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Mary

Marylin Trader

Kapitel 1

Viel Spaß beim Lesen! Ich würde mich über ein paar Meinungen freuen!

Verschlafen öffnete ich meine Augen. Die Sonne stand schon hoch am Himmel und schien warm auf mich herab. Immer noch lag ich im Gras auf der Lichtung im Wald und immer noch graste Mistral neben mir. Eine Weile beobachtete ich meinen Hengst, doch dann stand ich auf und ging zu ihm. „Na mein süßer?“ Er hob den Kopf und sah mich an. „Hat’s geschmeckt?“, fragte ich ihn gerade, als er den Kopf hoch warf und zum Wald hin sah. Äste knacksten und Schritte waren zu vernehmen. Mein Pferd schnaubte erbost. Schnell stellte ich mich auf die Zehen um über Mistrals Rücken zu schauen und da sah ich es: ein Mensch rannte durch den Wald, hastig, stolperte immer wieder und war dann verschwunden. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Hatte er oder sie mich beobachtet? Schnell vertrieb ich den Gedanken und schwang mich auf Mistrals Rücken.

„Marylin! Da bist du ja endlich! Sagte ich nicht du sollst heim kommen, bevor die Sonne südlich steht?“, schimpfe meine Mutter als ich unsere kleine Hütte betrat. „Tut mir leid, ich bin eingeschlafen und…“ „Mach dich lieber nützlich und putz den Boden“, unterbrach meine Mutter mich. Ich nickte und kramte aus einer Ecke den Putzkübel, einen Lappen und eine Bürste. Dann kniete ich mich auf den Boden und machte ihn nass. Ich war lange damit beschäftigt zu putzen, auch wenn unsere Hütte nicht groß war. Schließlich stellte meine Mutter Brot auf den Tisch und wir aßen jeder eine Scheibe. „Der Bäcker hat den Preis für Brot erhöht“, sagte meine Mutter leise, „ein Laib kostet jetzt drei Silbertaler. Zum Glück ist übermorgen wieder Markt in der Stadt. Dort kannst du Töpfe und Vasen verkaufen“ „Wann kommt Vater heim?“ Mein Vater handelte in verschiedenen Gegenden mit Waffen. Daher verdienten wir etwas mehr wie andere Leute. „Bald, hoffe ich“, antwortete meine Mutter. Ich nickte und stand auf. „Gute Nacht, Mutter“

Mistral ging langsam. Morgen war Markt. Würde ich etwas verkaufen? Ich war so in Gedanken versunken, dass ich gar nicht merkte wie Mistral stehen blieb. Erst als er den Kopf drehte, mich ansah und leise wieherte bemerkte ich, dass wir an seinem Lieblingsort angekommen waren: die Lichtung! Ich schwang mich von seinem Rücken und lies mich ins Gras plumpsen. Diesmal durfte ich nicht einschlafen, nicht jetzt! Ich durfte nicht wieder zu spät nach Hause kommen! Lange starrte ich in den Himmel, beobachtete die Vögel, wie sie davonflogen. Dann holte mich ein leises knacks in die Gegenwart zurück. Ich setzte mich auf und da sah ich es wieder. Es war ein Mädchen in einem Kleid, sie stolperte durch den Wald davon, genau wie gestern. Schnell rappelte ich mich auf und rannte so schnell ich konnte hinterher. Das Mädchen hatte einen weiten Vorsprung, doch ich konnte sie trotzdem noch zwischen den Bäumen erkennen. Auch ich stolperte oft, blieb an Dornen hängen und mein Kleid bekam große Risse. Ich rannte immer weiter, immer dem Mädchen hinter. Der Abstand wurde kleiner und kleiner, bis ich nur noch wenige Meter von ihr entfernt war. Das Mädchen sah sich um, und bum, lag sie flach auf dem Boden. Ich griff nach ihrem Kleid, doch sie sprang blitzschnell wieder auf, sah sich hastig um und rannte weiter. Ich blieb auf dem Boden sitzen. Das einzige was ich wusste war, dass es ein Mädchen war, und dass sie lange, blonde Haare hatte.

Kapitel 2

Schon jetzt war der Marktplatz voller Menschen. Ich drängelte mich hindurch, wobei ich immer darauf achtete, dass der Wagen voller Töpfe, Krüge und Vasen, den ich hinter mir her zog, nicht umkippte. Dann suchte ich mir ein freies Plätzchen und stellte den Wagen ab. Meine Mutter hatte mich noch einmal genau an die Preise erinnert: für die Vasen und Krüge drei Silbertaler und für die Töpfe zwei. Bald schon traf ich Florence, die Freundin meiner Mutter.
„Tag, Mary!“, begrüßte sie mich.
„Hallo Florence! Wie geht es dir?“
„Ach, ganz gut! Und dir?“ Sie betrachtete meine Vasen, während ich ihr antwortete: „Mir auch“ Sie zeigte auf eine besonders schöne Vase. „Ich kauf sie dir für fünf Silbertaler ab“
„Nein, du brauchst mir nur einen zu geben“, sagte ich, doch Florence drückte mir fünf in die Hand. „Sag deiner Mutter schöne Grüße von mir!“ Damit nahm sie sich die Vase und ging.
Ich sah ihr hinterher. Woher hatte sie so viel Geld, dass sie mehr zahlen konnte als es kostete?

„Junges Fräulein!?“, riss mich eine Männerstimme aus meinen Gedanken.
„Was kostet diese Vase?“
„Drei Silbertaler“, sagte ich. Der Mann sah mich finster an.
„Drei Silbertaler? Du weißt dass das viel ist!“
„Das ist ein ganz normaler Preis“, widersprach ich.
Der Mann lachte auf. „Da wo ich her komme kostet eine Vase vier Bronzetaler!“
„Dann eben ein Silbertaler“, meinte ich. Der Mann nickte und ich gab ihm eine Vase.
Ich blickte über die Menschenmenge. Lauter fremde Gesichter. Da sah ich plötzlich etwas an der Mauer entlang huschen und dann verschwinden. Blonde Haare, ein moosgrünes Kleid… ich starrte auf den Punkt, wo sie verschwunden war. Was machte sie hier auf dem Markt?
Da sah man wieder die blonden Haare. Schnell blickte ich weg. Und dann huschte sie wieder flink wie ein Eichhörnchen an der Mauer entlang. Ich blickte mich um und ging dann auf die Mauer zu. In einer Ecke stand sie. Einen Moment sah sie mich verblüfft an, doch bevor ich begriff war sie an mir vorbei gestürmt. Ungläubig sah ich hinterher. Gerade eben hatte sie noch vor mir gestanden. Plötzlich schepperte es. Das Mädchen war in einen großen, nicht sehr freundlich wirkenden Mann hinein gelaufen. Sie fiel und etwas krachte scheppernd neben ihr auf den Boden. „Hey, pass doch auf“, rief der Mann erbost, lief aber weiter. Das Mädchen aber blieb liegen und rührte sich nicht.

Langsam machte ich ein paar Schritte auf sie zu. Als ich neben ihr stand hörte ich sie das erste Mal sprechen: „Lass mich in Ruhe!“ Mein Blick fiel auf das Ding neben ihr, ein goldener Kelch. „Was willst du mit dem Kelch?“, fragte ich sie. Das Mädchen hob den Kopf und stand auf.
Ihr Knie blutete und sie sah mir aus ihren blauen Augen grimmig entgegen.
„Das geht dich nichts an!“ Sie hob den Kelch auf.
„Du beobachtest mich, stimmt‘s?“, fragte ich und blickte ihr direkt in ihre wilden Augen.
„Was willst du eigentlich von mir? Ich kenne dich nicht, hau ab“, rief sie und humpelte einen Schritt weg von mir. Doch ich stellte mich ihr in den weg und fragte: „Wie heißt du?“
„Das kann dir egal sein!“, zischte sie.
„Ich bin Mary“, stellte ich mich vor und streckte ihr die Hand hin, „Marylin“
Sie begutachtete mein Hand und sagte dann nur: „Red“
Ich deutete auf ihr Knie. „Soll ich dir eine Salbe drauf schmieren?“
„Nein, geht auch so“, meinte Red.
„Sicher?“, fragte ich.
„Na gut“, gab Red nach. Wir liefen zusammen zu meinem Wagen. Red setzte sich auf den Boden. „Brennt ein bisschen“, warnte ich und schmierte die Salbe auf ihr Knie. Red biss die Zähne zusammen. Ich packte die Salbe weg.
„Was machst du immer im Wald?“, wollte ich wissen.
„Ich wohne da“, antwortete Red. Dann fügte sie hinzu: „Schönes Pferd! Wie heißt es?“
„Mistral, ein gezähmtes Wildpferd“, erklärte ich, als die nächste Kundin kam. Es war die alte Victoria Carpenter. „Marylin! Schön dich wieder zu sehen! Ich bräuchte eine Vase.
„Drei Silbertaler“, verlangte ich. Victoria kramte aus ihrer Tasche drei und reichte sie mir. „Danke schön! Grüß deine Mutter!“
Da trat Red neben mich. „Wer macht diese Vasen?“, wollte sie wissen.
Ich antwortete: „Meine Mutter“
„Sie sind sehr schön“, sagte Red.
„Danke“, erwiderte ich.
Dann meinte Red: „Es wird Zeit zu gehen. Ich hoffe wir sehen uns bald wieder“
Damit war sie verschwunden.

Kapitel 3

„Marylin? Marylin!“ Meine Mutter kam mit hastigen Schritten die Leiter hinauf.
„Los schnell! Du musst fliehen! Die Soldaten haben Schiffe gesichtet. Kriegsschiffe! Lauf zum Hafen, dort steht ein Boot bereit, es wird dich in Sicherheit bringen! Und nun los“
Ich folgte ihr die Treppe hinunter.
„Was soll das heißen, Kriegsschiffe?“, rief ich, „willst du sagen, dass...“
„Marylin! Jetzt hör mir genau zu! Lauf zum Hafen! Dort steht ein Boot, es wird dich retten!
Bitte mach schnell“, flehte meine Mutter und schob mich hinaus. Tränen standen in ihren Augen. „Mum“, schrie ich, „warum kommst du nicht mit? Du kannst mich nicht alleine gehen lassen! Mum!“ Doch meine Mutter schüttelte nur den Kopf und schloss die Tür hinter mir. Sie wollte also, dass ich alleine weg ging, ohne sie! Eilig ging ich zu Mistrals kleiner Box im Schuppen. Ohne ihn ging ich auf keinen Fall, schon gar nicht wenn Krieg ausbrechen würde!

Der Hafen war überfüllt. Lauter Menschen, die genauso wie ich fliehen würden, aber.
Irgendwo hin, in ein fremdes Land. Ich drängte mich durch die Menge.
„Kinder voran, Kinder voran“, schrie ein kleiner, beleibter Mann.
Ich lief auf die Rampe zu, gefolgt von Mistral.
„Stopp!“ Ein großer Soldat trat mir in den Weg. „Das Pferd bleibt hier!“ Doch da hörte ich eine Stimme neben mir: „Lassen Sie das Pferd mit an Bord. Es wird nützlich sein!“
Es war Red. Der Soldat blickte uns düster an und meinte dann: „Geht hoch, aber flott!“
„Danke“, sagte ich zu Red, „ohne Mistral…“
„Schon Ok“, meinte Red, „er wird uns noch helfen, du wirst schon sehen!“
An Deck nahm mir ein Matrose Mistral ab. Ich setzte mich neben Red auf den Holzboden und beobachtete, wie die Menschen aufs Schiff strömten. Doch irgendwann klappte der Soldat, der mir erlaubt hatte Mistral mit zu nehmen die Rampe hinauf und rief: „Es ist kein Platz mehr!
Lebt wohl!“ Die Menschen am Hafen schrien und jammerten. Manche sprangen sogar ins eisig kalte Wasser um noch auf das Schiff zu gelangen. Und irgendwo in unserer kleinen Hütte saß meine Mutter - ganz allein. Plötzlich gesellte sich ein kleinerer Junge zu uns.
„Das ist Damian, mein Bruder“, stellte Red ihn vor.
„Hi“, sagte ich und richtete meinen Blick wieder zum Land. Das Ufer entfernte sich immer weiter von uns und die Rufe der Menschen am Hafen wurden vom Wind davon geweht.
Was erwartete uns? Hatten wir ein Ziel? Red seufzte.
„Mum ist wohl nicht mehr aufs Schiff gekommen“
„Was meint ihr, wohin fahren wir?“, fragte ich.
„Ich denke, sie hatten keine Zeit sich das noch zu überlegen“, meinte Red.

Es wurde Nacht. Aus dem Lagerraum wurden Decken geholt, aber sie reichten nicht aus für alle. Wir hatten uns auf dem Boden zusammen gekauert und versuchten zu schlafen, doch der eisige Wind hielt uns wach. Über uns wehten die Segel im Wind und ganz oben am Mast war die Englische Flagge befestigt worden. Ich betrachtete die Sterne, wie sie funkelten, so schön!
Eine Weile betrachtete ich sie noch, bevor ich mich näher an Red heranrückte und mir wärmer wurde. Wie ging es Mum? Hatte der Krieg schon begonnen?
Über diese Gedanken schlief ich endlich ein.

Kapitel 4

Zitternd saß ich am Deck des Schiffes, neben mir Red und Damian. Der Regen prasselte unaufhörlich vom schwarzen Himmel. Ich hatte das Gefühl, gleich zu erfrieren. Meine Hände und Füße waren taub vor Kälte, und ich war bis auf die Haut durchnässt. Auch Red neben mir zitterte. Schon oft hatte ich mich gefragt, wo wir hin fuhren und wann wir endlich ankommen würden. Schon lange hatten wir es aufgegeben, die Tage auf See zu zählen. In diesem Moment schwappte eine Welle über die Reling und über uns. Das brachte mich nur noch mehr zum Zittern. Aber ich durfte nicht krank werden, keiner von uns durfte krank werden, denn unter dem Deck, wo die Kranken untergebracht wurden, war die Pest ausgebrochen.
„Wann erreichen wir endlich Land?“, fragte ich verzweifelt. Eine weitere Welle schwappte über das Heck. Das Schiff schaukelte gewaltig. Einige Fässer kugelten auf die andere Seite.
Da vernahm ich eine tiefe, röchelnde Stimme neben mir. Es war ein alter Mann.
„Wir werden sterben hier. Keiner kann uns mehr helfen!“
Ich sah zu Red, denn der Mann machte mir Angst. „Wir werden in einem Land ankommen“, flüsterte sie, „Mum hat es gesagt. Und Mum weiß es!“
„Woher?“, fragte ich, „woher soll sie es wissen?“
„Sie weiß es“, antwortete Red, „weil sie alles weiß“ Red starrte auf den Boden, dann schloss sie die Augen und flüsterte etwas vor sich hin. Doch plötzlich erwischte uns eine riesige Welle.
Ich spürte die Kraft mit der sie mich mit riss. Verzweifelt versuchte ich, mich irgendwo festzuhalten, doch es gab nichts. Die Menschen schrien. Ich knallte gegen etwas Hartes, das mich aufhielt weiter zu rutschen. Dann war es vorbei, das Schiff wackelte nur noch ein bisschen. Ich sah auf. Wo war Red? Neben mir standen Menschen an der Reling und sahen ins Wasser.
Ich stand auf und stellte mich zu ihnen. Menschen paddelten hilflos im Wasser und schrien, doch niemand konnte ihnen helfen, niemand konnte schwimmen. Verzweifelt hielt ich nach Red Ausschau. Wo war sie? Ich drehte mich um und rannte auf die andere Seite. Und da erblickte ich sie! Die Arme um die Beine geschlungen saß sie auf dem Boden und sie zitterte noch schlimmer wie vorher. Ich setzte mich zu ihr. „Ich bin ins Wasser gefallen“, flüsterte sie.
Ich sah sie ungläubig an. „Kannst du etwas schwimmen?“
Sie nickte. „Da wo wir herkommen, kann das jeder. Soll ich dir das mal beibringen?“, fragte sie. Ich nickte und stand auf. „Ich besorg uns Decken“
Also schlenderte ich los um Decken zu suchen.

Kapitel 5

Ein Mann stürmte an Deck. Er wirkte aufgeregt. „Land!“, schrie er, „Land!“ Wir sprangen auf. Und tatsächlich: in der Ferne erkannte man Land! Red umarmte mich stürmisch.
„Wir können runter hier“, rief sie aufgeregt in das Stimmgengewirr, „spätestens heute Abend sind wir da“ Sie setzte sich wieder auf den Boden. Ich gesellte mich zu ihr. Da kam auch Damian. „Schade eigentlich“, sagte er und hockte sich neben mich, „ich fands ganz schön hier.“ „Schön? Wir können froh sein, das uns die Pest noch nicht erwischt hat“, meinte Red.
Plötzlich schwankte das Schiff. Die Leute stolperten auf unsere Seite. Das Boot legte sich gefährlich auf die Seite. „Was ist denn jetzt los?“, schrie Damian. Wieder schrien alle Menschen los. Da wurde Red ganz blass und sprang auf. Sie lief auf die andere Seite.
„Was hat sie denn?“, fragte ich. Damian zuckte die Schultern.
„Vielleicht ist sie ja Seekrank!?“ Bald kam Red zurück.
„Piraten“, flüsterte. „Was?“ Damian sprang auf. Red nickte und setzte sich wieder.
„Piraten besitzen die schnellsten und am besten bewaffneten Schiffe! Sie werden uns einholen, auch wenn wir jetzt schon wenden!“ Angst flammte in mir auf. Sie würden auf uns schießen, das Schiff würde sinken, und wir mit ihm. Ich musste an Mutter denken. War Vater schon zurück? Stand unsere kleine, friedliche Hütte noch?

„Wir müssen ins Wasser springen“, rief Damian. „Vielleicht gibt es Haie!“, meinte Red.
„Ich hab keine Lust aufgefressen zu werden, aber wenn du unbedingt willst bitte! Auch wenn ich nicht glaube, dass den Haien dein zähes Fleisch schmeckt“
„Und außerdem kann ich nicht schwimmen“, warf ich ein.
Die Menschen schrien panisch und rannten auf dem Deck herum. Da ertönte der erste Schuss. Doch die Kugel klatschte einige Meter weit weg ins Wasser.
„Gleich sind sie da!“, flüsterte Red.
„Kämpft wie…wie…wie…Piraten!“, schrie Damian. Und dann schlug die Kugel ein.
Sie bretterte durch das Holz, als wäre es Luft. Dann schlug sie durch die andere Seite und platschte ins Meer. Kurz darauf folgte die zweite Kanone. Sie schlug in das Heck. Das flog in die Luft. Red packte mich am Arm und zerrte mich mit sich. Sie öffnete die Luke die nach unten führte und lief hinein. Ich folgte ihr. Es roch nach Krankheit, Angst und Tod. Ich hielt mir die Nase zu. Oben hörte man polternde Schritte, die panischen Schreie. Plötzlich krachte es direkt über uns. „Der Mast“, kreischte Red und wollte aufspringen. Dabei stieß sie sich den Kopf an und verlor das Gleichgewicht. Sie fiel die Treppe hinunter, direkt vor die Füße der Menschen unten.

„Red“, ich lief ihr hinterher. Über uns auf dem Deck knackste es. Der Mast brach! Ich zerrte Red auf die Beine. Dann krachte es gewaltig und die Decke brach über uns zusammen. Ich kniff die Augen zusammen und spürte, wie die Holzteilchen über mich fielen und mich in die Haut stachen. Ich fühlte das Blut meinen Rücken herunter rinnen. Ich öffnete die Augen wieder. Überall lagen Holzsplitter. „Wir müssen wieder rauf“, schrie Red und rannte los.
Wir rannten durch den Raum und kletterten an heruntergefallenen Balken hoch, gerade als eine weitere Kugel in den Kiel. „Wir sinken“, schrie Red. Sie lief zur Reling und blickte ins Wasser. „Wir müssen springen“, rief sie mir zu.
„Ich kann nicht schwimmen“, schrie ich.
„Machs mir nach“ Red kletterte über die Reling und blickte ängstlich in die Tiefe.
Dann holte sie tief Luft und sprang. Ich blickte mich um. Die Piraten hatten uns eingeholt. Immer noch rannten die Leute panisch umher. Da stieß mich ein Mann um, während er panisch über das Deck stürmte. Ich kippte nach hinten und fiel. Wind brauste mir entgegen.
Dann klatschte ich ins Wasser.

Kapitel 6

Verzweifelt ruderte ich mit Armen und Beinen. Irgendwo rief jemand meinen Namen, während ich versuchte, an der Wasseroberfläche zu bleiben. Ich schnappte nach Luft. Plötzlich packte mich jemand von hinten und zog mich mit sich. Es war Red! Sie zerrte mich auf ein Stück Holz, das vom Schiff abgebrochen war. Keuchend hielt ich mich daran fest. „Danke.“
Doch Red sah sich nur panisch zum Schiff um, das ein paar Meter weiter weg im Wasser schwamm und hoch über unsere Köpfe ragte... noch!
„Schnell“, sagte sie und versuchte zu schwimmen und gleichzeitig mich mit dem Brett hinter sich her zu ziehen. „Beweg dich“, befahl Red mir, „sonst erfrierst du in dem eiskalten Wasser!“ Ich versuchte meine Füße genauso zu bewegen wie sie, aber ich zappelte nur hilflos in dem kalten Nass herum. Red sah sich wieder zum Schiff um. „Du musst alleine weiter schwimmen, ich kann dich nicht die ganze Zeit ziehen“, beschloss sie dann.
„Was soll ich machen?“, fragte ich.
„Benutz deine Füße… verdammt, wo hat sich Damian denn schon wieder hin verzogen?“
Da fiel mir Mistral ein. „Red! Mistral! Er ist noch da oben!“
Red warf einen letzten Blick auf das Schiff und sah dann mich an. „Schau dich nicht um, wenn du nicht miterleben willst, wie unser Schiff sinkt“, sagte sie.
„Red! Was ist mit Mistral?“, rief ich noch einmal.
„Komm, beweg dich!“ Red schwamm voraus.
Ich sah noch einmal zum Schiff und schwamm ihr dann hinterher.
„Wo willst du hin?“
„Ans Land“ Ich warf einen Blick in die Ferne. Es schien noch ewig weit weg.
„Gibt es hier Haie?“, fragte ich ängstlich.
Red antwortete nicht.

Keuchend lies ich mich in den Sand fallen. Meine Füße bestanden nur noch aus Pudding.
Red legte sich neben mich.
„Und jetzt?“, fragte ich.
Red schüttelte den Kopf. Das sollte wohl heißen, dass sie auch nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Ich setzte mich hin und sah in die Ferne. Wo vor ein paar Minuten noch ein Schiff zu sehen gewesen war, war jetzt nur noch Wasser.
„Es ist untergegangen“, seufzte ich. Red nickte.
„Mit Mistral“, setzte ich hinzu.
Red starrte in den Himmel.
„Und jetzt?“, fragte ich nochmal und Red schüttelte nochmal den Kopf.
Doch dann antwortete sie: „Wir müssen uns was zu essen suchen.“
„Hier gibt es nichts.“, meinte ich.
„Es muss was geben.“, sagte Red und setzte sich auch hin.
Ich seufzte. „Wir kommen nie wieder nach Hause.“
„Wir müssen erst mal schlafen“, entschied Red und legte sich in den Sand.
Ich machte es ihr nach. Der Sand war schön warm und weich und…

7 Kommentare

Berry am 6. Mai 2014

Ich freu mich schon aufs neue Kapitel

Lollypop am 24. April 2014

Jep, ich gebe Berry recht: Daumen hooooch Nein wirklich, es ist wirklich schön, wie du schreibst. Die Fortsetzung ist dir auch echt gelungen LG Lollypop

Berry am 23. April 2014

Subbagut

Mary am 22. April 2014

Also wegen den Rechtschreibfehlern, ich werd versuchen mich zu verbessern! Ja, es geht natürlich weiter...

Moon am 21. April 2014

Nicht schlecht! Die Geschichte hat einen schönen eigenen Charackter, der mich ziemlich fasziniert! Mal abgesehen von einigen Rechtschreibfehlern... Geht es denn weiter? LG

Mary am 18. April 2014

Danke schön

Berry am 15. April 2014

Daumen hoch