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Amy

Veränderungen

Kapitel 1

Ende 2013

Als die Lehrer im Dezember des letzten Jahres die verbliebenen Unterrichtsstunden nutzten. um uns Kinder auf den rechten Weg zu weisen, da schrieb ich unter die Frage: 'Was erwartest du dir von dem nächsten Jahr?', wo sicher der ein oder andere Vorsatz darunter gehörte, diesen Satz: 'Dass sich irgendetwas ändert.' Ich tat das, weil ich in dem Moment nichts als die Leere fühlte, die mich zwar vor schlechten Gefühlen schützte, aber leider auch alle guten einen schönen Traum bleiben ließ. Ich wünschte mir so sehr die Veränderung, dass ich den Satz oft dorthin schrieb, und ihn an Neujahr mit Spinnenwebenartigen Gedanken an eine Rakete befestigte, sodass er hoch im Himmel explodierte und sich über alles verstreute, in jedem Kopf einnistete und sich an unsere Herzen klammerte. Wie dumm ich doch war. Schlicht einfältig, einen solchen Wunsch nicht ausreichend genau zu formulieren. Doch damals hätte ich es nicht anders wissen können.

Wer würde denn erwarten, dass sich gleich alles ändern würde?

Es begann damit, dass mein Körper beschloss die nötigen Hormone zu produzieren, die dafür nötig waren, dass ich mit Mama BH's kaufen musste und meine Periode einsetzte. Zumindest vertrieb dieser Umstand die Leere aus den Abenden, denn nun saß ich stundenlang vorm Spiegel und experimentierte mit dem Make-up herum, das ich jetzt immer von Freunden zum Geburtstag bekam, denn ich befand, dass mich ein BH dazu berechtigte Mascara und Eyeliner zu tragen, und ich begann, meine schwarz umrandeten Augen zu lieben.

Ich denke, ich wurde eine andere Person, zu dieser Zeit. Ich bekam Angst vor der Zukunft, da ich die Vergangenheit verlieren würde, vermutlich das, was alle Jugendlichen dieser Altersklasse dazu verleitet uns erst zu verhalten als würden wir die Weisheit und Würde einer ganzen Kultur besitzen, nur um im nächsten Augenblick auf den Boden zu fallen und uns kreischend an eine Barbie oder gegebenenfalls das Hotwheel klammern mit dem wir vor, wie es uns dann vorkommt, zwei Jahrzehnten noch am liebsten gespielt hatten.

Meine jetzige Situation kann ich eigentlich nicht als 'hinterher' oder 'im Nachhinein' bezeichnen, aber ich tu's trotzdem, da ich weiß, dass es lächerlich ist.

Im Nachhinein kommt es mir vor, als hätte ich die ersten Jahre meines Lebens nichts verstanden. Nichts gesehen und nicht gedacht. Während alle anderen irgendwie darauf geachtet haben wie sie aussahen und was die anderen machten, haben mich diese Dinge nicht interessiert, ich glaube ich wusste nicht mal wirklich, dass es das gab. Ich dachte, man konnte dick oder dünn sein.
Ich dachte, man konnte lange oder kurze Haare haben. Ich dachte, man konnte klein oder groß sein. Ja, richtig. 'Man'. Nicht ich. Ich hatte keine Ahnung von mir selbst, ich weiß immer noch nicht wie ich aussehe. Aber das ist, denke ich, alles der Pubertät zuzuschreiben.

Halten wir fest: Das Silvester, das ich am Beginn erwähne, war das Silvester 12/13. Da war ich 13 Jahre alt. Jetzt bin ich 14 und es ist der 22. Januar 2014. Ich bin jung und ich bin nicht mein Alter, ok? Ich bin nicht mein Alter, so wie ihr alle glaubt.

Ich bin 14 und viel mehr als das. Ich werde bald 15 und fühlte mich mit 13 schon wie 16.
Ich wollte hier aufschreiben, was ich denke. Irgendwelche Gedanken, für die man mich bewundern kann. „Oh, sie ist wirklich 14? Und das hat sie wirklich geschrieben?“
„Diesen Text hätte ich nicht erwartet.“ „Als ob man den Text eines echten Autoren lesen würde!“. Das eben, was sie sonst auch sagen. Ich wollte eigentlich immer schon für meine Gedanken bewundert werden, wie mir grade auffällt. Vorletzten Sommer, auf der Fahrt nach Bad Harzburg in die Dreiwöchige Kur, schrieb ich in ein Heft: „Meine Gedanken sind Gold wert.“ Und das sind sie. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie mehr wert sind als die vieler.
Und weniger wert als die der anderen.

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