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Joachim Steinhagen

Aus dem Leben eines Leuchtturms

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Zwei an, drei aus, zwei an, drei aus, zwei an, acht aus. Oder auch LFl (3) WR 20s. Das ist meine Kennung. Leuchtfeuer Nordmarsch. Das ist mein Name.

Etwas einsam, aus rotem Mauerwerk und doch nicht allein stehe ich seit Oktober 1902 auf der Hallig Langeness und weise den Schiffen als Leit- und Quermarkenfeuer den Weg durch die Nord- und Süderaue. Mit einer Bauwerkshöhe von 11,50 Metern und einer Feuerhöhe von 13,20 Metern über dem mittleren Tidehochwasser kann man mich bis zu 14 Seemeilen sehen. Aber nur eine Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang.

Die Kriegswirren des Jahres 1916 ließen es leider zu, dass ich durch eine Seemine erheblichen Schaden erlitt. Hinzu kam, dass ich nicht gleich saniert werden konnte, weil den Menschen auf der Hallig die Mittel hierfür fehlten. So stand ich dann ein wenig schief in der Gegend. 1928 wurde die Böschung in der Nähe der Warft, auf der ich stehe, durch einen Sturm beschädigt. Ich drohte zu kippen. Provisorisch wurde die Böschung mit Buschwerk saniert. Den bald folgenden zweiten Weltkrieg habe ich weitgehend unbeschadet überstanden, doch ich sollte nicht auf ewig in der Schieflage stehen. So wurde im Frühjahr 1953 meine Außenhaut mit Radialziegeln verblendet und meine Schieflage dadurch zum größten Teil behoben. Dennoch nagen seitdem die Einflüsse des Meeres an mir. Die salzhaltige Luft und auch die immer wiederkehrenden Sturmfluten tragen dazu bei. Aber ich stehe gerne hier. Denn ich weiß, dass die Menschen ohne mich nicht die Sicherheit erfahren würden, die sie bräuchten.

Irgendein Mensch hat mal gesagt, dass wir Freunde wären. Vielleicht bin ich ja ein Freund der Menschen. Freundschaft ist wie ich. Denn man kann mich am Tage weithin sehen, doch mein wahrer Zweck wird erst offenbar, wenn ich bei Sturm leuchte und sich die Nacht über allem senkt.

3 Kommentare

Joachim am 5. Dezember 2018

@ Teresa Fünkchen: Wie ich dazu gekommen bin? Ich hatte einfach so die Idee mal was anderes zu schreiben. Es gibt ja viele Genres und das ist wohl so eine Art Fantasie-Geschichte. "Normal" schreibe ich auch gerade ein einem Krimi. Das ist aber ein längerer Prozess. Es freut mich aber das diese kleine Geschichte hier ihren Platz gefunden hat und sich auch schon jemand kritisch damit auseinander gesetzt hat. Mal sehen was ich noch so alles entwickeln werde. An eine Fortsetzung hatte ich hierfür bisher nicht gedacht, aber wer weiß... Vielen Dank.

Teresa Fünkchen am 4. Dezember 2018

Wie bist du denn auf die Idee gekommen??? Versuch doch mal über etwas "normaleres" zu schreiben, ich denke du hast Talent...

Weihnachtsmaus am 4. Dezember 2018

Sehr schöne Geschichte!!! Ich hoffe es gibt eine Fortsetzung