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Anna Lina

There's no such thing as old love

Ich habe eine kleine Geschichte geschrieben, eigentlich für die goldene Hochzeit meiner Großeltern... Dafür war sie dann aber doch nicht so passend. Ich hoffe, sie gefällt irgendjemandem!

Die Liebe ist wankelmütig, sie ist so sanft wie der Sommerwind und so zornig wie ein Schneesturm, wundervoll und furchtbar, alles zugleich. Die Liebe ist verletzlich und unverwundbar, schüchtern und mutig, groß und winzig klein, alles zugleich. Die Liebe hat viele Masken, sie verbirgt ihr wahres Gesicht, sie wechselt ihre Masken wie die Menschen ihre Geliebten. Die Liebe ist verspielt, sie spielt mit ihnen, die Menschen sind ihr Spielzeug, von Gott geschenkt.

Aber auch die Liebe kann ernst sein. Sie kommt und geht, bleibt mal kürzer mal länger, doch manchmal bleibt sie. Manchmal, doch immer seltener, ist die Liebe fasziniert, fasziniert von sich selbst. Eine Hochzeit, ein Tag der Freude. Die Liebe ist da, sie hat es sich in den Herzen des Brautpaares bequem gemacht und will dort auch für einige Zeit bleiben, je nachdem, wie gut diese Menschen ihr im Laufe der Zeit gefallen würden. Dann, eines Tages, würde sie gehen. Was sie den Menschen antat, die sie verließ, war oft schlimmer als der Tod. Lieber noch lebt man mit tausend gebrochenen Knochen, als mit einem gebrochenen Herzen. Und das Brechen von Herzen, das machte der Liebe Spaß.

Ja, eine Hochzeit, das Brautpaar tanzt, sie strahlen sich an. Die Liebe hat sich herausgeputzt, sie ist in ihrer vollen Pracht erschienen, schleicht im Saal herum, auf der Suche nach Opfern. Viele in diesem Saal spüren sie schon, einigen ist sie bereits zu Kopf gestiegen - Die Tänze werden wilder. Eine junge Frau betritt den Saal. Sie ist hübsch, vielleicht sogar sehr hübsch. Die Liebe begutachtet sie, misst sie ab, innen wie außen. Ein treues Herz, eine gute Seele, ein wenig zänkisch zeitweise, perfekt. Der Saal wirbelt herum, gefangen in einem undurchschaubaren Tanz. Die junge Frau steht am Rand, zögerlich, abwartend. Wartend auf was? Einen Tänzer? Nein! Die Liebe schwankt im Saal herum, sie ist überall, überall. Sie sieht einen jungen Mann, jung, kräftig, gutaussehend. Die Liebe, die Hochmütige, lächelt. Sie lächelt und hundert Herzen schlagen höher. Sie vermisst auch den jungen Mann, innen wie außen. Ein treues Herz, eine gute  Seele, immer den Schalk im Nacken sitzend. Perfekt. Die Liebe kennt ihn, den Schalk. Manchmal sind sie Freunde. Heute zum Beispiel. So grüßt die Liebe den Schalk und stürmt, ohne groß anzuklopfen, ins Herz des jungen Mannes. Dieser lässt sich nicht lange bitten, er hat die junge Frau schon gesehen. Seine Unentschlossenheit ist auf einmal wie weggefegt.

Die Liebe grinst. Ihr gefällt es gut hier, besser als in sehr vielen, den meisten?, anderen Herzen. Dann schließt sie die Augen. Für einen winzigen Moment lässt sie alle Masken fallen, alle Vorsicht, für den Bruchteil eines halben Atemzuges ist sie einfach sie selbst, unendlich und unsterblich. Die junge Frau kann sich nicht retten. Die Liebe, echt und unsterblich, ist die einzige Rettung, der einzige Untergang. Sie klammert sich daran, fängt den dornenbesetzten Rettungsring und zieht sich gierig daran hoch. Sie weiß, dass sie ihr altes Leben hinter sich lässt, dass sie mit jedem Schritt auf ihn zu einen Schritt von ihren Träumen weg macht. Doch ihre Träume sind nicht mehr was sie gerade noch waren. Sie treffen sich in der Mitte des Saales, und als sie sich an den Händen fassen fühlt die Liebe fast so etwas wie Glück. Sie beschließt in diesem Augenblick, dem Blick zweier Augenpaare, dem Verstehen zweier Seelen, dass sie bei diesen Menschen bleiben wird.

Dass diese Menschen es verdienen, dass sie bleibt. Sie ist sehr entschlossen und sehr ehrlich in diesem Moment, diesem Angleichen zweier Herzen auf einen Rhythmus. Es wird bis spät in die Nacht getanzt, bis in den Morgen hinein. Der Raum schwankt immer stärker, bis er schließlich umfällt und glücklich einschläft, taumelig. Auch die Menschen schlafen glücklich ein. Manche früher, manche später. Aber alle, ausnahmslos, glücklich. Nur ein halbes Jahr später findet eine weitere Hochzeit statt. Die Liebe ist Ehrengast. Sie öffnet ihre Augen nicht ein einziges Mal. Und das Brautpaar tanzt. Es tanzt ein Leben lang.

3 Kommentare

Aralc am 7. Oktober 2014

Oh ist das schön! Wahrheit ist dran, vielleicht wird deshalb rot als die Farbe der Liebe bezeichnet weil in ihr genauso viele Gegensätze stecken wie in der Liebe. Wunderschön schreib mal wieder für uns! LG Aralc

Anna Lina am 7. Oktober 2014

Dankeschön

Lollypop am 5. Oktober 2014

Aww, diese Geschichte ist sooo süß! Vor allem am Ende *träum* das hast du sehr sehr schön gemacht, Anna Lina!! Ich hoffe darauf, weiteres von dir zu lesen LG Lollypop