Ella

Flieg, Wiedehopf, Flieg

So Leute, hier ist mal wieder eine Kurzgeschichte. (Wieder ein nicht ganz so leichtes Thema) Ich hoffe sie gefällt euch. (Wenn ja, könnt ihr mir das gerne in den Kommis mitteilen. Kritik kommt bei mir natürlich auch an) LG eure Ella P.S. An alle, die nicht wissen, was ein Wiedehopf ist: handgroß, schwarz-weiß gebänderte Flügel, langer, schmaler Schnabel und sehr auffälliger Federschopf am Kopf.

Man sagt, der Wiedehopf war einmal ein Mensch, den alle anderen aber nur hassten. Also entschied er eines Tages sich Flügel wachsen zu lassen und zum Wiedehopf zu werden. Und so auch zum König der Vögel.

Er mochte diese Sage, konnte sie schon in- und auswendig.

Seine Mutter hatte sie ihm oft erzählt, als er noch klein war.

Bevor sie . . . 

Aber daran wollte er nicht denken. Auch jetzt nicht.

Unter ihm schwappte das dreckig braune Wasser der Donau gegen die bröckelige Backsteinmauer.

Er lehnte sich weit vor, über das Geländer.

So oft hatte er sich gewünscht selbst zum Wiedehopf zu werden.

Einfach allem davon zu fliegen.

Den Sorgen, den Schmerzen, der Einsamkeit.

Den Wünschen.

Allen Problemen die er als Straßenjunge hatte. Ohne Haus, ohne Freunde, ohne Liebe.

Er atmete die kühle Luft tief ein, stellte einen Fuß auf das Geländer und schwang sich darüber.

Der Vorsprung auf dem er jetzt balancierte war gerademal handbreit.

Er legte den Kopf in den Nacken und starrte zu den Wolken. Zerfetzt und grau hingen sie an dem trostlosen Himmel.

Er stieß einen Schrei aus. Niemand hörte ihn.

Sein Blut pulsierte in seinen Adern, voll Spannung, voll Erwartung.

Das Wasser klatschte.

Beifall.

Los, wir werden dich empfangen.

Freudig, hechelnd wie ein junger Hund.

Wartete es auf ihn.

Er lauschte dem Kreischen der Vögel über ihm.

Ging in die Knie, atmete tief durch und löste die Hände von dem kaltem Metall des Geländers.

Das Leben über ihm, das Ende unter ihm, fiel er.

Er breitete die Arme aus.

Und lächelte.

Flieg Wiedehopf, flieg!