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Mondpfote

Sommertage, Winternächte

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Kapitel 1: Pferde und Botschaften

Bevor ihr die Geschichte lest, möchte ich bemerken, dass dies keine Geschichte nach meiner üblichen Art ist. Die Personen sind Fefgur Vesi (Finnin, 13 Jahre), Richard Griffiths (Finne, 19 Jahre). Das erste sowie letzte Kapitel spielt in Ljkaeidydd (gesprochen: Läkaididd, gibt es nicht wirklich). Das diese Geschichte etwas zäh sein könnte, liegt wahrscheinlich daran, dass es meine erste Kurzgeschichte ist. Trotzdem wünsche ich viel Spaß beim Lesen der Geschichte. Varo täysikuu! (Nimm dich vor dem Vollmond in Acht!)

Es war früher Morgen. Fefgur Vesi stand am Fenster. Die Sonne schien, der Himmel war blau. Schrecklich. Richard hatte ihr versprochen wiederzukommen, wenn es regnet. Sie hatten Sommer, nach Regen sah es einfach überhaupt nicht aus! Es war warm.

Sie zog ihre Reitsachen an, die braunen Lederstiefel und den Cowboyhut. Die langen kastanienbraunen Haare waren wie immer zu zwei Zöpfen geflochten. Sie stand auf und ging hinunter. Draußen auf der Koppel stand der Braune. Er konnte rein und raus, wann er wollte. Er schnaubte freudig, als Fefgur zu ihm ging. Sie stieg auf und beide machten sich los in den Wald. Als sie draußen im Wald ritten blieb der Braune plötzlich stehen. Ein Junge stand im Wald.

"He, du!", sagte er. "Heißt du Feffi?"

Er nannte sie bei ihrem Spitznamen.

"Ja", sagte sie schnell.

Er hielt ihr einen Zettel entgegen. Sie nahm ihn. Der Junge lief davon, Fefgur blieb alleine zurück. Vorsichtig entfaltete sie den Zettel.

Liebe Fefgur, Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich nicht zu dir kommen kann. Ich werde überall gesucht, man wird mich erschießen, wenn man mich findet. Die Arbeit wird immer gefährlicher. Pass auf und nimm dich vor dem Vollmond in Acht. In Liebe, Richard

Kapitel 2: Verspielt oder Die letzte Karte war die falsche

Richard saß in einer Höhle. Es war kalt, dreckig und er hatte seit zwei Tagen nichts mehr gegessen. Noch einmal prüfte er Pfeil und Bogen, dann verließ er die Höhle und ging in das nächste Dorf. Dort kannte man ihn nicht, niemand wusste, dass er gesucht wurde. Er bekam Essen, Trinken und neue Kleidung. Und wenig später saß er in einem Zug nach Ljkaeidydd.

Zu seinem Unglück kam genau jetzt eine Zugkontrolle. Der Zug wurde angehalten, niemand durfte rein oder raus. Verzweifelt suchte er nach einem Notausgang. Er wollte wenigstens noch einmal Fefgur sehen, bevor sie ihn erschossen. Da fand er die Lösung. In seinem Zugabteil war ein Dachfenster. Schnelle zog er die Vorhänge zu, öffnete das Fenster und stieg hinaus. Dann schloss er es so, dass er wieder hereinkonnte und legte sich flach, unsichtbar für die draußen Stehenden, auf das Zugdach.

Am Abend stand er bei Fefgur vor der Tür. Fefgur war überglücklich. Sie verbrachten den ganzen Abend miteinander. Dann fand er, es wäre Zeit zu gehen. Er trat ans Fenster. Draußen war es bereits dunkel, drinnen im Haus brannten noch immer die Lichter.

Er drehte sich um, schloss den Vorhang und trat auf Fefgur zu, welche hinter ihm stand. Ihre zwei geflochtenen Zöpfe waren wie immer kastanienbraun, aber ihre Augen waren nicht mehr grau, sondern blau. Trauer. Und er wäre nur zu gern noch geblieben. Aber er konnte nicht. Er wollte sie nicht in Gefahr bringen.

"Danke, Feffi. Ich hoffe wir sehen uns bald wieder. Und jetzt weißt du, was zu tun ist?"

"Ja", antwortete sie.

Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn, dann drehte er sich um und verschwand, zur Tür hinaus, hinein ins Dunkel der Nacht.

Sie sah ihm durch den Vorhang noch nach, bis die Dunkelheit ihn völlig verschluckte. Dann machte sie das Licht aus und ging nach oben. Sie hörte wie draußen Schüsse fielen und sie hörte Schreie. Und sie wusste, sie würde ihn nie wiedersehen.

Hatte er es nicht selbst gesagt? Nimm dich vor dem Vollmond in Acht.

Kommentar

unknown artist am 8. September 2018

okeeeeeeeey...