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Ella

Ella

1. Kapitel

Milana hatte mal wieder maßlos übertrieben, als sie behauptet hatte, der süße Typ, der seit ca. einer Woche in dem alten Haus am Ende des Kirchwegs wohnte mir ähnlich sähe. Zugegeben,
er hatte ähnlich verwuschelte dunkelblonde Haare wie ich, die bei ihm eindeutig besser aussahen, als bei mir, und auch die Augenfarbe (fast schwarz) war die Selbe. Nur, dass Seine von langen und dunklen Wimpern umrahmt waren, die ich nur mit viel Mascara vortäuschen konnte.

„Und? Was denkst du Ella? Hab ich zu viel versprochen?“, kam es von meiner aufgeregten Freundin. Ich musste lächeln. Der Typ sah echt verdammt gut aus.
„Nein“, sagte ich. „Sieht ganz nett aus“
„Ganz nett?!“ Milana sah beleidigt aus. Ich gab ihr einen kleinen Kuss auf die Wange.
„Er ist toll!“, versicherte ich ihr.
„Glaubst du der kommt auf unsere Schule?“
„Bestimmt!“
Jetzt strahlte sie wieder.
„Der passt mega gut zu dir Ella! Ich mein… - ihr seht aus wie Zwillinge!“
Ich warf noch einen Blick auf den Jungen, und in diesem Moment, schaute er mich an.
Wir mussten einen ziemlich eigenartigen Anblick bieten. Zwei Mädchen, die sich auf einer alten Holzkiste drängelten, um einen Blick in die Küche eines Restaurants zu werfen, und jetzt verlegen kichernd von der Kiste sprangen und wegrannten. Es war echt peinlich. In diesem Moment wünschte ich mir, ich würde diesen Jungen –wie gut er auch aussehen mochte- nie wieder sehen. Milana nahm das ganze offenbar mit mehr Humor als ich. Sie kicherte immer noch, als wir schon eine Straße weiter waren.
„Keine Angst“, sagte sie, als sie mein Gesicht sah. „Wahrscheinlich kommt der gar nicht auf unsere Schule. Ich finde, der sieht aus, wie ein Gymmi.“
Da musste ich meiner besten Freundin recht geben. Eigentlich war es ja schade. Ein Paar mehr gutaussehende Jungs hätten unserer Schule, der Carl-von-Ossietzky-Gesamtschule sicher nicht geschadet. Vor allem dann nicht, wenn diese Jungs so geheimnisvolle dunkle Augen und total süße verstrubbelte Haare hatten. Anscheinend hatte mein Gesicht einen verträumten Ausdruck angenommen, denn Milana schaute mir prüfend ins Gesicht und sagte: „Andererseits… vielleicht wäre es ja auch gar nicht so schlimm, wenn der der Typ auf unsere Schule kommen würde.
Oder Ella?!“
„Nö“, erwiderte ich grinsend und drehte mich um, um die Straße hinunter zu laufen.
Milana folgte mir, als ihr Handy anfing zu klingeln. „Scheiße!“ Sie erstarrte, und ich drehte mich um. Milana schaute aufs Display. „Meine Mutter…!“ Sie umarmte mich hastig und drehte sich um. Im Wegrennen ging sie ans Handy und schrie: „Ich komme jetzt, sorry!“
Dann war ich allein.

Ich tat erst ein paar Schritte die Straße hinunter und dann wieder hinauf, während ich überlegte, was ich noch mit dem Abend anstellen sollte. Meine Eltern waren bei Weitem nicht so streng, wie die von Milana, was vielleicht daran lag, dass ich erstens nicht in einer Familie aus lauter Lehrern aufgewachsen war und zweitens auch nicht vier jüngere Geschwister hatte.
Mein zwanzig Jahre alter Bruder Ben wohnte in einer WG aus Youtubern am Hafen und verbrachte seine Zeit damit Videos zu drehen und zu schneiden. An den Wochenenden hing er meistens in verschiedenen Clubs, in denen er nicht selten als DJ diente. Meine siebzehn Jahre alte superengagierte Schwester Lilly, war seit ihrem siebten Lebensjahr, in dem sie eigenständig zu einer Schauspielschule gegangen war gegen den Willen meiner Eltern, die anscheinend nicht einmal gegen eine Siebenjährige wahres Durchsetzungsvermögen vorbringen konnten, Schauspielerin. Okay. Zugegeben. Wer konnte schon einem siebenjährigen bildhübschen blonden Engel wie Lilly irgendeinen Wunsch abschlagen?! Meine Eltern, jedenfalls nicht.
Meine Mutter war Jugendbuchautorin und Trauerrednerin und mein Vater ein begehrter Anwalt, und seit Bens Auszug arbeiteten sie noch mehr. Meine Schwester war ja ohnehin fast nie da und ich verbrachte auch die meiste Zeit zumindest in einem heißen Sommer, wie diesem bei Freunden oder einfach draußen am Hafen. Auch heute Abend würden meine Eltern wahrscheinlich nicht vor 20:30 Uhr zu Hause sein, also beschloss ich den Abend am Jungfernstieg in meinem Lieblingskaffee dem „MIO“ zu verbringen.

Ich schlenderte langsam die Straße wieder zurück und machte mich auf den Weg an den Hafen. Als ich angekommen war und mich auf meinen Lieblingsplatz direkt am Fenster setzte holte ich mein iPhone aus der Hosentasche um die Whatsappnachrichten der vergangenen Stunde zu checken. 51 Nachrichten in der Klassengruppe „8a 4ever“, 4, von meinem besten Freund Felix, drei von Laura, und eine bescheidene Nachricht von Milana, die mich darüber in Kenntnis setzte, dass sie noch am Leben war. Ich antwortete allen und dann kam Lorenzo, um meine Bestellung entgegenzunehmen.
„Ein Kakao mit extra viel Sahne, wie immer?“, fragte Lorenzo, als er an meinen Tisch getreten war. „Schöne Mädchen hat sich lange nicht blicken lassen hier in „MIO“! Habe vermisst nette Gespräche!“
„Ich auch!“, lachte ich. „Mein Taschengeld war etwas knapp, weil meine Nachbarn, bei denen ich sonst einmal die Woche babysitte im Urlaub waren im „schönen Italia“.“, zitierte ich Lorenzo. Er lachte.
„Und wie läuft Schule?“, fragte er und verzog das Gesicht.
„Geht“, erwiderte ich gedehnt und zog ebenfalls eine Grimasse.
„Ich verstehen!“, meinte Lorenzo grinsend. „Aber starke Mensch wie meine Ella schafft alles wenn Wille da ist!“ Er zeigte einen Daumen hoch und verschwand in der Küche um mir meinen Kakao mit extra viel Sahne zu machen.
Dicht über mein Handy gebeugt, bemerkte ich gar nicht, wie jemand das Kaffee betrat und sich neben mich setzte. Jemand mit blonden verstrubbeltem Haar und fast schwarzen dicht bewimperten Augen, die mich jetzt interessiert musterten.
„Hi“, sagte der süße Junge aus dem Kirchweg. Ich schreckte hoch.
„Ähh… hi?“, sagte ich unsicher, und versuchte heraus zu finden, wie ich es am geschicktesten anstellen könnte möglichst schnell aus dem Kaffee zu flüchten, um mir mögliche peinliche Gespräche zu ersparen. Gerade wollte ich aufspringen und sagen: „Sorry, ich muss jetzt echt gehen“, da kam Lorenzo lächelnd auf uns zu um mir meinen Kakao zu bringen.
„Kakao mit viel Sahne für die hübsche Mädchen… Voila!“.
Und damit war er wieder verschwunden. Ich schaute ihm verzweifelt hinterher.
„Willst du dich nicht setzen und deinen Kakao trinken?“, kam es von dem Jungen.
Mir war gar nicht aufgefallen, dass ich aufgesprungen war. Verschämt ließ ich mich wieder zurück auf meinen Stuhl plumpsen und begann äußerst konzentriert damit die Sahne mit dem Kakao zu vermischen. Ich spürte den Blick des Jungen auf meinem Kopf und das machte mich noch nervöser.
„Was machst du hier überhaupt?“, entfuhr es mir schließlich.
„Oh, das Selbe wie du denke ich. Die Frage lautet wohl eher: Was machst du mit deiner seltsamen Freundin am Fenster der Küche vom Restaurant meines Vaters.“
Ich sagte nichts, sondern starrte nur weiterhin in meinen Kakao. Nach einigen Sekunden des Schweigens meinte er: „Okay, da wir bei diesem Thema heute wahrscheinlich nicht weit kommen werden… auf welche Schule gehst du?“ Er klang nicht spöttisch oder herablassend.
Er klang einfach nur… nett.
„Ähh… Carl-von-Ossietzky-Gesamtschule, warum?“ Jetzt endlich konnte ich ihm ins Gesicht schauen. Wie konnte man nur so unglaublich schöne Augen haben? Seine Gesichtszüge passten perfekt zu der freundlichen und direkten Art, wenn er sprach und sogar sein Stirnrunzeln war unglaublich süß…
„Hallo?! Ich hab was gesagt“
„Äh… was… wie bitte?“ Schnell riss ich mich von seinem Anblick los und bemerkte warum er die Stirn gerunzelt hatte.
„Ich sagte:“, sagte er. „Da geh ich ab morgen auch hin.“
„Oh, cool! Weißt du schon welche Klasse?“, fragte ich. Langsam gelang es mir ihn anzuschauen, ohne zu vergessen, wer er war und was er hier machte.
„Nein…“, sagte er. „In welche Klasse gehst du denn?“
„8a“
„Und deine Freundin?“
Warum wollte er das wissen!?
„Auch in die 8a, warum?“
„Einfach nur so!“, sagte er und grinste mich wieder an. „Wie heißt du eigentlich?“
„Ähh… Ella.“, antwortete ich. „Und du?“
„Leo… kein wirklich besonderer Name!“ Er lächelte.
„Find ich schon!“, rutschte es mir heraus.
Sein Lächeln wurde breiter. „Danke“, sagte er. „Aber Ella ist auch schön! Hört sich an, wie eine Abkürzung von Elisabeth.“ Als hätte ich nachgefragt, fügte er hinzu: „Meine kleine Schwester heißt Elisabeth, aber die nennen wir immer Elli.“
Erleichtert, über den Themenwechsel, fragte ich gleich interessiert: „Und wie alt ist deine Schwester?“
„Acht“, sagte er lächelnd. „Und voll die Nervensäge!“
„Ich wünschte ich hätte auch eine kleine Schwester! Oder einen kleinen Bruder!“, meinte ich sehnsüchtig. „Ich hab nur einen großen Bruder und eine große Schwester…“
„Ist doch cool!“, meinte Leo und lachte. „Die können dich dann immer beschützen!“
„Ja klar“ Ich musste auch lachen. „Mein Bruder wohnt gar nicht mehr bei uns, und meine Schwester… die ist auch fast nie zu Hause.“
„Wie alt sind sie denn?“, wollte Leo wissen.
„Meine Schwester ist siebzehn und mein Bruder ist zwanzig.“, sagte ich.
„Ach so“, sagte Leo. „Und was macht deine Schwester den ganzen Tag, das sie nie da ist?“
Ich nahm einen Schluck von meinem Kakao. Er war kalt und ich verzog angewidert das Gesicht. „Sie ist Schauspielerin“, erklärte ich dann. Vielleicht kennst du ihren Namen. Lilly Maine!?“
Leo riss die Augen auf. „Lilly Maine ist deine Schwester? Dann muss Ben Maine dein Bruder sein?! Ihr seht euch nicht besonders ähnlich.“, meinte er skeptisch, aber ich hatte schon ein Foto heraus gezogen, dass Ben, Lilly und mich zeigte, als ich ungefähr zehn Jahre alt war. Ganz vorne ich breit grinsend mit dunkelblonden langen und zerzausten Haaren, mageren Armen und Beinen, in kurzer zerfranster Jeans und mit aufgeschlagenem Knie. Dahinter die dreizehnjährige Lilly, mit strahlend weißem Lächeln, ordentlich gekämmten brustlangen und hellblonden Haaren, strahlend blauen Augen mit langen geschwungenen Wimpern und knielangem geblümtem Kleid, deren schmale Hände behutsam auf meinen Schultern lagen und daneben der sechzehnjährige Ben. Er grinste fröhlich in die Kamera. Dunkelblonde, fast braune gegelte Haare umrahmten sein Gesicht. Auch er hatte strahlend blaue Augen, mit langen Wimpern und einen schlanken durchtrainierten Körper.
Leo starrte mich an. „Das ist ja mega cool!“ Deine Schwester ist eine bekannte Schauspielerin und dein Bruder ein berühmter Youtuber!“
„Ach echt!? Ist mir noch gar nicht aufgefallen!“, sagte ich leicht genervt. Jetzt kam wider die übliche Frage: Meinst du, du könntest mir ein Autogramm besorgen? Und dann versuchten sich die Leute mit mir zu befreunden um einmal im Haus von Lilly und Ben Maine gewesen zu sein. „Das hörst du wohl öfter“, sagte Leo und grinste mich verständnisvoll an.
„Ja… manchmal!“, antwortete ich irritiert. „Willst du kein Autogramm?“
Leo musste lachen. „Von dir!? Na wenn du unbedingt willst…“
„Nein! Von Lilly und Ben natürlich!“, sagte ich.
„Ach so“, meinte Leo, als ob ihm dieser Gedanke gerade erst gekommen wäre. „Nein, nicht unbedingt“, sagte er. „Ich kann nicht so viel mit einer Unterschrift anfangen.“
„Ach so…“, murmelte ich. Dann klingelte mein Handy. Ich zog es aus der Hosentasche und ging dran. „Hallo?“
„Hallo, mein Schatz“, kam es vom anderen Ende zurück. „Ich wollte fragen wann du nach Hause kommst und wo du bist.“
„Im MIO, ich komme aber jetzt gleich!“, sagte ich. „Wie viel Uhr ist es denn?“
Im Hintergrund hörte ich fröhliche Stimmen. Waren Ben und seine Freundin Chiara etwa zum Abendessen gekommen?
„Zwanzig vor Neun“, sagte meine Mutter.
„Oh ok, dann komm ich jetzt mal besser. Sind Ben und Kiki da?“
„Ja sind gerade ganz überraschend gekommen. Ich glaube, die wollen uns irgendwas erzählen und weil Lill heute Abend auch da ist, warten wir eigentlich nur noch auf dich!“
„Ich mach mich sofort auf den Weg!“, versprach ich. „Bis gleich“
„Ciao, mein Schatz“
„Deine Mutter, schätze ich?“ Leo sah mich fragend an.
„Ja“, sagte ich. „Ich muss gehen, aber wir sehen uns ja morgen wieder, oder?“
„Ich denke mal schon“, sagte er und grinste wieder. Wie mich dieses Grinsen verrückt machte! Ich zog mein Portmonee aus der hell rosa Leder-Handtasche, die ich immer mit mir herumschleppte und die wasserfeste Mascara, Consila, Rouge, einen Rouge-Pinsel, eine kleine pinke Klappbürste, einen winzigen Spiegel, mein Portmonee, ein hell rosa Binden-Etui, Taschentücher, Erdbeer-Handcreme und mein iPhone 6, welches mein ganzer Stolz war beinhaltete. Ich bezahlte.
„Dann also bis morgen, Ella!“, sagte Leo und streckte mir etwas unbeholfen seine rechte Hand hin. Erleichtert nahm ich sie, sie war angenehm kühl und schaute ihm in die Augen. So schöne Augen…
„Bis Morgen, Leo!“, sagte ich auch, bevor ich mich wieder in seinen Augen, in seinem Blick verlieren konnte. Dann ließ ich seine Hand wieder los. Am liebsten hätte ich sie gleich wieder genommen.

Als ich zu Hause ankam, stand das Essen, Reis mit Gemüse und Fisch schon fertig auf dem Tisch auf der Terrasse. Es war noch warm draußen und von drinnen kam leise Radiomusik. Langsam versammelte sich meine Familie um den Tisch. Es war schön mal wieder alle beieinander zu sehen. Lilly und ich wollten sofort wissen, was uns Ben zu erzählen hatte, aber er hatte anscheinend vor uns noch ein bisschen auf die Folter zu spannen. Also aßen wir zuerst. Alle redeten durcheinander und lachten, wie es in unserer Familie eben so üblich war, aber niemand beschwerte sich. Es war einfach nur schön! Ich erzählte von meiner grässlichen Lehrerin Frau Krusemann, von Milanas Mutter, von Leo. Lilly erzählte von unerfahrenen Regisseuren, von dem neuen Film, den sie gerade drehte und von einem Jungen, den sie beim Dreh kennengelernt hatte. Mama erzählte von ihren Plänen für ihr neues Buch, von dem sie leider noch keinen Plan hatte wie es heißen sollte, von ihren Ferienplänen und von einer jungen Mutter, deren Mann vor kurzer Zeit verunglückt war und Papa erzählte von einem Mann, der ihn beauftragt hatte und mit dem man kein klares Wort wechseln konnte, weil dieser vierundzwanzig Stunden am Tag betrunken war. So hatten am Ende alle erzählt und spekuliert, nur Ben und Chiara hatten sich bisher zurück gehalten. Nun hielten wir es alle nicht mehr aus und Ben und Chiara schauten erst sich und schließlich uns feierlich an. Mein großer Bruder räusperte sich.   „Also…“, begann er mit vielsagender Miene. „Chiara und ich sind jetzt seit fast drei Jahren zusammen. In dieser Zeit ist viel passiert! Wir haben beide, erst ich und ein Jahr später Kiki unser Abitur abgeschlossen, wir haben unseren Führerschein gemacht, wir sind von zu Hause ausgezogen, Ella…“ Er nickte mir zu. „Ist auf die weiterführende Schule gekommen, hatte ihren ersten richtigen Freund!“ Langsam wurde es peinlich. „Lilly…“ Jetzt nickte er in die Richtung seiner anderen kleinen Schwester. „Hat in diesen drei Jahren in zahlreichen Filmen mitgespielt, nicht selten als Hauptrolle! Kiki und ich haben zusammen Youtube für uns entdeckt Und in dieser ganzen wunderschönen Zeit… haben wir nebenbei gespart. Wir haben lange darüber nachgedacht, wofür wir das Geld letzten Endes verwenden sollen… und sind schließlich zu einem Entschluss gekommen.“ Na endlich, dachte ich.
„Wir werden für zwei Jahre nach Afrika gehen.“
Ok, damit hatte ich jetzt echt nicht gerechnet! „Was?“, entfuhr es mir. Ich klang hysterischer, als ich beabsichtigt hatte. Irgendwie richtig aufgebracht. Lilly sah genauso aus, wie ich mich fühlte. Sie hatte die Augen weit aufgerissen und machte den Mund ab und zu auf, aber es wollte nichts hinauskommen.
Ben sah uns traurig an. „Ich werde euch ja auch vermissen, aber wir können doch telefonieren und skypen!“ Er sah uns an.
„Und…wann?“, fragte Lilly.
„Erst in drei Wochen. Aber bis dahin muss natürlich noch viel vorbereitet werden…“, begann Ben vorsichtig zu erklären. Er kannte uns zu gut um jetzt noch weiterzureden. Beinahe zeitgleich brachen Lilly und ich in Tränen aus.
„Das kannst du uns doch nicht antun!“ Ich schrie fast. „Du kannst uns hier doch nicht einfach alleine lassen! Was bist du denn für ein Bruder, der seine Geschwister, seine Familie einfach allein lässt für…“ Wieder schluchzte ich. „…für zwei Jahre“ Von rechts legte Lilly ihren Arm um meine Schultern, obwohl sie selbst nicht weniger unglücklich wirkte. Von links fuhr mir Mamas warme Hand tröstend über den Kopf. „Pssst Ella, mein Schatz… ganz ruhig!“
Ich schluchzte noch ein paarmal, dann war es fürs Erste genug. Etwas beschämt wischte ich mir die Tränen von den Wangen. Es war doch klar gewesen, das Ben mit Chiara irgendwann für längere Zeit wegziehen würde. Was hatte ich denn erwartet! Dass er sein Leben lang in Hamburg sitzen würde, bis ich alt genug war und selbst auszog? Das konnte ich doch nicht wirklich gedacht haben! Nein, dachte ich. Gehofft hab ich es. Gehofft.

An diesem Abend schliefen Ben, Lilly und ich alle in Lillys Zimmer wie früher.
Nachdem Chiara sich verabschiedet hatte, hatten wir uns ein Matratzenlager in Lillys Zimmer gerichtet. Jetzt lagen wir alle eng aneinander gekuschelt auf dem Boden in Lillys Zimmer.
Ich schämte mich für meinen Ausbruch eben.
„Sorry, dass ich eben so ausgerastet bin!“, flüsterte ich entschuldigend.
„Ja“, fügte Lilly hinzu.
„Klar kannst du nach Afrika gehen… war nur in dem Moment ein Schock…“
„Danke!“ Ben hörte sich erleichtert an. „Ich werd euch ja auch vermissen! Aber ich will jetzt auch mal was erleben.“
„Und Youtube?!“ Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Ben und Chiara ihr Youtube-Leben einfach so aufgeben würden. Ich werd natürlich weiter Filmen und Bloggen, aber eben in Afrika.“, sagte Ben.
Dann erzählte ich ihnen von Leo.
„Gefällt er dir?“, fragte Lilly und sah mich neugierig an.
Ich zögerte, aber dann erzählte ich meinen Geschwistern alles.
Über Lillys Fragen über Leo und Bens Tipps schlief ich irgendwann ein.

5 Kommentare

Kassandra am 21. Juli 2015

Tolle Geschichte, ich hoffe es gibt bald eine Fortsetzung Zitat von Maggie: Das klingt ja wie der Anfang eines richtigen Romans Ich gebe Maggie nur Recht. Super!

Meggie:D am 10. März 2015

Wow, das klingt ja echt wie eine Leseprobe zu einem Roman! Ich habe schon einige deiner Texte gelesen, und fand alle absolut klasse. Mach weiter so! Und bitte, Bitte schreib an dieser Geschichte weiter!!!

Celeste am 8. März 2015

Bitte, bitte schreib eine Fortsetzung!

Sammy am 22. Dezember 2014

Das ist total cool. Hoffentlich gibt es eine Fortsetzung! Ich liebe deinen Schreibstil, Ella. LG Sammy

Saphir am 18. November 2014

Super schön! Ich freue mich auf eine Fortsetzung!