X

Dienstag, der 12. Juni 2018

Eine Woche danach

 

Foto: Johannes-Maria Schlorke/Ozeaneum Stralsund

Am vergangenen Dienstag war der Tag der Umwelt. Seit 1974 ist das für die Vereinten Nationen der wichtigste Tag, um weltweit das Bewusstsein dafür zu stärken, dass es vor allem der Mensch selbst ist, der die Vielfalt und Stabilität der Umwelt bedroht, und dass wir uns alle mit diesem Bewusstsein aktiv für den Schutz unserer Umwelt einsetzen sollten.

Eigentlich sollte jeder Tag für uns ein World Environment Day sein, weil uns die Umwelt nicht einen Tag lang egal sein darf. Und wenn wir Menschen weiter so tun, als wären wir wichtiger als unsere Umwelt, dann zeigt das, wie wenig wir von uns selbst und unserer Umwelt wissen. Es zeigt, dass wir nicht verstanden haben, wie das Leben funktioniert. Wenn wir unsere Umwelt zerstören, zerstören wir auch uns selbst. Deshalb sollten wir jeden Tag auf unsere Umwelt so sehr achten, wie wir auf uns achten.

Aber was heißt schon Umwelt. Die Umwelt, das ist die Natur, das sind die Tiere, die Leute um uns herum. Aber zur Umwelt gehört auch alles, was wir zu unserer Umwelt gemacht haben. Straßen, Häuser, Fahrzeuge, Toaster, Suppenlöffel. Auch wir selbst sind für irgendjemand anderen die Umwelt. Wenn also Umwelt irgendwie alles ist, womit anfangen? Worauf achten? Was tun?

Müll am Strand des Addu Atolls der Malediven

Vielleicht erst mal genauer hinsehen. Das hat der britische Fernsehsender BBC mit seiner Dokumentation Blue Planet II getan. Präsentiert und erzählt von Sir David Attenborough, zeigt die Doku, wie sehr nicht nur alles Leben an Land schon von uns Menschen in Gefahr gebracht wurde, sondern auch alles Leben im Wasser. Ein großes Problem ist vor allem eine Sache, die wir alle jeden Tag benutzen. Weil diese Sache die Dinge für uns einfacher macht. Zumindest glauben wir das.

Die Sache ist: Plastik. Schaut euch mal um. Egal wo ihr gerade sitzt. Gibt es weniger als zehn, fünfzehn, zwanzig Gegenstände, in denen kein Plastik zu finden ist? Das Etikett in eurem T-Shirt, das Elasthan in eurer Hose, die Tastatur eures Computers, die Regenjacke am Haken im Flur, das Auto draußen vorm Fenster, die Packung vom Frischkäse, der Topf der Basilikum-Pflanze auf dem Fensterbrett, der Bilderrahmen im Regal, eure Haargummis, die Zahnbürste, der Wasserkocher …

Die Liste fände kein Ende. Weil das Plastik überall ist. Das Problem ist, es ist auch da, wo es nicht hingehört. Es ist auch da, wo es die Dinge nicht einfacher macht. Und es verschwindet dort nicht. Wie viel Plastik treibt mittlerweile in den Meeren? Habt ihr eine Vorstellung? Bis zu 13 Millionen Tonnen gelangen laut Greenpeace jährlich ins Meer. Schätzungen zufolge haben sich dort bereits mindestens 150 Millionen Tonnen angesammelt. Wenn es so weiter läuft wie bisher, werden bis 2050
12 Milliarden Tonnen Plastik in die natürliche Umwelt gelangt sein. Das entspricht dem Gewicht von 100 Millionen Blauwalen - 5000 mal mehr, als es aktuell überhaupt noch gibt. (Quelle: Greenpeace.org)

Eine Sumpfschildkröte gefangen in Plastik

Blauwale filtern Krill und andere Kleinstlebewesen aus dem Wasser und nehmen dabei auch große Mengen winziger Plastikteile auf. Die winzigen Plastikteile können die riesigen Wale langsam vergiften. Genauso schadet großer Plastikmüll ihnen und allen anderen Meerestieren. Sie fressen ihn nicht nur, sondern verheddern sich oftmals darin und können sich nicht mehr bewegen, verhungern langsam oder strangulieren sich mit dem Plastikmüll, der oft in riesigen Strudeln durchs Wasser treibt und niemals ganz zerfällt und verschwindet.

Seevögel vor der Küste von Mauretanien

Alles Plastik verbleibt für immer als Fremdstoff im Ökosystem, obwohl es oft nur einmal benutzt wurde. Die einzige Möglichkeit, die wir haben, dagegen etwas zu tun, dagegen, dass Fische, Vögel, Schildkröten qualvoll an unserem Plastikmüll verenden, ist, diesen Müll erst gar nicht zu produzieren, ist, auf Plastik zu verzichten. Das geht vielleicht nicht immer, aber es geht.

Versucht doch ab heute zum Beispiel:

* keine Plastiktüten mehr zu kaufen, wenn ihr einkaufen geht. Es gibt mittlerweile so viele schöne - und auch coole - Baumwolltaschen. Habt einfach immer eine kleingefaltet dabei. Oder nehmt den guten. alten Einkaufskorb.

Mikroplastik* Kauft euch einen Thermobecher für die nächsten "To Go" Kaffees, Tees oder Kakaos. Es werden jährlich mehr als 100 Millionen Tonnen Plastik allein nur für Einweg-Produkte wie Plastikgeschirr oder eben Coffee To Go Becher hergestellt.

* Mikroplastik steckt in vielen Körperpflegeprodukten und Kosmetika. Achtet in der Inhaltsliste mal auf Stoffe wie zum Beispiel Polyethylen, Polypropylen oder Nylon. Die flüssigen, wachs- und gelartigen Kunststoffe in Cremes und Lotionen gelangen täglich über Haushaltsabwässer in die Umwelt. Naturkosmetik kommt ohne Plastik aus.
Bei Greenpeace gibt es hierzu auch einen Einkaufshelfer: https://www.greenpeace.de/einkaufshelfer-mikroplastik

* Wenn ihr das nächste Mal an einem Strand seid, dann sammelt frei herumliegenden Plastikmüll ein und entsorgt ihn richtig. Geht voran und seid anderen ein Vorbild. Vielleicht bringt ihr ja auch andere zum Nachdenken.

* Und schickt uns gerne Bilder und Berichte von euren eigenen Aktionen (so klitzeklein sie auch sein mögen mail@corneliafunke.com

 

Beach Clean-up Aktion in Penghu, Taiwan

3 Kommentare

Feuerelfe am 6. Juli 2018

Guter Artikel! Und ich freu mich schon auf das Projekt, das wir jetzt hoffentlich starten . Ganz liebe Grüße, Feuerelfe

Danke, Feuerelfe!

Ewald Setzer am 14. Juni 2018

Irgendeine Taste hat mich im Kommentar unterbrochen. Wir vertrauen auf die Vereinbarung, die Staat und Industrie getroffen haben. Auf die Verpackung als solche haben wir keinen Einfluss, wir werden mit ihr konfrontiert. Der Einkauf mit Baumwolltaschen hilft da nur wenig, weil alle Lebensmittel und nahezu alle Artikel, die man, egal wo und bei wem, erwirbt mit Plastik umhüllt sind. Es gibt nur wenige Unternehmen, die auf Plastikverhüllungen verzichten. Ein anderes Problem sind die Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens. So habe ich seit Jahren versucht, einen Pfannenwender aus Metall zu kaufen, weil der alte aus Altersgründen seinen Dienst versagte. Im Handel gibt es nur Plastikgeräte in allen Farben. Jetzt habe wieder einen aus Metall: Leider aus China. Eine Lösung des Plastik-Problems lässt sich wohl nur durch entsprechende Steuer auf diese Produkte erreichen. Und da habe ich meine Zweifel, dass die Politik eine solch progressiven Schritt wagen wird.

Annelie am 13. Juni 2018

Ich finde es klasse, wie ihr euch für den Umweltschutz engagiert!