiten, was manchmal 40 bis 50 Stunden bedeutet. Es ist schon komisch, denn manchmal schaue ich mir ein fertiges Bild Monate später an und spüre bei der Betrachtung bestimmter Bereiche des Bildes die Stimmung der Geschichte oder auch eine bestimmte Stelle der Geschichte wieder, die ich dabei gehört hatte.

* Hast du einen Lieblingsplatz zum Illustrieren?
Mein Atelier ist für mich der beste Platz zum Arbeiten. Es ist voller Licht, sehr ruhig und meine Nachbarn beklagen sich nicht darüber, wenn ich mitten in der Nacht den Fön benutze oder Hörbücher abspiele.

Blue Moon

* Wenn du gerade nicht illustrierst, was tust du dann gerne?
Spazieren gehen, unter den Sternen schlafen am Feuer, in einem Baum sitzen…

* Was macht für dich den Beruf des Illustrators aus?
Ein Bild zu erschaffen, das einem Text dient, ist eine sehr interessante Reise, und unterscheidet sich sehr von der spontanen Malerei. Das Zusammentreffen zweier Universen kann magisch sein, wenn die beiden gut zueinander passen. Ich habe kürzlich zwei Buchcover illustriert und habe das so genossen. Dem Gefühl, das mir diese Bücher gaben, im Bild Ausdruck zu verleihen, statt über den Inhalt zu sprechen, war eine wirklich anregende Aufgabe.

Clälio

* Was macht einen guten Illustrator/eine gute Illustratorin aus?
Ich schätze IllustratorInnen, die ein sehr persönliches und kreatives Universum schaffen, die aber ihre Talente in den Dienst der Geschichte und nicht des Bildes stellen.

* Hast du manchmal auch einfach keine Lust zu zeichnen/zu malen? Musst du dich dann motivieren? Und wenn ja, wie machst du das? Gibt es so etwas wie eine Schreibblockade auch bei IllustratorInnen? Also so eine Kreativblockade?
Ich kämpfe damit, die nötige Zeit zu finden, um alles zu tun, was ich tun möchte.
Das heißt, fehlende Motivation ist für mich nicht das Problem. Ich musste aber schon einige Male Pausen einlegen beim Zeichnen und es fiel mir recht schwer, wieder in die Arbeit zurückzufinden. Jemand hat mal gesagt, der einzige Weg, aus einer Kreativblockade herauszukommen ist, sich selbst dort wieder herauszuzeichnen.
Das kann ich nur bestätigen.

Dusk Guardian 

Javi Gámez

Autor und Illustrator aus Spanien

Instagram: @javi_gamez_alsbram

 


* Warum bist du Illustrator geworden?
Wegen der Geschichten. Ich habe stets gezeichnet, um Geschichten zu erzählen.
Ich illustriere meine Bücher selbst, meine Animationsprojekte und meine Comics. Da war immer das Bedürfnis in mir, meine innere Welt mit anderen zu teilen. Manchmal mit Bildern, manchmal mit Worten, manchmal mit Animation. Alles, was ich in meinem derzeitigen Leben tue ist miteinander verbunden. Das Comiczeichnen hat mich zum Schreiben gebracht.
Das Schreiben hat mich zur Animation geführt. Und die Animation brachte mich zum Unterrichten - was mich am allerglücklichsten macht.

* Wie sieht so ein Arbeitstag bei dir aus?
Am Vormittag schreibe oder zeichne ich. Ich versinke in meinen Projekten, visuelle Geschichten, mit denen ich andere inspirieren möchte. Am Nachmittag helfe ich meinen Studierenden, ein Stück weiter zu kommen mit ihrem "unmöglichen Traum", als Kreative Geld verdienen zu können. Andere auf ihren Weg zu bringen ist mein Lebensziel.

* Gibt es IllustratorInnen, die dich beeinflusst haben/beeinflussen?
Ich habe mit dem Comiczeichnen begonnen. Dabei hatte den größten Einfluss auf meine Arbeit Alan Davis. Seine Kunst ist subtil, emotional und bahnbrechend. Nach der Uni trat die Animation in mein Leben. Und ich erkannte, dass alle Stile dieser Welt mir etwas beibringen können.

* Was war deine allererste Illustration?
Wow… Ich erinnere mich nicht, denn ich zeichne seit meiner Kindheit. Aber ich beginne mit der Illustration sozusagen immer wieder ganz von vorn, probiere neue Stilarten, Techniken, Werkzeuge aus. Wenn man sich meine Arbeiten im Netz anschaut, wird man viele "erste Illustrationen" entdecken. Durch das stetige Ausprobieren von immer wieder Neuem fühle ich mich als Künstler lebendig.

* Was inspiriert dich? Woher kommen die Ideen?
Das Leben inspiriert mich! Ich muss zugeben, dass ich die gefürchtete "Kreativblockade" bisher nicht erfahren habe. Das Leben liefert mir jede Menge Ideen, manchmal sogar zu viele. Ich sammle in meinem Mobiltelefon täglich Ideen für Geschichten, Anekdoten, Figuren, alle möglichen Details…

                  Sirius Black

* Hast du einen persönlichen Lieblingsillustrator, eine Lieblingsillustratorin?
Derjenige, dessen Kunst mir am meisten beigebracht hat, ist Nathan Fowkes, ein Concept Artist, der im Filmbereich arbeitet und der mich alles gelehrt hat, was ich über Farbe, Licht und Komposition weiß.

* Hörst du beim Illustrieren Musik oder Hörbücher oder soll es lieber still sein?
Wenn ich zeichne, lasse ich nebenher meist einen Film oder eine Serie laufen.
Ich verschlinge Geschichten! Aber wenn ich schreibe, dann höre ich Musik. Filmmusik.

* Gibt es eine Wunschgeschichte, die du gerne mal illustrieren würdest?
"Die unendliche Geschichte" war das erste Buch, das mich gefesselt und mich zum Träumen gebracht hat. Es ist immer noch das Buch meines Lebens.

Staubfinger

* Gibt es eine Illustration, auf die du besonders stolz bist?
Die habe ich noch nicht gezeichnet… Ich bin sehr anspruchsvoll, was meine Arbeit betrifft Haha!

* Wenn du gerade nicht illustrierst, was tust du dann gerne?
Dann findet man mich im Kino oder in einem Comic-Laden. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Geschichten.

* Was macht für dich den Beruf des Illustrators aus?
Ich bin ein Geschichtenerzähler, manchmal erzähle ich mit Bildern, manchmal mit Worten. Das Wichtigste für mich, wenn ich kreativ arbeite, ist die Bedeutung der Geschichte.
Ich möchte die LeserInnen zum Träumen bringen und faszinieren. Das Bild spielt dabei eine wichtige Rolle. Deshalb illustriere ich meine Bücher immer selbst. Und deshalb bekommt jedes illustrierte Buch einen anderen Stil, weil jede Geschichte einen anderen Look braucht. Vorstellungskraft ist kein abgeschlossener Raum, sondern ein unendliches Universum.
Und ich liebe es, das zu erkunden.

 

Marieke Nelissen

Illustratorin aus 's-Hertogenbosch, Niederlande

Website: https://www.lepetitstudio.nl

 


* Warum bist du Illustratorin geworden?
Das Entwerfen und Gestalten liebe ich, seit ich denken kann.

* Wie sieht so ein Arbeitstag bei dir aus?
Wenn ich die Kinder zur Schule gebracht habe, gehe ich in mein Atelier. Das ist ein Raum bei mir Zuhause. Ich weiß immer recht genau, was ich an dem Tag tun möchte, so dass ich gleich anfangen kann. Die ersten Stunden sind sehr kostbar, denn da ist meine Konzentration am besten. Um die Mittagszeit mache ich mir etwas zu essen und nehme mir eine halbe Stunde Auszeit. Danach gehe ich für zwei Stunden zurück an die Arbeit, bis die Kinder von der Schule abgeholt werden müssen. Den Rest des Tages "schwimme ich mit dem Strom".
Es kommt darauf an, was die Kinder machen möchten. Meist lese ich meine Emails, erledige ein wenig Verwaltungsarbeit und plane den nächsten Tag. Manchmal möchte ich aber auch eine Illustration fertigstellen und arbeite dann daran weiter bis zum Abendessen. Den Rest des Abends entspanne ich.

Illustration aus "Het verlangen van de prins", erschienen 2020 im Gottmer Verlag

* Gibt es IllustratorInnen, die dich beeinflusst haben/beeinflussen?
Großen Einfluss auf meine Arbeit haben Rébecca Dautremer und Shaun Tan. Aber ich schaue mir auch viele andere IllustratorInnen an. Ich denke, von allen werde ich ein bisschen beeinflusst.

* Was inspiriert dich? Woher kommen die Ideen?
Die größte Inspiration für mich ist die Natur.



* Hast du einen persönlichen Lieblingsillustrator, eine Lieblingsillustratorin?
Ich fürchte es gibt zu viele davon, um sie hier zu nennen. Es verändert sich auch ständig.
Ich schätze, es hängt auch davon ab, wo ich mich gerade in meiner Entwicklung befinde.

* Hörst du beim Illustrieren Musik oder Hörbücher oder soll es lieber still sein?
Oh ja, ich höre dabei sehr gerne Filmmusik.

Illustration aus "Het verlangen van de prins", erschienen 2020 im Gottmer Verlag


* Hast du einen Lieblingsplatz zum Illustrieren?
Mein Atelier. Es ist klein, gemütlich und ich habe es mir über die Jahre mit allerlei Kommoden und Schränkchen für meine Materialien und Illustrationen perfekt eingerichtet.

* Gibt es eine Wunschgeschichte, die du gerne mal illustrieren würdest?
Ich liebe Volksmärchen. Ich habe durch die Arbeit meines Vaters viele verschiedene Kulturen kennengelernt. Ich mag die geheimnisvolle Atmosphäre, die Geschichte dahinter, das Unerwartete.

Illustration aus "De tovenaar van Oz", erschienen 2019 im Verlag Lemniscaat

* Gibt es eine Illustration, auf die du besonders stolz bist?
Das ist eine, die noch nicht veröffentlicht wurde. Über einen Waldgeist und einen ziemlich frechen Igel.

* Wenn du gerade nicht illustrierst, was tust du dann gerne?
Ich schaue mir gerne Filme an. Ich bin ein großer Fan der Wes Anderson Filme. Und ich lese viel und gehe gerne spazieren im Wald und am Meer.

Illustration aus "De tovenaar van Oz", erschienen 2019 im Verlag Lemniscaat

* Was macht für dich den Beruf des Illustrators aus?
Alles ist möglich in der Illustration.

* Was macht deiner Meinung nach einen guten Illustrator/ eine gute Illustratorin aus?
Man sollte dem Auftraggeber/ der Auftraggeberin aufmerksam zuhören und fähig sein, seinen/ihren Wunsch umzusetzen, ohne die Freiheit der eigenen Kreativität zu verlieren.

* Hast du manchmal auch einfach keine Lust zu zeichnen/zu malen? Musst du dich dann motivieren? Und wenn ja, wie machst du das? Gibt es so etwas wie eine Schreibblockade auch bei Illustratoren? Also so eine Kreativblockade?
Aber sicher. Manchmal überwältigt mich die Arbeit anderer IllustratorInnen und ich fühle mich mittelmäßig und verloren zwischen all diesen wunderbaren Kreativen. Wenn ich einen schlechten Tag habe, zwinge ich mich nicht dazu zu zeichnen. Ich tue etwas anderes, was mich entspannt oder ablenkt. Das kann simple Hausarbeit sein oder ein Spaziergang.
Meist rücken die Dinge wieder ins richtige Licht, wenn man sie ein bisschen loslässt.

Illustration aus "Verhalen van de Fladdertak", Mariekes aktuelles Buchprojekt, noch nicht veröffentlicht

 

Gediminas Pranckevičius

Illustrator aus Vilnius, Litauen

Website: http://www.gedomenas.com

 


"Ich bin freiberuflicher Illustrator und lebe und arbeite in Vilnius, der Hauptstadt von Litauen. Ich illustriere Kinderbücher, Buchcover und Musikalben, arbeite für Videospiel- und Filmprojekte.



Geboren wurde ich in Panevezys, einer kleinen Stadt in Litauen. Ich denke, die Kunst und ich kamen zusammen, als ich als Kind meinen Onkel besuchte. Er besaß viele unvollendete Ölbilder. Der Geruch von Ölfarbe war immer in meiner Nase. Ich habe auch oft das Theater besucht, weil meine Großmutter dort als Platzanweiserin arbeitete. Ich erinnere mich noch an die Bilder einzelner Szenen, die dramatisch beleuchtet aus dem Dunkel auftauchten. Meine Mutter arbeitete in der Verwaltung des Orchesters und eines Maskentheaters für Kinder. Ich schätze, dieses Umfeld war der perfekte Ausgangspunkt für meine berufliche Laufbahn.

Ich war kein sonderlich guter Schüler, aber ich liebte es zu zeichnen. Folglich besuchte ich die Kunstschule und später auch die Kunstakademie in Vilnius, was mir half, mich für die Freskomalerei zu entscheiden, denn es gab dort viele Mädchen und irgendjemand musste ja den Putz anrühren

Nachdem ich meinen Abschluss gemacht hatte, arbeitete ich für ein Kino. Es war nicht so ganz das, wofür ich ausgebildet wurde - das Entwerfen von Popcorn-Werbebroschüren - also kündigte ich nach einer Weile meinen Job, um meine wirkliche Leidenschaft zu verfolgen.



Mich inspirieren die Gemälde alter Meister, digitale Kunst, das Leben, die Musik, die Stille. Wenn ich arbeite, versuche ich, meine Idee langsam zu entwickeln. Keine Eile. Währenddessen höre ich Musik, um in die richtige Stimmung zu kommen. Ich freue mich sehr, wenn der Betrachter meiner Arbeit dasselbe empfindet wie ich beim Illustrieren."


 

Evgenia Malina

Illustratorin aus Woking, England

Website: https://www.evgeniamalina.com

 


* Warum bist du Illustratorin geworden?
Ursprünglich dachte ich darüber nach, Restauratorin oder Karikaturistin zu werden, aber dann ging das mit dem Digitaldruck los und ich begann meine berufliche Laufbahn als Grafikdesignerin. Das war eine großartige Erfahrung. Ich habe viel gelernt und wunderbare Menschen kennengelernt. Aber es war nicht so recht das, was ich wollte. Ich mag es, Figuren und Emotionen zu zeichnen, und ich beobachte gerne Menschen und Tiere, wie sie sich bewegen und wie sie miteinander interagieren. Heutzutage können IllustratorInnen für jeden arbeiten, überall auf der Welt, und sie können ihre Arbeit mit nur einem Klick zu den AuftraggeberInnen schicken, was ganz fantastisch ist. Also habe ich mich entschieden, zur Illustration zu wechseln. Und hier bin ich nun und erschaffe Welten in meinem kleinen Atelier mit Blick in den Garten.

* Wie sieht so ein Arbeitstag bei dir aus?
Ich genieße das Privileg, von zu Hause aus zu arbeiten, also beginne ich meinen Arbeitstag spät, nach einer angenehmen und gemütlichen Routine, die mir hilft, in die richtige Arbeitsstimmung zu kommen. In der Regel mache ich mir am Tag vorher einen Plan. Erstaunlicherweise beinhaltet der Großteil meiner Arbeit nicht das Zeichnen. Marketing, Recherche und Promotion in den sozialen Medien beanspruchen die Hälfte der Zeit.
Ich teile mir das Atelier mit meinem Lebensgefährten. Zum Glück ist er kein Künstler und benötigt daher nicht so viel Raum wie ich es tue, mit all meinen Arbeitsmaterialien
Um die Mittagszeit gehen wir oft im nahe gelegenen Park spazieren. Ich arbeite meist bis 8:00 Uhr abends, um noch Zeit zu haben, fürs Abendessen, um einen Film zu schauen oder ein Buch zu lesen. Vor der Corona-Zeit ging ich oft zum Skizzen zeichnen. Es fühlt sich an, als sei das eine Ewigkeit her.

Illustration aus Evgenia Malinas "Foxotherapy" Kalender 2019

* Gibt es IllustratorInnen, die dich beeinflusst haben/beeinflussen?
Alle IllustratorInnen, die ich bewundere, beeinflussen mich. Ich liebe Illustrationen, die spontan aussehen und ein bisschen "kindisch". Ich lerne von den Arbeiten von Beatrice Alemagna, Quentin Blake, May Miturich, Isabelle Arsenault, Anita Jeram, Tove Jansson und vielen anderen. Ich sammle Illustrationen auf Pinterest und beschäftige mich noch eingehender mit denen, die mir am besten gefallen.

* Was war deine allererste Illustration?
Das war sehr wahrscheinlich der Comic, den ich mit 8 oder 9 Jahren gezeichnet habe.
Er handelt von meinem Großvater, wie er unsere Küchenmöbel zusammenbaute. Das hat ihn total vereinnahmt. Er sprach sehr emotional mit Schrauben und anderen Bauteilen, nahm ausdrucksstarke Posen ein und vergaß dabei, dass ich auch mit im Raum saß. Wie sich diese kleine Geschichte direkt vor mir abspielte, konnte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, sie zu zeichnen. Die Reaktion meiner Familie war unbezahlbar. Zum ersten Mal realisierte ich, dass meine Zeichnungen Menschen zum Lachen bringen konnten, und mein Großvater lachte auch. Meine Mutter hat dieses "Meisterwerk" immer noch in ihrer Sammlung.

Evgenia Malinas "Oscar"

* Was inspiriert dich? Woher kommen die Ideen?
Ich weiß nicht, ob man es Inspiration nennen kann. Jedes neue Projekt beginnt mit Recherche: Bilder, historischer Hintergrund der Geschichte, ich spiele mit verschiedenen Techniken, wähle die Farben. Dann brauche ich oft eine Pause, um all das zu verarbeiten. Danach weiß ich meist, wie ich anfange. Manchmal sehe ich es aber auch schon von Anfang an vor mir ohne zu wissen, woher es kommt. Irgendwelche Erfahrungen aus meinem Leben, schätze ich.

* Hörst du beim Illustrieren Musik oder Hörbücher, oder soll es lieber still sein?
Das hängt vom Auftrag ab, an dem ich arbeite. Ich schreibe das hier und andere Texte in aller Stille, höre dabei nur den Vögeln zu, die vorm Fenster zwitschern. Manchmal höre ich auch neutrale Hintergrundmusik. Davon gibt es einiges auf YouTube, wie zum Beispiel auf dem Chillhop Music Kanal.

Illustration aus dem "Bear Hugs" Kalender 2018

* Hast du einen Lieblingsplatz zum Illustrieren?
Mein wichtigster Arbeitsplatz ist das Atelier. Manchmal nehme ich meinen Laptop und bewege mich an einen anderen Platz im Haus, in die Küche oder ins Wohnzimmer, einfach um Abwechslung zu haben. Es gibt im sonnigen Wohnzimmer eine große Verandatür.
Ich denke, das wird mein Lieblingsplatz für den Sommer.

* Gibt es eine Wunschgeschichte, die du gerne mal illustrieren würdest?
Etwas Unbeschwertes, Lustiges, zeitlos, freundlich und weise.

Illustration aus Evgenia Malinas Projekt, in dem sie zum Ausdruck bringt, was während der Corona Quarantäne so alles passiert.

* Gibt es eine Illustration, auf die du besonders stolz bist?
Sie sind alle meine Kinder und ich liebe jede von ihnen. Andererseits lerne ich mit jedem Auftrag, jedem Projekt dazu und ich verbessere mich. Und wenn ich auf einige meiner Bilder zurückblicke, sehe ich, was ich hätte besser machen können. Ich mag die Fuchsbande, die ich für den Foxotherapy Kalender entworfen habe, aber wenn ich sie heute anschaue, möchte ich einiges daran überarbeiten, und das werde ich wahrscheinlich auch tun.

* Wenn du gerade nicht illustrierst, was tust du dann gerne?
Ich würde sofort das Reisen nennen, aber nicht in diesen Tagen der weltweiten Quarantäne. Schmökern, beobachten, lesen. Ich lese sehr gerne Memoiren und Geschichtliches.
Ich schaue mir Interviews mit IllustratorInnen und Atelierbesuche an. Und ich mag Kochen. Das ist auch ein kreativer Prozess, wenn es nicht zur Alltagspflicht wird.

Illustration aus Evgenia Malinas "Owlasanas" Kalender 2020          Illustration aus Evgenia Malinas "Owlasanas" Kalender 2020          Illustration aus Evgenia Malinas "Owlasanas" Kalender 2020


* Was macht für dich den Beruf des Illustrators aus?
Ich habe darüber nie nachgedacht, bis ich selbst mit der Illustration begann. Illustrieren ist wie einen Film drehen, nur dass du das gesamte Filmteam in einer Person bist.
Du kümmerst dich um Casting, Kostüme, Ausstattung, Kameraperspektive, Stil, Farbgebung. Jedes Projekt ist eine andere Reise, aufregend und faszinierend. Da gibt es immer wieder Neues zu entdecken und Neues zu lernen.

* Was macht einen guten Illustrator/eine gute Illustratorin aus?
Vorstellungskraft, Neugier und Übung.

* Hast du manchmal auch einfach keine Lust zu zeichnen/zu malen? Musst du dich dann motivieren? Und wenn ja, wie machst du das? Gibt es so etwas wie eine Schreibblockade auch bei IllustratorInnen? Also so eine Kreativblockade?
Die gibt es, ja. Manchmal ist es nur Müdigkeit. Dann helfen meist Schlaf, gutes Essen und ein Spaziergang. Wenn es das nicht ist, verschwende ich einfach weiter Papier, bis irgendwann dann doch das gewünschte Bild erscheint.

Evgenia Malinas "Oscar"

 

 

Julia Nüsch

Illustratorin aus Hamburg

Website: https://julianuesch.de


Foto: Hannes Lintschnig

* Warum bist du Illustratorin geworden?
Als Kind kannte ich das Wort Illustratorin zwar nicht, aber Geschichten wollte ich immer erzählen und auch stets mit Bildern. Gezeichnet habe ich auch schon immer.

* Wie sieht so ein Arbeitstag bei dir aus?
Wenn ich einen Auftrag bekomme, bin ich anfangs sehr aufgeregt und habe so etwas wie Lampenfieber. In meinem Atelier sitze ich manchmal Tage lang vor einem leeren Blatt.
Meist kümmere ich mich dann erst einmal um meine Grafik-Aufträge und skizziere nebenbei auf allen möglichen Papierschnipseln oder auf Rückseiten von Rechnungen etc. Irgendwann traue ich mich zurück an meinen Zeichentisch, meistens kommen dann die Inspirationen von selbst. Ich habe zwei Tische, einen zum Zeichnen und für meine Wasserfarben und einen mit Blick auf den Deich für meine Computerarbeiten und aus dem Fenster träumen. Wenn ich dann so richtig drin bin, höre ich auch nicht mehr auf zu zeichnen. Oft arbeite ich bis tief in die Nacht und übernachte dann auch manchmal auf dem Sofa in meinem Atelier.

* Gibt es IllustratorInnen, die dich beeinflusst haben/beeinflussen?
Ja, sehr viele. Ich sammle schön illustrierte Bücher und liebe die Inspiration. Als Kind habe ich mir immer und immer wieder die Zeichnungen meines Vaters angesehen. Das hat mich sehr geprägt und in mir den Wunsch geweckt, eines Tages auch so schön zeichnen zu können.

* Was war deine allererste Illustration?
Als Kind habe ich gemeinsam mit meiner Schwester all unseren Hörspielkassetten neue Cover verpasst. Oft hatten wir die Originale einfach verloren. Von Bibi Blocksberg, Benjamin Blümchen, Heidi bis zu Momo und Jim Knopf war alles dabei. Im Campingurlaub an der Ostsee habe ich den Fußboden unseres Vorzeltes mit aneinandergeklebten DIN A4 Bögen ausgelegt und zeichnete eine riesige Unterwasserwelt mit unzähligen Wesen, die ich vorher ausschnitt. Jahre später haben wir noch kleine Papier-Meerjungfrauen und unzählige Ungeheuer in allen möglichen Ecken gefunden. Allerdings weiß ich nicht mehr, was zuerst war, Kassetten oder Unterwasserwelt.


Illustration aus "Der Kaufmann von Venedig" (erschienen im Kindermann Verlag, Berlin)

* Was inspiriert dich? Woher kommen die Ideen?
Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal träume ich was Schönes, manchmal sind meine Augen so schlecht, dass ich Gesehenes falsch interpretiere und dadurch auf ganz neue Ideen komme. Wenn es um einen konkreten Auftrag geht, erzähle ich mir im Kopf immer wieder die Geschichte und wünsche mir ganz doll, dass ich einen Einfall bekomme. Irgendwann kommt er dann.

* Hast du einen persönlichen Lieblingsillustrator, eine Lieblingsillustratorin?
Oh, unzählige.

* Hörst du beim Illustrieren Musik oder Hörbücher, oder soll es lieber still sein?
Ich darf mich beim Zeichnen überhaupt nicht auf meine Arbeit konzentrieren, sonst wird das nichts. Ich muss immer halb abgelenkt und am besten tief versunken in Geschichten sein.
In meinem Atelier läuft ständig ein Hörbuch, ein Video oder eine Serie im Hintergrund.
Meist schaue ich die dann zwar nicht, aber stelle mir die Bilder beim Zuhören vor.


Illustration aus "Der Kaufmann von Venedig" (erschienen im Kindermann Verlag, Berlin)

* Hast du einen Lieblingsplatz zum Illustrieren?
Ja, meinen Zeichentisch im Atelier. Einige Bilder habe ich auch an der Ostsee gezeichnet,
als es windstill war. Das war schön, aber die Bedingungen sind zu selten so gut.


Julias Arbeitsplatz

* Gibt es eine Wunschgeschichte, die du gerne mal illustrieren würdest?
Oh ja. Eine Geschichte von Michael Ende wäre schön. Oder Pippi Langstrumpf oder ein Märchen oder, oder… Ein großer Wunsch geht gerade in Erfüllung, denn ich arbeite an Illustrationen zu einer eigenen Geschichte, die im Frühjahr 2021 erscheinen wird.
Verträumt und/oder witzig muss eine Geschichte sein. Dann bekomme ich sofort Lust, sie zu illustrieren. 

* Gibt es eine Illustration, auf die du besonders stolz bist?
Ja, meinen Panther finde ich auch selber sehr schön und denke immer: 'Habe ich das gemalt?' Den Prinzen von Marokko und den Dogen aus "Der Kaufmann von Venedig" mag ich auch.


Illustration aus "Der Panther" (erschienen im Kindermann Verlag, Berlin)

* Wenn du gerade nicht illustrierst, was tust du dann gerne?
Schlafen, wandern, reisen, baden, schwimmen und Geschichten erfinden.

* Was macht für dich den Beruf des Illustrators aus?
Das Geschichten erzählen mit Bildern, die beim Lesen vor dem inneren Auge entstehen. Diese dann aufs Papier zu bringen, ist die Herausforderung. Manchmal ergibt sich dabei auch etwas ganz Neues, das ist dann für mich selber spannend. Vielleicht ist das vergleichbar mit Töpfern. Es schält sich peu a peu eine Form heraus.
Mein Gefühl dabei ist, als würde sich die Illustration selbst erschaffen.
Ich selber habe damit gar nicht mehr viel zu tun.

* Hast du manchmal auch einfach keine Lust zu zeichnen/zu malen? Musst du dich dann motivieren? Und wenn ja, wie machst du das? Gibt es so etwas wie eine Schreibblockade auch bei IllustratorInnen? Also so eine Kreativblockade?
Ja, auf jeden Fall - und starke Blattangst, die Angst vor dem Anfangen.
Leider habe ich kein Gegenmittel dafür. Ich hoffe, das Rätsel kann ich irgendwann lösen.


Illustration aus "Der Panther" (erschienen im Kindermann Verlag, Berlin)

 

Jess McGeachin

Autor und Illustrator aus Melbourne, Australien

Website: https://drawthemoon.com

 

Jess McGeachin


* Warum bist du Illustrator geworden?
Abgesehen davon, dass ich schon immer gerne geschrieben und gezeichnet habe, habe ich auch Grafik Design an der Uni studiert. Vor ein paar Jahren erst wurde mir dann klar, dass es eine Möglichkeit gibt, jeden Tag zeichnen zu können - als Autor und Illustrator von Bilderbüchern! Meine Erfahrung als Designer ist dabei sehr hilfreich, wenn es um Bildaufbau und Text-Layout geht. Man lernt nichts umsonst.

* Wie sieht so ein Arbeitstag bei dir aus?
Ich arbeite Vollzeit, aber ich habe das Glück, hauptberuflich als Grafik Designer für ein Museum arbeiten zu können. In der Regel widme ich mich meinen Illustrationen abends oder an den Wochenenden. Ich beginne immer mit einer Liste und versuche, so viele Dinge wie möglich abzuhaken, bevor meine Hände müde werden.

* Gibt es IllustratorInnen, die dich beeinflusst haben/beeinflussen?
Viele! Ich bewundere einige der klassischen KinderbuchillustratorInnen wie
E. H. Shepard (Pu der Bär) und Judith Kerr (Ein Tiger kommt zum Tee). Und mich inspirieren fantastische zeitgenössische Illustratoren wie zum Beispiel Shaun Tan und Oliver Jeffers.

* Was war deine allererste Illustration?
Ich denke, das war sicher etwas, was ich in der Natur gezeichnet habe, eine Krabbe oder eine Muschel. Kinder sind sich oft nicht bewusst und auch nicht befangen, was sie zeichnen. Das ist etwas, was mir heute fehlt.

Illustration aus "Fly", erschienen im Penguin Random House Verlag, Australien

* Was inspiriert dich? Woher kommen die Ideen?
Die Natur inspiriert mich sehr. Ich versuche, mein Skizzenbuch so oft es geht bei mir zu haben, und ich zeichne einfach die Welt, die mich umgibt. Ich mag auch Sach- und Fachbücher sehr und arbeite oft mit ihnen.

* Hast du einen persönlichen Lieblingsillustrator, eine Lieblingsillustratorin?
Vielleicht bin ich ein wenig beeinflusst, aber eine der Künstlerinnen, die ich am meisten bewundere, ist meine Mutter. Sie hat lange als wissenschaftliche Illustratorin und Grafikerin gearbeitet und viel für Museen und Bücher gezeichnet.

* Hörst du beim Illustrieren Musik oder Hörbücher oder soll es lieber still sein?
Ich höre sehr gerne Podcasts, wenn ich zeichne, ganz besonders Kriminalgeschichten aus dem wahren Leben. Es ist schon komisch, dass ich oft an einer Kinderbuchillustration arbeite und mir dabei eine Grusel-Mordgeschichte anhöre - Ich denke aber nicht, dass das meine Kunst bisher beeinflusst hat

Illustration zu "Finn and the Stone Giant" (https://drawthemoon.com/finn)

* Hast du einen Lieblingsplatz zum Illustrieren?
Ich hab' ein kleines Studio in Melbourne mit Aussicht auf einen großen Park. Es ist ein wunderbarer Ort, um der Welt beim "Vorbeiziehen" zuzuschauen, ganz besonders den Hunden, die ihre Besitzer spazieren führen.

* Gibt es eine Wunschgeschichte, die du gerne mal illustrieren würdest?
Ich bin offen für alles. Aber ich habe eine Schwäche für Drachen…

* Gibt es eine Illustration, auf die du besonders stolz bist?
Ich habe einige Favoriten, aber da ist eine aus meinem Bilderbuch "Fly", die ich sehr mag.
Sie zeigt aus der Vogelperspektive eine große Schar fliegender Vögel und ich bin sehr glücklich über die Wirkung der Farben. Ich zeichne gerne interessante Blickwinkel und Perspektiven. Es erinnert uns daran, dass es viele verschiedene Wege gibt, die Welt zu betrachten.

Illustration aus "Fly", erschienen im Penguin Random House Verlag, Australien

* Was macht für dich den Beruf des Illustrators aus?
Mir gefällt der Gedanke, mit ein paar Bleistiftstrichen eine ganz neue Welt zu erschaffen. Menschen und Orte, die vielleicht nie existiert hätten, werden lebendig, für mich und andere - was könnte besser sein als das?

* Was macht deiner Meinung nach einen guten Illustrator/eine gute Illustratorin aus?
Ich denke, die besten IllustratorInnen erfinden sich ständig neu. Es kann bequem sein, immer wieder in ein und demselben Themenbereich zu bleiben oder mit den gleichen Materialien zu arbeiten, aber die besten KünstlerInnen, die ich kenne, versuchen immer etwas Neues, ob es funktioniert oder nicht.

* Hast du manchmal auch einfach keine Lust zu zeichnen/zu malen? Musst du dich dann motivieren? Und wenn ja, wie machst du das? Gibt es so etwas wie eine Schreibblockade auch bei IllustratorInnen? Also so eine Kreativblockade?
Es gibt definitiv eine Kreativblockade bei IllustratorInnen. Für mich ist der einzige Weg, sich da selbst wieder rauszuzeichnen - auch wenn das nur bedeutet, Kringel auf ein Blatt Papier zu kritzeln. Wenn man das lang genug tut, verwandeln die sich in etwas anderes.
Außerdem hilft mir starker Kaffee.

 

5 Kommentare

Julie am 20. Mai 2020

Ich bin begeistert.

Rosa am 11. Mai 2020

Absolut wundervoll und verzaubernd! Die Magie von Bildern und wie schnell man durch sie in fremde Welten tauchen kann, ist immer wieder überwältigend!

Tina am 7. Mai 2020

Total Interessant!

Goupi am 5. Mai 2020

Coole Idee

Dusan am 5. Mai 2020

Wirklich interessant, ob Illustratoren oder Autoren, sind beides Erschaffer von neuen Welten. Toll, dass es euch gibt.