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PulliKind

Ein fataler Fehler

Hey meine Lieben, ich bins, Elena und ich dachte mir, ich melde mich auch mal wieder! Das hier entstand als Deutschhausaufgabe im Herbst letzten Jahres… ich hoffe, es gefällt euch. LG Elena

Eines Nachts, als Frau Meier allein zu Hause war, hörte sie im Estrich Schritte. Zuerst tat sie so, als merke sie nichts, aber als die Schritte nicht aufhörten, wurde es ihr unheimlich, es konnte schließlich ein Einbrecher sein. Da fasste sie sich ein Herz, nahm die Pistole ihres Mannes aus dem Nachttischschrank, stieg die Treppe hoch, öffnete vorsichtig die Tür, drückte ganz rasch auf den Lichtschalter und rief: „Ergeben sie sich! Ich habe bereits telefonisch die Polizei verständigt. Ein Einsatzwagen wird in wenigen Minuten vor Ort sein.“ Aber ihre Angst war umsonst gewesen. Es war nur ihr Mann, der von der Arbeit gekommen war und nun von der Kugel niedergestreckt zu Boden sank. […]

[…] Ihr Mann fiel auf die Knie und sah sie mit leerem Blick an, bis er zur Seite weg kippte.
Frau Inga Meier war zutiefst geschockt und fing zitternd an zu weinen. Sie bückte sich zu ihrem Mann herunter und rüttelte verzweifelt an seinen Schultern, wobei sie mit seinem Blut in Berührung kam. Doch sosehr sie auch rüttelte, er blieb unbewegt und sein Leben erloschen.
Er war tot. Da hörte sie einen Schrei. Doch als sie sich umschaute, sah Inga außer sich niemanden im Raum und begriff, dass dieser Mark erschütternde Schrei ihr eigener gewesen war. Sie nahm wie benommen ihr Gesicht in ihre zitternden Hände. Schluchzend dachte sie noch an ihre letzte gemeinsame Zeit mit ihm nach. An sein wundervolles Lächeln, dass er immer lächelte, wenn er sie erblickte; an ihre Reisen nach Kyoto, New York und Sidney, die er mit ihr zur Weihnachtszeit immer unternahm; an seine fürsorgliche Pflege, wenn sie einmal krank war; und an ihren fünften Hochzeitstag, an dem er sie in ein Restaurant ausführte. Von deren Besuch er dort aber viel zu betrunken anbot, das Steuer ihres Range Rover zu übernehmen, um nach Hause zu gelangen. Jedoch entbrannte kurz darauf ein Streit, weil Inga ihn so nicht fahren lassen wollte, nicht in dieser Verfassung. Von diesem Tag an ging ihre Ehe Berg ab… Er fand immer wieder Gründe zum Streit und fing an handgreiflich zu werden. Er schlug sie, wenn er von seiner Arbeit abends nach Hause kam und das Essen noch nicht fertig auf dem Tisch stand. Das war eigentlich der Zeitpunkt, in dem ihre kleine Welt um sie herum schon zusammen brach. Inga trug jetzt noch die Narben ihrer täglichen Auseinandersetzungen. Langsam wurde ihr bewusst, dass sein Tod eine schwere Last von ihr nahm. Nun war sie endlich frei.

Allmählich löste sie sich von ihrer Starre. Sie würde wohl oder übel die Beweise ihrer Tat vernichten müssen. Denn immerhin war sie vorhin so in Panik gewesen, dass sie dummerweise die Polizei angerufen hatte.

„Mist“, dachte sie sich… „Sie würden doch garantiert denken, dass ich geisteskrank bin und ihn absichtlich umgebracht habe…“ Ihr war bewusst, dass sie ihren Ehemann niemals umbringen würde! Doch davon waren die Polizisten natürlich nicht in Kenntnis…

Da ertönte auch schon die Klingel und riss sie aus ihren Gedanken. Sie waren da und das Einzige, was Inga hatte in der Zeit wegschaffen können, waren die Blutflecke an ihren Händen. Schnell schnappte sie sich ein frisches T-Shirt und wischte sich die letzten Tränen weg.
Nachdem sie die Treppe runter in den Flur sputete, öffnete sie gehetzt die Tür. Die drei Polizisten hatten schon mehrmals geklingelt. „Guten Abend Frau Meier!“, begrüßte sie ein etwas pummeliger Polizist. Es schien, als hätte man ihn durch Ingas Anruf gerade erst geweckt.
Mit dunklen Ringen unter den Augen und verstrubbelter Frisur lächelte er Inga höflich an. „Guten Abend“, erwiderte sie so gelassen wie möglich und rang sich ein Lächeln ab.
„Es tut mir leid, sie aufgescheucht zu haben, aber ich habe mich wohl geirrt, es ist alles in bester Ordnung!“, beteuerte sie. Doch der Strubbelkopf und seine Kollegen schienen skeptisch zu sein. „Dürfen wir uns trotzdem umsehen und vergewissern, dass alles in Ordnung ist?“, fragte ein etwas schlaksigerer Typ, der ihres Erachtens um die zwei Meter groß war. „Ein paar Nachbarn haben uns berichtet, einen Schrei aus ihrem Hause gehört zu haben.“ Für einen kurzen Moment erstarrte sie, ihre Augen weiteten sich und Ingas Herz setzte einen Schlag aus. „Oh,oh“, dachte sie nur. „Der Schrei… man bin ich dämlich!“ Doch das durfte sie jetzt nicht aus der Fassung bringen. Sie musste improvisieren. „Oh, äh… Natürlich!“, stammelte sie.

Die drei Beamten traten ein und Inga machte einen Schritt zur Seite. Sie schauten sich um und Inga wurde immer nervöser. Da fiel der Blick des dritten, etwas kleineren Mannes auf Ingas rechte Hand, die sie halb hinterm Rücken versteckt hielt. Strubbelkopf und der Schlaksige folgten seinen Blick. In ihrer Rechten hielt Inga immer noch, von allen Fingern fest umklammert, die Pistole ihres Mannes. „Oh, je…Wie konnte sie nur so blöd sein?!“, dachte sie sich insgeheim. Doch jetzt war nicht die Zeit, sich für Fehler zu Ohrfeigen oder großartig drüber nachzudenken. Sie reagierte sofort und feuerte einen Schuss in Richtung des Kleinen ab.
Wie durch ein Wunder traf sie mitten ins Herz. Er war auf der Stelle tot.

Strubbelkopf reagierte ebenfalls blitzschnell und zog seine Waffe. Doch auch Inga war nicht dumm. Reflexartig drehte sie sich um und rannte davon, durch Flur, Wohnzimmer und Küche, bis sie zum Hintereingang gelangt war. Inga riss die Tür auf und ließ sie mit einem lauten Krachen sofort wieder zufallen. Und so rannte sie einfach weiter und beachtete weder die zwei Polizisten, die ihr nachliefen, noch deren Rufe, sie solle stehen bleiben. Zu Ingas Glück wohnten sie und ihr Mann nahe am Waldrand… ein guter Zufluchtsort!

Zwischen sich und dem Wald trennte sie nur noch die Straße. Die zwei übrigen Polizisten hatten sie mittlerweile eingeholt. Die Tür hatte sie nur kurz aufhalten können. Ohne sich auch nur die Mühe zu machen, nach rechts und links zu schauen, rannte Inga quer über die Straße. Nur knapp verfehlte sie ein rotes Cabrio, dessen Fahrer sie wild anschrie und ihr den Mittelfinger zeigte. Doch das interessierte Inga jetzt eher weniger. Direkt vor ihren Augen befand sich nun das dunkle Grün der vielen von Bäumen, die den Waldrand schmückten. Im Slalomlauf, rannte sie durch den Wald, in dem es jedoch, bis auf den leuchtenden Vollmond am Himmel, stockduster war. Nach einer Weile begann ihr Atem keuchender zu werden und ihre Beine wurden immer schwerer. Sie warf einen Blick nach hinten und sah, dass Strubbelkopf und der Schlaksige nur noch wenige Meter hinter ihnen waren. Doch warf sie ihren Blick wohl etwas zu lange auf ihre Verfolger, denn sie übersah die dicke Wurzel zu ihren Füßen, die Ingas Schritte noch mehr zum Taumeln brachten. Und so wurde ihr klar, dass sie nicht mehr fliehen konnte, es war hoffnungslos. Sie hatte keine puste mehr, ihr Bein schmerzte, dank der Wurzel und ihre Verfolger kamen immer näher. Sie wog ihre Möglichkeiten ab und besann sich zum einzigen Ausweg. Sie konnte nicht mehr fliehen und wollte auch nicht wegen Doppelmordes in lebenslängliche Haft.

Ruckartig blieb Inga stehen, was die Polizei zu überraschen schien. Jetzt kamen ihr die Tränen, was ihre ohnehin schon schlechte Sicht durch die Nacht nicht gerade verbesserte. Sie hob ihren Arm, zielte mit der Pistole in ihrer Hand auf ihre Schläfen und drückte mit zitternden Händen den Abzug.

3 Kommentare

Waldelfe am 13. Januar 2017

Sehr krasse Geschichte! Ich hätte das nicht besser schreiben können!

Meldor am 4. Februar 2014

WOW! Super geschrieben. Nur kannst du mir verraten was das für ein Deutschunterricht ist in dem ihr solche Geschichten schreibt ? LG Meldor

Elena am 4. Februar 2014

Hmm... ich meine es erwähnt zu haben, aber gut: Das ist nach einem Anfang von Franz Hohler ab dem (...) ist es mein Werk