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Staubfingerfan

Verrat

Kapitel 1

Die Figuren sind mir gestern vom Blatt gehüpft und haben ihr eigenes Ding gemacht. Na gut, ich wollte ja schon länger eine Geschichte on stellen, weswegen ich ihnen sagte: "Mensch, macht doch was ihr wollt, ich frage dann mal die Welt, was sie davon hält." Also nur ein kleines Experiment und die Frage wie ihr es findet. Die Figuren sind von Cornelia Funke. Mir gehört nichts. Ich starte in "Tintenherz" in dem Kapitel "Feigling". Staubfinger steht in Meggies Zimmer und will Tintenherz ein letztes Mal ansehen, bevor er es Capricorn überlässt. Was ein schwerer Fehler war, wie wir wissen.

Ihren Vater blickte sie ganz anders an – voll Liebe. Staubfinger versetzte es ein Stich in sein Herz. Sein dummes, dummes Herz. Das waren nicht die Gefühle eines Verräters. Wie konnte sein Herz nur? Damals, vor neun Jahren schon, als er verloren wie ein ausgesetzter Hund in Zauberzunges Wohnzimmer gestanden hatte, ja damals schon, hatte er gewusst, dass dieses Mädchen etwas Besonderes war. Wie der Schatten für Capricorn oder ein besonders altes Buch für Elinor.

Nun war dieses Mädchen zwölf Jahre alt. Eine verirrte Träne stahl sich in einen seiner Augenwinkel. Verräterisch blitzte sie im Mondlicht auf und Staubfinger wischte sie hastig fort.
Warum eigentlich?

"Weil du dich dann selbst weiter belügen kannst.", flüsterte eine Stimme tief in ihm.
"Damit du weiter zu Gwin sagen kannst > Sie ist nur wie eine Tochter für mich. Nichts weiter. <"

Wütend versuchte Staubfinger an etwas zu anderes zu denken. Doch seine Gedanken wanderten so nur zu seinem Auftrag. "Nur das Mädchen und das Buch! Das richtige Buch! Verstanden?", hatte Capricorn gezischt, während Basta ihm das Messer so fest an den Hals gedrückt hatte, dass es einen roten Striemen hinterlassen hatte. Unwillkürlich fasste sich Staubfinger an die Kehle.
Er erinnerte sich noch genau wie sein Herz gestolpert war bei den Worten, die Capricorn zu seinen Füßen gespuckt hatte.

Manchmal dachte Staubfinger, dass es manchmal besser wäre kein Herz zu haben. So ein verräterisches Ding was einem die Angst lehrte. Aber dann musste er daran denken wie Capricorn war und wie Basta. Wenn ich kein Herz hätte wäre ich wie sie.
Und dann sagte seine Stimme: "Bist du das nicht?! Du willst ein unschuldiges Mädchen verraten. Ein Mädchen, dass du liebst… "

Kapitel 2

Ein besonderes Dankeschön an: CorneliaFunkeFan, Samira, Amolina (in keiner bestimmten Reihenfolge). Die wunderbaren 3 haben mich dazu bewegt eine Fortsetzung zu Verrat zu schreiben. Ihr seid spitze. Nun – hier ist das 2. Kapitel. Wie findet ihr es? Verratet mir eure Meinung! :)

Erschrocken wandte Staubfinger sich ab. Er durfte das nicht denken. Er hatte in Tintenherz eine Familie. „Eine Familie die auf dich baut, Staubfinger“ Die Stimme die er wohl nie vermissen würde. Allerdings wirft sie diesmal Fragen auf: Baut sie wirklich auf mich?

Staubfinger wurde unwohl. Er stand in einem fremden Zimmer, dachte über sein Leben nach und war wieder kurz davor eine Träne zu verlieren. Er hatte doch schon so viele verloren…
Die Erinnerung daran schmerzte immer noch. Deshalb steh ich doch auch hier, oder?
Wegen Tintenherz, oder?

Nein, gab er sich selbst die Antwort. Ich stehe hier, weil ich sie noch einmal sehen wollte. Vorsichtig lugte er über die Schulter. Meggie schlief ruhig und sah friedlich aus. Schnell wandte er seinen Kopf ab. Er sollte jetzt entweder verschwinden oder …

Ich sollte verschwinden! Lautlos und die Liebe zu diesem Mädchen vergessen. Am besten vergessen, dass ich sie jemals gemocht habe. In jeglicher Weise.

Doch Staubfinger rührte keinen Muskel. Wie damals, als er total durchnässt auf dem Hof von Zauberzunge gestanden hatte. Seine Haare hatten an seiner Stirn geklebt, wie Basta an seiner stinkender Hasenpfote.

„Das Leben dreht sich ebenso im Kreis, wie deine Gedanken Staubfinger.“ Er seufzte, es stimmte, denn wenn er war wieder bei Basta war, dann war er auch bei Capricorn und bei dessen Auftrag.

Staubfinger wäre fast sein Herz stehen geblieben, als Gwin seinen Kopf aus der Tasche schob und lauthals nach Ausgang verlangte. Er keckerte wütend und zog heftig an seiner Kette, die ihr übriges hinzugab, indem sie quietschte und rasselte, als würde sie einem Schlossgespenst gehören.

Staubfinger war so erstarrt, dass er nicht schnell genug reagieren konnte und Gwin sich dadurch aus dem Rucksack befreien konnte. Im letzten Moment verhinderte er, dass der freche Marder auf Meggies Bett sprang, indem er nach ihm griff und sein Nackenfell erwischte. Besorgt warf Staubfinger einen Blick auf Meggie.

Sie schlief tief und fest. Erleichtert atmete er auf.
„Du bist ein dummes Ding! Was wäre passiert, wenn sie aufgewacht wäre? Ich hätte ziemlich dumm dagestanden!“, flüsterte Staubfinger eindringlich in das Ohr seines Marders. Gwins Blick schien zu sagen: „Was machst du auch hier?“ „Stimmt. Was eigentlich?“, fragte der Feuerspucker seinen Marder und schob ihn zurück in den alten, abgewetzten Rucksack, den er sogar hier dabei hatte.

„Tja! Ich habe ja schon immer gesagt, dass Liebe blind macht.“ Langsam ging ihm diese Stimme auf die Nerven.

Doch plötzlich hatte Staubfinger einen Gedankenblitz. Er erinnerte sich daran, was Roxanne einmal zu Brianna gesagt hatte: „Du kannst mir alles erzählen! Ich höre dir zu und du wirst sehen, es geht dir gleich besser.“ Nachdenklich kaute er auf seiner Unterlippe. Es jemanden erzählen…

Aber er konnte es doch niemanden erzählen! Dieser würde mindestens so entsetzt sein wie er selbst damals, als er herausgefunden hatte, dass er… Er konnte diesen Gedanken nicht einmal zu Ende denken, denn er wusste es würde ihn nur verletzen.

Aber was wenn dieser jemand es danach nicht mehr wissen würde? Wenn dieser jemand schliefe, dann könnte er sich doch sicherlich nicht mehr daran erinnern, wenn er aufwachen würde, oder?

„Gut dann…“, sagte Staubfinger leise und drehte sich entschlossen zu Meggies Bett um.
Doch dann überkam ihn der Zweifel. Soll ich wirklich? Sie sah so unschuldig aus.
Und was wenn sie es doch mitbekommen würde?

Nein, du machst jetzt keinen Rückzieher! Leise räusperte sich Staubfinger sich ein letztes Mal, bevor er sich langsam neben Meggies Bett hockte. Einen Moment blickte er traurig in den Vollmond, der hoch am Himmel stand, dann wandte er sich wieder Meggie zu. Eine einzelne Träne rann an seiner Narbe nach unten. Mit brüchiger Stimme begann er zu erzählen.

„Ich weiß nicht wann das Unheil eigentlich begann. Wahrscheinlich, als Zauberzunge, oder Mo wie du ihn nennst, mich aus Tintenherz las. Er trennte mich von meiner Familie, von meiner Welt… Ich liebte beide über alles, auch wenn es manchmal schwierig war. Ich, als Gaukler, der von Markt zu Markt zieht. Dann noch der Natternkopf und Capricorn. Doch wenn Roxanne mich anschrie, um mir danach um den Hals zu fallen und mich stürmisch zu küssen, da wusste ich:
Es gab Hoffnung.“ Nun kamen sie wieder; all die Tränen.

„Sie liebte mich und ich liebte sie. Alles war in Ordnung.“, brachte er mit tränenerstickter Stimme hervor. „Und jetzt? Ich habe von Capricorn den Auftrag dich und Tintenherz auszuliefern. Ich kann das nicht. Ich kann dich nicht ausliefern.“

Mit aller Kraft unterdrückte Staubfinger ein Schluchzen. „Meggie, ich l…“

„Ich kann das nicht. Es tut mir leid.“, flüsterte er und stürzte nach draußen, mit Gwin auf der Schulter und den Tränen in den Augen, hinaus in die dunkle Nacht, die nur von dem Vollmond erhellt wurde.

Er lief weg, wie immer…

Kapitel 3

So, hier ist das neue Kapitel. Es ist wieder etwas kürzer. Riesiges Dankeschön an Amolina, Samira, CorneliaFunkeFan, Büchermaus, Sara:) (Wieder nicht in einer bestimmten Reihenfolge.) Ich habe versucht Amolinas Ratschlag zu beherzigen, aber ich glaube, so ganz ist es mir nicht gelungen. Für neue Leser gilt: Erst Kapitel 1und 2 lesen, dann wieder kommen und fleißig Meinung schreiben. Für alle anderen: Lesen, Meinung schreiben. ACHTUNG: Was ist euch lieber: Happy oder Sad End? Staubige Grüße!

Staubfinger lief bis der Morgen am Horizont die Dunkelheit vertrieb. Nach dem er die Freiheit der Naturgespürt hatte, war ihm eines klar geworden: Er würde damit leben müssen, dass Meggie ihn nicht liebte, nie geliebt hatte und nie lieben würde. Er würde fortgehen. Gen Osten, weit fort. Doch leider war Meggie nicht der einzige Grund weshalb er Mo all die Jahre gefolgt war. Tintenherz. Ein verhängnisvolles Wort fand Staubfinger.

Staubfinger sah sich genauer um. Er war auf einem Hügel gelandet und konnte von hier aus all die Seen sehen die in der Gegend verstreut waren. Sie schillerten wunderschön in der aufgehenden Sonne, die sich wie ein roter Feuerball erhob. Und Staubfinger wandte sich ihr zu und lief weiter.

Meggie hob gähnend die Beine unter der warmen Bettdecke hervor. Sie fror, als sie Elinors spärlich eingerichtete Küche erreichte. Mit einem Nicken begrüßte sie Elinor, die bereits am reichgedeckten Tisch saß und setzte sich zu ihr. Natürlich hatte sie die gestrige Nacht nicht vergessen, doch an Elinors Lächeln schloss sie, dass die alte Bücherschreckschraube glaubte, Meggie habe alles vergessen. Elinor hatte schon den Mund geöffnet, um ihr einen guten Morgen zu wünschen, da sagte Meggie tonlos: „Kinder vergessen nichts. Ich weiß noch jedes Wort.
Und heute werde ich ihn suchen gehen.“

Wer mit „ihn“ gemeint war, musste Elinor nicht nachfragen. Enttäuscht schloss sie den Mund und blickte ihr Spiegelei an, was erwartungsvoll auf ihrem Teller lag, um von ihr verspeist zu werden. Es hätte alles um vieles einfacher gemacht, hätte Meggie es vergessen, verdrängt oder diesen Vorwurf, denn nichts anderes war es, dort stecken gelassen, wo er herkam. Wie konnte sie das auch glauben. Damals, als sie kaum älter wie Meggie war, hätte sie jede unfreundliche Abfuhr von ihrem Vater zitieren können. Zugegeben, groß unterschieden haben sie sich nicht voneinander.

Sie blickte auf, um Meggie ein paar aufmunternde Worte zu schenken, doch sie war verschwunden. Wahrscheinlich um etwas zu lesen. Elinor erinnerte sich was sie einmal gesagt hatte: „Lesen heilt die Wunden nicht, aber macht sie erträglicher.“

Meggie indes war nach oben gehastet, um einen kleinen Rucksack zu packen. Den, den Mo und sie immer benutzt hatten, wenn sie in einen Park gegangen waren. Am Ende des Packens hatte Mo wütend das ganze Essen rausgeworfen und alle Bücher hineingelegt, die Meggie ihn mit einem, wie Mo immer gesagt hatte, Dackelblick gereicht hatte. Sie musste Mo finden! Allein damit er wieder sagen konnte: „Seh mich nicht so an! Ich habe schon immer gesagt wir haben zu viele Bücher!“ Und damit sie Antworten konnte: „ Aber Mo! Du hast selbst gesagt, dass man nie genug Bücher haben kann.“

Ein kleines Buch, ein wenig Proviant, eine Flasche und drei Fotos mussten mit. Die drei Fotos. Meggie nahm noch einmal jedes und sah es sich an. Eins mit ihr und Mo, damit sie Leute nach ihm fragen konnte, wenn sie welche sah. Eins, was Mo immer unter dem Kissen hatte. Das mit Mo, Resa und ihr. Und das Foto von der Abschlussfeier, die es gab, als Meggie die 4. Klasse beendet hatte. Auf dem Bild war Rico und sie. Die beiden waren gute Freunde gewesen und hatten unheimlich viel Spaß gehabt. Rico hatte kurze, strubbelige, blonde Haare, eine kurze Stubsnase und ein wundervolles Lachen. Meggie vermisste ihn. Sie wusste, dass sie in ihn verknallt gewesen war und vielleicht es auch noch ist. Seufzend schob sie die drei letzten wichtigen Dinge in den Rucksack und hob in sich auf den Rücken. Auf ein Blatt kritzelte sie:

Alles o.k. Ich suche Mo. Wenn ich ihn gefunden habe, komme ich wieder. Meggie

Elinor fand den Zettel einige Sekunden später vor der Tür ihrer hochgeschätzten Bibliothek.
„Du bist naiv, Mädchen.“, brummte sie. Sorgen machte sie sich keine. Etliche Bücher erzählten über Ausreißer und meist kehrten sie wenig später zurück und wenn nicht, dann sind sie in irgendein Abenteuer gestürzt, die es hier in der Gegend bestimmt nicht gab. Bestimmt nicht.

Kapitel 4

Als Meggie die Straße erreichte die von Elinors Grundstück wegführte, hatte sie genau zwei Möglichkeiten: Entweder sie wandte sich der Straße zu die nach Osten führte oder der, die nach Westen führte. Mo hatte einmal gesagt, dass man in solchen Entscheidungen auf sein Herz hören sollte. Meggie beschloss genau das zu tun. Sie schloss die Augen und drehte sich rasch im Kreis. Immer wieder um ihre eigene Achse, wie einer dieser Tanzbären im Mittelalter, bis ihr ganz schwindelig war. Da blieb sie stehen und machte einen Schritt vorwärts. Vorsichtig blinzelte Meggie. Osten. Sie wartete einen Moment, bis sie wieder gerade gehen konnte. Dann lief sie los.

Staubfinger war fast den ganzen Tag gelaufen. Nur am Mittag hatte er Halt gemacht, weil die Hitze zu groß geworden war. Nun stand er auf einer Lichtung in einer dieser kargen Wälder aus Pinien und Zypressen. Ein durchgetretener Trampelpfad führte durch das strohige Gras, das hier, in Italien, überall wuchs. Er beschloss am Rande der Lichtung zu übernachten und ein kleines Lagerfeuer zu entfachen. Die letzten Tage war es sehr trocken gewesen und der Wind schien auch keine Lust zu haben, Staubfinger den Abend zu vermiesen, sodass dieser mit keinen Komplikationen rechnete. Bevor der Gaukler jedoch anfing trockenes Holz zu sammeln, ließ er Gwin aus dem Rucksack und löste seine Kette. Der Marder stob laut keckernd davon. Staubfinger musste leise lachen, es war ein wenig wie in der Tintenwelt. Auch wenn die Bäume nicht ganz so hoch waren, auch wenn der Schwarze Prinz und all die anderen nicht hinter dem nächsten Baum ihr Lager hatten. Ein wenig war es so.

Nachdem er das Feuer fachmännisch entfacht hatte und es munter knisterte, machte er sich auf die Suche nach etwas essbaren. Natürlich hatte er noch etwas Brot und ein paar Oliven dabei, obwohl sie ihm nicht schmeckten, doch die wollte er sich für schlechte Tage aufheben. Als er die Lichtung fast umrundet hatte, sah er ein Bündel Lumpen am Boden liegen. Von der Neugier getrieben trat er näher. Das waren keine Lumpen, also nicht ganz. Da steckte noch jemand drin. Für einen Moment wollt Staubfinger sich umdrehen und sich davonschleichen, doch da regte sich das Etwas in dem Haufen. Treuherzige Augen blickten ihn an, wenn sie auch etwas verquollen aussahen. Langsam entrollte sich das Bündel.

„Meggie?“, fragte Staubfinger verwirrt.
„Staubfinger?“, bekam er die ebenso ungläubige Antwort.
„Wie bist du hierher gekommen? Ich bin den ganzen Tag gelaufen. Du kannst mich nicht eingeholt haben!“, sagte Staubfinger energisch. „Doch. Ich bin per Anhalter gefahren.
Also, ich habe jemanden in dieser Kiste angehalten und er hat mich mitgenommen. Doch dann musste ich mal und ich fragte ihn, ob er mal anhalten könne. Daraufhin ist er tatsächlich an den Rand gefahren, doch dann zerrte er mich aus seiner Karre und schlug mich. Immer und immer wieder. Ich weiß nicht warum. Irgendwann hörte ich Stimmen und der Kerl ließ von mir ab, um die Flucht zu ergreifen. Ich flüchtete mich in dieses Wäldchen und legte mich ein wenig hin, weil meine Beine mich nicht mehr tragen wollten. Wieso bist du hier?“
In Staubfinger baute sich einen riesige Wut auf. Der Kerl sollte sich mal bei ihm melden; dem würde er was erzählen!
„Nicht so wichtig. Die Frage ist doch eher wieso du hier?“, antwortete er rasch. „Warum wohl?“, sagte Meggie mit zusammen gebissenen Zähnen. „Oh. Ach so.“
Meggie lief ein Schauer über ihren Rücken.
„Du frierst doch. Komm mit ans Feuer.“

Eigentlich wollte Meggie nicht zu dem Feuerschlucker gehen, aber ihr blieb wohl nichts anderes übrig, denn anderen Falls würde es ziemlich kalt werden.

„Hast du keinen Rucksack dabei?“, fragte Staubfinger nach einer Weile des Schweigens neugierig. „Doch. Aber der Typ hat ihn mir abgenommen. Ich habe nur noch diese drei Fotos.“
Meggie hielt sich Staubfinger zum Beweis hin. Sie rechnete nicht damit, dass Staubfinger nach ihnen griff, sodass sie nicht schnell genug zurückziehen konnte und Staubfinger die Fotos schon in der Hand hielt, als sie die Hand an ihren Körper presste.

Jedes einzelne sah er sich genau an. Das erste erkannte er mühelos. Darauf waren Zauberzunge und Meggie zu sehen. Im Hintergrund war ein See und die beiden alberten am Ufer herum.
Eine Picknickdecke voller Bücher lag daneben.

Auf dem zweiten Bild waren drei Leute zu sehen. Wieder Zauberzunge und ein kleines Mädchen, dass Meggie sein musste. Doch neben Zauberzunge stand eine hübsche junge Frau. Staubfinger kannte sie. Es war eine Magd in Capricorns Dorf. Doch was hatte sie mit Meggie zu tun. „Wer ist das?“, fragte er sie, die gedankenverloren ins Feuer starrte. Sie blickte kurz auf ehe sie antwortete: „Meine Mum.“ Für eine Schrecksekunde lang blieb Staubfinger der Mund offen stehen. Rasch schloss er ihn wieder. Resa Meggies Mutter? Jetzt, wo er darüber nachdachte, erkannte er die Ähnlichkeit zwischen den beiden.

Plötzlich knackte es im Unterholz und Staubfinger fuhr herum. „Gwin?“, rief er in den dunklen Wald, denn inzwischen war die Nacht über die beiden hereingebrochen. Erneut knackte es und nun sah auch Meggie auf. „Gwin?“, rief Staubfinger erneut und schob die Fotos in seine Manteltasche.

Diesmal trat tatsächlich jemand aus dem Schatten des Waldes, doch es war nicht Gwin. Zumindest war er nicht alleine. Ein fester Griff im Nacken hielt ihn fest. Die Hand gehörte zu…

„Basta?“, fragte Staubfinger ungläubig. „Sieh einer an, Schmutzfinger. Lange nicht gesehen.“
Meggie blickte von dem völlig in schwarz gekleideten Mann, der anscheinend Basta hieß, zu Staubfinger, der sich erhoben hatte. „Wolltest du uns endlich das bringen, was Capricorn verlangt?“, fragte Basta mit seiner katzengleichen Stimme. Verwirrt sah Meggie Staubfinger an und versuchte in seine Augen zu sehen, doch er wich ihrem Blick aus.

Basta ließ Gwin los und zog dann sein Messer. Bedrohlich schritt er auf Meggie zu. Basta trennte nur noch einen Schritt von Meggie, als Staubfinger sich schützend vor sie stellte.

Denn lieben heißt beschützen wollen.

Kapitel 5

„Geh mir aus dem Weg, Schmutzfinger!“, sagte Basta verärgert, doch Staubfinger rührte sich nicht. „Soll ich dir noch so ein schönes Muster in dein Gesicht zeichnen? Das letzte Mal war es, weil du das falsche Mädchen geliebt hast, wieso stellst du dich nun mir schon wieder in den Weg? Vatergefühle oder… bereust du, dass du ihren Vater verraten hast?“ Basta lachte grausam.
„Nein.“, Meggies Stimme war nur ein Flüstern, aber Staubfinger schmerzte es mehr, als wenn sie ihn angeschrien hätte. „Wieso?! Staubfinger?! Wir haben dir vertraut!“, nun schrie Meggie und sie drängte nur mit Mühe die Tränen zurück. „WIESO?“

 „Hoho! Man hat dir vertraut, Schmutzfinger! Hast du das gehört? Du hast schon wieder die Leute enttäuscht, die dir vertraut haben.“ Das Grinsen in Bastas Gesicht war eisig und ließ Staubfinger einen Schauer über den Rücken jagen. Er hatte doch nur zu seiner Familie gewollt und vielleicht auch Meggie vergessen wollen. Nur die Nerven bewahren, nur die Nerven bewahren, riet er sich selbst. Wenn er jetzt ausrastete war keinem geholfen. Außer vielleicht Basta. Doch Basta schien nicht sehr für einen gemütlichen Plausch am Lagerfeuer übrig zu haben, denn er zog ein Messer. „Genug geredet.“, befahl er barsch, „Mitkommen alle beide.“

Meggie liefen die Tränen über die Wangen. Sie stand hier, ohne ihren Vater, der immer für sie da war. Sie stand da, mit zwei Männern, wobei der eine ihren Vater verraten hatte und der andere ihn vermutlich gefangen hielt. Eine Angst kroch in ihr hoch. Nein eher Panik. Aber sie durfte jetzt nicht den Kopf verlieren, wenn sie Mo finden wollte. Es war klüger Basta zu folgen.
Er würde sie direkt zu diesen Capricorn führen. Sie packte, um Bestimmtheit bemüht, Staubfingers Oberarm und schob ihn zur Seite. „Ich komme mit.“ Ihre Stimme klang zittrig und tränenerstickt, aber trotzdem konnte man Stolz und Trotz heraushören.

Überrascht sah Staubfinger sie an. Hatte sie etwa nicht verstanden was er ihr damals erzählt hatte, bevor sie zu ihrer schrecklichen Großtante gefahren waren? Wusste sie denn nicht was das hieß? Aber er konnte Meggie, die junge Meggie, doch nicht allein in die Hölle gehen lassen! Sein Beschluss stand fest, er würde mitgehen!

Bastas Grinsen war hämisch. Woher sollte er wissen, dass Meggie schon etwas über Capricorn wusste? Er hielt sie für ein naives Kind. Das konnte Meggie nur Recht sein. So hatte sie einen Vorteil. Wenn auch nur einen ganz kleinen. Basta ließ sie vorausgehen bis sie irgendwann auf eine Landstraße trafen. Ein dreckiger kleiner Transporter stand am Straßenrand. Staubfinger war ungefragt den beiden gefolgt. Meggies Rucksack hatte er in ein Gebüsch geworfen, während er so getan hatte, als würde er nach Gwin sehen, der nun auf seiner Schulter saß und wütend keckerte. „Mir ist auch nicht sehr wohl bei der Sache.“, zischte er seinem gehörnten Marder ins Ohr.

3 Kommentare

Freya am 28. November 2016

diese geschichte ist richtig richtig toll, echt cool, einfach spitze!

Sammy am 30. November 2014

Toll! Das erinnert wirklich an Tintenherz.

Manuel am 18. April 2014

Fantastisch!!! Klingt wie in Tintenherz!!!