X

Hannah

The Underground

Kapitel 1

Jack war nie der Einzige, der an der U-Bahnstation stand und wartete. Worauf? Er selbst hätte es nicht sagen können.

Meistens waren es Leute in seinem Alter, die sich schweigend neben ihn stellten, und manchmal glaubte er, dass er sie bereits schon ein Mal hier gesehen hatte. Hätte er sie angesprochen,
hätte er sicher mehr erfahren können. Doch er zog es vor, nur zu beobachten und die Klappe zu halten.

Heute war es ein Mädchen, das sich scheinbar gelangweilt gegen die Wand mit dem Fahrplan lehnte. Es war ungefähr fünfzehn, etwas kleiner als er und schlank, hatte zwei feuerrote kurze Zöpfe, die gegenüber der blassen Haut unnatürlich wirkten, und eine Lederjacke. Sie hielt die Arme verschränkt und sah ziemlich lässig aus. Sie musterte ihn kurz aus braunen, mit dichten dunklen Wimpern umrahmten Augen, dann grinste sie abschätzig und sah in eine andere Richtung. Jack hätte zu gern gewusst, was sie hier suchte. Doch er tat nichts. Er würde sie ja eh irgendwann wiedersehen, wenn sie sich wieder neben ihn stellte. Das würde sie tun, das wusste er. Sie hatten es alle getan. Vielleicht war sie von zu Hause weggelaufen. Oder sie lief immer so rum: Schwarze Lederjacke, schwarze Jeans, schwarze Docs.

Zwei weitere Jugendliche schlenderten durch die Menschen zu ihnen herüber. Es waren Jungen, sie trugen Sonnenbrillen.
Sie konnten unter diesen jeden möglichen Menschen anstarren, doch irgendwie hatte Jack das Gefühl, dass ihre Blicke nur auf ihm lagen. Ihre blonden Haare waren kurz und hatten genau den selben Ton. Ihre Gesichter abwärts der Brille glichen sich bis ins Detail. Sie beide verzogen den Mund etwas zu ernst, nur der eine fuhr sich kurz mit der Zunge über den Mundwinkel. Sie zuckte schnell heraus, wie eine Schlange. Dieser fing nun an, den Bügel seiner Sonnenbrille zu befummeln, während der andere am Saum seines Pullovers spielte und schließlich die Hände in die Hosentaschen steckte.

Sie starrten ihn an.

Jack sah unmerklich zu dem rothaarigen Mädchen neben ihm. Wenn sie nicht ihn anstarren würden, wenn ihr Blick durch ihn hindurch ging, dann galt er ihr. Wenn es nur so wäre.

Das Mädchen hatte begonnen, mit ihrem Mund in die Richtung der Brillenzwillinge etwas Lautloses zu formen. Vielleicht hoffte sie, Jack würde es nicht sehen, vielleicht war ihr das egal. Noch bevor sie zu Ende geformt hatte, begannen die Jungs zu grinsen.
Der Linke zuckte mit den Schultern, das Mädchen seufzte leise und rollte genervt mit den Augen.

Jack kam sich furchtbar unsichtbar vor. Warum furchtbar?
Das war gut. Das bedeutete, dass es nichts mit ihm zu tun hatte.

Sie drückte sich vom Fahrplan weg, ging zu den Jungen rüber und zog sie an den Ärmeln von Jack weg in Richtung der Gleise. Er sah, wie sie leise, aber eindeutig aufgebracht auf sie einredete. Und kurz vor dem „Gleis 2“-Schild noch mal zu ihm zurücksah.
Jack versuchte ein Lächeln, doch da schaute sie bereits nicht mehr hin. Vielleicht versuchte sie, ihn zu ignorieren. Vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls zerrte sie die Jungen nun nur noch energischer weiter.

Dann eben nicht, dachte Jack.

Er schlang die Arme um den Oberkörper und setzte sich langsam in Bewegung. Hatte er vielleicht noch ein Ticket? Ein Kleines?
Bis Brooklyn würde es dann hoffentlich noch reichen, denn er hasste diese Station und hatte nicht vor, noch lange zu bleiben.
Sie war von denen, in denen er bis jetzt übernachtet hatte, am dreckigsten und stinkendsten. Jack fasste in seine Jackentaschen – und fühlte nur das löchrige Futter.

Mist.

Sollte er schwarz fahren? Vielleicht war es zu riskant? Er hatte gehört, sie hatten die Anzahl der Prüfer in den Bahnen erhöht.
Und die Strafpreise bei Schwarzfahrern auch.

Er hasste dieses neue System, er hasste die Leute, die es zugelassen hatten.

Die Staatskasse war leer. Das hatten alle gewusst. Die Staaten waren durch ein dichtes U-Bahnnetz verbunden, doch die Tickets und Fahrscheine waren unglaublich teuer. Ebenso wie der Staat waren auch die Bürger zu einem unglaublich goßen Teil pleite, doch man sah in der U-Bahn den neuen Geldhahn der Republik. Das neue Gesetz lautete; jeder Staatsbürger müsse einmal im Monat mit ihr fahren. Das wurde kontrolliert. Sehr streng.

Und woher wusste Jack das? Seine Eltern waren zwei von diesen inkompetenten Arschlöchen gewesen, die dieses bescheuerte Gesetz in Kraft gesetzt hatten.

Deshalb war er von zu Hause abgehauen. Aus Protest. Vor zwei Monaten. Das bedeutete, zwei Monate lebte er bereits auf der Straße, mit einem Rucksack und den Klamotten, die er am Leib trug. Viele hätten seine Entscheidung nicht verstanden. Sie hätten gemeint, er würde überreagieren. Das Schlimmste war nicht einmal die Meinung der anderen. Es war, dass er langsam selber Zweifel bekam, ob er das Richtige getan hatte. Durch seinen Ausbruch aus der winzigen unterbelichteten Reichenhölle würde er höchstens einen polizeilichen Suchtrupp mit Hunden, die an seinen benutzten Unterhosen schnüffelten, und Hubschraubern mit Scheinwerfern erreichen. Wenn überhaupt. Er wusste, wie viel er seinen Eltern bedeutete. Er war das „Familienjuwel“. War er nicht mehr da, würde die Firma seines Vaters nach dessen Tod nicht mehr existieren. Es sei denn, sie machten sich ein neues Kind. Ein besseres als Jack.

Das Einzige, was er wirklich vermisste, war das Essen und das warme Bett. Es war immer da gewesen. Niemand hatte ihn aus ihm herausgescheucht, weil es sich um ein „Privatgrundstück“ handelte oder so einen Scheiß. Er hatte das Gefühl, beim Stehlen und Betteln mit der Zeit seine Würde zu verlieren. Und viele Leute sahen ihn so komisch an, wenn sie einen Dollar oder meistens noch weniger in seine Hand zählten. So, als täte er ihnen Leid.
So ein Blödsinn. Sie taten ihm Leid. Dass sie sich an dieses Gesetz halten oder zahlen mussten. Beim ersten Verstoß siebzig, beim zweiten hundert, beim dritten hundertfünfzig.

Er schulterte seinen Rucksack und folgte den dreien zum Gleis.
Er war neugierig. Die Brüder (er war sich ziemlich sicher, dass es Brüder waren) hatten sich noch nie stumm zu ihm gesellt, er sah sie zum ersten Mal. Das Mädchen kannte er allerdings schon. Doch die Leute neben ihm waren immer von ihrer Sorte gewesen. Die dunklen Sachen. Die Springerstiefel, die aussahen, als wären sie bereits zwanzig Jahre alt. Der lauernde Blick, als sei er eine Art Beute.

Eine Bahn kam gerade aus dem Tunnel gerauscht, als er ankam. Eine Mutter zog ihre kleine Tochter zurück und presste sie gegen ihre Beine. Lose Zeitungsseiten, platt und schmutzig getrampelt, wurden aufgewirbelt. Die ganze Horde von Menschen schien einen Schritt zurück zu machen. Aus Respekt vor der Bahn.

Sie blieb mit quietschenden Rädern stehen, die Türen gingen pfeifend auf, und die Masse teilte sich wie das Rote Meer, als die Insassen ihr Inneres verließen. Einige Wagemutige schlugen sich bereits jetzt schon durch sie hindurch, um sich die besten Plätze zu sichern. Alle anderen warteten.

Als der Gleis beinahe leer war, suchte Jack mit den Augen nach dem Mädchen und den Brüdern. Doch sie waren nicht da. Nirgendwo zu sehen. Als die Bahn zum Anfahren heulte, schreckten ein paar auf, die auf ein paar Kunststoffbänken saßen und mit ihren Handys spielten oder in Zeitschriften blätterten. Jack war es gewöhnt, und er hörte das Heulen gern. Es hörte sich bei jeder U-Bahn anders an.

Statt den drei Gesuchten sah er einen untersetzten dicken Jungen mit einem dunklen, langen Mantel auf einer Bank hocken. Vornübergebeugt. Jede Ecke des Gleises beobachtend. Seinen misstrauischen, tief liegenden Augen schien keine Bewegung zu entgehen. Als ein Mann aufstand, um seinen Ausweis abzustempeln, sah der Junge zu ihm. Und weil der Automat genau vor Jack stand, sah er auch ihn.

Jack brach der kalte Schweiß aus, als er sah, wie forsch sein Blick war. Er musterte ihn, bis der Mann weg war. Jack erwiderte den Augenkontakt mutig, erkannte in seinem Gesicht, dass er älter schien als die drei anderen, und dass er ein reges Interesse an ihm zu entdecken schien. Als Jack schließlich davon ausging, dass er nun genug geglotzt hatte und sich abwandte, sah er aus den Augenwinkeln, wie der Junge einen Typen, der bis jetzt im Schatten gesessen hatte, anstupste und auf ihn aufmerksam machte, indem er auf ihn deutete.

Scheiße. Was wollten die von ihm? Er war wohl zu lange nicht mehr oben gewesen. Wahrscheinlich war bereits ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Er kannte seine Eltern.

Er drehte sich wieder zu den beiden um. Der hintere Kerl glich einem Gerippe mit Perücke. Er hatte einen schwarzen Irokesen, der aus irgendwelchem Grund in alle Richtungen abstand, und er trug mit silbernen Totenköpfen besetzte Springerstiefel zu einer Lederhose. Er saß ziemlich zusammengesunken da, sodass er noch dünner und größer wirkte, als er ohnehin schon war. Seine Haut hatte die Farbe von Kerzenwachs.

Als der dicke Junge aufstand, tat der Irokesentyp es ihm nach. Nebeneinander sahen sie aus wie Dick und Doof in Gothic-Version. Während der Dünne jedoch die ganze Zeit auf seine Schuhkappen starrte, während er seinem Freund unauffällig folgte, lag dessen durchdringender Blick nur auf Jack.

Wie zwei Zombies bewegten sie sich langsam auf ihn zu.

Panik stieg in Jack auf. In seinem Kopf funkte ein Schmerz auf. Wohin? Das war die einzige Frage, mit der er sich beschäftigte.

Zunächst hoffte er, die beiden würden nicht bemerken, dass er wusste, dass sie zu ihm wollten. Jedoch wusste er bald:
Sie hatten es gewollt.

Denn als er anfing zu rennen, taten sie es auch. Der Rucksack schlug unermüdlich auf seinen Rücken ein.

Menschenmengen waren wie junge Tiere. Als Jack sich mühsam durch sie hindurch schlug, fingen sie ebenfalls an zu schubsen und grober zu werden. Sie merkten, dass etwas nicht stimmte. Jack sah hoch zu der Schalttafel. Die nächste Bahn kam bald. Deshalb waren es so viele. Ein paar Übriggebliebene von der letzten Ladung gingen unbeeindruckt zum Ausgang.

Der Ausgang.

Jack kam ein Geistesblitz. Er kannte sich draußen im Verkehrstumult aus. Er kannte gute Verstecke. Und selbst wenn überall Plakate mit seinem Namen klebten. Hauptsache weg.

Er wetzte so schnell er konnte auf das blinkende Schild mit den Leuchtlettern zu. Er spürte den Boden zittern, hörte das Jaulen der Schienen und wusste, dass das der nächste Zug war. Gleich würde es hier leerer werden. Gleich würde es ungeschützter sein.

Er sprang um eine Ecke, rammte so gut wie blind irgendetwas, hörte empörtes Rufen. Als er sich umdrehen wollte, um den Abstand zwischen ihm und seinen Verfolgern abzuschätzen, stolperte er und strauchelte über eine leere Getränkedose. Sein Fuß knickte um. Er knallte gegen einen Mann, der Mann knallte gegen die Mülltonne, die neben ihm stand.

Alles landete auf dem Boden. Zuerst die Mülltonne, deren Deckel aufsprang und deren Inhalt sich über alle Schuhe im Umkreis von zwei Metern ergoss. Dann der Mann, dessen Uniform Jack viel zu spät als die eines Polizisten erkannte. Und schließlich auch er.

Während Jack sich von dem Schock zu erholen versuchte, nach Luft schnappte, sie aus Versehen runterschluckte und begann zu husten, mit tränenden Augen innerlich fluchte und sich so gut wie möglich aus dem Dreck stemmte, fing der Mann an zu schreien, was noch zwanzig Leute mehr mit den Köpfen herumschnellen ließ. Mit diesem peinlich berührten Publikum um sich herum brüllte der Polizist aus vollem Hals: „Kannst du nicht aufpassen, Junge!“

„Es – es tut mir unglaublich Leid, Sir“, stammelte Jack hustend und klopfte mit zitternden Fingern die Kekstüten und Bananenschalen von seiner Jacke.

Das hatte der Mann anscheinend überhört. „Sieh dir nur mal mein Hemd an, das war mal frisch gewaschen! Und jetzt; als hätte ich am Pranger gestanden!“

Jack spürte kräftige Hände, die ihn auf die Füße zogen, und quiekte aus Versehen wie ein Schwein. „Wir kümmern uns um ihn, Sir“, sagte eine tiefe Jungenstimme. Jack quiekte noch einmal entsetzt und fing an, wie ein Mädchen verzweifelt mit den Beinen zu strampeln, die leider ein paar Zentimeter über dem Boden schwebten. Mehr konnte er nicht machen. Die Hand hatte sich um sein Genick geschlossen und einfach zugedrückt. Sein Kragen zog sich zu und er fühlte einen scheußlichen Schmerz seine Wirbelsäule hochjagen. Mit hochrotem Kopf wünschte er, die Hand würde ihn erwürgen. Allein aus Scham und Wut.

Der Beamte zog sich an der Wand hoch und stellte den Müllkorb wieder auf. Er sah immer noch ziemlich verärgert aus. „Kennt ihr ihn etwa, diesen nichtsnützigen kleinen…“

„Ja“, unterbrach eine andere Stimme, die zweifelsohne aber von hinter ihm kam.
„Sogar ziemlich gut. Stimmts, Kleiner?“

Jack schnaufte zur Antwort, mehr brachte er nicht heraus.

„Na gut.“ Der Polizist kniff misstrauisch die Augen zusammen. „Aber passt bloß auf ihn auf. Irgendwoher kenne ich sein Gesicht. Irgendwoher.“ Er schüttelte den Kopf und verschwand.

Der Griff um Jacks Hals lockerte sich ein bisschen.

„Puh, ich dachte schon, der würde uns allesamt einknasten, so wie der geguckt hat.“ Er wurde abgesetzt. Er würgte und versuchte, die Hand zu lösen. Doch sie war wie aus Beton.

Die andere Stimme meldete sich. „Lass ihn besser los, bevor du ihm noch was tust. Sieh dir mal seinen Hals an, wenn du noch länger so presst, wird er noch brechen.“

Ja! Super Idee!

Als er endlich freigelassen wurde, war das erste, was er versuchte, die Flucht zu ergreifen.

„Na na na.“ Er wurde an beiden Armen gepackt und umgedreht.
Es war der große Schlanke, der ich festhielt und nun mit dunkel umschatteten Augen angrinste. „Bleib stehen, Kleiner. Wir tun dir auch ganz bestimmt nichts.“

„Was wollt ihr von mir?“, ächzte Jack und zerrte an seinen Armen, wodurch sie nur noch mehr wehtaten. Sein Hals brannte.

„Wart’s doch erst mal ab“, brummte der Dicke mit seiner tiefen Stimme.

Gemeinsam zogen sie Jack zurück zu den Gleisen, der Dicke links, der Große rechts. In der nächsten Zeit würde keine U-Bahn mehr kommen, deswegen war es hier ziemlich verlassen.

Bis auf die blonden Brüder und das Mädchen mit den Zöpfen.

Welche Überraschung.

Das Mädchen kaute jetzt Kaugummi und machte gerade eine Blase, als sie Jack und die zwei Jungs bemerkte. „Wo habt ihr denn so lange gesteckt?“, meckerte sie schmatzend, nachdem die Blase geplatzt war und sie die Kaugummireste von ihren Lippen gekratzt hatte.

„Es gab ein paar winzige Komplikationen“, erklärte der Dicke.
„Mr Superschlau musste ja unbedingt erst gegen einen Bullen und eine Mülltonne rennen.“

„Hat der was gemerkt?“, fragte einer der Blonden und zupfte nervös am Reißverschluss seines Pullovers. Wie paranoid. Als würde er direkt hinter ihnen stehen.

„Ne“, antwortete der Irokesenkerl, der Jack festhielt. Immer noch, zu dessen Leidwesen.

„Total intelligent von dir, Einstein“, bemerkte das Mädchen trocken und drehte kurz den Kopf nach links, um ihren Kaugummi treffsicher und mit hohem Bogen in den nächstbesten Mülleimer zu spucken.

„Was wollt ihr von mir? Geld? Irgendwelche Drogen?“, fragte Jack düster.

Das Mädchen grinste und streckte ihm die rechte Hand entgegen. „Hi. Ich bin Cindy.“

Abgesehen davon, dass er gerade von zwei Typen an sich gepresst wurde, hatte er so oder so vor, die Hand zu ignorieren.

Da er das auch stur tat, zog Cindy sie wieder ein. Beleidigt schien sie nicht. Sie steckte sich einen neuen Kaugummi in den Mund und begann, ihn mit den Zähnen zu bearbeiten. Während sie ihn überheblich musterte, sagte sie zwischen zwei Schmatzern:
„Also schön.“ Ihr Finger deutete auf die beiden Blonden. „Das sind die Daltons. Betrachte sie als deine Bodyguards.“

Bodyguards? „Bodyguards?“

Einem von den beiden entlockte es ein amüsiertes Lächeln. Es sah gruseligerweise so aus, als hätte man einen Spiegel neben ihn gestellt. Sie trugen dieselben Sachen, dieselbe Frisur, hatten sogar das selbe Muttermal auf der Backe.

Cindy fuhr fort. „Die neben dir sind Scar und Michael.“

„Scar ist kein Name“, behauptete Jack und sah zwischen den beiden hin und her, um herauszufinden, welcher von den beiden diesen bekloppten Namen trug. Er bereute es sofort, denn sofort kroch wieder eine eiskalte Hand in sein Genick und drückte dort ein bisschen herum.

Der mit dem Irokesen schnitt eine Grimasse. „Ach ja? Dann sieh dir das mal an, Kleiner.“ Er nahm zwei Finger und drückte damit seinen Kragen so weit herunter, dass Jack eine fingerdicke Narbe sehen konnte, die sich fast exakt seinen halben Hals herum zog, begonnen am mittleren Halswirbel bis hin zu seinem Kehlkopf,
der ihm beim Reden auf und absprang, so dass es aussah, als würde die Narbe sich bewegen, als er sagte: „Was hälst du jetzt von meinem Namen?“

Jack schwieg leicht beeindruckt. So eine Narbe wollte er auch.
Sie konnte Leute verstummen lassen.

Also war der Dicke Michael.

„Und du?“ Cindy legte den Kopf schief. „Wie heißt du?“

„Wieso sollte ich euch meinen Namen sagen?“, wollte Jack wissen. „Ihr könntet Gottweißwer sein. Wieso sollte ich euch auch vertrauen?“

„Berechtigte Frage“, meinte Cindy und sah zu Michael.

„Ach, halt die Klappe“, sagte der verärgert. „Du sagst uns jetzt deinen Namen, oder Scar drückt deine Scheißkehle so fest zu, dass du innerhalb von ein paar Sekunden erstickst.“

Wie, um Michaels Worten Nachdruck zu verleihen, fingen die frostigen Finger wieder an, in Jacks Nacken zu spielen.

„Nicht hier“, entschied er schließlich mit finsterem Gesichtsausdruck. „Wenn es denn sein muss. Aber ihr müsst mir versprechen, keine Scheiße zu machen.“

„Versprochen“, sagte Michael, als sei damit für alle gesprochen. „Okay, bringen wir ihn runter.“

Runter?! „Wohin?!“

„Runter“, wiederholte Scar und packte Jacks Arm fester, während Cindy und die Dalton-Zwillinge gefährlich zu den nackten Gleisen rübergingen.

Jack kam ein furchtbarer Gedanke. „Ihr wollt doch nicht…“
Seine Augen wurden größer.

„Nein“, sagte Scar. „Wir wollen runter.“

„Müssen wir die da ablenken?“, flüsterte Cindy und zeigte auf eine alte Frau, die als Einzige noch auf der Bank saß und an irgendetwas strickte.

„Die ist doch wahrscheinlich eh schon halb taub“, winkte ein Dalton mit einer überraschend angenehmen Stimme ab und ging ganz nah an die Kante. Er sah kurz runter auf die rostigen Schienen, dann sprang er leichtfüßig auf die Kohlen, die unter seinen Sohlen knirschten, so laut, dass Jack zusammenzuckte und vorsichtshalber zu der Frau rübersah. Sie hatte sich nicht gerührt. Oder sie tat jedenfalls so.

„Kommt schon!“

„Was macht der da?“, fragte Jack entsetzt, doch Scar presste ihm seine kalte Hand auf den Mund. „Fresse, Kleine!“

Der andere Zwilling sprang zu seinem Bruder runter, und dann halfen die beiden Michael, seinen massigen Körper auf die nackten Gleise zu wuchten. Und immer wieder zerbrach die Kohle für seinen Geschmack zu laut. Als Cindy auch unten war und alle zu Scar und ihm hochsahen, stieß ihn dieser vorwärts. „Los, Kleiner.“

„Nenn mich nicht…“

„Los!“

Er hatte es so drohend gesagt, dass Jack lieber still blieb. Er hockte sich an den Rand und ließ sich langsam wie in ein Schwimmbecken gleiten, erinnerte sich an den Pool im Garten seiner Eltern und seufzte sehnsüchtig auf, als seine Füße den Grund berührten.

„Kommt jetzt, sie warten bestimmt schon mit dem Abendessen“, drängelte ein Zwillinge.

Essen? Fantasien von gebratener Gans glänzten in Jacks Kopf auf, selbst das Wort Büchsensuppe ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen. Er hatte seit heute Morgen nichts gegessen, und sein Magen zog sich zusammen bei dem Gedanken, dass er, als er die Mülltonne umgerissen hatte, ruhig auch noch eine halb leere Chipstüte hätte entbehren können.

Scar zog ihn in den dunklen U-Bahnschacht hinein. Die anderen folgten, man hörte ihre Schritte gespenstisch laut. Sie gaben Echos. Irgendwo in der Ferne hörte man Schienen brettern. Sie stolperten eine Weile in absoluter Dunkelheit herum, bis Scar stehenblieb und etwas klicken ließ. Dann drückte er irgendwo eine Klinke auf und links von Jack fiel ein schmaler Streifen Licht in den Schacht.

Eine Tür von einem Luftschutzbunker. Sie quietschte beim Aufmachen und Scar ließ ihn los, um sie zur Seite zu drücken. Sie schien schwer zu sein.

„Rein mit dir.“ Er wurde von Michael hineingeschubst.

Zuerst sah er nicht besonders viel, nur einen türlosen grauen Gang mit stümperhaft gezogenen Wänden. Doch der Geruch nach etwas Vertrautem wies ihm ihne jeglichenWink de anderen in die richtige Richtung. Erst führte der Gang nach links, dann durch eine schmale Holztür, die er vorsichtig aufstieß, als könne sie unter seiner Haut zerkrümeln, und dann stand er in einem Raum.

Das Licht aus einer angelaufenen Glühbirne, deren Kabel die ganze Decke entlangführten war etwas heruntergedreht. Die Wände waren oktaederförmig, an einer Seite stand ein rostiges Stockbett ohne Leiter, auf dem ein paar Decken lagen. Ein alter Gasherd erinnerte das Luftschutzzimmer an eine heruntergekommene Küche aus einem Kinderfilm, den er mal gesehen hatte, und ein klappriger Plastiktisch mit drei völlig unterschiedlichen Stühlen machte die Ambiente komplett. Auf dem Herd stand ein blubbernder Topf, der schräg hängende Schrank darüber war geöffnet.

„Tja, dann mal willkommen“, prustete Cindy, als sei das was Witziges.

 

Kapitel 2

Nun sah Jack endlich, dass sie nicht allein waren.

Vor dem Herd stand eine kleine mollige Gestalt in einem gelben Trägerkleid. Sie rührte in dem Topf, dessen Inhalt der beste aller Wegweiser war. Als sie sich zu ihnen umdrehte, sah er, dass es ein Mädchen mit langen braunen Flechtzöpfen war. Sie lächelte und streifte Jack mit einem etwas längerem Blick aus klug aussehenden, braunen Augen.

Eine andere Silhouette hatte sich auf dem Stockbett geregt, ebenfalls ein Mädchen. Sie war größer als das andere, viel schlanker und ungewöhnlich blass. Seine grün gefärbten offenen Haare bissen sich herrlich zu den beiden rot schimmernden, wässrigen Augen, die in ihren recht glubschigen Höhlen schwammen und müde die neuen Besucher musterte. Sie kaute mit, vergleichbar mit der Haut, gelb erscheinenden Zähnen an ihren Fingernägeln. Die andere Hand lag auf dem Hosenbein einer dunkelgelben, viel zu weiten Latzhose mit Blümchentasche. Sie sah kränklich aus. Als Jack seine platte Nase sah, wusste er, was sie war. Eine Albino. Eine weiße Afrikanerin.

„Hallo, meine süße AJ“, sagte Scar. Jack war verblüfft, wie schmeichelnd seine Stimme sich anhören konnte. Er ging zu der Albino hin, die ihm die dürren Arme um den Hals schlang, als er sich zu ihr herunterbeugte und sie auf die Lippen küsste.
„Du schmeckst nach Zigaretten“, sagte die Albino, die anscheinend AJ hieß. Jack fragte sich, für was dies eine Abkürzung war.

Während dieser ganzen Szene war Michael zu dem anderen Mädchen hingegangen. „Na, Donna? Was wird denn das?“ Er machte Stielaugen, als er in den Topf zu schielen versuchte.

„Pasta“, antwortete Donna schlicht und setzte genervt hinzu:
„Und nein, bevor du fragst, ich hab da KEINE meiner Pflanzenreste zufällig reinfallen lassen.“

„Na, das will ich mal stark hoffen“, sagte Cindy belustigt und ließ sich auf einem Campingstuhl nieder. „Das letzte Mal war AJ deswegen eine Woche lang so grün wie ihre Haare.“

„Sehr witzig“, knurrte AJ und machte für Scar neben sich Platz. „Und wer ist das da bitte mal wieder?“

Wie dem Sinn dieser Frage zu entnehmen war, meinte sie mit das da Jack. Er rieb sich verlegen den Nacken. Wahrscheinlich waren da immer noch die Fingerabdrücke ihres Freundes zu sehen.
„Ich bin...“, setzte er an, doch ein Zwilling kam ihm zuvor.
Die beiden standen hinter ihm. „Das ist der Typ, der immer vor dem Fahrplan steht. Wir haben ihn mal mitgenommen, denn die Stadt ist mit seiner Visage geradezu zugepflastert.“

„Und wie heißt du jetzt?“ Donna ließ die Nudeln in der Spüle abtropfen. Es dampfte.

„Jack“, sagte er, erleichtert, dass ihn endlich mal jemand direkt ansprach. „Aber… unter meinem Gesicht stand doch wahrscheinlich auch mein Name auf den Plakaten“, meinte er verwirrt. „Den hättet ihr doch kennen müssen.

Der Zwilling zuckte mit den Schultern. „Erwartest du etwa von mir, dass ich extra wegen deinem Namen lesen lerne?“

„Wie auch immer“, machte Donna entnervt den Themenwechsel. „Willkommen, Jack.“ Sie häufte einen großzügigen Nudelhügel auf einen Teller, den sie aus dem Schrank holte, und schüttete etwas Ketchup darüber. „Ich hoffe, du magst Pasta.“ Sie hielt ihm die Portion mitsamt Besteck hin. Dankbar nickte er, nahm ihn entgegen und setzte sich Cindy gegenüber an den Tisch.

„Bekommt noch jemand was?“ Donna wandte sich zu AJ und Scar und sah nicht, wie Michael hinter ihrem Rücken eine Nudel aus dem Topf fischte und sie sich in den Mund steckte. „Danke, für mich nicht“, kaute er und pflanzte sich einfach auf den Boden.

„Kommt schon, Leute, wir können hier nichts einfrieren, das muss alles weg!“

Scar stand auf, um für sich und AJ etwas zu holen, und auch die Zwillinge bedienten sich. Als schließlich auch Donna mit einer Gabel im Topf herumzustochern begann, wagte es Jack, vorsichtig Fragen zu stellen.

„Ähm“, machte er und steckte sich nervös eine Gabel voll Nudeln in den Mund, als er merkte, dass ihn auf einmal jeder anstarrte.
Er kaute zu Ende, sodass er seine Frage lieber noch einmal überdachte, ob sie nicht doch zu dumm war, und stellte sie, als er runtergeschluckt hatte. „Was ist das hier eigentlich? Ich meine… ihr habt mir was zu essen abgegeben… mir wurde fast das Genick gebrochen…“ Er warf einen unsicheren Blick auf Scar, dessen Arm um AJ lag und der ihn ohne ein Anzeichen von Mimik ansah, genau wie sie. „Was macht ihr überhaupt hier? Das sieht aus wie ein…“

„Luftschutzbunker“, vervollständigte Cindy. „Hier haben sich die Leute im Zweiten Weltkrieg versteckt.“

„Wie auch immer“, erwiderte Jack, nun vollends aus dem Konzept gebracht, „Was…“

„Wir verstehen schon“, sagte Donna. „Du fragst dich, was du hier sollst. Und, was wir hier machen. Ist eigentlich ganz einfach.
Du kennst doch sicherlich das Gesetz.“ Sie sagte es so, als sei gleich klar, welches gemeint war. Was es ja auch war. Jack nickte, und Donna steckte ihre Gabel mit voller Wucht in die Nudeln rein, so heftig, dass der Topf klirrte und Jack sah, dass AJ zusammenzuckte.

„Wie dem auch sei“, unterbrach Cindy. „Wir rebellieren. Wir machen Aktionen. Na ja. Zumindest kleine. Wir haben alle schon etwas ausgefressen, deshalb bleiben wir größtenteils anonym. Du bist von zu Hause abgehauen, also würden wir dich aufnehmen, wenn du willst.“ Sie sah ihn aufmunternd lächelnd an. „Bei uns hast du einen Platz zum Schlafen und immer was zu essen. Die Konsequenz ist, dass du bei uns mitmachen musst, ich glaube, als Freundschaftsdienst können wir dich nicht einfach so mit durchfüttern.“

Das klang hart.

„Es geht uns nur um das Gesetz. Sonst nichts. Du musst also absolut dafür sein. Also, dagegen“, berichtigte sie sich.

Du musst, du musst, du musst. Jack fühlte sich nicht gut.
Die Blicke von allen lagen auf ihm, er musste irgendwas sagen.
Er ließ die Gabel sinken. Er fühlte sich auf einmal schuldig.
Sie hatten ihm bereits was zu Essen gegeben, er konnte jetzt nicht einfach Nein sagen und gehen, ohne ihnen einen Gegengefallen getan zu haben. Außerdem fand er ihre Argumente gut. Sie waren alle nicht dumm. Sie wussten, was sie wollten. Und auch ohne ihn würden sie irgendwann etwas erreichen. Und wenn es nur ein Aufenthalt im Knast war.

Es war genau das, was er wollte.

Er sah Cindy an. „Was glaubst du, warum ich weggegangen bin? Meine Eltern waren die Schweine, die das Gesetz überhaupt erschaffen haben. Klar bin ich dabei.“ Er lächelte.

„Yeah!“ Cindy gab ihm ein High-Five. „Wir sind um ein Mitglied reicher! Irgendwann kriegen wir noch unseren eigenen Internet-Blog wie Greenpeace.“

„Wir werden nie so erfolgreich sein wie Greenpeace“, sagte AJ und fuhr sich über die Augen. Anscheinend war sie ziemlich erschöpft, von was auch immer. „Aber immerhin sind wir ehrlicher.“ Sie zog die Beine an und schlang die Arme um sie. Scar lehnte sich dicht an sie und lächelte sie kurz von der Seite an.

„Und was macht ihr generell? Wie seid ihr eigentlich hierhin gekommen?“

Cindy zog mit ihrem Finger ein wenig von seinem Ketchup vom Teller. „Ich formulier es mal so: Jeder von uns hat was auf dem Kerbholz. Nehmen wir mal Donna.“ Donna schien nicht sonderlich begeistert über Cindys Wahl. „Sie hat einen ziemlich exotischen Pflanzenwahn und hat ihrem Bruder mal aus Versehen statt Oregano eine Prise Bella Donna ins Essen gemischt. Du kannst dir vorstellen, was dann passiert ist. Jedenfalls nennt sie sich nur noch so, stimmts, Donna?“ Donna wurde extrem rot und schob sich schnell etwas in den Mund. Cindy schien das nicht aufzufallen. „Oder Scar. Du willst lieber nicht wissen, woher er diese Narbe hat. Wir verstecken uns vor der Regierung, die so oder so mal einen Auswitscher verpasst bekommen sollte. Findest du nicht?“ Sie aß ihm beinahe die ganze Pasta weg.

„Aha“, war alles, was Jack dazu einfiel. Sein Blick schwenkte nach rechts, und er sah, wie die Daltons anfingen, seinen Rucksack umzukrempeln. Woher hatten sie ihn überhaupt? Hatte Scar ihn von seinem Rücken gerissen?

Ein Handy (er hatte vorsorglich die Karte entfernt, für den Fall, dass er geortet wurde), eine zusammengefaltete Karte des U-Bahn-Netzes und ein paar leere Coladosen fielen heraus, die er vergessen hatte wegzuschmeißen. Der linke Dalton löste den Deckel von dem Handy und sah nach, ob noch eine Karte drin war. War es natürlich nicht. „Wo hast du die SIM-Karte hingeschmissen?“, fragte er.

„New Jersey“, sagte er.

Dalton nickte. „Gut.“

Dann wurde nicht mehr geredet.

Michael hatte sich auf das obere Bett gestemmt und angefangen zu schnarchen. Er brauchte den Platz für sich alleine, während Scar und AJ sich das untere teilten. Jack wartete so lange, bis AJ eingeschlafen war und Scar mit leerem Blick an ihrem Ohr vorbeischaute.

Er sah Donna fragend an.

Sie lächelte leicht. „Du musst auf dem Boden schlafen, aber keine Sorge, er ist bequemer, als er aussieht“, flüsterte sie und griff in den Wandschrank, um eine zerschlissene braune Decke herauszuholen. „Du kannst dir ja den Platz mit Cindy teilen.“
Ein amüsiertes Grinsen zeigte, dass sie das für sehr lustig hielt, denn Cindy wurde auf einmal ziemlich rot.

„Mach dir um mich keine Sorgen“, erwiderte Donna und pickte sich noch ein paar Nudeln heraus. „Ich bin verschwunden, sobald ihr eingeschlafen seid.“

Das konnte bei Jack also noch ziemlich lange dauern. „Wohin?“

Doch sie antwortete nicht.

„Na komm, Kleiner.“ Cindy nahm sich die Decke, setzte sich auf den kalten Stein und rollte sich ein wie eine Katze. „Wenn du noch einen Zipfel Decke abbekommen willst, solltest du dich besser beeilen.“

Misstrauisch rutschte er vom Stuhl runter und robbte zu ihr hin. Sie gab ihm ungefähr ein Fünftel von dem Teil und wandte ihm den Rücken zu, sodass er, bis er angefangen hatte zu pennen, Donna beim Abräumen zusehen musste.„Und wo schläfst du?“, erkundigte sich Jack, denn er hoffte, doch noch woanders pennen zu können. Nichts gegen Cindy. Aber er hatte keine Lust, neben einem Mädchen zu schlafen, das er kaum vierundzwanzig Stunden kannte.

3 Kommentare

Mariella am 6. September 2013

WOW. voll spannend. Ich hoffe auf baldige Fortsetzung lg sophia

Elena am 30. August 2013

Da kann ich Ella nur zustimmen!

Ella am 29. August 2013

Ohhhh, ich liebe deinen Schreibstil und diese Geschichte. Die Figuren kann ich mir irgendwie voll gut vorstellen. Biiiiette! Schick noch eine Fortsetzung! Ich warte gespannt Lg Ella