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Fire

Rauschen

hallo! hier noch eine kurzgeschichte, diesmal ein etwas bedeutender moment ;) was haltet ihr davon? glg und viel spaß beim lesen fire

Fremder Hand geleitet
Falscher Wort' geglaubt
Fantastischen Traumes ereilt
Fiesen Leut' vertraut.

Sieh nur, wie er gleitet
Sieh nur, wie sein Leben taut
Sieh nur, wie die Zeit forschreitet
Sieh nur, was hast ihm geraubt.

Vielleicht, nun er auf Himmels Wolken weidet
Vielleicht, nun ist seine Welt aus Zuckerwatt' erbaut
Vielleicht, nun er in Seidenkleidern schreitet
Doch wahrscheinlich er im Sarge bald nur staubt.

 

Dem Knall folgt immer die Stille.
Hatten die anderen gesagt.
Doch es war nicht still. Über der ganzen Welt lag ein ohrenbetäubendes Rauschen.
Nicht wie ein Fluss, nicht friedlich und gleichmäßig, sondern wie ein kaputtes Radio.
Rauschen, Knacken, Lärm, der in ihren Ohren hallte und alles übertönte.
Wahrscheinlich gab es nichts zu übertönen, wahrscheinlich war es außerhalb des Rauschens auch tatsächlich still.
Sie atmete. Tief. Ein, Aus, Ein, Aus. Hörte ihren Atem nicht, nur Rauschen.
Dann öffente sie endlich die Augen.
Es wurde langsam hell, die Morgendämmerung kroch verschlafen die Häuserdächer entlang und weckte sanft die Vögel aus ihren Träumen.
Die Welt drehte sich weiter. Die anderen hatten Recht gehabt.
Ihre Hand war verkrampft. Sie konnte nicht loslassen. Egal...
Sie schloss die Augen wieder. Die Welt war zu schön. Zu scheinheilig.
Der Geruch stieg ihr in die Nase. Er war widerwärtig.
Sie beschloss, zu gehen.
Konnte nicht.
Sie konnte nicht loslassen, und mit ihr in der Hand konnte sie nicht einfach auf die Straße spazieren.
Wie praktisch man in so einer Situation dachte.
Der Geruch ließ sich nicht ignorieren. Kroch in ihre Nase, ins Gehirn. Ins Bewusstsein.
Es war gar keine Absicht gewesen. Nicht in dem Sinne. Mehr ein.. ein Versehen. So zu sagen.
Ein ungünstiger Umstand.
Er war zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Wäre es jemand anderes gewesen, würde der nun sein Schicksal teilen.
Nur es was ausgerechent er gewesen. Und er hatte sie auch nicht mehr aufhalten können.
Idiot.
Sie zwang sich, die Augen zu öffnen.
Rotes Morgenlicht.
Und sie zu senken.
Da lag er. Lag einfach da...
Es tat ihr leid. Sie hatte es nicht gewollt.
Doch ändern konnte sie es nicht.
Nur bedauern, vielleicht für den Rest ihres Lebens...
Sie öffnete ihre Hand. Wie viel Überwindung das kosten konnte.
Sie glitt aus ihren Fingern und schlug neben ihm eine Kerbe in die Dielen.
Wäre er doch davon aufgewacht...
Ein letzter Blick, dann drehte sie sich auf dem Absatz um und verschwand. Die Welt würde sie empfangen, als wäre nichts geschehen. Es interessierte die Welt nicht.
Die Tür schlug zu, der Geruch von frischem Blut würde sich nicht verbreiten können.
Doch ihre Schritte waren zu schnell, ihr Blick zu weggetreten, ihre Hand zu locker.
Nein.
Nein, es war nicht wie vorher.
Die Tür war zu hart zugeschlagen. Der Teppich war zu weich gewesen, ihre Abdrücke in ihm zu tief.
Es würde nicht werden wie vorher.
Kugeln entschuldigen sich nicht.

4 Kommentare

Sammy am 4. Dezember 2014

Das ist echt.. fantastisch! Ich liebe deinen Schreibstil. Das ist eins deiner besten Kurzgeschichten! LG Sammy

fire am 3. Dezember 2013

dankeschön euch beiden warum genau sie ihn umgebracht hat, weiß ich auch nicht. ich dachte da was in die richtung zwang/ wut/ mutprobe oder so was - denn sie wird ja beeinflusst und wollte eigtl gar nicht ihn umbringen... wer weiß, vlt fällt euch ja noch was ein?

Schneewittchen am 1. Dezember 2013

Ich fand das Gedicht am Anfang mega super!! Du kannst Gedichte so gut schreiben... Und, in der Kurzgeschichte find ich es irgendwie gut, dass man nicht sagen kann, warum sie ihn umbringt, das macht das alles iwie noch geheimnissvoller... Ich liebe deinen letzten Satz: "Kugeln entschuldigen sich nicht" <3 o.o Megagroßes Lob!!!!! Schneewittchen

Ella am 26. November 2013

Oha, das ist wirklich... Gut! Nein, nicht nur gut, FANTASTISCH!!! Ich finde es immer so toll, dass du bei manchen Geschichten am Anfang oder auch zwischendurch, ein Gedicht einbaust. Ich hab das total gern, wie du Stimmung auch noch dichtest! Du schreibst auch immer, nicht sehr einfache Themen und ich finde die setzt du aber sehr gekonnt um! Also, ich glaube, damit ist alles gesagt (einzig ein klein wenig schade fand ich, dass man nicht richtig rausarbeiten kann, wieso sie ihn umgebracht hat, und in welcher Beziehung sie zueinander standen/stehen. Aber, beim Lesen stört einen das ja nicht wirklich. Nur wenn man hinterher so darüber nachdenkt... ) Lg Ella