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Lisa

Marie und der Riese Renus

1. Kapitel

Marie saß mit ihren Eltern beim Frühstück.

„Können wir heute Schlittschuh fahren?“, fragte sie.

Es waren Winterferien und Marie war mit ihren Eltern nach Altenberg gefahren. Marie wollte unbedingt Schlittschuh fahren, aber am ersten Tag waren sie wandern, am zweiten Tag Ski fahren, am dritten Tag im Bergbaumuseum und am vierten Tag wieder Ski fahren. Heute war schon der vorletzte Tag, heute mussten sie einfach Schlittschuh fahren. Jedes Jahr im Winterurlaub waren sie Schlittschuh fahren. Ohne dieses war es kein richtiger Winterurlaub.

„Na gut“, meinte Mama, „heute gehen wir Schlittschuh fahren.“

Marie jubelte. Nach dem Frühstück suchte Marie ihre Schlittschuhe, doch sie fand sie nicht. Als sie Mama danach fragte, sagte diese: „Die haben wir nicht mitgenommen, wir leihen dir dort welche aus.“

„Ach so!“, sagte Marie.

Dann gingen sie los, zur Eislaufhalle. Sie liefen zur Ausleihe und holten für jeden ein paar passende Schlittschuhe. Marie zog ihre sofort an und stiefelte zur Eisfläche. Doch plötzlich sagte eine Lautsprecherdurchsage: „Wir bitten alle vom Eis zu gehen, da das Eis geglättet werden muss. In einer Viertelstunde können Sie weiter fahren.“

Enttäuscht ging Marie zurück zu ihren Eltern. Mama sagte: „Sei nicht traurig, Marie, in einer Viertelstunde kannst du doch auf die Eisfläche. Du kannst die Zeit ja nutzen, um mal auf die Toilette zu gehen, oder dich umzusehen. Ok?“

„Ok!“, erwiderte Marie.

Sie musste wirklich auf die Toilette. Also stiefelte sie los in Richtung Toilette.
Dort schloss sie die Klotür zu und machte was sie machen musste. Doch als Marie spülen wollte, bemerkte sie, das der Spülknopf leuchtete. Zögernd legte sie die Hand darauf. Der Spülknopf war warm und kalt zugleich. Marie traute sich nicht ihn zu drücken, doch dann fasste sie sich ein Herz und drückte. Anfangs war noch alles normal; die Spülung rauschte und spülte alles weg. Aber als es dann nicht mehr aufhörte zu Rauschen, bekam Marie es mit der Angst zu tun. Das Rauschen wurde

immer lauter und lauter und dann sprudelte es aus dem offenen Klo heraus. Erschrocken presste Marie sich an die Wand. Der Boden war voll Wasser und es sprudelte immer weiter. Dann fing das Wasser an zu dampfen. Der Dampf wurde zu Rauch und der Rauch wurde schließlich zu Nebel. Die ganze Kabine war voll mit Nebel, Marie konnte die Hand vor Augen nicht mehr sehen.

2. Kapitel

Als der Nebel sich lichtete sah Marie sich um. Sie war nicht mehr in der Toilette, um sie herum waren Stände, überall Menschen die sich die Ware anschauten, kauften oder verkauften. Nachdem Marie sich das Treiben eine Weile angeschaut hatte, wurde ihr klar was passiert sein musste: Sie war durch die Klospülung in eine andere Welt gekommen! Also war das Klo, ein Zauberklo! Oder es lag gar nicht an der Toilette, sondern an IHR!

Marie schaute sich wieder um. Vielleicht fand sich hier irgendeinen Hinweis, wie sie wieder nach Hause kommen sollte. Beim genaueren Hingucken stellte sie fest, dass sie auf einer Art Marktplatz gelandet sein musste. Auf der Mitte dieses Platzes war ein Brunnen, und vor diesem standen viele Menschen. Marie wollte wissen wieso die Menschen dort standen, also schlängelte sie sich durch die Masse. Auf dem Brunnen stand eine Statue, und diese Statue sah aus wie ein Delfin.

„Guten Tag! Wer bist du denn? Dich habe ich ja noch nie gesehen.“

Auf einmal stand ein Mädchen hinter ihr. Es hatte rotblondes Haar und grüne Augen.

„Äääh,“, stotterte Marie verlegen, „du kannst mich noch gar nicht gesehen haben, ich komme von weit her.“

„So. Na dann, Willkommen in Sydara! Ich bin Marina.“, sagte das Mädchen.

„Freut mich! Ich heiße Marie.“, sagte Marie.

„Willst du mit zu mir nach Hause?“, fragte Marina.

„Sehr gern!“, antwortete Marie. Marina kaufte noch ein paar Äpfel und einen Fisch, dann gingen sie los. Unterwegs erzählte Marina: „Ich und mein Vater wohnen dort hinten, in der Oranginagasse. Wir haben zwei Hühner, Flocke und Bella. Bella gehört mir. Dann haben wir noch ein Schaf, eine Ziege, eine Kuh und auf unserem Hof haben wir noch einen Fischteich.“

Auf einmal zitterte die Erde. Es krachte und donnerte.

3. Kapitel

„Was ist das?“, rief Marie. „Ein Erdbeben?“

Marina rief zurück: „Nein. Das ist der Riese Renus. Er kommt manchmal

zur Stadt.“

„Und dann?“, fragte Marie.

„Dann legen wir immer ein großes Feuer um die Stadt. Komm mit!“, rief Marina.
Die beiden rannten zum Stadttor. Dort waren schon ganz viele Menschen.
Sie schichteten ganz viel Holz in einem Ring um die Stadt. Marina zog Marie zu einer hübschen, schon etwas älteren Frau.
„Das ist unsere Bürgermeisterin“, erklärte Marina.

„Marina, gut dass du da bist,“, sagte die Bürgermeisterin, „ich frag mal besser nicht, wen du da mitgebracht hast. Wir haben zu tun. Ihr beide könnt schnell in den Wald laufen, zu den anderen Kindern und Holz sammeln. Am besten schön feuchtes, dann qualmt es und Renus verschwindet wieder. Ok!?“

„Ok!“, sagten die Mädchen. Dann rannten sie los in Richtung Wald. Dort sammelten sie so viel Holz wie sie tragen konnten und schleppten es zurück zur Stadtmauer, legten es auf einen Haufen zu dem anderen Holz, mit dem die Männer und Frauen einen großen Ring um die Stadt bauten und liefen wieder in den Wald, um neues Holz zu suchen. Sie mussten sich beeilen, man sah Renus schon in der Ferne. Immer wieder holten Marie und Marina neues Holz aus dem Wald, immer mehr und mehr und schließlich war der Ring aus Holz fertig. Es gab nur noch einen schmalen

Durchgang durch den die Menschen in die Stadt gelangen konnten. Marina und Marie holten noch eine letzte Fuhre Holz aus dem Wals als sie sahen, dass Renus schon so nah an der Stadt war, dass sie niemals vor ihm in der Stadt angelangen könnten.
Sie waren gefangen.

4. Kapitel

Marie ließ vor Schreck das Holz fallen, als sie sah wie groß Renus war. Renus war ungefähr so groß wie ein Hochhaus. Er hatte kurze Haare und riesige Ohren.
Seine Augen waren blutunterlaufen und er hatte eine dicke Knollnase.
Renus‘ Gesicht war faltig. Sein ganzer Kopf war riesig, viel zu groß für den Rest des Körpers. Er hatte einen zerrissenen, durchlöcherten grauen Fetzen Stoff umgebunden. Er sah traurig aus. Als Marie der Geruch von Rauch in die Nase stieg, riss sie den Blick von Renus los und wandte sich der Stadtmauer zu. Die Menschen hatten das Holz angezündet. Sie hatten die Mädchen vergessen.

Marina zischte Marie zu: „Wir müssen uns verstecken, sonst findet er uns.

Schnell, komm mit!“

Die beiden liefen in den Wald hinein, immer weiter weg von Renus - und von Sydara! Endlich machten sie Rast und setzten sich auf einen Baumstumpf.
Marina sagte: „Wir machen nur eine kurze Pause. Renus geht immer, nachdem unser Feuer ihn vertrieben hat, in den Wald. Also müssen wir weiter.“

Marie wurde unruhig: „Und was wenn Renus uns findet? Was sollen wir dann machen? Oder sollen wir ihm vielleicht entgegen gehen und uns verstecken,
wenn er kommt? Dann würden wir ganz einfach zurück zur Stadt laufen!“

„Und wenn er uns entdeckt? Nein, wir gehen lieber kein Risiko ein. Und wir müssen sowieso hier draußen übernachten, weil das Feuer brennt immer bis zum nächsten Tag. Also gehen wir am besten einfach weiter.“, erwiderte Marina.

Sie einigten sich darauf, dass sie weiter in den Wald laufen und sich dann einen Schlafplatz suchen würden. Die beiden gingen los. Sie gingen weiter und weiter und als sie hinter sich das Getöse von Renus‘ Schritten hörten, rannten sie los.
Marina keuchte: „Da hinten ist eine Lichtung. Dort können wir übernachten.
Ich höre Renus schon gar nicht mehr.“ Die Mädchen rannten bis zur Lichtung.
Als sie dort ankamen, trauten sie ihren Augen kaum: Auf der Lichtung lag der Riese, zusammengerollt wie eine Katze, und schlief.
„Wie ist Renus denn hierher gekommen?“, wunderte sich Marie.
Marina antwortete: „Er ist wahrscheinlich an uns vorbei gelaufen, ohne dass wir es gemerkt haben.“

An einem Baum neben ihm hingen mehrere Käfige.
„Mutter!“, rief Marina und rannte auf den Baum zu.

„Marina?“, fragte eine der Frauen, die in den Käfigen saßen.

„Marina, bist du es wirklich?“, fragte eine der anderen Frauen.

„Ja, ich bin’s wirklich!“, rief Marina, halb lachend, halb weinend.

„Psst!“, sagte eine Frau, „sonst wecken wir Renus auf.“

Sofort verstummten alle. So leise wie möglich schlichen Marie und Marina um den schlafenden Renus herum und fingen an, an dem Baum zu den Käfigen zu klettern. Als sie oben waren, setzten sie sich auf einen Ast vor den Käfigen. Und die Frauen begannen zu erzählen.

5. Kapitel

„Wir alle waren einmal Bewohner von Sydara.“, begann die Frau, die anscheinend Marinas Mutter war. „Wir waren die besten Sängerinnen der Stadt. Einmal ist Renus

gekommen und wir haben es nicht mehr geschafft, den Ring aus Feuer um Sydara zu legen.“

„Und dann,“, sagte eine andere Frau, „hat er uns mitgenommen.“

Marinas Mutter sagte: „Seitdem müssen wir für Renus singen. Einmal ist jemand gekommen und hat versucht uns zu befreien, doch als er den Schlüssel hatte,
ist Renus aufgewacht und hat ihn zertreten. Danach ist nie mehr jemand gekommen, um uns zu befreien, bis auf heute... Ihr wollt uns doch befreien, oder?“

„Aber natürlich wollen wir euch befreien.“, sagte Marie, „Ich hab auch schon eine Idee...“ Sie erzählte den anderen von ihrer Idee.

„Das ist super.“, rief Marina.

„Und wenn es nicht klappt?“, fragte eine der Frauen.

„Daran“, sagte Marinas Mutter, „wollen wir gar nicht erst denken.“

Kurz darauf kletterten Marie und Marina wieder runter von dem Baum. Die Frauen hatten ihnen erklärt, wo Renus die Schlüssel zu den Käfigen hatte; an einem Band an seinem Gürtel. Leise schlichen Marie und Marina auf Renus‘ riesigen Gürtel zu. Als sie da waren, stellte Marina sich auf einen großen Stein, der dort lag, und streckte sich. Sie stellte sich auf Zehenspitzen, aber sie kam nicht an den Schlüssel ran.

„Versuch mal, dich auf meine Schultern zu stellen.“, flüsterte Marie Marina zu.
Marie stellte sich auf den Stein und Marina kletterte auf ihre Schultern.
Marina streckte sich, stellte sich auf Zehenspitzen, hob die Arme, und berührte den Schlüssel. Vorsichtig schob Marina den Schlüssel nach oben und klinkte ihn aus dem Haken aus. Renus brummte.

„Vorsicht!“, rief eine Frau, „Renus wacht gleich auf!“ Die beiden Mädchen nahmen den Schlüssel und zogen ihn auf den Baum zu. Renus brummte wieder. Dann schlug er die großen Augen auf. Der Riese richtete sich auf. Er wurde dunkelrot.
Da fingen die Frauen an, zu singen. Marina fiel mit ein, und das klang so schön, dass Marie beinahe zu weinen begonnen hätte.

6. Kapitel

Renus beruhigte sich langsam. Marina und die Frauen sangen weiter und Renus nahm wieder seine alte Farbe an. Er ließ sich auf den Knien nieder.
Vorsichtig stupste er mit dem Riesenfinger den Schlüssel an.

„Was wollt ihr hier?“, sagte er. Seine Stimme klang in etwa so, wie das Donnergrollen bei einem Gewitter.

„Wir wollen meine Mutter befreien!“, rief Marina dem Riesen mutig entgegen.

„So!?“, fragte Renus.

„Ja!“, rief nun auch Marie, „Und die anderen Frauen auch. Warum hast du

sie überhaupt entführt?“

„Weil sie so gut singen können“, dröhnte Renus, „Und ich liebe gesungene

Lieder.“

„Stimmt!“, rief eine der Frauen vom Käfig aus, „Immer müssen wir dir etwas vorsingen. Beim Aufwachen, beim Essen, beim Einschlafen und auch zwischendurch.“
Eine andere Frau sagte: „Langsam nervt das. Wir bekommen zwar etwas zu essen, aber seit wir bei dir sind, Renus, sitzen wir in diesem Käfig. Wir waren nie draußen, nur in diesem langweiligen Käfig.“

Marina sagte: „Aber Renus. Warum kannst du nicht einfach die Frauen freilassen und wir finden eine andere Lösung. In Ordnung?“

„Mmh!“, brummte Renus, „Aber wenn ich euch freilasse, dann lauft ihr nicht weg. Verstanden? Sonst zertrete ich euch.“
Alle nickten. Dann nahm Renus den beiden Mädchen den Schlüssel ab und steckte ihn in das Schlüsselloch. Die Tür sprang auf. Renus ließ die Frauen auf seine Hand

steigen und setzte sie vorsichtig auf dem Boden ab.

„Okay!“, rief Marie, „Wie könnten wir das machen?“

„Wir könnten es so machen, dass wir dich immer mal besuchen kommen

und dir dann was vorsingen.“, schlug Marinas Mutter vor.

„Ich will aber ganz viel vorgesungen kriegen. So ist mir das zu wenig. Ich kann ja mit bei euch wohnen!“, sagte Renus.

So überlegten sie eine Weile, bis Marina den rettenden Einfall hatte:
„Wir bauen an die Stadt einen riesigen Hof. Dort wohnst du dann, Renus.
Wir können dir von der Stadtmauer was vorsingen.“

„Das ist perfekt!“, jubelte Renus.

„Aber wie,“, fragte da eine der Frauen, „wollen wir das bauen?“

„Na, ich helfe euch!“, verkündete Renus, „Das wird ja auch für mich!“

„Super!“, sagte Marina, „Dann hätten wir das ja geklärt.“

„Nein, ist es noch nicht!“, widersprach Marie, „Wie sollen wir mit Renus nach Sydara kommen und das bauen, ohne dass die Anderen das Feuer entzünden?“

„Wir beide, Marie, meine Mutter und die anderen Frauen gehen nach Sydara.
Renus wartet hier. Wir bereiten die Leute dort vor, und dann holt einer Renus und wir fangen an zu bauen“, erklärte Marina.

„Ach so!“, sagte Marie. So liefen Marina, Marie, Marinas Mutter und die anderen Frauen los in Richtung Sydara. Renus begleitete sie. Als sie am Waldrand angekommen waren, blieb Renus stehen. Die anderen liefen weiter. An der Stadtmauer Sydaras blieben auch sie stehen. Marina ging zu einem Pfosten und kniete sich hin. Dann öffnete sie eine Klappe im Boden. Heraus holte das Mädchen ein Horn. Dieses gab sie ihrer Mutter. Marinas Mutter blies hinein. Ein langer, durchdringender Ton erklang und einer der Wächter auf der Stadtmauer sah zu ihnen herunter. Als er die Frauen sah, die für verschwunden gemeldet wurden, fielen ihm fast die Augen aus dem Kopf.

„Seraphina?“, fragte er vorsichtig. „Seraphina, bist du es wirklich?“

„Adalbert!“, rief eine der Frauen, „Schatz, ich bin ?s. Lass uns schnell rein,
dann erkläre ich dir alles.“

„Adalbert und Seraphina sind verheiratet, sie waren zusammen bis Renus

uns geholt hat“, erklärte Marinas Mutter. Da ging das Tor auf. Die Frauen und die beiden Mädchen liefen unter dem Torbogen hindurch, hinein in die Stadt.

7. Kapitel

Herzlich wurden die Frauen begrüßt, schließlich waren sie viele Jahre vermisst gewesen. Marinas Mutter ging gleich zur Bürgermeisterin von Sydara und erzählte ihr alles: Wie sie von Renus entführt wurden, wie Marie und Marina sie gefunden hatten und was sie mit Renus ausgemacht hatten. Die Bürgermeisterin überlegte und verkündete: „Mmh! Ihr habt weise gehandelt, ich hätte es genauso gemacht. Ich bin einverstanden mit eurem Vorschlag.“

Sie sagte allen Leuten aus Sydara Bescheid, dass sie kein Feuer machen sollten.
Da bebte auch schon die Erde; Renus kam! Vor der Stadtmauer hielt er an.
Marina war mit Marie darauf gestiegen um Renus zu sagen was er machen sollte.
Alles lief genauso wie es sollte. Renus holte Baumaterial, wie Holz und Steine und die Stadtbewohner setzten alles an die richtige Stelle. Nach ein paar Tagen war der Hinterhof von Sydara fertig. In der ersten Nacht kletterten die Frauen mit den beiden Mädchen auf die Stadtmauer die zu Renus ? Hinterhof führte und sangen dem Riesen ein Lied. Er schlief sofort ein. Früh sangen die Frauen ein Lied für Renus, damit er aufwachte. Im Wald suchte Renus sich etwas zu Essen. So lief das einige Tage, bis Marie einfiel: Sie musste nach Hause! Ihre Eltern machten sich bestimmt schon große Sorgen. Besorgt ging Marie zu Marina. Sie erzählte ihr, dass sie am ersten Tag in

Sydara, als sie sich kennengelernt hatten, ihr verschwiegen hatte, dass sie aus einer anderen Welt stammte. Marina verstand das. Sie erzählte ihr, dass schon einmal jemand aus einer anderen Welt in Sydara war. Die Bürgermeisterin hatte denjenigen zurück in seine Welt geschickt.

8. Kapitel

Sofort liefen die beiden los. Die Bürgermeisterin ließ sie herein und fragte:

„Warum hast du mir nicht gleich gesagt, dass du aus einer anderen Welt kommst? Wir hätten dich schon viel eher zurückbringen können. Deine armen Eltern!“

„Ich hatte Angst, dass ich für eine Hexe gehalten werde.“, gab Marie zu.

Die Bürgermeisterin brummte, doch dann sagte sie: „Nun gut. Du brauchst jetzt eine Rückfahrkarte. Ich mixe dir ein Gebräu, mit dem du zurück nach Hause kommst. Ich weiß aber nicht mehr was da reinkommen soll. Irgendwo hier muss das Rezept doch versteckt sein. Mmh!“

Sie wühlte in einem der vielen Stapel die überall herum standen.

„Aah“, sagte sie plötzlich, „hier!“ Sie zog einen alten, zerknitterten Zettel

aus dem Stapel. „Wir brauchen“, fuhr die Bürgermeisterin fort, „zehn zerstampfte

Veilchenblüten, fünf Tropfen Tau, einen Liter frisch gemolkene, erhitzte Kuhmilch, drei Hühnerfedern, eine Haarsträhne von dir, Marie, und etwas von dort wo du hin möchtest. Also aus deiner Welt. Das müssen wir besorgen.“

„Ich hole die Hühnerfedern und die Kuhmilch!“, rief Marina. „Ich besorge meine Haarsträhne und etwas von zu Hause.“, sagte Marie. Die Bürgermeisterin verkündete: „Ich kümmere mich um die Blüten und den Tau.“

Nach zehn Minuten trafen sich alle wieder an dem Haus der Bürgermeisterin.
Jeder hatte das was er holen wollte mitgebracht. Die alte Frau warf die ganzen Sachen in einen großen Topf. Das Wasser fing an zu Kochen und zu Blubbern.
Nebel breitete sich aus und umhüllte Marie. Sie fing an sich aufzulösen.
Das Letzte was sie hörte war: „Komm uns bald mal wieder besuchen, Marie.“

Dann verzog sich der Nebel und Marie stand wider in der Klokabine.
Die Spülung rauschte noch, doch dann hörte es auf. Marie schloss die Tür auf und wusch sich die Hände. Auf einmal sagte die Lautsprecherdurchsage:

„Vielen Dank, für ihre Geduld, nun können Sie wieder auf die Eisfläche.“

Marie wunderte sich: „Ich war nur eine Viertelstunde weg? Mmh. Dann vergeht die Zeit in Sydara viel schneller als hier. Naja, Hauptsache es hat Spaß gemacht.“
Sie ging wieder zurück zu ihren Eltern.

„Wo warst du denn so lange?“, fragte Mama, „Du brauchst doch nicht eine

Viertelstunde um aufs Klo zu gehen. Was hast du denn die ganze Zeit

gemacht?“

„Naja...“, erwiderte Marie. Sie wollte auf keinen Fall die Wahrheit sagen.

Zum Glück war sie Profi im Ausreden erfinden. Da fiel ihr auch schon eine

ein. „Ich habe ein Mädchen aus meiner Klasse getroffen, Lilli, dann haben wir

noch ein bisschen gequatscht, aber dann musste sie schon nach Hause.“

Sie versuchte so bedauerlich wie möglich zu klingen. „Können wir jetzt trotzdem aufs Eis?“, fragte Marie. Mama und Papa stimmten zu. Dann gingen sie Schlittschuh fahren. Es machte großen Spaß! Am nächsten Tag fuhren sie wieder nach Hause. Diese Ferien waren bestimmt die aufregendsten die Marie je erlebt hatte.

Kommentar

Lollypop am 19. November 2014

Lisa, diese Geschichte ist einfach so wunderschön klingt wie ein Märchen - oder ein Kinderbuch Einfach toll! Weiter so LG Lollypop