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Jule Katz

Unless

Part 1: Lieber Freund

Lieber Freund,

es ist nun schon eine Weile her, dass ich dir geschrieben habe aber bevor du dich aufregst lass mich dir sagen, dass ich dafür auch einen guten Grund hatte.

Ich weiß die letzten Ereignisse waren mehr als nur mysteriös und ehrlich gesagt hängt der Schrecken noch immer in all meinen Gliedmaßen. Irgendetwas sagt mir das hier wird der letzte Brief an dich sein, noch immer kann ich nur hoffen das du all meine Briefe erhalten, gelesen und vor allem verstanden hast, ich weiß ich habe es dir nicht immer leicht gemacht und manche Rätsel waren mehr als nur knifflig. Aber ich glaube auch das du verstehst warum es nicht anders ging, einfacher.

Nun komme ich aber schnell zur Sache, denn mir bleibt nicht viel Zeit, Mr. und Mrs. Liverwood müssten demnächst zurückkehren, soviel ich weiß waren sie in der Oper. Doch ich bin davon überzeugt, dass auch dies wieder eine Lüge ist.

Es gibt kein Zurück mehr, ich wusste es würde so kommen,
habe von Anfang gewusst das ich mit meinem Leben spielen werde, doch ich bin noch immer davon überzeugt das es richtig war, denn ich habe versucht etwas zu verändern. Und ehrlich gesagt gibt es so viele Dinge auf dieser Welt die von größerer Bedeutung sind als mein kleines, kurzes Leben.

Vielleicht ist es auch gut, dass es nun langsam zu Ende geht,
denn vor lauter Angst und quälenden Albträumen bekomme ich kein Auge mehr zu.

In den letzten Wochen habe ich einfach zu viel gesehen, und könnte ich dir nicht diese Briefe schreiben so wäre ich schon längst an all dem zusammen gebrochen. Es war einfach zu viel,
zu viel von all dem Bösen.

Ich bitte dich nur um eine Sache, lass mein Mut und all diese Briefe nicht wertlos werden, kämpfe für mich weiter. Auch wenn ich dich nicht kenne, vertrau darauf, egal ob du Angst hast, du wirst das richtige tun und nicht versagen. Ich lege hier mit all meine Hoffnungen in dich, ich weiß ich habe nicht das Recht dazu und eigentlich will ich dich nicht in diesen Krieg mit hinein ziehen, doch es ist zu spät. Und früher oder später wirst du diesem heimlichen Krieg auch nicht mehr entkommen, also beginn zu kämpfen. Für mich.

In trauriger Erinnerung und großem Dank,
Annlucia

P.S. vertrau auf das unsichtbare Licht in tiefster Dunkel - und Aussichtslosigkeit, es wird dir immer den richtigen Weg leiten.


Unberührt, und von falschen Augen gelesen, lag dieser Brief nun schon viel zulange in einer alten Bücherkiste weit im dunkelsten, von Spinnen bewohnten, Eck des Dachbodens.
Smilla durchforstete neugierig alles was ihr zwischen die Finger fiel, alte Bilder der ehemaligen Herrin dieses wunderbar prachtvollen Herrenhauses. Nun gehörte es ihren Eltern, ihr drittes Ferienhaus war es nun schon. Es war nicht so als ob Smilla es jemals gebraucht hätte all diese prachtvollen Häuser mit wunderschön kunstvoll geschmückten Räumen, die guten Privatstunden und all die Förderung ihrer Selbst von Kind auf. Reichtum hatte ihr noch nie geschadet, dank ihm hatte sie schon viel von der Welt gesehen, mehr als die meisten Mädchen ihres Alters, dank guter Schulbildung würde jede Universität ihrer Wahl sie nehmen, oh ja Smilla konnte sich keineswegs beschweren und das tat sie auch nicht, denn sie liebte all das hier. Liebte es in den neuen Häusern nach Spuren der Vergangenheit zu suchen, liebte es zerknitterte Briefe zu lesen, und all das Vergessene heimlich wieder aufzudecken.

Doch dieses Haus war anders, es strahlte etwas Trauriges und zugleich so reizvoll Geheimnisvolles aus das Smilla sich nicht sicher war ob dieses Haus ihr ein sicherer Freund oder doch ein Feind in den eigenen vier Wänden zu sein mochte. Wie immer überlegte sie nicht groß, das hatte Smilla nie getan. Sie war ein Mädchen der Taten, nicht des Denkens noch Sprechens. Den ganzen Mittag hatte sie nun in dieser düsteren und stickigen Luft verbracht, atmete all den alten Staub ein und brach hin und wieder in heftigen Husten aus.

Inzwischen ging die Sonne langsam unter und nur noch wenige warme Strahlen durchfluteten den Dachboden. Bald würden die Hausmädchen zum Essen rufen und dann musste sie frisch geduscht und ordentlich sein, schließlich erwartete ihr Vater wichtige Gäste. Und Smilla wusste genau was das hieß, gerade da sitzen, höflich und aufmerksam zuhören, nur sprechen nach Aufforderung und immer schön alle Tischregeln beachten.
Ihre zwei kleinen Brüder George und Quentinn waren da nicht ganz so vorzeige Kinder wie sie, daher würden sie am offiziellen Abendessen auch nicht teilnehmen. Stattdessen durften sie in der Küche mit den Hausmädchen genüsslich und albernd essen,
wie sehr wäre Smilla an ihrer Stelle, doch auf der anderen Seite gefiel es ihr sonderlich gut bei der gehobenen Gesellschaft teilhaben zu dürfen und all den spannenden und interessanten Geschichten zu lauschen, darüber welche Kriege wieder für Unruhe sorgten, welche Politiker Mist gebaut hatten und über allerlei geschäftlichen Kram. Selbst Smillas Mutter sprach an solchen Abendessen kaum ein Wort, sie war schüchtern und still. Hörte lieber zu statt selbst zu reden, auch wusste Smilla das es ihre Mutter nie sonderlich interessiert hatte über was die Gäste ihres Vaters so sprachen. Ihre Mutter malte gerne, stundenlang. Alles Mögliche, die Landschaft, eine einsame Blume, die Hausmädchen, sich selbst (tausende von Zeichnungen bewahrte sie heimlich in einer kunstvoll geschreinerten Holzkiste auf) und jedes Mal sah sie unglücklich darauf aus. Als sehnte sie sich nach irgendetwas schon längst vergangenem, etwas so verführerischem das sich ihr Herz schmerzvoll jede Sekunde danach sehnte.

Gebeugt lief Smilla weiter in den hinteren Teil des Dachbodens, ihr blieb kaum noch eine Stunde und die Lust auf weitere Bilder und Briefe staute sich in ihr auf. Verstaubte Stühle mit Seidenbezug, Kommoden, kunstvoll verzierte Schränke stapelten sich etliche vollkommen ungeordnet über den ganzen Dachboden. Überall standen kaputte Lampen und Bilderrahmen mit viel zu alten Gemälden herum und erinnerten daran, dass sich alles in diesem Dachboden in einer ganz anderen Zeit abspielte. Smilla zwängte sich ächzend zwischen einem Marmortisch und einem Kronleuchter hindurch, nun war sie am Ende des langgestreckten Dachbodens angekommen. Sie konnte nicht weit sehen, da die letzten Sonnenstrahlen nicht bis dorthin reichten. Sie zog aus ihrer Sammeltasche ein dünnes silbernes Stäbchen hinaus. Sachte tippte sie dreimal mit ihrem Zeigefinger darauf und plötzlich leuchtete das Stäbchen so hell das sie nun alles um sich herum sehen konnte. Kurz blinzelten ihre Augen um sich an das angenehm helle Licht zu gewöhnen, sie hatte sich noch nicht einmal umgesehen da sprang ihr die Bücherkiste mit den goldenen Verzierungen sofort ins Gesicht. Engelähnliche Gestalten waren darauf abgebildet, mit bunten Flügel und zarten Gesichtern. Feen. Über Smillas Gesicht huschte ein schelmisches grinsen und sofort hob sie die, überraschend schwere, Kiste hoch.

Es war kein leichter Weg vom Dachboden bis zu ihrem Zimmer damit zu kommen, doch vor lauter Aufregung vergaß sie den Schweiß auf ihrer Stirn und selbst ihr Herzklopfen nahm sie nicht mehr wahr. Ganz gespannt, naiv und nichtahnend, war sie auf den Inhalt dieser zauberhaften Kiste. Und dessen nicht bewusst, dass jede Neugier und jedes Wissen,
so seine Verantwortung mit sich zog.


Ein leichtes Klopfen an ihrer Zimmertür ließ Smilla aufblicken.
Die dunkle Holztür schwang mit einem leisen Knarren auf und eine junge, schlanke Frau trat ins Zimmer. Sie trug eine ganz eng anliegende Arbeitskleidung die aus hellgrauem Seidenstoff bestand. Schlicht und einfach war sie, nichts extrem schickes oder auffallendes. Das einzige besondere an ihr war eine kleine rote Schleife direkt unter ihrem Hals. Alle Hausmädchen und Diener trugen dieselben Kleider.

>>Miss Redwood, Ihnen bleibt nicht einmal mehr eine halbe Stunde bis zum Dinner. Sie wissen ihr Vater setzt viel auf Pünktlichkeit und auch sollten sie frisch geduscht und ordentlich gekleidet sein. << Die Stimme des Mädchens war zart und freundlich. Smilla durch stöberte schnell die Kiste bevor sie antwortete: >>Danke Marry aber ich werde schon pünktlich sein keine Sorge. <<

>>Haben Sie etwa wieder ihre Nase in die Vergangenheit anderer Leute gesteckt? << Bei jedem anderen Hausmädchen hätte diese Frage vorwurfsvoll und abwertend geklungen aber niemals bei Marry. Sie war nicht nur Smillas persönliches Hausmädchen, nein sie waren so etwas wie Freundinnen. Ihr Vater duldete Freundschaft mit dem Personal nicht, daher blieb ihr Kontakt immer distanziert, und doch trug ihre Beziehung tiefe Zuneigung und Vertrauen.

>>Dieses Haus hält mehr versteckt als die anderen, ich spüre es einfach Marry. Daher will und muss ich unbedingt raus finden welches Geheimnis es birgt. << Smilla strich sanft mit ihren dünnen Fingern über das alte Holz der Kiste und sah sich die fabelhaften Wesen auf der Kiste genauer an.

Marry lächelte und folgte Smillas Blick. >>Nun das mag ja sein, aber bitte Smilla-<< sie warf einen schnellen Blick auf den Flur, dann sprach sie leise weiter: >>Du weißt genau das nicht nur du sondern auch ich ziemlichen Ärger bekomme wenn du dich heute Abend nicht so verhältst wie gewünscht. Also tue mir den Gefallen und nehme die Kiste später genauer unter die Lupe, ja? <<

Smilla seufzte genervt, schob die Kiste aber trotzdem unter ihr prächtiges Himmelbett in dem sie die nächsten Nächte nun schlafen würde. >>Jaja, ist okay. << Dann stand sie auf, zwinkerte Marry kurz zu und verschwand in dem anliegenden Badezimmer das nur durch ihr eigenes Zimmer zu erreichen war. Das Badezimmer war wie der Rest des Hauses, sehr groß und stilvoll eingerichtet. Zwar war es ein altes Gebäude, doch ihr Vater hatte wie immer einiges neu ausstatten lassen. Eigentlich gefielen ihm so kunstvolle alte Häuser nicht sonderlich, jedoch Smillas Mutter entgegen liebte solche Gebäude über alles. Sie schenkten ihrer Mutter Inspiration für neue Bilder, die sie dann in ihrem Atelier malte. Und ihr Vater wollte seine Frau glücklich sehen und so kaufte er nicht die neusten Luxus Häuser die er bevorzugte sondern solche wie dieses Haus.

Schnell schlüpfte Smilla aus ihren voll geschwitzten und eingestaubten Kleidern, dann huschte sie in die vergoldete Dusche.

In der Dusche befanden sich auf der rechten Wandseite viele bunte Knöpfe. Dort ließ sich genau einstellen was für Wasser kommen sollte, aus welcher Quelle, welchen Farbton es haben sollte, welche Temperatur und wie viel. Schnell drückte Smilla dieselben Knöpfe welche sie wie immer bevorzugte. Vulkangestein Wasser, in sanftem violett, 45 Grad und in der Stärke sieben.

Sofort überströmte das gewünschte Wasser ihren sinnlich jungen Körper und hüllte ihn liebevoll ein.

Smilla schloss ihre Augen und genoss den Moment der puren Geborgenheit, ihr Puls wurde langsamer und ihr Körper entspannte sich. Für einen kurzen Augenblick dachte sie nicht mehr an die geheimnisvolle Kiste unter ihrem Bett.

Smilla duschte genau sieben Minuten und keine Sekunde länger, diese Zeit gab sie beim Duschen immer ein und ab der siebten Minute stoppte das angenehme Wasser sofort. Wie eine Katze schlüpfte sie wieder aus der Dusche in die frische, mit Wasserdampf gefüllte, Luft und huschte schnell zu einem, aus kostbar weißem Holz geschreinerten Schränkchen in dem sich die Handtücher befanden. Schnell holte sie sich eines hinaus. Es war sehr groß und umarmte ihren ganzen Körper, der Stoff war so kuschlig weich, das Smilla noch immer nicht wusste welcher Stoff sich so verführerisch angenehm anfühlen konnte.

Genüsslich trocknete Smilla sich ab, während sie sich in dem großen Spiegel, der sich über dem Waschbecken befand, genau beobachtete. Ihre nassen feuerroten Haare fielen über ihre Schultern bis zu ihren Brüsten. Smillas Haut war sehr blass und rein, nicht einmal Sommersprossen saßen irgendwo auf ihren weißen Wangen versteckt. Aber das was einem am meisten ins Auge stach und auch mit Abstand das schönste an ihr zu sein schien, waren diese grünen unschuldigen Augen.

Grün.

Das war nicht die richtige Farbe womit man ihre Augen beschreiben konnte. Es war viel mehr ein Smaragd grün, es füllte die ganzen Augen aus, saftig und makellos. Es ähnelte einer Sommerwiese die einen dazu verführte sich in das frische Gras hinein zulegen und nicht wieder aufzustehen. Doch es gab noch etwas Besonderes an ihren Augen, ein goldener Kreis verlief um die Iris, wie eine Art Ring. Ihre Augen waren so einzigartig das keine Worte gut genug gewesen wären sie angemessen zu beschreiben. Dunkle Wimpern umrahmten ihre großen runden Augen, die sie noch unschuldiger und jünger wirken ließen als sie war.

Bald würde sie sechzehn Jahre alt werden, nicht mal mehr eine Woche dauerte es bis zu ihrem Geburtstag und doch wirkte sie gerade mal wie vierzehn.

Sie hatte einen wunderschönen weiblich geformten Körper, doch ihre Augen, wie zauberhaft sie auch sein mochten, ließen sie so kindlich wirken das Smilla sie dafür hasste.

Smilla zog ihr Gesicht zu den seltsamsten Grimassen während sie sich weiterhin im Spiegel kritisch betrachtete. Doch egal welche Mimik sie aufsetzte, so sah sie nie ihrem Alter entsprechend aus. Wütend über ihre Augen drehte sie sich weg vom Spiegel und betrat wieder ihr Schlafzimmer. Auf dem Bett hatte Marry für sie schon ein wunderschönes Abendkleid hin gerichtet. Sanft strich Smilla mit ihren Klavierfingern darüber, der Seidenstoff fühlte sich wunderbar zart und glatt an. Natürlich hatte das Kleid einen sanft angehauchten Grünton der ihre wunderschönen Augen noch mehr zur Geltung bringen sollte.

>>Lasst mich doch noch mehr wie ein Kind aussehen. << brummte sie wütend in sich hinein.

>>Du wirst wie immer wie eine junge Dame aussehen, Liebling. << Die warme Stimme ihrer Mutter ließ Smilla erschrocken umdrehen. 

>>Mama ich bin nackt! <<

Ihre Mutter kicherte nur leise und trat noch näher auf ihre Tochter zu, >>Da gibt es nichts, dass ich nicht sowieso schon gesehen hätte. << Ihre Mutter hob das Kleid vom Bett auf und hielt es vor ihre einzige Tochter hin.

>>Du wirst heute Abend einfach traumhaft aussehen. Wer weiß vielleicht wird Lucas auch da sein. << Und bei den letzten Worten warf sie einen neugierigen Blick auf ihre Tochter. Doch Smilla zeigte keinerlei verdächtige Reaktion auf  das was ihre Mutter gerade gesagt hatte.

>>Na los, ziehe dich schnell an und trockne deine Haare. Wir sehen uns dann beim Dinner, komme ja nicht zu spät dein Vater ist heute nicht sonderlich gut zu sprechen. <<

>>Das ist er doch sowieso nie. << murmelte Smilla mit angewidertem Blick auf ihr Kleid. Als Smillas Mutter gerade mit schnellen Schritten das Zimmer verlassen wollte blieb ihr Blick ganz plötzlich am Fenster hängen. Ihre Stirn legte sich in kleine Falten die sie sofort einige Jahre älter wirken ließen.
>>Liebes? <<

>>Was ist Mama? << Smilla blickte gar nicht erst auf, sondern starrte das grüne Kleid noch immer mit großer Skepsis an.

>>Sitzen die Raben auf deiner Fensterbank dort draußen schon länger? <<

Sofort wanden sich Smillas Augen von dem Kleid ab und sahen aus ihrem Zimmerfenster hinaus. Komischer Weise saßen dort wirklich fünf große schwarze Raben, mit dunklen Augen die sie neugierig musterten.

>>Weiß nicht, kann schon gut möglich sein habe nicht wirklich darauf geachtet. Gibt es in dieser Umgebung viele Raben? << Smilla blickte nicht sonderlich interessiert jedoch fragend zu ihrer Mutter. Diese schien über die Raben alles andere als erfreut, gerade zu erschrocken. Und ihr hübsches Gesicht wurde mit großer Sorge beschmutzt.

>>Nein nicht das ich wüsste. Ich werde Audrey umgehend darauf ansprechen. << und mit diesen Worten war sie auch schon aus Smillas Zimmer verschwunden. Verwirrt starrte Smilla auf die zufallende Holztür. Was war nur plötzlich los mit ihrer Mutter?

Warum war sie so voller Sorge, ja beinahe wirkte es so als ob sie sich vor irgendetwas fürchten würde.

Smilla warf noch einen kurzen Blick auf die Raben, die noch immer genüsslich auf ihrer Fensterbank saßen und jeden ihrer Bewegungen aufmerksam beobachteten, so als sei sie das interessanteste auf der Welt. Dann widmete sie all ihre Aufmerksamkeit wieder dem zartgrünem Kleid und dem bevorstehendem Dinner.

>>Was solls, dann ziehe ich dich eben an. Aber nur für heute Abend und dann nie wieder, mach dir bloß keine falschen Hoffnungen. << und mit diesen Worten warf Smilla das Kleid zurück auf ihr Bett.

Part 2: Dinner für Mörder

Smillas Herz pochte leicht gegen ihren Brustkorb, es war zwar nicht das erste Mal das sie an einem so wichtigen Abendessen teilnehmen durfte, jedoch war sie immer wieder aufs Neue nervös.

Wie würden sie auf die Gäste wirken?

Ob ihr gegenüber nett sein würde?

Es war schwer zu sagen, es gab so viele nette als auch mehr als nur blöde Gäste ihres Vaters. Eine sehr bunte Mischung, wie ihre Mutter es ihr jedes Mal am Tisch grinsend zu flüsterte und Smilla somit etwas von ihrer Nervosität nahm. Und es half noch genau so gut wie beim aller ersten Mal. Das zartgrüne Kleid lag perfekt passend an ihrem jungen Körper an und bewegte sich wie eine zweite Haut mit all ihren Bewegungen. Auch wenn es in Smillas Augen eines der hässlichsten Kleider die sie je gesehen hatte war, konnte sie nicht leugnen, dass es sich fabelhaft anfühlte und sie sich darin stärker und selbstsicherer fühlte.

Mit weiblich zarten Schritten lief sie die große Wendeltreppe hinunter die direkt in die große Eingangshalle des Hauses führte. Ein roter, beinahe zu königlicher, Teppich lag auf den großen Holzstufen und Smilla fühlte sich wie eine Prinzessin die einen Ball zum Vergnügen ihres Volkes gab. Die ersten Gäste waren schon eingetroffen und standen eng zusammen, während sie sehr laut und erregend mit einander sprachen.

Die Atmosphäre war nicht so gut und fröhlich wie die letzten Male, Smilla spürte die kalte Anspannung die in der Luft lag sofort, und genauso schnell kehrte die Unsicherheit zurück und ihr Herz schlug noch wilder gegen ihren Brustkorb.

Doch ihr Herz war gefangen.

Egal wie wild es pochen auch würde, aus diesem Körper würde es nicht fliehen können.

Langsam aber sicher erreichte Smilla die letzten Stufen und endlich wurde sie wahrgenommen. Ein kleiner runder Mann mit silbernen Haarkranz der die letzten Male auch schon da gewesen war begrüßte sie freudig: >>Miss Redwood, wie schön sie endlich wieder zusehen. Liegt schon einige Monate zurück nicht wahr? <<

>>Ja Mr. Corville, um genau zu sein acht Monate. << charmant lächelte sie ihn an.

>>Ein gutes Gedächtnis hat ihre Tochter Charles sehr schön, sehr schön. Und sie ist noch hübscher geworden als sie es schon war, kaum zu glauben, dass das überhaupt möglich ist. << er zwinkerte ihr freundlich zu und nun wandten sich noch mehr der Gäste in ihre Richtung und begrüßten sie höflich nacheinander. Und jedes Mal musste Smilla lächeln und ein, zwei lobende Worte über das Haus, sich selbst oder ihren Vater geben.

Unter den Gästen waren viele bekannte Gesichter, nur vier waren ihr noch vollkommen fremd. Eine große, dürre Frau mit purpurrotem Haar das sie zu einer Turmfrisur hoch gesteckt hatte viel ihr sofort auf. Sie trug zu ihren hässlichen Haaren auch noch ein genauso knallrotes Kleid das bis zum Boden reichte. Ihre Haut war faltig und vollkommen mit grässlicher Schminke überdeckt. Diese Frau vermisste ihre Jugend wohl mit jedem einzelnen Atemzug, schoss es durch Smillas Kopf. Die Augen der Frau waren grau und leer, starrten Smilla ab und an kalt und arrogant an aber trafen sie auf die Blicke ihres Vaters so lachte sie laut und warf sich ihm regelrecht an den Hals. Sofort hatten Smilla und ihre Mutter sich schnelle Blicke zu geworfen und dabei breit grinsend die Köpfe geschüttelt. 

Wer kannte sie nicht?

Diese alten Damen mit ihren eingeschüchterten Ehemännern, die nur noch Augen für die schönen jungen Herren mit viel Geld hatten?

Sie gehörte ganz sicher zu dieser Art von Frau. Smilla musste nicht groß mit ihr reden um zu wissen was sie von ihr hielt. Und das war sicherlich nichts Gutes.

Dann war da noch ihr kleiner runder Mann, wie ein Schatten stand er immer dicht neben ihr und fiel keinem so wirklich auf. Seine Haut war alt, jedoch besaß sie kaum Falten. Eine große runde Schweinenase schmückte sein Gesicht nicht gerade vorteilhaft. Sein Schneeweises Haar klebte verschwitzt auf seiner Stirn und seine dunklen Augen wanderten nervös hin und her. Hin und wieder erwischte Smilla ihn dabei wie er ihrem Vater feindselige Blicke zu warf.

Eifersucht.

Eine der ältesten Freunde jedes Menschen, wie ein hässlicher Schatten folgte sie einem auf Schritt und Tritt und stellt einem nach Lust und Laune ein Bein so, dass man schön auf die Nase flog.

Smilla ließ ihre grünen Augen aufmerksam durch die Menschenmenge schweifen, in der Hoffnung zwischen all der aufgetakelten Gesellschaft Lucas zu entdecken. Es dauerte nicht lange bis sie wusste, dass er noch nicht eingetroffen war. Ihr blieb also nichts anderes übrig als sich den trockenen Gesprächen hinzu geben. Zwar lächelten sich alle freundlich an und plauderten über belanglose als auch mehr oder weniger witzige Themen, jedoch konnte man tief in ihren Augen genau sehen wie sehr sie sich doch alle gegenseitig verabscheuten. Smilla hatte sich nur sehr selten in einer so falschen Gesellschaft aufgehalten. Der einzig ehrliche Mensch in diesem Saal schien Mr. Corville zu sein. Er war seit Jahren ein guter Freund der Familie als auch der einzig wahre Vertraute ihres Vaters.

Smilla mochte ihn.

Mr. Corville hatte so etwas Großväterliches, Gutmütiges und alles an ihm wirkte so ehrlich und echt als bei keinem anderen den Smilla kannte. Heimlich lächelnd beobachtete sie ihn wie er sich mit dem kleinen dicken Ehemann von der alten Dame mit roter Turmfrisur aufgebracht über irgendetwas, anscheinend sehr wichtiges, unterhielt. Während sich Mr. Corvilles Stimme vor Erregung überschlug, schenkte er sich immer wieder ein Glas Brandy nachdem anderen ein.

>>Milla? << die warme und mehr als bekannte Stimme riss Smilla sofort aus ihren Gedanken. Sie drehte sich so überschwänglich um das etwas Sekt aus ihrem Glas auf den edlen Marmorboden schwappte. >>Lucas. << hauchte sie seinen Namen, kaum hörbar, erfreut und blickte in sein männlich hübsches Gesicht.

***

>>Milla? << die warme und mehr als bekannte Stimme riss Smilla sofort aus ihren Gedanken. Sie drehte sich so überschwänglich um das etwas Sekt aus ihrem Glas auf den edlen Marmorboden schwappte.

>>Lucas. << hauchte sie seinen Namen, kaum hörbar, erfreut und blickte in sein männlich hübsches Gesicht. Lucas hatte wohl die blausten Augen die sie je gesehen hatte, so tief und dunkel blau wie der endlose Ozean. Seine Lippen waren schmal und hellblonde Härchen sammelten sich zu einem Dreitagebart um seinen Mund herum und ließen ihn noch erwachsener wirken. Lucas trug immer ein leichtes Lächeln im Gesicht, welches ihm kleine Grüpchen auf seine Wangen zauberten. Seine sonnenblonden Haare lagen nie so wie sie sollten und ließen ihn manchmal etwas wild erscheinen. Er nahm ihre Hand und schenkte ihr ein zärtlicher Handkuss, während er ihr dabei zu zwinkerte.

>>Miss Smilla, schön sie heute Abend an unserem Dinner teilhabend nennen zu dürfen. << Lucas Vater Mr. Johnson unterbrach ihre vertraute Begrüßung und schenkte ihr auch einen Handkuss. Geschmeichelt und etwas unsicher begannen ihre Wangen rötlich zu glühen.

>>Es ist mir eine große Ehre und noch größere Freude bei einem so wichtigem Dinner, bei bester Gesellschaft versteht sich, dabei sein zu dürfen. << charmant lächelte sie Mr. Johnson an. Als sie einen kurzen Blick zu Lucas warf verdrehte er mit breitem Grinsen theatralisch seine Augen. Smilla unterdrückte sich mit aller Kraft ein unpassendes Lachen und versuchte ihre Aufmerksamkeit bei Lucas Vater zu halten. Mit wenig Erfolg.

Immer wieder huschten ihre Blicke zu Lucas.

>>So eine reizende Dame wie sie ist nur eine Bereicherung für unsere feine Gesellschaft heute Abend. Unglaublich das Charles Sie so lange aus allem raus gehalten hat. Aber na gut, ich konnte die meisten seiner Entscheidungen noch nie wirklich nachvollziehen. << und bei den letzten Worten warf er einen kurzen hasserfüllten Blick auf Smillas Mutter. Sie stand neben ihrem Vater in einem Saphirblauem Kleid und sah einfach bezaubernd aus.

>>Nun, wohl niemand mag meinen Vater so wirklich verstehen. << gab Smilla, einen Ton zu kühl, als Antwort zurück und Mr. Johnson blickte sie etwas verwundert an.

>>Wie auch immer. << er räusperte sich kurz bevor er mit kratziger Stimme weiter sprach. >>Dann möchte ich die Jugend mal nicht länger stören und mische mich unter meines Gleichen. << und schon war er in Richtung ihres Vaters verschwunden.

>>Endlich. << keuchte Lucas genervt. >>Und? Hast du dieses Haus auch schon auf den Kopf gestellt? << er ließ sich gerade von einem Hausmädchen ein Glas Rotwein reichen als er Smilla die Frage stellte.

>>Ich bitte dich Lucas, wir sind erst heute Morgen hier angekommen. So viel Zeit hatte ich leider nun wirklich noch nicht. Obwohl dieses Haus mich ganz besonderes fasziniert. <<

>>Ja ich muss zugeben deine Mutter hat da ein wirklich schönes Haus gefunden. Gefällt es deinem Vater auch? <<

>>Ich denke er mag es mehr als die letzten. <<

Ein lautes Klingeln unterbrach ihr Gespräch.

>>Guten Abend Ladies und Gentlemen. << begann Smillas Vater seine Begrüßungsrede und sofort wurde es still. Er hatte sich nie große Mühe machen müssen Aufmerksamkeit zu erlangen.
Ihr Vater Charles war schon immer ein ansehnlicher Mann gewesen den man mit Bewunderung und Respekt gegenüber trat. Er strahlte eine starke Autorität aus die jeden in seinen Schatten stellte. >>Nun da auch die letzten Gäste eingetroffen sind möchte ich sie alle in unserem neuem Herrenhaus herzlich willkommen heißen. Wie die meisten von Ihnen wissen ist dieses Treffen heute von höchster Wichtigkeit. Aber bevor wir uns den Geschäften zuwenden wartet ein schmackhaftes Abendessen auf uns alle. Bitte folgen sie doch meiner reizenden Haushälterin Audrey in den Speisesaal. Vielen Dank. << und mit diesen Worten löste sich die Stille wieder auf und die Herren und Damen liefen ganz aufgeregt in Richtung Speisesaal.

Lucas warf ihr einen Blick zu, der Smilla verriet wie sehr er Hunger hatte. Sie grinste, nickte und die beiden schlossen sich als Ende der Gruppe an.

>>Nervös Hexe? << flüsterte Lucas Smilla unauffällig zu bevor er sich mit eleganten Schritten von ihr entfernte und sich an seinen Platz, der sich ihr schräg gegenüber befand hinsetzte. Hexe war sein Spitzname für sie seit die beiden sich das erste Mal gesehen hatten.  Den Spitznamen hatte Lucas ihr natürlich nur wegen ihren roten Haaren geben. Als Kinder hatten die beiden immer gespielt, dass sie verbrannt werden sollte, doch Lucas rettete die Hexe und jedes Mal endete es so, dass die Hexe und der mutige Held heirateten. Bei dem Gedanken wie sie dort standen, sie in einem weissen Sommerkleid mit einem Blumenkranz und er in seinem Heldenkostüm stolz vor ihrem selbst gebastelten Altar, ließ Smilla in Erinnerung schwelgend tief in sich hinein lächeln.

Inzwischen spielten sie nicht mehr miteinander, doch ihre Freundschaft blieb über all die Jahre bestehen und Smilla war glücklich darüber, denn Lucas war der beste Freund den man sich nur wünschen konnte.

>>Aufgeregt? << ihre Mutter nahm neben ihr Platz und lächelte milde in die Runde. Wie immer saß sie nicht neben ihrem Vater, wenn Smilla dabei war. Ihr lag viel daran, bei ihrer Tochter zu sitzen um ihr Unterstützung zu geben. >>Ein kleinwenig. << flüsterte sie leise zurück.

Und so nahm der teuflische Abend langsam seinen Lauf, nichts ahnend schenkte Smilla Ihnen ein freundliches Lächeln in all die falschen Gesichtern, unwissend was für dunkle Geheimnisse sich dahinter verbargen.

***

Und so nahm der teuflische Abend langsam seinen Lauf. Nichts ahnend schenkte Elliza Ihnen in all die falschen Gesichtern ein freundliches Lächeln, unwissend was für dunkle Geheimnisse sich dahinter verbargen.

Zuerst lag unruhiges Getuschel in der Luft, doch als alle Gäste saßen erhob sich Ellizas Vater erneut: "Guten Abend. Wie schon gesagt ich bin sehr darüber erfreut, dass Sie alle heute Abend erschienen sind und Zeit für mich gefunden haben. Nicht alle von Ihnen wissen den wirklichen Grund für dieses Treffen und doch sind Sie hier her gekommen, dafür möchte ich Ihnen danken. Jedoch muss ich Ihnen leider mitteilen, dass Sie den Grund dafür wohl auch niemals erfahren werden, so Leid mir das tut, aber ich bin sehr erfreut über Ihre Gesellschaft. Ich denke es wird ein sehr interessanter Abend und ich hoffe, dass Sie alle genauso viel Spaß wie ich haben werden. Nach dem dem Essen werde ich mich und einige meiner Geschäftspartner leider dann von Ihnen verabschieden. Meine reizende Frau Camilla jedoch wird bei Ihnen bleiben und Sie werden sehen welch unterhaltsames Programm wir für Sie vorbereitet haben. So, nun genug der vielen Worte! Ich wünsche Ihnen allen einen guten Appetit." und mit den letzten Worten schwangen die großen Flügeltüren auf und die Hausmädchen servierten das Essen.

Beeindruckt klatschen die Gäste und auf den Gesichtern einiger, den wohl Unwissenden, breiteten sich Fragezeichen auf den Gesichtern aus. Während die ersten schon das Essen auf die Teller geschöpft bekamen begann das kleine Orchester zu spielen und ein scheinbar perfekter Abend begann in bester Atmosphäre. Lucas grinste Elliza über den Tisch hinweg zu. Gerne wäre sie neben ihm gesessen, denn der kleine dicke Mann von der Dame mit der Turmfrisur saß auf der anderen Seite von ihr und roch unangenehm nach Schweiß. Elliza musste sich beherrschen nicht ihre Nase angewidert zu rümpfen. Mary beugte sich gerade neben ihr über den Tisch und schöpfte Elliza eine kleine Portion auf ihren Teller. "Wie halten Sie das nur aus Miss Elliza?" flüsterte Mary ihr so leise zu das es niemand hören konnte. Es war den Hausmädchen verboten ohne Aufforderung zu sprechen.
"Das weiß ich selbst nicht, ich denke aber sehr viel länger überlebe ich diesen Gestank auch nicht." kaum hatte Elliza ihr die Worte zu Ende zurück geflüstert, lief Mary schon zum nächsten, trug dabei aber ein kleines Grinsen im Gesicht. Und auch über Ellizas Gesicht huschte ein heimliches Grinsen und aus den Augenwinkeln konnte sie auch eines auf den Lippen ihrer Mutter entdecken. Als alle Gäste endlich Essen vor sich stehen hatten stand Mr. Corville auf um einen Trost aus zu sprechen. Langsam kehrte wieder Ruhe ein, doch es wurde nicht wieder so still als vorhin als Ellizas Vater gesprochen hatte.

"Guten Abend, wie die meisten von Ihnen wissen bin ich Mr. Corville für alle denen das noch unklar war, nun wissen Sie es." Sofort lachten ein paar leise. "Ich kenne Charles schon seit er ein kleiner Junge ist und seit dem stand ich immer treu an seiner Seite, wie auch heute Abend. Und ich muss ehrlich sein, so einen festlichen Abend wie diesen gab es in all diesen Jahren mehr als nur genug. Doch heute ist es ein ganz besonderer Abend. Ich bin davon überzeugt, dass er unvergesslich wird für alle anwesenden hier. Also erheben wir unsere Gläser und stoßen auf den erfolgreichsten englischen Mann in der Geschichte an." und wie auf Kommando erhoben sich alle dreißig Herrschaften an dem großen Marmortisch und hoben ihre Gläser hoch in die Luft.
Ein stechender Schmerz durch zuckte Elliza und gerade als auch sie sich erheben wollte wurde sie von einer inneren Kraft nach vorne auf den Tisch gestoßen. Sie schaffte es sich gerade noch so mit ihren Händen am Tischrand aufzufangen. Erschrocken blickten alle zu ihr hin. "Elliza Schätzchen alles in Ordnung? Elliza hörst du-" doch die Stimme ihrer Mutter entfernte sich immer weiter von ihr. Und plötzlich war alles totenstill.

Die schwärze vor ihrem inneren Augen verschwand und plötzlich konnte sie alles wieder sehen, auch sich selbst, mit erhobenem Glas stand sie wie alle anderen höflich lächelnd da und sah zu Mr. Corville und ihrem Vater.

"Prost!" rief Mr. Corville auffordernd und sofort nahm jeder einen Schluck. Ellizas Vater trank genüsslich von seinem Rotwein, der in dem großen Weinglas unruhig hin und her schwappte.
Und plötzlich durchzuckte es ihren Vater. Seine Augen wurden groß und mit schmerzerfülltem Blick packte er Mr. Corville an der Schulter um nicht um zu kippen. "Charles? Charles!" schrie Mr. Corville erschrocken. Und auf einmal stand ihre Mutter neben ihrem Vater. "Liebling! Hörst du mich!?" doch ihr Vater konnte sie nicht mehr hören. Mit leerem Blick starrte er an die Decke wo ein goldener Kronleuchter hing. Schaum quoll aus seinem Mund und Blut lief ihm aus der Nase. Seine Haut war ganz blass wie die einer Leiche.

Wieder durchfuhr es Ellizas Körper, sie zuckte und stöhnte vor Schmerz auf. Dann riss sie ihre Augen auf und sah auf einen vollen Teller mit köstlichem Essen. Langsam erhob sie ihren Kopf und sah in viele entsetze Blicke. Und dann verfingen sich Lucas Blicke mit ihren. "Was ist?" formte er lautlos seine Lippen. Schnell sah Elliza zu ihrem Vater, wie eine Statue stand er mit seinem, noch vollem Weinglas, neben Mr. Corville und sah seine Tochter mit besorgter Miene an.

"Tri- trink das nicht!" rief sie mit zittriger Stimme ihrem Vater zu. "Trink den Wein nicht, er ist vergiftet!" sofort ging ein erregtes Raunen durch die Menge. Und die meisten schüttelten nur herablassend den Kopf und verdrehten die Augen.

"Immer diese Aufmerksamkeits Probleme in diesem Alter, furchtbar so was. Pubertät. Schrecklich! Zum Glück haben wir keine Kinder, Tom." hörte Elliza die alte Turmfrisuren Dame ihrem dicken Mann zu flüstern. Sie musste sich mit aller Kraft zusammen reißen, um sich nicht zu ihr zu drehen und ihre böse Worte an den Kopf zu werfen. Hilfe suchend sah Elliza zu ihrer Mutter und sie war überrascht als sie deren Blick sah. Keine Frage, ihre Mutter hielt sie nicht für verrückt. Es kam Elliza so vor als wusste sie genau was ihre Tochter soeben erlebt und gesehen hatte.

Unmöglich, schoss es Elliza durch den Kopf. Sie hatte eine Vision gehabt.

"Elliza Schätzchen, ich denke es ist Zeit für dich auf dein Zimmer zugehen." die Stimme ihres Vater klang streng und wütend. Er glaubte wohl auch, dass sie Aufmerksamkeit erregen wollte und somit ihm die Show nahm. Ein hässlich schrilles kichern drang an ihr Ohr und Elliza wusste genau zu wem es gehörte. Tief in ihrem Bauch brach wilder Zorn aus, doch mit aller Kraft unterdrückte sie ihn. "Aber Dad- ich meine Sir - "

"Nichts aber. Wir können so ein unreifes Verhalten heute Abend nicht gebrauchen. Ich habe wirklich mehr von dir erwartet Elliza. Du hast mich schwer enttäuscht."

Lucas sah erwartungsvoll zu Elliza, so wie alle andern auch. Scham stieg in ihr auf, doch der Zorn in ihrem inneren war nicht mehr zu halten. Sie schob ihren Stuhl zurück so das er umflog, wieder ging ein gehässiges Geraune rum, dann lief sie mit schnellen Schritten zu ihrem Vater und ohne nachzudenken schlug sie ihm das Glas aus der Hand. Der Wein saugte sich in den kostbaren Teppich und kaum hörbar zersprang das Glas in viele Scherben.

"Du musst mir nicht glauben aber ich lasse dich nicht einfach sterben."

Stille.

Ein schallendes Knallen durch fuhr den Raum und Ellizas Wange brannte so sehr wie noch nie. Tränen liefen  über ihr Gesicht und erschrocken starrte sie ihren Vater an. Das war das erste Mal das er sie geschlagen hatte.

Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und rannte weg, so schnell sie konnte. Elliza wollte nur so weit weg wie möglich von diesem Ort, diesen Leuten. Und als sie den Speisesaal durch die große Flügeltür verließ hörte sie wieder dieses grässliche Kichern das einen zornigen Drachen in ihrem Bauch weckte.

Part 3: Finstere Pläne

So schnell wie Ellizas Füße sie tragen konnten, rannte sie die große Wendeltreppe hinauf. Stürmte den langen Flur entlang bis in den Westflügel des Hauses in dem sich die Schlafzimmer befanden. Doch sie ging nicht in ihr Zimmer, sondern rannte in Richtung Speicher. Flink war sie die alten Stufen hinauf gerannt, hatte die knarrende Tür auf gestoßen und verkroch sich weit in dem hintersten Eck des Dachbodens. Dort ließ sie sich nieder und vergrub schluchzend ihr Gesicht. Sie wusste nicht was geschehen war, wie sie plötzlich sehen konnte was passieren würde. Und im Moment war ihr das auch nicht wichtig. Der Schmerz und die Wut in ihrem Bauch waren einfach viel zu groß. Noch nie war ihr Vater so zu ihr oder ihren Brüdern gewesen. Er gehörte nicht zu der Sorte von Mensch, er war verständnisvoll und meist sehr gerecht. Doch heute Abend hatte er sie als eine Lügnerin dargestellt und vor aller Öffentlichkeit geschlagen. Elliza hatte nicht gesehen wie ihre Mutter darauf reagiert hatte, doch heute Nacht würden sich ihre Eltern kein Bett teilen, da war sie sich sicher. Ihr Körper zitterte und sie fühlte sich so schwach und einsam. In Mitten dem alten Krust suchte sie nach Trost, doch die Tränen liefen weiter über ihre kalten Wangen und ihr Vater kam nicht um sich zu entschuldigen. Kam nicht um zusagen das sie Recht hatte und er ihr sein Leben verdankte, er kam einfach nicht und blieb fort bei Leuten die ihm den Tod wünschten.

Einen grausamen Tod, huschte es durch ihren Kopf. Noch immer sah sie das Leichen bleiche Gesicht ihres Vaters direkt vor ihren Augen. Der leere Blick, das viele Blut und dieser eklige Schaum der ihm über das Kinn lief und seinen schicken Anzug versaute. Wer hatte ihn wohl versucht umzubringen? Es gab zu viele mögliche Täter. Doch eigentlich brannte ihr die Frage wieso noch viel mehr auf der Zunge. Sie wusste, dass ihr Vater sehr erfolgreich war, sehr angesehen und bei den Leuten beliebt. Natürlich besaß ein so mächtiger Mann wie er auch eine Menge Feinde. Aber Elliza hatte geglaubt er wäre klug genug um zwischen Freund und Feind unterscheiden zu können. Doch anscheinend war er das nicht der Fall.

"Elli bist du hier?" die warme Stimme unterbrach ihre Gedanken und ein warmes Gefühl machte sich in ihrem Magen breit.
"Ja… ja ich bin hier hinten." schnell wischte sie sich über die Augen um die Spuren ihrer Tränen zu verwischen. Lucas war sehr ungeschickt dabei zu ihr zu gelangen, ständig blieb er irgendwo hängen, fluchte leise auf und schmiss irgendetwas um.

"Man ist das scheiße eng hier! Ich bin eindeutig zu alt für so was."

"Zu alt für was?" fragte Elliza überrascht.

"Zu alt um so einem weinenden Mädchen wir dir nach zu rennen und sie in einem fremden, viel zu großen Haus auch noch zu suchen. Ohne Mary hätte ich diesen Speicher niemals gefunden. Mir war klar, dass du hier sein würdest." Endlich hatte er sie erreicht. Seufzend ließ er sich neben ihr nieder und kniff ihr freundschaftlich in den Arm. Kaum hatte er sie berührt brach Elliza auch wieder in Tränen aus. Beruhigend nahm er sie in den Arm und streichelte ihr liebevoll über den Rücken.

"Du hast nichts falsch gemacht Elliza, dein Vater hat total überreagiert. Egal was er auch ist, er bleibt dein Vater. Und ein guter Vater schlägt seine Kinder nicht." Sein Worte waren Balsam für ihr schmerzendes Herz. Seine Nähe war ihr so vertraut, bei ihm konnte sie sich so geborgen und sicher fühlen wie bei sonst niemanden. Sein Duft erfüllte ihre Nase und genüsslich zog sie diesen Duft auch ein.

"Ich habe es gesehen Lucas. Meinen Vater, wir er starb."
Leise schluchzte sie auf sein dunkel blaues Hemd das er trug.
"Ich bekomme dieses Bild nicht mehr aus meinem Kopf. Es hat sich eingebrannt. Und das schlimmste, ich weiß das es kein Traum ist oder kein blöder Gedanke von mir, es ist Wirklichkeit. Es hätte heute Abend sterben sollen. Was auch immer später besprochen werden sollte, worüber Sie reden werden. Dieses Treffen scheint wichtiger zu sein wie sie tun. Ich meine, weshalb lädt er sonst noch unwichtige Gäste ein? Und macht so ein riesen Fest? Ich denke das Ganze soll ablenken, so das man nicht darauf kommt wie wichtig es wirklich ist, sondern viel mehr glaubt es sei nur eine aufgesetzte nicht ernstzunehmende Sache. Oder irgendwie so."

Lucas schwieg eine Weile und dachte über ihre Vermutung nach. "Und du hast deinen Vater wirklich gesehen? So richtig?"

"Ja, es war eine Vision. Es war total… erschreckend… so was ist mir noch nie passiert."

Wieder war es eine Weile lang still. "Ich weiß, ich weiß. Vision klingt so komisch aber selbst wenn ich nicht mal weiß was eine Vision genau ist, so habe ich es einfach im Gefühl das ich mir sicher sein kann, das es eine war."

"Okay… seltsam. Angenommen deine Vision stimmt dann-"

"Sie stimmt Lucas, glaub mir."

"Gut wie du meinst. Aber wieso? Und vor allem warum genau heute Abend, wenn so viele Zeugen dabei sind. Das wäre doch unklug."

Elliza löste sich langsam aus seiner Umarmung, setzte sich wieder gerade hin wischte sich die letzten Tränen weg und dachte angestrengt nach. "Du hast Recht, es wäre unklug. Oder vielleicht soll es auch nur unklug wirken. Ich weiß auch nicht richtig… aber es sagt mir, dass dieses Treffen heute enorm wichtig sein muss, sieh doch nur wie mein Vater ausgerastet ist. Du kennst ihn, das ist nicht typisch für ihn, so ein verhalten. Er muss unter extremen Druck stehen."

"Das mag wohl stimmen, dein Vater würde dich niemals einfach so schlagen, zu mindestens nicht wegen so was. Dieses Verhalten trifft wohl eher auf meinen Vater zu aber nicht auf Charles. Dein Vater weiß was sich gehört, was richtig und falsch ist, das hat er von deiner Mutter gelernt." Elliza war froh das sie mit Lucas darüber reden konnte, vor allem wegen der Sache mit ihrem Vater. Es war wichtig für sie, dass er ihn so gut kannte und wusste wie er war, sonst würde man ihren Vater wohl, für einen unangenehmen, Geld gierigen Menschen halten. Aber so war er nicht, wirklich nicht. Lucas hatte Recht, ihr Vater war ein guter Mensch mit Anstand. Dass er sie geschlagen hatte musste daran liegen das er unter enormen Anspannungen stand auch wenn sie nicht wusste weshalb. Noch nicht wusste, korrigierte sie ihre Gedanken.

Eines hatte sie sich in den Kopf gesetzt, sie würde ihrem Vater beweisen, dass sie Recht gehabt hatte. Auch wenn sie nicht wusste wie und die Chancen dafür ziemlich gering waren, sie würde es beweisen.

"Sollen wir in dein Zimmer gehen? Es wird langsam ungemütlich hier oben." Lucas klang leicht gequält und Elliza wollte ihn nicht länger leiden lassen. Leise lachte sie auf.

"Ja ist in Ordnung. Naja, sofern du es schaffst wieder in mein Zimmer zu gelangen ohne dir nicht noch mehr blaue Flecken einzufangen."

"Ich werde die Schmerzen hinnehmen wie ein Mann." sagte er mit stolzer Stimme, schlug sich dabei auf die Brust und zwinkerte ihr zu. Mühsam liefen die beiden den langen Speicher wieder entlang zurück in Richtung der Schlafsäle. Die Luft war noch immer sehr heiß und stickig, natürlich blieb Lucas hin und wieder an scharfen Ecken hängen und verfluchte das alte Haus.

Als sie endlich das angenehm kühle Schlafzimmer betraten, ließ sich Lucas erschöpft auf ihr Bett fallen. "Man, was für ein Abend. Wer hätte gedacht, dass er doch noch so lustig werden würde?"

"Lucas, so was ist nicht witzig."

"Dann haben wir wohl ziemlich unterschiedliche Ansichten dies bezüglich. Ich fand es sehr unterhaltsam. Gut, lustig ist übertrieben aber es war mal etwas anderes."

"Es war schrecklich."

"Das ist in diesem Raum nur deine Meinung Elliza." er grinste frech und zog sich seine schwarzen Lederschuhe aus. Laut gähnte er, streckte seine Arme weit von sich weg und sank dann wieder genüsslich zusammen. "Dein Bett ist echt super bequem."

"Wo ist nur dein Benehmen hin?" Genervt schlüpfte nun auch Elliza aus ihren hohen Schuhe, welche ihr einige hässliche Blasen an den Füßen beschert hatten. "Ich hasse solche Schuhe." schimpfte sie leise vor sich hin, während ihr Fingerspitzen sanft über die Blasen fuhren.

"Ich habe mein Benehmen nicht verloren, nur vor dir muss ich doch nicht so tun als würde mich mein Stand interessieren oder?"

"Aber du könntest so tun, als ob es dir nicht ganz egal ist, was ich von dir halte. Zu dem wirft man sich nicht mit Kleidern vom Tag in ein Bett, das ist eklig."

Wieder lachte Lucas auf: "Sei nicht so spießig."

Ihre Lippen verzogen sich zu einem Grinsen und bevor Lucas rechtzeitig ausweichen konnte warf sie auch schon ihren Schuh nach ihm und traf ihn mitten in den Bauch. Sofort sprang Lucas darauf vom Bett auf schnappte sich Elliza und warf sie sich mit großer Leichtigkeit über die Schulter. Laut lachte sie auf und schlug ihm auf den Rücken. "Nein bitte, lass mich wieder runter!"

"So nicht junges Fräulein! Hmm… wo ist wohl der beste Ort für dich? In der Dusche? Oder vielleicht doch lieber im Schrank?" Lucas trug sie als sei Elliza leicht wie eine Feder. Er war sehr stark, hatte breite Schultern und einen muskulösen Oberkörper. Sie konnte jeden Muskeln unter sich spüren und auch seine starken Arme die sie so einfach fest hielten, beeindruckten sie immer wieder aufs Neue. Ein zartes Klopfen an der Tür ließ beide zusammen zucken. Sofort ließ Lucas sie wieder runter. Elliza tastete ihre Frisur ab und versuchte sie so gut es ging wieder hin zu richten. Auch Lucas fuhr sich mehrmals durch sein blondes wildes Haar bis es wieder etwas ordentlicher lag.

"Herein."

Die Tür schwang mit einem leisen Knarren auf und Mary trat ein, zuerst blickte sie überrascht zu Lucas und Elliza, die beide ganz außer Atem mit glühend roten Wangen unsicher nebeneinander standen. Als ihr Blick über das, durch Lucas verursachtes, unordentliche Bett schweifte und sie die Schuhe auf dem Boden sehen lag, zog sie ihre Augenbraue überrascht nach oben.

"Entschuldigen Sie Miss Elliza-"  Mary sah kurz ziemlich unsicher zu Lucas. "Sir. Ich wollte Sie nicht stören, ich komme später wieder."

Einen Moment war Elliza sprachlos, dann lachte sie laut auf. "O nein, Mary es ist nicht so wie es aussieht wirklich nicht. Komm ruhig rein du störst doch nicht."

"Nein ich muss gleich wieder runter in die Küche, es wird demnächst das Dessert serviert. Ich wollte nur nachsehen ob alles in Ordnung mit Ihnen ist. Wie ich sehe sind Sie in bester Stimmung." sie zwinkerte den beiden zu und dann war sie auch schon wieder verschwunden. Lucas und Elliza starrten noch eine Weile still auf die Tür durch die Mary gerade so plötzlich aufgetaucht und wieder verschwunden war. "Ich vermute mal sie glaubt dir kein Wort." grinste Lucas und sah zu ihr.

"Das Gefühl habe ich auch."

Lucas bückte sich um seine Schuhe vom Boden wieder auf zu heben, plötzlich hielt er inne und schaute neugierig unter Ellizas Bett. Ohne zu fragen zog er einfach die kunstvoll verzierte Kiste, die Elliza auf dem Speicher gefunden hatte, hervor und warf ihr fragende Blicke zu.

"So viel zu, du hattest noch keine Zeit?"

"Ich habe ja noch nicht mal einen Brief gelesen wegen, wie schon gesagt, Zeit Mangel." genervt verdrehte sie ihre Augen und nahm ihm die Kiste ab. Kaum berührten Ellizas zarte Finger das alte Holz durchfuhr es ihren Körper vor Erregung, ihr Herz schlug schneller und auf einmal konnte sie es nicht mehr abwarten die Briefe zu lesen.

"Ziemlich hässlich diese Bilder darauf." gab Lucas trocken von sich und begutachtete die tanzenden Feen auf der Kiste.

"Manche würden es als kitschig bezeichnen, ich finde es ist wunderschöne Kunst." Elliza warf ihm wütende Blicke zu bevor sie einen Stapel Brief heraus holte und sich gemütlich auf ihr Bett setzte. "Du findest alles schön das modische Leute als Müll bezeichnen würden, das hast du eindeutig von deiner Mutter geerbt." Er zwinkerte ihr mit seinem typischen frechen Lucas Grinsen zu und sie konnte einfach nicht anders als sein Grinsen zu erwidern. Gespannt öffnete Elliza den ersten Brief Umschlag und zog ein gelbliches Papier heraus. Ihre Augen leuchteten vor Anspannung und beschämt musste sie feststellen, dass ihre Hände vor Aufregung leicht zitterten.

Aus dem Augenwinkel konnte Elliza genau sehen wie Lucas in sich hinein schmunzelte, sie wusste wie amüsant er es fand, wenn sie aufgeregt alte Briefe las. Umso lustiger war es dann immer für ihn, wenn Elliza von dem Inhalt enttäuscht wurde. Liebesbriefe mochte sie am meisten, manche davon sammelte sie auch heimlich. Zu schade war der Gedanke, Gefühle und liebende Worte vergangener Persönlichkeiten zu vernichten, stattdessen ließ sie sich viel lieber von fremder Liebe inspirieren. Und in vielen einsamen Nächten hatten ihr diese Briefe schon Trost geschenkt.

Ellizas Stirn legte sich in kleine nachdenkliche Falten und konzentriert wanderten ihre Augen über das gelbliche Blatt Papier in ihren Händen. "Was ist Elliza? Was liest du?"

Nachdenklich schüttelte sie ihren Kopf. "Nein, es ist nicht… ich lese nicht… es ist nun, nur eine Karte von unserem Haus. Alle Räume sind darauf sorgsam gezeichnet und beschriften worden, sieh nur das ist mein Zimmer." Neugierig rutschte Lucas ein Stück näher zu Elliza heran und sah sich die Karte aufmerksam an. "Seltsam, manche Räumlichkeiten gibt es nicht mal mehr."

Erstaunt sah er sie an. "Aber das würde dann bedeuten -"

"Wer auch immer vor uns hier gewohnt hat muss sein Haus umgebaut haben und zwar so, dass es geheime Räume geben muss."

"Hier, dein Zimmer müsste beinahe doppelt so groß sein als es jetzt ist." Lucas zeigt auf den Teil der wie aus dem Nichts verschwunden zu sein scheint. Beide sahen sich schnell in ihrem Zimmer um. "Das würde bedeuten das diese Wand erst später gebaut wurde, und zwar deutliche Jahre später als das restliche Haus." Wortlos stand Lucas auf und klopfte konzentriert die Wände ab. "Hörst du das? Diese Wand ist eindeutig dünner als die anderen, und auch nicht aus Stein, sondern Holz."

Die beiden sahen sich an und es war nicht schwer zu wissen was der andere dachte. Elliza hatte es von Anfang an gewusst, sie hatte gespürt, dieses Haus war anders. Irgendetwas rief sie um Hilfe. Irgendetwas versteckte sich hier und wartete nur darauf von ihr gefunden zu werden.

4 Kommentare

Pandora am 3. April 2014

BITTE SCHREIB WEITER!!!

Silberfee am 24. Februar 2014

Wow das ist echt SUPER. Bitte schreib weiter!!!!!!!

Franziska am 7. September 2013

Das ist total spannend. Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen

Ella am 29. August 2013

Wow! Ist das spannend! Echt SUPI geschrieben ich vordere eine Fortsetzung! Lg Ella