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Melisande

Mondjunge

Die Nacht kam. Dunkel und klar, voller Sterne. Das Licht des Mondes schien auf ein schmales, bleiches Jungengesicht. Es gehörte James. Er saß seit Stunden auf seiner Fensterbank und starrte in die Dunkelheit. Er mied das Tageslicht, doch er liebte die Nacht. Dadurch war sein früher kastanienbraunes Haar zu einem tiefen schwarz übergegangen. Aber James Augen waren nach wie vor warm und leuchtend grün.

„James?“, fragte eine ängstliche Stimme von der Zimmertür her.
„Was ist, Ed?“, wollte James wissen. Den Blick richtete er nicht auf seinen kleinen Bruder.
„Ich kann nicht schlafen“, sagte Ed zitternd. Nicht vor Angst, vor der Kälte. Das große Haus war sehr alt und kalt. James konnte es nicht riskieren, die Heizung anzuschalten, da er bezweifelte, dass die wahrscheinlich verstorbenen Bewohner den Strom noch bezahlten. Und Aufsehen konnten James und Ed nun wirklich nicht gebrauchen.

Zwei Jungen, die ausgerissen waren, wollten logischerweise nicht entdeckt werden.
James seufzte. „Komm her“, meinte er. Ed schlich durch das Zimmer auf ihn zu.
„Was soll ich machen, James?“, fragte er. James nahm Eds Hände in seine und sah ihn ernst an. „Ed, denk nach“, befahl er. „Auch wenn du nicht schlafen kannst, Hauptsache du strengst dich nicht mehr an. Auch wenn es dich sichtlich nicht anstrengt, zu mir zu kommen. Es ist eine Anstrengung für deinen Körper.“ Ed senkte den Blick. „Darf ich wenigstens was lesen?“, fragte er. „Na gut“, willigte James ein und führte seinen Bruder zu dem Lager im nächsten Zimmer. Dort hatte James aus Decken, Kissen und einer Matratze eine Art Bett gemacht.
„Kannst du mir ein dickes Buch bringen?“, fragte Ed und kuschelte sich unter eine Decke. James nickte und ging in ein anderes Zimmer.

Das ganze Haus war voller Bücher. Alte, neue, gute, schlechte, aufregende, langweilige, Sachbücher und Geschichten. Bücher, Bücher, Bücher. James störten sie nicht. Im Gegenteil, er fand die Umgebung von Büchern gemütlich. Er zog eins aus dem Regal. Es war staubig und man konnte den Titel nicht lesen. Vorsichtig blies James den Staub vom Buchdeckel. Jetzt konnte man roten Stoff und goldene Verzierungen erkennen. James schlug es auf, doch auch jetzt konnte man keinen Titel lesen. Weder auf der ersten, noch auf den folgenden Seiten war ein Titel. „Seltsam“, sagte James und stellte es zurück in das Regal. Er zog ein anderes heraus. Dieses sah eher neu aus und den Titel konnte man sehr gut lesen. „Reckless Steinernes Fleisch
James schlug es ebenfalls auf. Der Anfang gefiel ihm und so nahm er es mit.
„Hier“, sagte er und gab Ed es.
„Danke“, Ed lächelte. Er liebte Bücher so sehr.

4 Kommentare

Melisande am 5. Oktober 2014

Also erst einmal ein riesiges Dankeschön für das Lob von euch allen und @jemand: Ich weiß noch nicht, aber ich denke ich werde ein Fortsetzung schreiben.

ed am 26. Dezember 2013

Die Geschichte ist schön aber es fehlt die Handlung

jemand am 26. Dezember 2013

Die Geschichte ist echt toll geworden, klingt nach einem guten Anfang. Kommt noch eine Fortsetzung?

Ella am 7. Oktober 2013

Hi hi, cool dass du Reckless eingebaut hast Die Geschichte gefällt mir jetzt schon sehr gut!! Einzig auf ein paar kleine Wortwiederholungen bin ich aufmerksam geworden (jetzt konnte man roten Stoff erkennen .... Auch jetzt konnte man keinen Titel lesen .....) Trotzdem einfach toll!!! Lg Ella