Percy

Noch ohne Titel

Kapitel 1: Mitternacht

Rob schmiss seinen Kugelschreiber frustriert in die Ecke seines Zimmers. Seine Englischlehrerin hatte ihm als Strafe für sein „Benehmen im Unterricht“ einen dreißig minütigen Vortrag aufgebrummt und seitdem hockte er schon seit sechs Stunden in seinem Zimmer und kam nicht einmal ansatzweise über die zehn Minuten heraus. Kurzerhand beschloss er, frische Luft zu schnappen, trat auf den Wohnungsflur, zog sich an und drehte den eisernen Türknauf zum Treppenhaus auf. Es war schon dunkel, weshalb im Treppenhaus überall Lampen glühten und ein elektronisches, gelbes Licht von sich gaben. Rob musste seinen Eltern nicht über seinen kurzen Spaziergang berichten, sie würden ohnehin erst gegen Mitternacht kommen, wenn nicht sogar noch später und es war sowieso erst 20:00 Uhr. Er würde zurück sein, bevor sie kamen.

Er trat über die Türschwelle, drückte die Tür zu und machte sich daran die Treppen hinab zu steigen. Er wohnte im 5.Stock von einem der Wohnblocks, die seine Heimatstadt beherrschten. Als er endlich unten ankam, trat er durch die Tür ins Freie. Es war ein sehr kühler, als auch stiller Abend, dessen Ruhe nur ab und zu von einem vorbei fahrenden Auto durchbrochen wurde. Mittlerweile erhellten die Straßenlaternen die Fußgängerwege, als auch die Straßen, wenn auch nicht einmal annähernd so gut wie sie eigentlich sollten, sodass immer ein paar Straßen und Wege (wenn überhaupt) nicht einmal bis zur Hälfte ausgeleuchtet wurden. Es war außerdem Halbmond und Rob schlug einen Weg ein, der in die etwas abseitsliegenden Viertel der Stadt führte. Gedankenversunken bog er um die nächste Ecke und blieb stocksteif stehen.

In der angrenzenden Seitenstraße lehnte an einer Häuserwand ein Mann. Er hatte seinen braunen Hut tief ins Gesicht gezogen und den Rest seines Gesichtes verdeckte ein dicker, roter Schal und eine dicke, getönte, schwarze Sonnenbrille. Rob hasste Sonnenbrillen. Sie machten es ihm unmöglich seinem Gegenüber in die Augen zu schauen oder seine Miene zu deuten. Der Mann trug außerdem einen braunen Mantel, in dessen Manteltaschen er seine Hände tief vergraben hatte. Rob wusste, dass der Mann ihn beobachtete. Stockend lief er weiter. Es war nicht das erste Mal, dass er ihn zu Gesicht bekam, jedoch jagte er ihm bei jedem Wiedersehen einen gewaltigen Schrecken ein. Rob wusste, dass er seinen Eltern schon längst davon erzählt haben sollte, tat es jedoch nicht. Sie würden ihm sowieso nicht zuhören. Er ging an dem Mann vorbei. Als er sich ein paar Meter entfernt hatte, drehte der Mann seinen Kopf in seine Richtung und folgte ihm. Rob fluchte leise und beschleunigte seinen Schritt.