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Staubfingers Lehrling

Flammenmädchen

Kapitel 1

Langsam ging sie durch den Weglosen Wald. Um sie herum war alles farbenfroh und von Summen und anderen Geräuschen durchtränkt, doch sie nahm das alles wie durch einen Schleier wahr. Man hatte ihr das genommen, was in ihrem Leben bis jetzt am Wichtigsten gewesen war. Ihre Eltern.

-Flashback-

„Nein, nicht, bitte! Lassen sie doch meine Mama hier. Sie hat doch nichts getan. Ich brauche doch meine Eltern!“ Sie schrie die Männer des Natternkopfes an, doch diese stießen sie nur zur Seite. Ihr Vater, ein Feuerspucker, hatte sein Handwerk an seine Tochter, sie, weitergegeben, und sollte dafür hängen. Und ihre Mutter auch. „Freya, geh' bevor sie dich auch noch mitnehmen. Geh durch den Weglosen Wald ins Reich des Speckfürsten. Dort wirst du auf andere Spielleute treffen. Sie werden dich aufnehmen. Ich liebe dich, du bist meine einzige Tochter. Ich will nicht, dass dir dasselbe geschieht wie mir.“ Das waren die letzten Worte, die sie von ihrem Vater hörte. Ihre Mutter brachte nur noch ein „Ich liebe dich, meine kleine Feuerelfe“ zustande, bevor die Männer sie und ihren Mann aus der armseligen Hütte zogen. Freya rannte, so schnell sie konnte. Zuerst in ihr Zimmer, um ihre Utensilien in einen ledernen Beutel zu packen, und dann aus der Hütte, auf den Weglosen Wald zu.

-Flashback-

Sie erinnerte sich erneut an das schreckliche Erlebnis, das nun schon wieder drei  Tage zurücklag. Drei Tage, in denen sie fast alles verloren hatte. Ihre Mama, ihren Papa, ihr Zuhause, ihre Freunde. Nur eines blieb ihr noch: ihr Feuer. Es wurde immer dunkler im Weglosen Wald, und so entschied sie sich, auf einen Baum zu klettern und dort zu übernachten. Der Baum war wie alle anderen auch riesig. Dichte, grüne Blätter, die sie vor Nachtmahren und anderen Personen versteckten. Die Äste waren so breit, dass sie sich darauf hinlegen konnte wie auf ein Bett aus Stroh. Sie hatte seit ihrer Flucht von ihrem eigen zu Hause nur Beeren gegessen die sie im Wald gefunden hatte, doch sie hatte trotzdem nichts an Kraft verloren. Sie dachte darüber nach, wie ihr Leben weitergehen sollte. Ein Mädchen, 14 Jahre alt, keine Eltern, kein Zuhause, keine Zukunft. Nur das Feuer als ihren stetigen Begleiter. Das Feuer, das zu ihr kam wenn sie es rief. Das Feuer, dem sie immer vertrauen konnte, und das sie schützte.Ja, sie würde ins Reich des Speckfürsten gehen, und dort hoffentlich auf die Menschen treffen, von denen sie bis jetzt nur Geschichten gehört hatte. Auf Menschen aus dem Bunten Volk, Menschen wie sie selbst. Der Feuertänzer, der alles aus Feuer formen kann, was er will. Den sogar die weißen Frauen hatten gehen lassen. Den Schwarzen Prinzen, der beste Messerwerfer der Welt, wenn man den Geschichten Glauben schenkte. Immer in Begleitung seines zahmen Bären. Und dann, der Tintenweber. Ein Mann, der wunderbare Lieder, Gedichte und Geschichten schreibt. Ein Hofdichter, von dem keiner weiß, woher er kommt. Ja, alle diese Personen wollte Freya treffen, und mit diesem Gedanken schlief sie ein und fiel zum ersten Mal seit dem Ereignis in ihrem Haus in einen traumlosen Schlaf.

Kapitel 2: Der Tod kommt zu jedem

Zwei Monate später....

Sie wusste nicht, wie lange sie schon durch den Wald gelaufen war. Sie wusste nur, dass sie nicht mehr lange durchhalten würde.
Freya hatte sich ihr Geld erbetteln müssen, da sie als Angehörige des Bunten Volkes nicht hatte im Reich des Natternkopfes auftreten können. Ihre Kleidung war schon ganz zerschlissen und dreckig, aber sie wollte nicht aufgeben. Sie wollte in das Reich des Speckfürsten kommen, der das Auftreten von Spielleuten erlaubte. Sie dachte, dass die eigentlich schon auf der anderen Seite des Waldes sein müsste, und so entschloss sie sich, im nächsten Dorf aufzutreten. Nach einer halben Stunde Marsch kam sie schließlich in ein kleines Dorf mit einem kleinen, aber prächtigen Haus, das wahrscheinlich einem Abgesandten des Speckfürsten gehörte.

Freya suchte sich einen kleinen Platz und nahm fünf Fackeln aus ihrem Lederbeutel. Sie flüsterte ihnen leise Feuerworte zu, und sofort fingen die Flammen an, an den Lumpen zu lecken, die sie provisorisch um einen Holzknüppel gewickelt hatte. Sie warf die Fackeln in die Luft, wollte einfach beginnen, mit Jonglieren. Manche Menschen, die über den Markt liefen, blieben stehen, und starrten sie erstaunt und erschrocken zugleich an. Freya dachte, dass sie erstaunt über ihr Alter und erschrocken über das Feuer waren. Doch schon bald sollte sie eines Besseren belehrt werden. Als sie gerade anfangen wollte, Feuer zu spucken, hörte sie hinter sich ein leises Räuspern. Sie flüsterte den Flammen wieder ein paar Feuerworte zu und die Fackeln erloschen.

„Ja?“, fragte sie die zwei Männer, die hinter ihr standen. Der größere von beiden grinste erst fies und antwortete ihr dann. „Nun meine Kleine, ich weiß ja nicht woher du kommst, aber du hast gerade gegen zwei Gesetze verstoßen. Erstens darfst du als Spielfrau im Reich des Natternkopfes nicht auftreten. Und zweitens  bist du ein Mädchen.“ Der  zweite Mann schloss nahtlos an die Rede des ersten an. „Und deshalb müssen wir dich leider töten.“ Bevor Freya überhaupt realisieren konnte, was der Wächter da gerade gesagt hatte, rammte er ihr seine Lanze in die Brust. Freya durchzuckte ein heftiger Schmerz, der sich langsam durch ihren ganzen Körper zog. Sie fragte sich, ob das der Tod ist, und wenn er es wäre, warum er dann so schmerzhaft sei.

Sie spürte, wie sie angehoben  und dann auf einen weichen und gleichzeit stacheligen Haufen geworfen wurde. Der Schmerz schien ihr unerträglich, doch sie konnte einfach nicht schreien. Es war, als wäre ihr Mund zugeklebt, sodass kein Ton durchdringen konnte. Aber der Schmerz wollte einfach nicht abebben. Sie spürte ihn immer noch ganz deutlich, und als sie ihn nach einer gefühlten Stunde noch immer spüren konnte, wagte sie es, die Augen zu öffnen. Zuerst konnte sie überhaupt nichts sehen. Doch nach zwei Minuten nahm sie ihre Umwelt wieder wahr. Sie lag tatsächlich auf einem Haufen Stroh, in einer Gasse, um genau zu sein.

Als Freya ihre Brust erblickte, wurde ihr schlecht. Die Lanze steckte noch immer in ihrem Körper, und aus der Wunde quoll immer wieder frisches rotes Blut. Sie wollte endlich sterben, und diese Schmerzen nicht mehr ertragen müssen. Da hörte sie eine Stimme. Sie war wundervoll, ein hoher, klarer Sopran. Und doch schien er nur in ihrem Kopf zu sein. Sie blickte sich nach der Person, die gesprochen hatte um und als sie sie sah, keuchte sie entsetzt auf. Ein paar Meter neben ihr stand sie. Eine weiße Frau. Wunderschön sah sie aus, obwohl Freya sie nicht richtig erkennen konnte. Sie streckte ihr eine Hand entgegen, und mit letzter Kraft hob Freya ihre eigene und streckte sie der der weißen Frau entgegen.

Und in dem Moment, in dem sie die Botschafterin des Todes berührte, wurde ihr schwarz vor Augen und sie wurde endlich von ihren Schmerzen erlöst. Und mit einem Mal schienen alle ihre Sorgen vergessen. Das Einzige, woran sie noch denken konnte, war: Jetzt sehe ich bald meine Eltern wieder. Dann ging sie mit der weißen Frau dem Tod entgegen.

Kapitel 3: Ich will das nicht

Nach einer Weile konnte Freya endlich wieder sehen. Als sie sich umblickte, sah sie eine atemberaubend schöne grüne Wiese mir den verschiedensten Blumen und Bäumen. Auf ihr liefen sehr viele Menschen umher, alleine, allesamt. Zu ihrer Rechten war ein Fluss, auf den die weiße Frau neben ihr schon zusteuerte. Es war der blaue Fluss, von dem Freya gehört hatte, dass die weißen Frauen damit die Seelen wuschen. Stopp! Das wollte Freya nicht. Sie wollte ihre Eltern und sich selbst nicht vergessen. Ja, es stimmte, sie hatte diesen Schmerz in ihrem Herzen, aber sie wollte ihn behalten, als Erinnerung an ihr Leben.

Als die weiße Frau schon ihren Kopf unter Wasser drücken wollte, um ihre Seele zu waschen, schrie Freya erst auf und rief dann das Feuer. Sie ließ es aus ihrer Handfläche emporschießen und auf die verwirrte weiße Frau übergreifen. Sie schrie, als das Feuer sie erreichte und in weiße Flammen aufgehen ließ. Doch das störte Freya nicht. Sie rannte quer über die Wiese, egal wohin, nur weg von dem Fluss, der ihr ihre Erinnerungen nehmen sollte. In dem Moment, in dem sie sich umdrehte, stieß sie gegen etwas Flauschiges. Als sie ihren Blick auf das Etwas vor ihr richtete, erschrak sie fürchterlich. Ein riesiger Vogel, mit einer blutigen Brust. Freya sog entsetzt die Luft ein. Vor ihr stand der Tod höchstpersönlich. Und sie hatte gerade eine seiner Dienerinnen getötet. Da hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf, und sie war sich sicher, dass sie dem Tod gehörte. Meine Liebe, ich bin entsetzt. Du hast eine meiner Dienerinnen umgebracht und dich obendrein dem blauen Fluss widersetzt. Ich weiß nicht, was ich jetzt mit dir machen soll…

Freya starrte den Vogel, oder auch den Tod, an. Dann schrie sie ihm mitten ins Gesicht. „Ich will nicht hier sein! Das ist ungerecht! Ich bin gerade mal 14! Was soll ich hier? Ich will leben und nicht für immer hier herumsitzen oder was Tote sonst so tun! Ich will nach Ombra, zu anderen Spielleuten, den Feuertänzer sehen und ein neues Leben anfangen! Und meinetwegen irgendwann sterben, aber nicht jetzt! Kann das der Tod denn nicht verstehen?“ Tränen der Verzweiflung stiegen Freya in die Augen. Sie hatte sich all das, was sich seit ihrem Erwachen in ihr angestaut hatte, von der Seele geredet. Und nun starrte der Tod sie verwirrt an. Er war es nicht gewohnt, dass sich ihm widersetzt wurde. Er starrte dieses Mädchen an, das gerade seine Eltern verloren hatte und nun ein neues Leben beginnen wollte, und in dem Moment tat sie ihm einfach nur Leid. Zwar war bis jetzt nur einer dem Tod entflohen, aber dieses Mädchen hatte es einfach nicht verdient.

Und in dem Moment warf der Tod alles, was er je gedacht und sich geschworen hatte über Bord und sagte wie in Trance den Satz, den er bisher nur einmal gesagt hatte, und selbst da nur indirekt. Du sollst wieder leben. Und in dem Moment, in dem der Tod das sagte, tat sich der Boden unter Freya auf und sie fiel, tiefer und tiefer. Und es schien kein Ende zu geben. Als wäre sie für immer dazu verdammt, zu Fallen.

Kapitel 4: Ich bin wie Staubfinger...Wow!

Und dann hatte das Fallen plötzlich ein Ende. Freya dachte, sie würde hart aufkommen, doch sie landete weich wie eine Feder mitten im Weglosen Wald.

Sie blieb erst mal liegen um zu realisieren, was passiert war. Sie hatte doch tatsächlich den Tod überzeugen können, sie wieder in die Welt der Lebenden zu lassen! Doch… sie hatte viel über den Feuertänzer gehört, und in den Erzählungen der Reisenden hatte sie auch über seine Haare gehört. Funken sollten darin wohnen, Funken, die zwar ihn selbst nicht, aber ansonsten alle anderen verbrannten.

Vorsichtig löste Freya eine Haarsträhne aus ihrem Zopf und erschrak. Ihre hellbraunen Haare waren wirklich mit Funken überzogen! Schnell öffnete sie ihre halb zerzausten Haare und flocht sie erneut zu einem Zopf. Dann setzte sie die Kapuze ihres Umhangs auf, damit niemand ihre Haare sehen konnte und lief weiter durch den Weglosen Wald, immer in Richtung Norden.

Nach einer Stunde fing der Wald langsam an, sich zu lichten. Freya rannte los, übersah dabei eine Wurzel und fiel. Sie konnte sich noch mit den Händen abfangen, allerding knickte ihr rechtes Handgelenk sofort ein, da sie in diesem einen stechenden Schmerz verspürte. Als sie den Ärmel ihres roten Hemdes hochschob, erschrak sie erneut. Dort, genau auf ihrem Puls, prangte eine frische Narbe. Doch es war keine normale Narbe, sondern sah eher wie ein frisches Brandmal aus. Das Brandmal hatte ein Motiv, eine weiße Frau, an der bis zu den Knien Flammen leckten. Und Freya war sich sicher: Das war vom Tod.

Sie berührte die Wunde vorsichtig, nur um ihre Hand im nächsten Moment wieder zurückzuziehen. Sie brannte wie Feuer. Doch plötzlich legte sich eine kühle Hand auf ihre Wunde und linderte die Schmerzen. Zuerst war Freya dankbar, doch als sie sah, wem die Hand gehörte, zog sie ihre sofort zurück. Vor ihr stand eine weiße Frau, und Freya konnte ihre Stimme hören.

Der Tod hat dich wieder zurück in deine Welt geschickt. Du wirst für immer hier bleiben, denn wer einmal von Tod berührt wurde, der kann nie wieder zu ihm zurück. Immer, wenn du das Mal an deinem Arm berührst, werde ich auftauchen, denn ich bin gestorben, wegen dir, und ich werde dich ab jetzt begleiten.

Als die weiße Frau geendet hatte, verschwand sie genauso schnell wie sie gekommen war. Freya war erstaunt, dass die weiße Frau ihr keine Angst mehr gemacht hatte. Doch so schnell wie die Freude darüber gekommen war, ging sie auch wieder. Denn ein Satz, den ihre Besucherin gesagt hatte, wollte ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Wer einmal vom Tod berührt wurde, kann nie wieder zurück zu ihm. Wenn Freya das richtig gedeutet hatte, hieß das, dass sie unsterblich wäre.

Sie würde nicht mehr altern? Sie würde für immer jung bleiben können? Vielleicht klang das jetzt schrecklich, aber für Freya war es wunderbar. Sie, ausgerechnet sie, durfte für immer leben. Doch es wurde schon wieder dunkel, und selbst wenn sie jetzt unsterblich wäre, so wollte sie trotzdem keinem Nachtmahr begegnen. Also ging sie weiter auf den Waldrand zu, und als sie schließlich durch die Siedlungen der Köhler gegangen war, kam sie wieder in einen Wald, allerdings deutlich kleiner als der Weglose Wald.

Sie hatte auf ihrer Reise viel über diesen Wald gehört, es sollte der Wald der Spielleute sein. Also verbarg sie sich erneut zwischen den Bäumen, schweigend. Es war still um sie herum, doch nach einer Weile vernahm sie Stimmen. Musik, ausgelassenes Lachen, das glückliche Schreien von kleinen Kindern. Aber all das war noch weit weg von ihr. Sie wollte schon auf das Stimmengewirr zu rennen, da sie es kaum erwarten konnte, andere Spielleute zu sehen, als sie plötzlich Schreie vernahm, die deutlich näher an ihr dran waren.

Sie kamen aus einem Gebüsch ein paar Meter neben ihr, und schienen einem kleinen Mädchen zu gehören. Langsam ging Freya auf das raschelnde Gebüsch zu, und tatsächlich. Hinter den Blättern verborgen, hockte ein Mädchen in einem bunten Kleid, vielleicht sechs Jahre alt. Doch sie war nicht allein. Vor ihr stand ein Nachtmahr.

Er kam dem kleinen Mädchen immer näher, so nah, dass er nur die Hand hätte ausstrecken müssen, um sie zu berühren, da tat Freya etwas. Sie flüsterte aus sicherem Abstand leise und bedrohliche Feuerworte, und ließ die Flammen direkt auf den Nachtmahr zuschießen. Das Mädchen, das zusammengekauert auf dem nassen Waldboden saß, sah die Flammen zuerst, konnte aber nicht ausmachen, wo sie herkamen. Der Nachtmahr folgte ihrem Blick, und als er die Flammen sah, die ihn schon fast erreicht hatten, floh er so schnell er konnte in das Dickicht des Waldes.

Das Mädchen schaute ängstlich um sich. „Wer ist denn da? Bist du es Feuertänzer? Komm bitte da raus, du machst mir Angst.“ Freya ging auf das verängstigte Mädchen zu, und als sie direkt vor ihr stand, antwortete sie ihr. „Nein, ich bin nicht der Feuertänzer, aber wenn du willst, dann kann ich dir helfen, wieder zurück in euer Lager zu kommen. Wie heißt du denn?“ Das Mädchen, von dem Freya noch immer keinen Namen wusste, versuchte aufzustehen, knickte aber sofort wieder ein. Freya hob sie hoch, und nachdem sie sich vergewissert hatte, dass es dem Mädchen gut ging, lächelte sie es aufmunternd an.

Dann antwortete das kleine Mädchen in ihren Armen ihr endlich. „Ich heiße Lilia. Danke, dass du mich vor dem bösen Nachtmahr gerettet hast. Aber kannst du mich bitte nach Hause bringen? Meine Mama sucht mich bestimmt schon. Wie heißt du denn?“ Sie blickte Freya fragend an. „Ich heiße Freya. Und ich werde dich jetzt in das Lager zurück bringen, in Ordnung?“ Lilia nickte bloß und kuschelte sich dann an Freyas Brust, wo sie sofort einschlief.
Also lief Freya mit dem kleinen Mädchen in den Armen weiter durch den Wald, immer auf das Lagerfeuer zu, das sie durch die Bäume erkennen konnte.

Kapitel 5: Endlich Menschen wie ich selbst

Als sie das Lager der Spielleute betrat, durchströmten sie die verschiedensten Gefühle. Freude, dass sie endlich Menschen gefunden hatte, die waren wie sie. Aber auch Angst, dass diese Menschen sie fortjagen würden, und sie wieder zurück musste. Zurück dorthin, wo sie ganz sicher sterben würde.

Sie wusste schließlich nicht, wie man sie aufnehmen würde.

Leise tapste sie mit dem schlafenden Mädchen in ihren Armen durch das Lager, bis sie am Feuer angekommen war. Sie wollte nicht schreien, da es ja schon Abend war und sicherlich schon Kinder schliefen.

Sie wurde von allen Menschen, die sie traf, misstrauisch beäugt. Natürlich, eine Gestalt mit Kapuze auf dem Kopf und einem Mädchen auf den Armen.

Am Lagerfeuer sah Freya hauptsächlich Männer, doch auch eine Frau war unter ihnen. Sie hatte massenweise Tränen im Gesicht und lehnte sich an einen Mann, dessen Haut schwarz war wie die Nacht. Der Schwarze Prinz.

Alle Männer saßen mit dem Rücken zu ihr, sodass sie sich laut räuspern musste, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Augenblicklich drehten sich alle zu ihr um.
Der Schwarze Prinz war der erste, der sie erblickte.

In seinem Blick lag kein Misstrauen, nur eine gewisse Verwirrung und auch Neugier. Er stand auf, kam zu ihr und bot ihr seine Hand an. „Guten Tag. Wir haben selten Besuch. Und dann auch Besuch mit einer schlafenden Begleitung auf dem Arm. Würdest du vielleicht so freundlich sein die Kapuze abzusetzen und dich vorzustellen?“

Sie tat, um was er sie gebeten hatte. Zuerst setzte sie die Kapuze ab, sodass jeder am Lagerfeuer einen Blick auf ihre glühenden Haare erhaschen konnte. Dann sprach sie, und alle schienen an ihre Lippen zu hängen.

„Mein Name ist Freya. Ich komme aus dem Reich des Natternkopfes. Der Natternkopf hat meine Eltern hängen lassen, weil mein Vater sein Handwerk, das Feuerspucken, an mich weitergegeben hat. Ich habe mir mein Geld mit dem Feuerspucken verdient. Als ich dachte, ich sei schon im Reich des Speckfürsten, gabelten mich zwei Männer des Natternkopfes auf und einer von ihnen tötete mich. Ich konnte den Tod überreden, mich wieder gehen zu lassen. Mein Vater hatte gesagt, ich solle die Spielleute hier in der Nähe von Ombra suchen. Und das habe ich auch getan. Kurz bevor ich das Lager erreichte, hörte ich die Schreie eines Mädchens. Ich ging zu der Stelle, von der die Schreie kamen, und sah den Grund. Ein Nachtmahr. Ich konnte ihn mit Hilfe des Feuers verscheuchen, und dann habe ich das Mädchen auf den Arm genommen und bis hierher getragen. Kann es sein, dass du die Mutter bist?“

Bei ihren letzten Worten sah Freya die einzige Frau am Feuer an. Sie nickte stumm und ging auf Freya zu. Als diese den Mantel von dem Körper des Mädchens nahm und es der Mutter übergab, strahlte diese sie glücklich an. Auch der Schwarze Prinz schien zufrieden zu sein.

„Ich möchte dir im Namen von Maria recht herzlich danken. Du hast wirklich schlimme Dinge erlebt. Es steht dir natürlich frei, dich uns anzuschließen und mit uns umherzureisen. Ich würde dir ein leeres Zelt anbieten, bis du dir genug Geld verdient hast.“

Freya wollte dem Prinzen gerade danken, als die Mutter von Lilia, Maria, das Wort erhob. „Sie kann bei mir im Zelt wohnen. Natürlich nur, wenn sie das möchte.“ Jetzt war es an Freya, glücklich zu Lächeln.

Sie ging mit Maria in deren Zelt. Maria brachte ihre noch immer schlafende Tochter ins Bett, und währenddessen blickte sich Freya im Zelt um. Es hatte einen kleinen Tisch und eine Feuerstelle, über der ein Kessel hing. Um den Tisch standen drei Stühle, und Freya setzte sich auf einen.

Nach einer Weile kam Maria, immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen, wieder. „Danke, dass du meine Tochter gerettet hast. Sie ist das Einzige, was mir von meinem verstorbenen Mann noch geblieben ist. Du kannst so lange bei mir wohnen, wie du willst. Meinetwegen für immer. Du stehst tief in meiner Schuld, Freya.“

Freya schaute sie ernst an. „Ich habe das gerne getan. Ich weiß, wie es ist, einen geliebten Menschen zu verlieren, und ich nehme  dein Angebot gerne an.“ Maria nickte nur, und drehte sich dann um. Sie holte einen halben Laib Brot und Käse aus einem Leinenbeutel und reichte es Freya.

„Hier, guten Appetit. Es ist nichts Besonderes, aber es nährt. Wenn du gegessen hast, dann kannst du dich dorthin schlafen legen. Ich werde bei Lilia übernachten, bis wir für dich auch eine Schlafstelle eingerichtet haben.“

Freya bedankte sich bei Maria, aß das Brot und den Käse und legte sich danach schlafen. Sie träumte von ihrer Zukunft. Und dieses Mal bestand diese nicht aus Kummer und Sorgen, sondern aus Hoffnung. Hoffnung, dass sie sich hier einleben und ein neues Leben beginnen würde.

Kapitel 6: Das erste Treffen mit dem Feuertänzer

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als Freya endlich aufwachte. Sie wurde von dem unablässigen Reden von Lilia geweckt, und musste direkt lächeln. Langsam stand sie auf und setzte sich zu Maria und Lilia an den Tisch.

„Mama, Mama, das ist sie. Das ist das Mädchen, das mich gerettet hat!“ Lilia sah ihre Mama begeistert an. Diese lächelte nur.  „Das weiß ich doch, mein Schatz. Ich habe dir doch schon erzählt, dass sie dich gestern Abend hierher gebracht hat. Und dass die ab jetzt auch hier bleibt.“

Lilia grinste, und ihre Augen fingen an zu leuchten. Dann wollte sie Freya etwas zu Essen reichen, doch diese lehnte dankend ab. Irgendwie hatte sie überhaupt keinen Hunger… Also wusch sie sich schnell in einem hölzernen Zuber, zog ihre Schuhe wieder an und ging dann aus dem Zelt.

Draußen herrschte schon reges Treiben. Und bald fand Freya auch heraus, warum. In einer Woche war der Geburtstag des Fürsten, und nun ging es darum, wer dort auftreten würde.

Freya wollte zu den Kindern gehen, um zu sehen, was sie schon konnten, als der Schwarze Prinz wie aus dem Nichts vor ihr auftauchte und sie ansprach.

„Guten Morgen Freya. Ich möchte dich nicht überrumpeln, aber Staubfinger, ich hoffe du weißt, wer er ist, ist heute früh wieder zu uns gestoßen. Ich habe ihm von dir erzählt, und er ist neugierig auf dich. Außerdem will er wissen, ob du gut genug für einen Auftritt bist. Ich werde dich zu ihm führen, wenn das für dich in Ordnung ist.“

Freya musste unwillkürlich lächeln. Sie würde gleich auf Staubfinger treffen! Vielleicht konnte sie mit ihm ja über das Leben als…Unsterbliche reden. Also nickte sie dem Prinzen nur freundlich zu. Dieser führte sie auf dem schnellsten Weg aus dem Lager hinaus und an den Waldrand.

Auf ihrem Weg wurde Freya immer wieder misstrauisch beäugt, wahrscheinlich wegen ihrer Haare. Doch schließlich kamen sie auf ein freies Feld, auf dem viele schwarze Brandflecke waren, höchstwahrscheinlich von Staubfingers Proben.

Auf einem Fleck stand eine Person, ein Mann, mit fuchsroten Haaren, einem roten Hemd und einer schwarzen Hose. Er stand mit dem Rücken zu ihnen, sodass Freya sich ihm unbemerkt nähern konnte. Der Prinz war schon wieder im Wald verschwunden, als Freya dem Feuer, das aus Staubfingers Hand schoss, leise Worte zuflüsterte, sodass dieses erlosch.

Ruckartig drehte sich der Feuerspucker zu ihr um. Erst war sein Gesicht ernst, doch als er ihre Haare sah, hellte sich seine Miene deutlich auf. „Hallo, du musst Freya sein. Der Prinz hat mir schon ein wenig  über dich erzählt.“

Freya wusste, dass der Feuertänzer eigentlich keine Antwort erwartete, doch sie gab ihm trotzdem eine. Ihr Vater hatte es ihr so beigebracht.

„Ja, ich bin Freya. Ich hatte gehofft, dass du mir ein wenig darüber erzählen kannst, was du seit deinem Vorfall bei den weißen Frauen so erlebt hast. Ich bin nämlich erst seit gestern so.“ Der Feuertänzer lächelte sie an. Doch er erzählte ihr nichts, er zeigte ihr etwas.

Er ließ Spinnen, Schmetterlinge und andere Tiere aus Feuer aus seinen Händen schießen, formte weiße Frauen und schrieb auf das Feld. Freya tat es ihm nach, lernte von ihm, doch nach einer Weile passierte, was passieren musste.

Sie bekam eine bestimmte Haltung der Hand nicht hin, und so ergriff Staubfinger ihr Handgelenk und wollte ihr die richtige Haltung beibringen, doch Freya zog ihre Hand weg. Er hatte ihr Mal berührt, und nun brannte es erneut wie Feuer.

Staubfinger sah sie verständnislos an. Sie hielt sich noch immer ihr Handgelenk, um das sie nur einen Stoffstreifen gewickelt hatte, und als der Feuertänzer es erblickte, schon er ihren Ärmel und den Verband hoch.

Er erschrak heftig, als er die brennende weiße Frau auf ihrem Unterarm entdeckte, doch er fasste sich wieder. Bevor er etwas fragen konnte, erklärte Freya ihm, was es mit dem Mal auf sich hatte. „Als ich beim Tod war, wollten die weißen Frauen meine Seele waschen. Ich habe mich gewehrt, und mein Feuer auf eine der beiden Frauen losgelassen. Naja, und die ist dann verbrannt. Und deswegen das Mal. Eine brennende weiße Frau. Wie die, die ich verbrannt habe. Und da ist noch etwas: wenn ich das Mal berühre, dann sehe ich die Frau vor mir und kann mit ihr reden. Dadurch ist die Sehnsucht nicht so groß, verstehst du?“

Der Gesichtsausdruck des Feuertänzers hatte während Freyas Rede zwischen verwirrt und verblüfft geschwankt. Nach einer langen Minute des Schweigens fing er wieder an zu reden.

„Das ist wirklich… interessant. Dürfte ich die weiße Frau vielleicht einmal sehen?“

Freya musste einen Moment überlegen, ob sie den Schmerz schon wieder ertragen konnte, den die Berührung des Mals auslöste. Doch sie nickte, Staubfinger zuliebe.

Auch wenn alles in ihr sich dagegen wehrte, berührte Freya schließlich das Mal an ihrem Unterarm. Und tatsächlich: eine weiße Frau erschien. Staubfinger sog verblüfft und erleichtert die Luft ein, bis die weiße Frau ihn anlächelte.

Ich habe dich vermisst, Feuertänzer. Deine Kunst hat mich immer wieder begeistert. Aber dann durftest du wieder gehen… und ich starb. Der Tod hat mir aufgetragen, dir etwas zu sagen, das ich auch schon meiner Mörderin, Freya, berichtet habe. Du kannst nicht mehr sterben und wirst auch nicht älter. Wer einmal vom Tod berührt wurde, kann nie mehr zurück.

Und mit diesen Worten verschwand die weiße Frau wieder. Erst blieb Staubfingers Miene regungslos, doch nach ein paar Minuten schien er zu realisieren, was die Dienerin des Todes ihm gerade gesagt hatte. Erst war sein Blick verständnislos, doch nach und nach wich dem Unverständnis immer mehr die Erkenntnis und er fing unwillkürlich an zu lächeln.

„Habe ich das jetzt richtig verstanden? Ich bin unsterblich? Das ist ja… großartig! Aber andererseits werden alle, die ich liebe und kenne, vor mir sterben…“ Freya sah in das traurige Gesicht des Feuertänzers und legte ihm einen Arm um die Schultern.

„Du wirst schon drüber hinwegkommen. Denk einfach eine Weile lang nicht daran und versuche, es zu vergessen. Und jetzt lass uns weiterüben, damit du dem Prinzen nachher sagen kannst, ob ich auftreten darf.“

Der Feuertänzer lächelte, dann deutete er Freya mit ausgestrecktem Arm, dass sie auf das Feld gehen und ihre Vorstellung beginnen lassen sollte.

Freya ging auf einen der verkohlten Flecken, die noch vom Feuertänzer stammten, holte noch einmal tief Luft und fing dann mit der Vorstellung an, die ihr schon einmal das Leben gekostet hatte.

Kapitel 7: Erklärungen und doch noch Fragen

Freya fing wieder einfach an, mit jonglieren und derartigen kleinen Kunststücken. Doch nach und nach steigerte sie sich, formte Tiere aus Feuer, so, wie Staubfinger es ihr gerade erst beigebracht hatte, und spuckte das Feuer hoch in den Himmel.

Sie sah aus dem Augenwinkel, wie dem Feuertänzer die Augen leuchteten, und das gab ihr Ansporn dazu, etwas mit dem Feuer zu tun, das sie vorher  nur ihrem Vater gezeigt, aber nie beigebracht hatte: Sie nahm die Hände dicht vor den Körper, flüsterte dem Feuer leise Worte zu und drückte die Hände dann in Richtung Boden, wie, wenn sie die Luft wegschieben würde. Und dann geschah es.

Das Feuer trat unter ihre Fußsohlen und schob sie hinauf in den Himmel, sodass sie zu schweben schien.

Staubfinger sog verblüfft die Luft ein, und fing dann wie wild an zu klatschen. Freya musste unwillkürlich anfangen zu lachen, doch dann flüsterte sie dem Feuer, das sie noch immer in der Luft hielt, erneut leise Worte zu, sodass sie binnen weniger Sekunden wieder auf dem Feld stand.

Sie verbeugte sich und ging dann zum Feuertänzer hinüber, um zu sehen, was er zu ihrer Darbietung zu sagen hatte. Sie stellte sich vor ihn, verschränkte die Arme vor der Brust und wartete auf eine Einschätzung. Der Feuertänzer sagte lange nichts, doch nach einer Zeit, die Freya wie eine Ewigkeit vorkam, sprach er schließlich.

„Das war wirklich sehr gut. Du beherrschst das Feuer fast so gut wie ich. Und der Trick am Ende war wirklich… verblüffend. Aber ich liege richtig in der Annahme, dass du mir nicht verrätst, wie er funktioniert, oder?“ Er sah sie lächelnd an, und Freya fühlte, dass sie ihm antworten musste.

„Nein, ich werde dir nicht zeigen, wie er geht. Das habe ich nicht einmal meinem Vater erzählt, als ich ihn ihm gezeigt habe. Aber vielleicht findest du es ja einmal selbst heraus… du hast schließlich eine Menge Zeit!“

Der Feuertänzer nickte nur, dann fing er erneut an zu sprechen. „Ich würde dir einen Vorschlag machen. Dein Auftritt hier war wirklich außerordentlich, und ich werde mit dem Prinzen sprechen, damit du auch auftreten kannst. Aber im Gegenzug dazu musst du mir etwas versprechen.“

Freya antwortete nicht, sondern sah Staubfinger nur abwartend an, sodass dieser sofort weitersprach.

„Es gibt da jemanden, ich weiß nicht, ob du schon einmal von ihm gehört hast, aber er nannte sich Eichelhäher.“ Freya starrte den Feuertänzer verblüfft an, denn sie hatte nicht erwartet, dass seine Bitte etwas mit diesem Räuber zu tun haben konnte. Schließlich war dieser schon vor drei Jahren gestorben…  „Ist der Eichelhäher nicht schon lange tot?“

Der Feuertänzer lächelte wissend und schüttelte dann leicht den Kopf. „Nein, er hat seinen Tod vorgetäuscht, damit er ein ruhiges Leben führen kann. Aber um auf meine Bitte zurückzukommen… ich möchte, dass du mit ihm sprichst. Er war es, der mich von den Toten zurückgeholt hat, und ihm geht es genauso wie dir und mir. Außerdem hat er ein kleines Geheimnis… vielleicht erzählt er es dir ja. Dann kann ich mit jemandem aus meiner Welt darüber reden…“ Freya wusste nicht, worüber der Feuertänzer sprach. Jemand aus seiner Welt? Wie meinte er das? Doch sie wusste, dass sie keine Antwort bekommen würde.

„Ich gehe auf deine Bitte ein. Ich wollte den Eichelhäher schon immer mal treffen, und auf sein Geheimnis bin ich auch gespannt. Aber… wann kann ich ihn denn sehen? Und wo?“

Staubfinger lachte. „Immer mit der Ruhe. Zuerst trittst du auf, dann gehen wir zum Eichelhäher. Aber du darfst ihn nicht so nennen. Er heißt Mortimer, hat einen Sohn und eine Tochter,
die ihn Mo nennen. Ich sage Zauberzunge zu ihm, aber das hat mit seinem Geheimnis zu tun. Und nun solltest du dir einen Namen überlegen, denn mit deinem echten schindest du keinen Eindruck. Ich gehe zum Lager zurück. Wenn du willst, kannst du noch hierbleiben und üben.“

Und bevor Freya noch etwas fragen konnte, verschwand Staubfinger zwischen den Bäumen und ließ sie mit ihren Fragen allein. Fragen, die sich um den Eichelhäher und den Namen,
den sie sich suchen musste, drehten.

Kapitel 8: Treffen mit dem Tintenweber

Freya blieb auf dem Feld, bis die Sterne anfingen zu leuchten, dann ging sie ebenfalls ins Lager der Spielleute zurück. Sie hatte sehr lange über Staubfinger, den Eichhäher und einen Namen für sich selbst nachgedacht, und schließlich war ihr ein Einfall gekommen.

Flammenmädchen. So würde sie sich nennen, denn sie spielte mit den Flammen, und ihre Haare sahen aus wie Flammen, und sie würde für immer ein Mädchen bleiben. Unsterblich…

Als Freya das Zelt ihrer Gastmutter Maria betrat, wurde sie sofort von Lilia angesprungen. „Freya, Freya, der Feuertänzer war hier und hat gesagt, dass du ganz toll mit dem Feuer umgehen kannst und dass du beim Fürstengeburtstag auftreten darfst. Und dass du nochmal zu ihm sollst. Und…“

Maria unterbrach die Kleine. „Und er hat auch gesagt, dass das, war er mit ihr zu besprechen hat, geheim ist und du es nicht jedem auf die Nase binden sollst. Hallo Freya. Ich hoffe, du hattest einen schönen Tag. Ich würde dir die Kleine dann mal abnehmen und ins Bett stecken, du musst ja nochmal zu Staubfinger, nicht wahr?“

Freya nickte ihr zu, gab ihr Lilia, die ihr auf den Arm gesprungen war und ging dann wieder nach draußen, um Staubfinger zu suchen.

Sie fand ihn lachend mit dem Schwarzen Prinzen und einem alten Mann am Lagerfeuer sitzen. Doch als er sie erblickte, verstummte er und winkte sie zu sich heran. Sie wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte, ob sie sich mit setzen durfte.

Doch als Staubfinger neben sich auf den Baumstamm klopfte, setzte sie sich hin. Dann erhob der Prinz das Wort. „Freya, das ist der Tintenweber. Tintenweber, das ist Freya. Sie ist so wie Staubfinger, was ja unschwer zu erkennen ist. Und sie wir ab jetzt mit uns umherziehen.“

Der Tintenweber erhob sich, deutete eine Verbeugung an und sprach dann seinerseits. „Guten Tag, Freya. Ich freue mich, dich kennenzulernen. Aber nenn mich doch bitte Fenoglio.“
Freya grüßte  ebenfalls und flüsterte Staubfinger dann ins Ohr, dass sie sich einen Namen überlegt habe und gerne mit ihm alleine sprechen würde. Er nickte nur, verabschiedete sich vom Prinzen und dem Tintenweber und zog Freya dann in ein leeres Zelt, das sie für das Seine hielt.

Bevor sie etwas sagen konnte, fing Staubfinger an zu reden.

„Also Freya, bevor ich dich zu Wort kommen lasse, will ich etwas loswerden. Ich hoffe, du weißt wer der Tintenweber ist. Dann muss ich dir das nämlich nicht erklären. Er wird hier oft auftauchen und Geschichten erzählen, und diese Geschichten werden von einer anderen Welt handeln. Eine Welt, über die auch Zauberzunge und seine Tochter viel zu erzählen wissen.

Wo wir bei dem wären, was ich dir erzählen möchte. Ich habe mit Zauberzunge gesprochen. Er will dich sehen. Er hat gesagt, dass er auch zum Fürstengeburtstag gehen wird und du dann mit zu ihm nach Hause gehen kannst. Ich werde nicht mitkommen, dich aber am Abend abholen, weil ich noch etwas mit ihm besprechen muss.“

Freya ließ sich alles nochmal durch den Kopf gehen und nickte dann. „In Ordnung. Ich will ihn und seine Kinder unbedingt kennen lernen. Aber jetzt zu meinem Anliegen: Ich habe mir einen Namen überlegt. Flammenmädchen. Was sagst du?“

Staubfinger lächelte. „Er ist sehr schön. Und er passt zu dir. Dir hätte wirklich kein besserer einfallen können.“ Freya wurde rot, denn sie hatte nicht so viel Lob erwartet. Sie wollte gerade weiterreden, als ein kleiner Junge, vielleicht sieben Jahre alt, das Zelt betrat.

„Feuertänzer, ich…“ Er verstummte, als er Freya sah. Sein Blick war starr auf ihre Haare gerichtet, dann sah er Staubfinger fragend an.

„Ja, das ist sie. Sind deine Eltern und deine Schwester auch da?“ Der kleine Junge nickte, dann ging er wieder nach draußen. Staubfinger wandte sich an Freya.

„Tja, Zauberzunge konnte es einfach nicht erwarten, dich zu sehen. Wie immer.“ Er lächelte, nahm sie an der Hand und führte sie dann hinaus.

Hinaus zum Eichelhäher.

6 Kommentare

Freya am 28. November 2016

Spitze!

Jin am 21. September 2016

Sehr schöne Geschichte!!! (ich würde mich über ein nächstes Kapitel sehr freuen ) Auf gute Ideen, Jin

Lilly am 3. September 2015

Super! Die beste Geschichte von der ganzen Seite! LG Lilly

Johanna am 28. Februar 2014

Bitte schreib weiter! Biiiiiiiiiiiiiiiitte!

Julina am 7. November 2013

Sehr sehr schöne geschichte wann schreibst du weiter

Morgan am 27. Oktober 2013

Die Idee ist toll. Freundet sich das Flammenmädchen eigentlich mit Meggi an?