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Marissa

Eleonora

Kapitel 1

Ich hab es geschafft, das erste Kapitel meiner neuen Geschichte vorläufig fertig zu kriegen, angefangen im Geounterricht, weil gewisse Sitznachbarinnen langweilig waren. Und hier kommt dann also wieder was von Marissa..."Eleonora" ist nur der Arbeitstitel, mir ist bisher noch nichts besseres eingefallen, also falls irgendwem ein möglicher Titel einfällt, BITTE sagt ihn mir... So, und jetzt genug des Vorworts, Eleonora verdreht die Augen weil sie endlich selbst reden will...

Es war einmal ein Märchenkönig, der war dummerweise unsterblich, weil seine Mutter eine Fee gewesen war. Da Unsterblichkeit leider mit sich bringt, dass sich die Welt um einen herum verändert, bekam der König irgendwann einen Tobsuchtsanfall. Ihm wurde vorgeschlagen, sich mit mehr Unsterblichen zu umgeben, Therapie sozusagen, und während er miterlebte, wie Generation um Generation seiner Untergebenen starb, lebte er, endlich mit einer unsterblichen Fee verheiratet, griesgrämig weiter und bekam eines Tages einen weiteren Tobsuchtsanfall, weil eine seiner Töchter keine Lust hatte, ewig brav auf irgendeinen Prinzen von sonstwoher zu warten und dabei auch noch ständig aufpassen zu müssen, dass sie nicht auf ihre eigene Schleppe trat oder mit einer dämlichen Hochsteckfrisur an einem noch dämlicheren Kronleuchter hängen blieb.

So wurde Eleonora wieder mal ohne Abendessen in ihr Zimmer bugsiert, und da saß ich nun und wartete vergeblich darauf, vor Langeweile zu sterben. Zwei Stunden später hetzte eins der Koboldmädchen, soweit ich mich erinnere war es Maude, mit wehenden Röcken durch die Tür. Mit weit aufgerissenen dunkelbraunen Augen, das sommersprossige Gesicht vom Rennen gerötet, sah sie mich an.

„SIE ruft Euch zu sich...“ Angstvoll zupfte sie an meinem Ärmel. „SIE wünscht Euch sofort zu sprechen!“

Ich verdrehte die Augen, stand auf vom Fußboden in meinem Kleiderschrank (Pardon - Ankleidezimmer) und suchte meine Schuhe. Die kleine Maude versuchte das heillose Durcheinander meiner drei Dutzend Unterröcke zu sortieren und wuselte mir voran durch mehrere Meilen Flure und Treppenhäuser, bis zum Thronsaal. Meine Güte, dachte ich. SIE musste wirklich stinkig sein, wenn sie mich hier erwartete. Oder vielleicht war auch einfach in keinem anderen Raum Platz für ihre Schleppe. Entschlossen ging ich hinter meiner aufgeregten Begleiterin durch den Spalt zwischen den halboffenen silbernen Türflügeln. Am Ende des langen mitternachtsblauen Sternenteppichs saß SIE auf ihrem lächerlichen goldverzierten Thron. Noch alberner als dieser protzige Samtsessel war allerdings das Kleid. Die violette, glitzernd perlenbestickte Schleppe war sorgfältig durch den halben Raum drapiert und geschickt um den Thron gewunden, das Korsett wie üblich eng geschnürt, die raschelnden, ebenfalls bestickten Ärmel hingen über die Armlehnen bis auf den Boden, ein steifer Kragen schmiegte sich um den dünnen Hals und stützte einen Teil der um die Krone gewundenen, teils aufgedrehten, ordentlich drapierten meterlangen weißblonden Lockenflut. Die Person in dem Kleid war blass und schmal, mit weißen Spinnenfingern und langen, spitzen Fingernägeln, das Gesicht grausam schön, weiß und spitz, mit ausgeprägten Wangenknochen und riesigen schwarzen Augen, die Augenbrauen verächtlich hochgezogen. Sie sah mich an, bis ich nachgab und in meinen Hofknicks sank.

„Eleonora, geliebte Tochter.“ Samtig und sirupsüß schlich sich ihre Stimme durch den Raum und verwob sich mit dem leisen Klimpern der kristallenen Leuchter an der Decke. In einer einzigen eleganten Bewegung erhob sich Königin Ilisca und glitt auf mich zu. Sie war nicht groß, und trotzdem musste ich zu ihr hochgucken, was mich diesmal nicht weniger ärgerte als sonst auch immer. Nur dass sie diesmal noch viel widerlicher wirkte, als hätte sie irgendwas wirklich nicht nettes vor. Ihre Augen funkelten in diesem leuchtenden Feen-Violett, als wenn sie eine Überdosis Magie gewirkt hätte. Und ganz bestimmt keine freundliche. Missbilligend wanderten ihre Augen über meine ungekämmten dunklen Locken und die nicht weggeschminkten Sommersprossen, das nachlässig geschnürte Korsett und die Unordnung der Röcke. Unter besagtem Stoffchaos tapste ich nervös von einem Fuß auf den anderen. SIE zog die Augenbrauen noch ein Stück höher.

„Eleonora... sicher hast du erraten warum ich dich hierher bestellt habe.“ Das mutwillige Glitzern in den schwarzen Augen machte mir Angst.

„Sollte ich das erraten haben?“ Es war wie ein Tanz, ein Versteckspiel um die Worte der anderen und das eigene Ziel.

„Nun, eine Prinzessin wie du, die außer ihrer Denkfähigkeit und Stellung wohl nicht so viel zu bieten hätte...“ Ein Tanz auf Leben und Tod. Einschließlich Falltüren.

„Ich bin sicher ich werde es gleich so oder so zu hören kriegen. Ihr werdet die unangenehmen Neuigkeiten nicht lange für euch behalten können.“ Ich erntete ein klirrendes, glasscharfes Lachen.

„Oh, Eleonora. Wie gut du mich zu kennen glaubst.“

„Wohlwissend, dass ich das nur glaube, müsstet Ihr mich gut genug kennen, um zu wissen, dass ich jedenfalls nicht nachfragen werde, was so unglaublich belustigend für Euch ist an der Vorstellung dessen, was mir in meiner Unwissenheit noch blüht.“

„In dem Fall bin ich wohl nicht gezwungen es dir mitzuteilen.“ Sie spielte mit mir. Oder vielleicht glaubte sie das auch nur. Vielleicht glaubte ich auch nur dass sie es glaubte.

„Dann kann ich ja wieder gehen.“ Wieder so ein Lachen.

„Oh nein. Du sollst es wissen. Damit du mich amüsieren kannst mit der sinnlosen Suche nach Auswegen. Es gelten doch immer nur meine Spielregeln.“ Wenn ich nicht doch Angst gehabt hätte, hätte ich die Augen verdreht. Ilisca, meine über alles geliebte Mutter, holte tief Luft und lächelte katzenhaft.

„Jede nicht ganz so missratene Prinzessin wäre überglücklich angesichts dieser Neuigkeiten...“ Diesmal zog ich die Augenbrauen hoch. SIE verzog spöttisch das Gesicht. „Und glücklicherweise ist eine Prinzessin ohne Manieren ja nicht gleich eine Prinzessin ohne diplomatischen Nutzen.“ Plötzlich wusste ich was sie vorhatte. Jeglicher Logik entbehrend war mein erster Gedanke, dass sie das nicht wagen würde. Andererseits hatte sie bisher noch immer nur das getan was ihr gerade passte. Ich muss ausgesehen haben wie erstarrt, schockgefroren, denn sie lachte wieder. Lachte mich aus. Lachte weil sie die Macht hatte. Weil nicht nur ihr Hof, das ganze Land und alle umliegenden Königreiche auf sie zu hören hatten sondern auch ihre widerspenstige Tochter. Ohne zu blinzeln oder wegschauen zu müssen sah ich meine Mutter an.

„Nein. Ihr könnt doch wohl nicht ernsthaft denken da würde ich einfach mitmachen. Und so, wie ich das sehe, geht der ganze Plan nicht auf, wenn ich mich ein einziges Mal wirklich weigere.“ Und ein einziges Mal schaffte ich es auch, Haltung zu bewahren, als ich mich auf dem Absatz umdrehte und aus dem Raum stürmte.

Erst zwei Gänge weiter kamen die Tränen und die Verzweiflung. Ärgerlich versuchte ich beide wegzuwischen, mit unterschiedlichem Erfolg. Trotz meiner immer verschwommeneren Sicht rannte ich weiter. Die Vasen und Gemälde in den Fluren konnte selbst eine dagegenrennende heulende Prinzessin nicht durch Zerstörung noch hässlicher machen, und mein Kleid war mir sowieso herzlich egal.Ich rannte und rannte, Treppen hoch und Gänge entlang, durch schmale Dienstbotenflure die sonst niemand benutzte, und weitere Treppen hoch, hoch und immer höher, bis ich an dem abgesplitterten Treppenabsatz taumelnd zum Stehen kam. Diesmal erfolgreich, wischte ich mir mit dem Ärmel über die Augen und griff nach dem Deckenbalken der links von mir abgebrochen aus der Wand ragte. Achtlos warf ich meine fürchterlich vornehmen Schuhe die Treppe runter und zog mich, die Füße vorsichtig auf schmale Vorsprünge in der Mauer setzend, hoch auf die halb zerstörte zweithöchste Etage des Turms. In dem Staub da oben sah man deutlich die Fusspuren, die ich dort regelmäßig hinterließ, aber da nie jemand hierherkam außer mir und gelegentlich auch der Flederdrachin aus dem Dachstuhl weiter oben, war das egal. Hier oben war es viel weniger vollgestopft als sonst irgendwo in diesem Ameisenhaufen von Schloss, und durch die vorhanglosen Fenster fiel Licht in staubtanzenden Strahlen auf den Boden. Aufatmend setzte ich mich an der gegenüberliegenden Wand auf einen Stapel alter Teppiche und zog mein Buch darunter hervor. Doch noch bevor ich die Seite suchen konnte, auf der ich stehengeblieben war, knarrte im Stockwerk über mir das Gebälk und ein schrilles Gekreische gellte mir in den Ohren. In panischer Hast klemmte ich mir das uralte Buch, in dem schon dutzende meiner Vorfahrinnen Tagebuch geführt hatten, unter den Arm und flüchtete auf schnellstem Wege nach unten.

4 Kommentare

Saphir am 5. August 2014

Wow, das ist echt SUPER!!!!! Ich warte sehnsüchtig auf die Fortsetzung... Ein Name fällt mir leider auch nicht ein!

Lollypop am 6. Dezember 2013

Ella hat mir die Kommentar-ideen weggenommen!!! also ich hätte wort für wort das genauuu gleiche gesagt... Und ich hoffe, die generfte Eleonora redet weiter!!!!!

Schneewittchen am 1. Dezember 2013

Oooh jaa unbedingt eine Fortsetzung!! Bittebittebitte!! Das hört sich megamäßig interessant an..!!

Ella am 28. November 2013

Oh, das ist sehr gut geschrieben! Mir gefällt diese Geschichte, und wie du die Gefühle von der Prinzessin Einbaust, die alles anscheinend gründlich satt hat Also, Titel fällt mir noch nicht ein... Dafür brauche ich glaub ich mehr Kapitel Also, Schick noch welche, ja? Lg Ella