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Teresa Fünkchen

Feuer

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Ich habe diese Geschichte in Gedenken an all die Toten geschrieben, die es bei diesem schrecklichen Waldbrand in Griechenland gab. Ihr habt sicher davon gehört. Ich war ziemlich erschrocken und musste mir diesen Schock erstmal von der Seele schreiben. Es ist zwar keine schöne Geschichte, aber trotzdem viel Spaß beim Lesen.

„Los, beeil dich Sarah, komm schon.“

Sarah rannte schneller. Die Angst zerschnitt ihr die Brust. Sie wollte stehen bleiben, aber Tom zog sie weiter. Sie mussten die Klippen erreichen dann wären sie gerettet. Sie mussten einfach. Sie wollte nicht hier sterben, nicht hier in Griechenland. Sie wollte nach hause. Das Feuer hatte sie vollkommen überrascht, sie waren gerade beim Abendessen gewesen als es sie eingeholt hatte, die Schreie der Nachbarn hatten sie nach draußen gelockt. Seitdem waren sie gerannt aber Sarah konnte sich an fast nichts erinnern, nur an die Angst, die Schreie und Toms Hand in ihrer.                                                                                        

„Ich kann nicht mehr. Lass uns stehen bleiben. Es hat doch keinen Sinn.“ Sarah wollte nicht mehr, ihre langen, blonden Haare vielen ihr ins Gesicht und verbargen die Tränen vor Tom.

„Nein, wir schaffen das.“ In Toms Stimme hörte sie die eigene Angst aber er zog sie weiter auch wenn sie die Flammen schon im Rücken spüren konnte.

Als sie sich kurz umdrehte sah sie es. Wie eine große, heiße Wand kam es immer näher, entschlossen alles zu verschlingen was sich ihm in den Weg stellte. Da die Klippen. Erst jetzt nahm sie die vielen Gestalten um sich herum wahr die ebenfalls vor dem Feuer flüchteten und auf die rettenden Klippen zurannten. Frauen, Kinder, Männer und alte Leute. Selbst Hunde und Katzen in den Armen ihrer Besitzer suchten Zuflucht vor dem allzu nahen Tod. Aber sie alle hatten erstarrte, angstvolle Gesichter. Sie schrien und redeten auf Griechisch und Sarah fühlte sich so verlassen und einsam wie noch nie.

„Wo ist der Pfad? Der Pfad der die Klippen runter führt. Sarah hilf mir doch.“ Ja hier irgendwo musste es einen Pfad geben, klein und unscheinbar aber ein Pfad. Nur so konnte man die Klippen herunter an den Strand, das hatte der alte Fischer ihnen auf Englisch klar gemacht bei dem sie vor ein paar Tagen Fisch gekauft hatten. Aber der Rauch trieb ihnen Tränen in die Augen und setzte sich in Sarahs Brust fest dass sie fast erstickte. Er vernebelte alles und man konnte kaum noch etwas sehen sie spürte nur Toms schweißgebadete Hand in ihrer. Tom zog sie weiter, einfach auf die Klippen hinaus in der Hoffnung durch Zufall auf den richtigen Weg zu gelangen. Doch auf einmal versperrten Flammen ihnen den Weg, Sarah konnte inzwischen kaum noch atmen. Sie drehten um doch in welche Richtung sie sich auch wendeten das Feuer war überall.

Eingekreist. Ihr Verstand konnte es immer noch nicht ganz begreifen. Um sie herum immer noch Schreie der anderen. Sarah rutschte auf dem Felsen ab und verlor Toms Hand. Sein Schrei gellte durch die Dunkelheit und das Feuer. „SARAH!“ Sie rappelte sich auf, lief blind durch den Rauch und es war ein Glück das sie ihn irgendwie wiederfand. Das Feuer trieb sei immer weiter zusammen, selbst wenn sie den Pfad gefunden hätten wären sie nicht durch das Feuer gekommen. Vielleicht würde das sterben nicht so weh tun wenn der Rauch sie vorher erstickte. Tom zog sie zu sich heran und küsste sie auf die Lippen. So leidenschaftlich, so voller Liebe wie er es vielleicht noch nie getan hatte. Sie erwiederte seinen Kuss. Ein letztes mal. Sarah sah ihn an. Tom. Ein letztes mal für die Ewigkeit. In seinen Augen spiegelten sich alle Wünsche und Träume wieder die sie selbst hatte. Kinder. Ein Haus. Ein glückliches Leben zusammen.

„Tom.“ Sie flüsterte seinen Namen und legte alle Liebe hinein die sie hatte. Sie blickten sich in die Augen bis das Feuer sie eingeholt hatte. Die Stimmen der Leute um sie herum waren nicht mehr da. Das letzte was Sarah spürte war Hitze, Rauch und Toms Liebe in ihr drin. Dann war es vorbei.

Philipo stand da wie erstarrt. So viele Tote. Der Schock saß ihm in allen Gliedern. Er war der Führer des Rettungskommandos und hatte Tote erwartet, aber nicht so viele. Sie alle hatten an den Strand gewollt aber die Klippen und das Feuer waren ihr sicherer Tod gewesen. Philipo sank auf einen Stein, dass er voller Asche war störte ihn nicht. Tränen stiegen ihm in die Augen. So viel Leid, so viele vergangene Leben. Ihm wurde bewusst wie viel Glück er hatte zu überleben. Er hoffte so etwas nie wieder sehen zu müssen. In den Wäldern waren sie immer noch damit beschäftigt die Waldbrände zu löschen die sich so schnell und unkontrolliert ausgebreitet hatten. Die Hitze war daran Schuld gewesen und er verfluchte die Wochen ohne Regen bei 39 Grad. So viele Menschen wurden noch vermisst und Philipo fühlte sich so hilflos dass er am liebsten weggelaufen wäre wie ein kleines Kind. Er schaute hinaus aufs Meer seine Pflicht hatte er vergessen. „Gute Reise.“, flüsterte er und dachte dabei an all die Toten und ihre Seelen die hoffentlich irgendwo ankommen würden. Wo auch immer das war.

Kommentar

Arya am 26. Oktober 2018

Sehr schön. Und traurig!