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Lulu Karas

Katzenwäsche

Prolog

Da war sie wieder. Schon seit Tagen lungerte sie hier herum, scheinbar ohne Ziel. Doch er wusste genau, dass sie nicht ohne Grund hier war. Es war ja nicht das erste Mal. Anfangs hatte er ihr noch vertraut, hatte gedacht, sie wäre einfach einsam. Dumm war er gewesen. Wer aus ihrem Stamm hätte sich freiwillig an einem solchen Ort aufgehalten? Heiß brannte die Sonne auf die staubige Ebene, auf der sie immer noch lag, reglos, mit geschlossenen Augen. Aber er wusste: Bei der kleinsten Bewegung, wer auch immer sie verursachen würde, wäre sie schneller auf den Beinen als ihm lieb war. Würde sie schneller aufspringen als er reagieren könnte. Würde sie geschickter über die gewaltige Schlucht springen als eine Katze. Katze!

Sie würde ihn finden, wo immer er war. Ihn und die anderen. Es war sinnlos sich vor ihr zu verstecken, sie war wie der Tod. Sie holte einen ein, egal was man dagegen tat. Es war nur eine Frage der Zeit! Egal was man gegen sie unternahm, egal wie schlimm man sie abwehrte: Ihre Ziele wurden dadurch nur ein bisschen verzögert. Und das konnte sie sich leisten. Sie hatte Zeit! Viel Zeit! Sie hatte nichts zu verlieren! Er schon. Die anderen auch. Es war, als ob sie die Katze wäre und er die Maus. Katze!

Warum? Warum nur? Warum gab es sie? Wer hatte sie erschaffen? Es wäre alles so viel leichter ohne sie. Er sah sie an. Wenn er sich jetzt nur ein kleines Stück vom Fleck rühren würde, wäre sie losgerannt. Sie hätte ihre Krallen ausgefahren. Um zu töten. Das war ihr Ziel! Trotzdem sie die Augen geschlossen hatte, hatte sie ihn im Visier. Die anderen auch. Ihn ganz besonders. Das wusste er, ohne es je erfragt zu haben. Eine Maus konnte eine Katze nichts fragen. Das war ein ungeschriebenes Gesetz. Jeder hielt sich an dieses Gesetz. Jeder der nicht sterben wollte. Und es starben viele, seit die Katze hier war. Denn sie tötete unheimlich gerne. Sie biss einen tot und schlug ihm mit den Krallen das Herz aus dem Leib. Sie mochte diese Herzen. Sie selber hatte keines. Sie war nur da, um zu töten. Viele mutige hatten schon versucht sie umzubringen. Keiner von ihnen war je zurückgekehrt! Man konnte sie nicht töten. Sie hatte neun Leben. Katze!

Kapitel 1

Schweißgebadet schreckte Joan aus dem Schlaf. Immer noch sah er die Bilder seines Traumes vor sich von denen er sich einfach nicht hatte erholen können. Seid seine Mutter ihm erzählt hatte das sie dieses Jahr in den Sommerferien statt dem Aufenthalt auf dem Campingplatz in dem gemütlichen Wohnwagen einmal Ferien im Ausland machen wollten, verfolgten ihn die Alpträume jede Nacht. Das seltsame war, dass er seitdem immer dass selbe träumte:

Zuerst sah er einen schlanken Frauenkörper vor sich, der ihn irgendwie an eine Katze erinnerte. Die Frau guckte sich lauernd um, so als suche sie etwas. Plötzlich nahm ihr Gesicht einen zufriedenen Ausdruck an, so als hätte sie das gefunden, wonach sie gesucht hatte. Wohlig begann sie zu schnurren. Dann, auf einmal, streckte sie ihre Hände aus. Nur waren es gar keine Hände wie man vermutet hätte, sondern Katzenpfoten mit scharfen Krallen. Mit den Krallen hieb sie auf irgendetwas ein, das Joas nicht erkennen konnte. Danach färbte sich das Ganze blutrot. An dieser Stelle erwachte Joas jedes Mal.

Er hatte diese Träume schon oft ertragen müssen, aber nie waren sie ihm so real erschienen. Diese Szene die er schon so oft gesehen hatte, war ihm nie so grausam und schrecklich vorgekommen wie diese Nacht. Vielleicht lag es ja nur an der abgeschiedenen Umgebung. Wo genau sie sich befanden, wusste Joan nicht. Nur das er und seine Mutter die Ferien auf irgendeine trockenen Hochebene irgendwo in America verbrachten. Hier war es wirklich einsam und Joas vermisste seine Freunde sehr. Nicht einmal telefonieren konnte er mit ihnen, da es hier weder ein Telefon, noch Empfang für sein Handy gab. Und Internetverbindung schon gar nicht.

Sein Vater hätte das großartig gefunden. Er hatte alles geliebt, was wild, abgeschieden und abenteuerlich war. Nur leider war Joans Vater vor 11 Jahren gestorben. Damals war Joan erst zwei Jahre alt gewesen, darum konnte er sich auch nicht mehr an seinen Vater erinnern aber seine Mutter hatte ihm viel von ihm erzählt. Seine Mutter! Eigentlich war Joan natürlich viel zu alt um zu seiner Mutter ins Bett zu kriechen. Aber dieser seltsame Traum begann ihm allmählich Angst zu machen. Und seltsamerweise hatte er die unbestimmte Ahnung, dass dieser Traum etwas mit dem Tod seines Vaters zu tun hatte. Seine Mutter hatte ihm bisher immer weitergeholfen, sie würde bestimmt einen Rat wissen.

Joan kroch aus seinem Schlafsack und robbte langsam voran. Vorsichtig tastete er mit den Händen nach seiner Mutter. Er spürte nichts. „Mama“, flüsterte er. Nichts geschah. Plötzlich bekam er den Schlafsack seiner Mutter zu fassen. Erleichtert griff Joan danach und schrak kurz darauf wieder zurück: Seine Mutter war nicht da. Der Schlafsack war leer!

Das Zelt in dem Joan und seine Mutter für den Urlaub lebten lag im Dunkeln und nicht der kleinste Lichtstrahl viel durch eine kleine Ritze im Zeltstoff. Und auch wenn Joan seine Augen noch so sehr anstrengte konnte er nichts erkennen. Nicht einmal eine Lampe gab es hier in diesem Kaff. Es war ihm immer noch ein Rätsel warum seine Mutter ausgerechnet hier Urlaub hatte machen wollen. Andere aus seiner Klasse fuhren in den Ferien nach Mallorca in ein Luxushotel oder machten Ferien in einem hübschen Landhaus in den Bergen. Na ja, jetzt ging es erst einmal darum seine Mutter überhaupt zu finden. Barfuss und im Schlafanzug schlüpfte Joan aus dem Zelt. Langsam tastete er sich über die dunkele Ebene. Es war kein Vergnügen: Dauernd piekte ihn ein Dorn oder ein spitzer Stein an den nackten Füßen. Und zu allem Überfluss begann es auch noch zu gewittern. Hart prasselte der Regen auf den armen Jungen, der verzweifelt versuchte sich in der Dunkelheit zu Orientieren.

Plötzlich ertönte ein krachen und ein gleißend heller Blitz erhellte die Umgebung. Erleichtert stellte Joas fest das dort auch seine Mutter stand: Am Rande einer tiefen Schlucht. Sie hatte das Gesicht gen Himmel gewand und das Wasser tropfte ihr aufs Gesicht. Die Arme hatte sie weit ausgebreitet und bekleidet war sie nur mit ihrem schneeweißen, fast bodenlangen Nachthemd. Leise trat Joan neben sie. Seine Mutter bemerkte ihn immer noch nicht. Behutsam legte er ihr seine Hand auf den Arm. Sie schrak zusammen und wäre beinahe in die Schlucht gestürzt, hatte sie sich nicht noch im letzten Augenblick gefangen und ihr Gleichgewicht wiedererlangt. „Joan!!!“ flüsterte sie. Ihre Stimme klang belegt und obwohl ihr Gesicht nass vom Regen war, konnte Joan die Tränen erkennen, die ihr aus den Augen quollen. „Mama, lass uns zurück ins Zelt gehen.“ Sagte er mit beschwörender Stimme. Seine Mutter nickte nur geistesabwesend. Ihr Blick schien ganz von etwas auf der anderen Seite der Schlucht gefesselt zu sein. Doch bevor Joan sich ebenfalls umgucken konnte zog sie ihn mit sich zum Zelt. Aber gerade als sie am Zelt ankamen zuckte ein weiterer Blitz am Himmel. In der plötzlichen Helligkeit konnte er eine schlanke Frauengestalt auf der anderen Seite der Schlucht erkennen, die, genau wie seine Mutter eben, am Rand des Abgrundes stand und sich den Regen ins Gesicht platschen ließ. Dann schüttelte sie sich angewidert, als hätte sie etwas Schlechtes gegessen. Dann war sie plötzlich verschwunden. Aber Joan war sich inzwischen ganz sicher: Das war die Frau aus seinem Traum!!!

4 Kommentare

lulu am 3. September 2013

hey leute wenn ihr meine geschichte gelesen habt, könnt ihr sie dann bitte auch kommentieren. dann weiss ich was ich beim nächsten mal besser machen kann... Lg lulu

lulu am 2. September 2013

dankeschön!!! Ich arbeite schon am 2. Kapitel. Könnte aber noch etwas dauern...

Ella am 2. September 2013

Hab gerade das zweite Kapitel entdeckt. Oh Gott, das ist echt spannend. Jetzt verstehe ich auch den Prolog Lg Ella

Ella am 23. August 2013

Hu, klingt ja brutal Es wirkt ein bisschen so wie aus der Sicht einer Maus Schreibst du weiter? Lg Ella