X

Sternenblau

Drei Jungs und ich

Kapitel 1

Ein wunderschönen Tag euch allen! Diese Geschichte habe ich ursprünglich für eine Freundin geschrieben. Daher habe ich auch die Namen der Jungs und den Titel geändert. Natürlich habe ich sie vorher gefragt ob ich das hier rein stellen darf. Ich hoffe die Geschichte gefällt euch. Mit freundlichen Grüßen Sternenblau.

Ich sitze auf meinem Sofa und starre nach draußen durchs Fenster. Die großen Bäume bewegen sich träge im Wind. Der Boden ist bedeckt mit einer dicken Laubschicht. Mein Handy klingelt. Ich schaue auf das Display, Freddy mal wieder. Genervt, schalte ich es aus. Dieser Arsch will einfach nicht verstehen dass ich mit ihm Schluss gemacht habe, dabei hatte ich gute Gründe dafür! Mein Blick wandert zu dem eingeramten Bild das an meiner Wand hängt. Es zeigt meine verunglückte beste Freundin Svenja. Warum ich das Bild mit Freddy verbinde? Weil er an ihrem Tod nicht ganz unschuldig ist. Das Ganze ist jetzt schon fast ein Jahr her, aber ich habe immer noch Albträume deswegen. Manchmal wache ich schreiend in meinem Zimmer auf und kann dann nur noch schlecht wieder einschlafen. In der Schule erzähle ich das nur meinem bestem Freund Marco. Er hört mir zu und versteht mich. Ich wüsste nicht was ich ohne ihn machen würde. Meine Mama macht sich auch schon Sorgen um mich, sie wollte mich sogar schon mal zum Psychiater schicken. Deshalb habe ich aufgehört mit ihr darüber zu reden. Dafür habe ich ja Marco. Mit ihm kann ich über alles reden außer über Luis. Luis ist der süßeste Junge der Schule. Er ist gutaussehend, witzig, nicht sehr dumm und noch viel mehr ... Vielleicht habe ich sogar eine Chance bei ihm. Draußen wird es so langsam dunkel. Ich schaue auf meine Uhr. Sechs. „Abendessen!“, ruft meine Mama von unten aus der Küche. Langsam, trotte ich nach unten.
Ich lasse mich auf meinen Stuhl plumpsen und nehme mir Salat. „Bist du mit allen Hausaufgaben fertig?“, fragt sie mich. Ich antworte mit einem Ja. Das war nicht so ganz richtig aber den Rest kann ich ja morgen in der Schule bei Marco abschreiben. Ich schiebe meinen Stuhl zurück und gehe nach oben in mein Zimmer um anderen unangenehmen Fragen zu entgehen. Oben angekommen setze ich mich an meinen Schreibtisch und gehe auf Facebook um zu gucken wer on ist. Ich scrolle meine Freundesliste nach unten. Freddy ist der einzige aber ich habe keinen Bock mit ihm zu schreiben. Also logge ich mich wieder aus und überlege was ich jetzt machen könnte. Inzwischen ist es acht. Seufzend, lasse ich mich auf mein Bett fallen. Irgendwann fallen mir vor lauter Langeweile die Augen zu.

Gehetzt renne ich den Berg hinauf. Meine Jeans verfängt sich an einem Strauch, ich reise mich los und renne weiter. Fast wäre ich über eine Wurzel gestolpert. Panik keimt in mir auf. Schneller! Mein Fuß verheddert sich in einer Dornenranke, ich versuche den Sturz abzufangen und Lande mit der Hand in den Dornen. Ich schreie auf als sich die Dornen in meine Hand bohren. Panisch versuche ich die Dornen aus meiner Hand zu ziehen aber es funktioniert nicht. Scheiße! Egal, ich muss weiter! Schnell! Inzwischen muss ich auf allen vieren krabbeln weil der Berg so steil ist. Meine Knie schrappen über den Boden. Steine und Äste verursachen Kratzer und Schürfwunden. Ich beiße die Zähne zusammen. Weiter! Einfach nur weiter! Endlich, da oben ist das Ende. Neuer Mut erfasst mich und ich versuche so schnell wie möglich nach oben zu kommen. Endlich oben, sehe ich das was ich immer sehe. Sie fällt wie in Zeitlupe. Ganz langsam doch ich kann nichts machen. Wie gelähmt stehe ich da und kann mich nicht bewegen. Ich hasse dieses Gefühl nichts tun zu können. Ich hasse es! Das gleiche Gefühl überkam mich auf Svenjas Beerdigung. Immer weiter nagt es an einem, bis man sich irgendwann selber für alles verantwortlich macht. Sie fällt schon wieder und jedes Mal werde ich schmerzlich an den Tod meiner besten Freundin erinnert.

Ich reiße die Augen auf und versuche mich zu beruhigen. Mein Atem geht schnell. Ich schwinge die Beine aus dem Bett und trotte erschöpft ins Bad. Ich spritze mir kaltes Wasser ins Gesicht um den Schreck und die Angst wegzuspülen, leider klappt das nicht wirklich. Also trotte ich wieder zurück in mein Zimmer. Da steht sie, am Fenster und schaut nach draußen in die dunkle Nacht. Ein bläulicher Schein umhüllt sie, wie eine unsichtbare Decke. Das ist alles nur ein Traum, das passiert gar nicht in echt. Ich kneife mir in den Arm, leider erzielt es nicht den gewünschten Effekt. Leise versuche ich mich in mein Bett zu schleichen um dann ganz fest die Augen zuzudrücken und zu hoffen das, sie wieder verschwindet. In meinem Bett angekommen schließe ich die Augen. Ein kalter Hauch weht mir übers Gesicht, aber ich wage es nicht meine Augen aufzumachen.

Ein nerviges Piepen ertönt, ich brauche eine Weile bis ich begreife das es mein Wecker ist der mich zu so früher Stunde weckt.

Ich habe gerade Marco von meinem Traum erzählt als es klingelt und die nächsten zwei Stunden beginnen. Sport. Nicht unbedingt mein Lieblingsfach aber heute hat Luis neben uns Sport, das macht es um einiges besser. Ein Lächeln macht sich auf meinem Gesicht breit und ich gehe in die Umkleidekabine. Das schrille Pfeifen reist mich aus meinen Gedanken. „Die Leute die Fußball spielen wollen gehen in die Halle“, er zeigt in die Halle wo Luis steht. Damit steht die Entscheidung für mich fest, ich habe zwar Angst vor Bällen aber es wird schon nicht so schlimm werden. Die Mannschaften werden gewählt, leider bin ich nicht mit Luis in einer Gruppe.
Die Jungs wundern sich zwar dass ich mit Fußball spiele aber sie meckern auch nicht groß rum. Wir fangen an zu spielen. Eigentlich bin ich gar nicht so schlecht. Wir liegen sogar in Führung! Das liegt zwar nicht unbedingt an mir aber ist ja auch egal. Luis ist gerade im Begriff zu schießen, ich stelle mich in Position und warte auf den Ball. Der kommt auch, nur leider ist er viel zu schnell und hoch. Ich versuche noch auszuweichen aber zu spät! Der Ball trifft mich mit voller Wucht an der Stirn und ich taumele nach hinten. Das nächste was ich spüre ist das ich auf dem Boden sitze. Ich reibe mir mit der Hand über meine pochende Stirn. Aua! Warum muss immer mir so etwas passieren? Um mich herum stehen ganz viele Leute und schauen mich an. Können die nicht einfach weg gehen? Viele verschiedene Stimmen reden auf mich ein.
Das Stimmengewirr wird lauter. Mir wird eine Hand gereicht und ich lasse mich von ihr hoch ziehen. Erst als ich wieder stehe merke ich dass die Hand zu Luis gehört. Hoffentlich bin ich nicht rot im Gesicht! „Alles ok bei dir?“, fragt er mit seiner schönen Stimme. Ich kriege kein Wort heraus, deshalb nicke ich nur. Hoffentlich schiebt er meine wenigen Worte auf den Unfall! Gut, gar keine Worte. Anscheinend ist er wirklich besorgt um mich, denn er schaut mich weiterhin prüfend an. „Komm“, er nimmt mich am Arm, „wir gehen dir was zum kühlen hohlen.“ Zusammen verlassen wir die Halle. Oh Gott, ich laufe gerade mit dem tollsten Jungen der Schule alleine durch die Gänge, auf der Suche nach Kühlung für meinen Kopf. Nicht das es schlimm wäre, im Gegenteil es ist Mega cool. Das einzige was nervt ist mein schmerzender Kopf. „Das tut mir echt leid mit deinem Kopf!“, sagt er und mustert mich dabei von der Seite. Ich schaue ihn an: „Kann ja mal passieren! Mir geht’s gut, mein Kopf pocht ein bisschen aber das ist halb so wild!“ Schweigend gehen wir weiter. Wir überqueren gerade denn Pausenhof als uns eine Menschenmenge den Weg versperrt. „Was ist da los?“, frage ich. „Keine Ahnung“, kommt es zurück. Ich laufe auf die Menschenmenge zu und quetsche mich bis nach ganz vorne. Jetzt kann ich sehen was da vor sich geht und es gefällt mir nicht. Ich sehe den wütenden Freddy und in einer Ecke entdecke ich Marco. Was ist hier los? Eigentlich sollte Marco gar nicht mehr auf dem Schulgelände sein. Er hat mir nämlich vorhin erzählt dass er heute in der Sportstunde irgendeinen Termin hat. War das nur gelogen? Nein, er würde mich nicht anlügen. Ich drängele mich wieder aus der Menge raus um auf die andere Seite zu gelangen. Draußen stoße ich fast mit Luis zusammen. „Hey, Vorsicht“, sagt er lachend, „Und hast du rausgefunden was los ist?“ „Keine Ahnung aber Freddy ist sauer!“, sage ich als Antwort. Luis zieht eine Augenbraue hoch: „Der Freddy, der immer auf alle losgeht?“ Ich nicke und renne um die Menge herum, auf die andere Seite, zu Marco. „Was ist los?“, frage ich ihn kurze Zeit später. Er antwortet: „Freddy hat mal wieder einen Anfall“ Er zuckt mit den Schultern. „Was machst du noch hier?“, frage ich ihn. „Hab den Bus verpasst!“, meint er schroff. „Dieses Arsch regt mich auf!“, er zeigt auf Freddy. „Sorry, aber er ist ein Arsch!“, fügte Marco hinzu. Freddy scheint das gehört zu haben denn er dreht sich zu uns um. Er kommt mit schnellen Schritten auf uns zu. „Was hast du gesagt?“, fragt er kühl. Bitte Marco, sei schlau und sag jetzt nichts Falsches. „Man belauscht keine Gespräche von anderen, das solltest du eigentlich wissen!“, gibt Marco zurück. Freddy holt aus und schlägt ihm ins Gesicht. Erschreckt springe ich zurück. Blut tropft aus seiner Nase. Ich will da zwischen treten aber Freddy schubst mich zurück. Durch den heftigen Stoß melden sich meine Kopfschmerzen schlagartig zurück. Luis taucht neben mir auf. „Da hinten kommt eine Lehrerin“, sagt er und zieht mich aus der Menge zurück. Ich protestiere: „Marco ist aber noch da drin!“ Luis verschwindet wieder und taucht nach einer halben Ewigkeit wieder auf, und er hat Marco dabei. Erleichtert, umarme ich Marco. „Was ist mit mir?“, beschwert sich Luis. Blitzschnell, drücke ich ihm einen Kuss auf die Wange. „Los Jungs wir sollten jetzt mal echt ein Kühl Pack hohlen“, mit diesen Worten drehe ich mich um und gehe lächelnd voraus. Wenig später habe ich ein kühles Packet auf dem Kopf und Marco hat ein blutgetränktes Taschentuch in der Hand.

Zwei Stunden später sitze ich zu Hause und esse an einem Brot. Freddy wurde in den letzten Stunden abgeholt. Marco hat für den Rest des Tages Schulfrei bekommen weil unsere Deutschlehrerin kein Blut sehen kann und wir sowieso nur einen Film gekuckt haben.
In Erdkunde hatten wir Entfall also hat er nicht wirklich was verpasst. Ich bin fertig mit meinem Brot und setze mich an die Hausaufgaben. Ich schlage mein Heft auf und mir fällt der Chemie Test in die Hände den wir heute zurückbekommen haben. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Eine Eins! Ich drücke meiner Mama den Test in die Hand und lasse sie unterschreiben. Sie lobt mich und drückt mir einen Kuss auf die Stirn. Ich gehe wieder zurück in mein Zimmer.
Ich nehme mir mein Lieblingsmanga aus dem Schrank und fange an es zu Lesen. Ich bin gerade an meiner Lieblingsstelle als mein Handy einen Ton von sich gibt. Die Nachricht ist von Marco. Das mit morgen geht klar! Marco hat nämlich seinen Onkel gefragt ob er mal mit mir über meine Träume und so reden kann. Sein Onkel ist ziemlich lustig und cool und anscheinend ist er auch Psychiater. Nicht das ich einen bräuchte aber Marco meint es wäre vielleicht hilfreich mit ihm darüber zu reden. Also habe ich morgen einen Termin bei ihm und noch etwas anderes ist morgen. Mein Handy piept ein zweites Mal aber diesmal ist es nicht Marco sondern Luis.
Reihe fünfzehn ok? Freue mich auf morgen! Wir gehen morgen nämlich ins Kino. Ich schreibe zurück: Ja ist ok. Ich freue mich auch auf morgen. Das wird bestimmt toll Aber wir kaufen auch Popcorn oder? Ich muss kurz warten dann kommt seine Antwort: Na klar! Ich lege mein Handy weg und widme mich wieder meinem Manga. Ich ertappe mich dabei wie mein Blick immer wieder zu meinem Handy hinüber schwenkt. Plötzlich piept es. Erwartungsvoll schaue ich auf das Display. Ich liebe dich! Ich muss nicht draufgucken um zu wissen wer das geschrieben hat, ich weiß es auch so. Ich seufze und freue mich auf den morgigen Tag.

Kapitel 2

Ich schließe die Haustür und mache meinen Mantel bis oben hin zu. Mit zügigen Schritten gehe ich zur Bahn Haltestelle. Der kalte Herbstwind zerzaust meine mühsam zurechtgezupfte Frisur. Als ich ankomme sehe ich genervt dass ich die Bahn  verpasst habe, zum Glück kommt die Nächste in fünf Minuten. Ich lehne mich an das kalte Sicherheitsgeländer, hinter meinem Rücken höre ich die Autos rasen. Meine Hände habe ich in meinen Jackentaschen vergraben um sie wenigstens ein bisschen zu wärmen. Ich lasse meinen Blick über die Passanten schweifen, von Asiatischen Touristen die fröhlich alles fotografieren was ihnen vor die Linse kommt bis hin zu weinenden Kleinkindern ist alles dabei. Freddy sitzt mit seinem Kumpel auf den besprühten Warteplätzen, die zwei belegen alle Plätze und machen sich breit. Eine ältere Dame möchte sich setzen, ich kann nicht verstehen was die zwei sagen aber freundlich scheint es nicht zu sein.
Die Dame macht ein erschüttertes Gesicht und geht. Die beiden Lachen und äffen die Frau nach. Mit einem dieser Idioten war ich zusammen, wie konnte ich nur so doof sein? Freddy steht auf und läuft an mir vorbei zum Zigaretten Automat. Ich höre wie das Wechselgeld scheppert und ziehe schnell mein Handy aus der Tasche um nicht von ihm angequatscht zu werden. Noch zwei Minuten dann kommt meine Bahn. Eine Rauchfahne schlägt mir entgegen als er direkt vor mir stehen bleibt. Angewidert drehe ich den Kopf weg. „Mit wem schreibst du denn da?“, fragt er mit kühler Stimme als befürchte er Konkurrenz. „Geht dich nichts an!“, sage ich schroff.
Er schaut mich wütend an und zischt: „Wen es dieser Marco ist dann bring ich ihn um!“ „Verschwinde Freddy.“, zische Ich zurück, „ Wir sind nicht mehr zusammen und werden es auch nicht mehr sein!“ Freddy schaut mich noch einmal wütend an und geht, auf halbem Weg dreht er sich noch einmal um und brüllt: „Ich bring ihn um!“ Ich hoffe inständig er macht seine Drohung nicht wahr. Endlich kommt meine Bahn und ich bin froh als ich eingequetscht zwischen Leuten endlich auf dem Weg zum Kino bin. Zwar treffe ich mich gleich nicht mit Marco sondern mit Luis, trotzdem muss ich mich unbedingt davon überzeugen dass es Marco gut geht, schließlich ist er mein bester Freund. Hey ,alles okay bei dir ? Nach kurzer Zeit piept mein Handy. Ja. Warum fragst du? Erleichtert schreibe ich ein Wollte es einfach nur wissen. Dann ist ja alles gut!  
Die Dame neben mir schaut mich misstrauisch an, erst jetzt merke ich dass es die alte Dame von eben ist. Ist sie jetzt etwa eine Station zurückgelaufen, nur wegen den beiden Jungs?
Gut vermutlich hatte sie ihre Gründe. Wahrscheinlich hat sie mich gesehen als Freddy mit mir geredet hat und denkt jetzt automatisch dass alle Jugendlichen böse und gemein sind. Bei der nächsten Station steigt sie aus, ich schaue auf meine Uhr, ich bin schon ziemlich spät dran.
Zum Glück bin ich bei der nächsten Station da. Die Bahn hält und ich springe förmlich aus dem Zug. Auf dem großen Platz vor dem Kino suche ich die Gegend nach Luis ab. Als ich ihn nicht entdecke beschließe ich schon mal rein zu gehen. Dort steht er mit zwei Kinokarten in der Hand und lächelt als er mich entdeckt. Ich umarme ihn und wir stellen uns an der Popcorn-Schlange an. Kurz darauf halte ich eine Popcorn tüte in der Hand und wir suchen den richtigen Kinosaal und setzen uns auf unsere Plätze. Der rote Stuhl ist super gemütlich und ich würde am liebsten noch eine halbe Ewigkeit hier neben Luis sitzen bleiben. Außerdem hätte ich bei einem Dauer grinsen Wettbewerb bestimmt den ersten Platz belegt. Ich kann mich gar nicht so richtig auf den Film konzentrieren einerseits wegen Luis andererseits weil ich Angst um Marco habe. Ich will mich gerade nah vorne Lehnen um mir Popcorn zu angeln als ich mit Luis Kopf zusammen stoße. „Aua, dein Kopf ist hart“, sagt er lachend und grinst. Ich lache und gebe ein „deiner aber auch“ zurück. Er küsst mich auf die Wange und steckt sich ein Popcorn in den Mund. Als der Film endet hätte ich gerne noch länger dort gesehen. Umhüllt von dem verführerischen Duft nach Popcorn, der Kino Atmosphäre und natürlich Luis.

Der Weg nach Hause wird langweilig und öde. An meiner Bahnstation biege ich nicht in meine Straße ab, sondern gehe weiter bis zu Marcos Haus. Hier soll ich mich mit Marcos Onkel treffen und mit ihm über meine Probleme reden. Ich drücke auf den Klingelknopf und warte bis mir die Tür aufgemacht wird. Marco öffnet mir und umarmt mich. Ich betrete den bekannten Flur und hänge meine Jacke auf. Im Wohnzimmer ist es angenehm warm und gemütlich. Marcos Onkel kommt aus der Küche und stellt eine Schüssel mit Plätzchen auf den Tisch.
„Hi!“, sagt er und gibt mir die Hand.  In der darauf folgenden Stunde und viele Kekse später habe ich im alles erzählt und fühle mich jetzt ziemlich befreit und erleichtert. Ich verabschiede mich von Marco und seinem Onkel und gehe nach Hause. Ich mache meine Jacke bis oben hin zu und beschleunige meine Schritte als ich die drei Jungs bemerke die auf der anderen Straßenseite rum lungern. Ich höre wie sie die Straßenseite wechseln, ohne mich umzudrehen gehe ich weiter. Der Wind ist eiskalt und schneidet mir ins Gesicht. Jemand packt mich an der Schulter und dreht mich zu sich um. Ich starre in Freddys wütendes Gesicht und würde am liebsten weglaufen. „Du warst ja doch bei ihm!“ stellt er fest und lächelt kalt.
„Ganz schön frech die junge Dame“, sagt er und streicht mit seinem Finger über meine Wange, ein Schauer läuft mir den Rücken runter und ich  zucke zurück. „Lass das!“, schreie ich ihn an, ich weiß nicht woher ich den Mut dafür nehme. Er nimmt mein Gesicht zwischen seine Hände, kalte Hände und eine Geste von der eigentlich etwas beruhigendes Ausgehen sollte.
„Du gehörst mir! Hast du das verstanden?“, sein Atem stinkt nach Alkohol und seine Frage lässt keine Wiederrede zu. Als ich nicht antworte brüllt er mich an: „ Hast du das verstanden?“ Adrenalin pumpt durch meinen Körper und mein Herzschlag rast. Ich spucke ihm ins Gesicht, drehe mich um und renne so schnell ich kann nach Hause.

Kapitel 3

Zum Glück ist meine Mutter nicht zuhause und kann nicht sehen wie ich mit verlaufener Schminke durch die Tür komme. Ich stelle meine Tasche in meinem Zimmer ab und gehe ins Bad um mir die verlaufene Schminke abzuwaschen. Mein Spiegelbild schaut mich traurig, aber vor allem wütend an. Ich weiß gar nicht warum ich wütend bin. Wegen Freddy? Oder weil ich geglaubt hatte er würde aufhören? Weil ich überhaupt mit ihm zusammen war?
Wahrscheinlich von allem etwas. Ich stelle den Wasserhahn auf kalt und hoffe das es mir durch den kälte Schock besser geht oder ich zumindest nicht mehr an meine Probleme denken muss. Die Schminke geht zum Glück gut ab und ich bin froh als ich mich nicht mehr selber sehen muss. Das kalte Wasser hat nicht geholfen meine Gedanken zu vertreiben, dafür werde ich bald eine Erkältung bekommen. Ich lege mich auf mein Bett, weine noch ein bisschen und schlafe schließlich ein.

Am nächsten morgen ist wieder Schule, unmotiviert gehe ich auf den Eingang zu. Ich umarme Marco, aus dem Augenwinkel sehe ich Luis wie er uns beobachtet. Ich gehe zu ihm und drücke ihm einen Kuss auf die Wange. „Neidisch?“, frage ich und lache. Er lächelt flüchtig zurück und sein Blick huscht zu Marco. Ich hoffe die zwei vertragen sich auch weiterhin. Vielleicht sollten wir mal etwas zusammen machen. Die ersten zwei Stunden sind Mathe, nicht gerade mein Lieblingsfach. Nach den zwei Stunden gehe ich zu meinem Schließfach und stelle mein Mathebuch hinein. Mir fällt ein kleiner Zettel auf, der in meinem Schließfach liegt.
Neugierig falte ich ihn auseinander. Bleib weg von ihm! Meine freudige Erwartung sinkt direkt auf dem null Punkt, als ich die Botschaft lese. Wer tut so etwas? Warum? Vielleicht ein Eifersüchtiges Mädchen? Ich zerknülle den Zettel und schmeiße ihn in den Müll.
Nachdenklich schlendere ich zur nächsten Unterrichtsstunde. Ich wundere mich dass ich nicht aufgehalten werde, als ich zu meinem Platz gehe. Schnell setze ich mich neben Marco, damit es nicht doch noch jemandem auffällt dass ich zu spät bin. „Ich habe gesagt du bist auf Klo“, flüstert Marco mir zu. „Danke“ In den folgenden Minuten muss ich wieder einmal feststellen, dass Erdkunde eins der langweiligsten Fächer ist, die es gibt. Zum Glück wird man bei dem Lehrer nur dran genommen wenn man aufzeigt, was ich nicht vorhatte. Wahrscheinlich würde meine Note davon zwar besser aber es wird nicht weniger Langweilig. Nach weiteren fünf Stunden bin ich endlich von diesem Schultag erlöst.

Müde warte ich auf die Bahn. Sie fährt mit einem quietschen ein. Plötzlich, haut mir jemand mit etwas hartem gegen den Hinterkopf. Alles wird schwarz. Als ich aufwache, höre ich wütende Stimmen. „Seit ihr den für alles zu doof?“ Ein Knall. Ist das Freddys Stimme? Nein. Ich kenne die Stimme, sogar sehr gut. Verdammt, hätte ich doch bloß nicht solche Kopfschmerzen.
Der Raum in dem ich mich befinde ist kalt und an manchen Stellen sind Löcher im Beton. Warum muss sowas immer mir passieren? Soll ich um Hilfe schreien? Ich schreie, so laut ich kann. „Halts Maul!“, kommt es zurück. Ich schreie weiter. „Ich komm gleich mit ner Knarre, wenn du nicht still bist“ Ich höre einen Stuhl quietschen und Schritte auf mich zu kommen. „Lass sie in Ruhe!“, da war sie wieder die Stimme, doch sie gehört Freddy. „Och wie süß du beschützt die Kleine!“ Es scheint eine Prügelei im Gange zu sein. Jemand schreit vor Schmerz auf. Ich kann wildes Gerangel hören. Ein Schuss. Dann ist Ruhe. Wurde jemand erschossen? Shit. Hoffentlich nicht Freddy. Ich höre schnelle Schritte und drücke mich an die Wand. Die Tür wird hastig aufgeschlossen und Freddy taumelt hinein. Sein Arm blutet und alle Farbe ist aus seinem Gesicht gewichen. Ich renne zu ihm und hohle ein Taschentuch aus meiner Hosentasche. Ich tupfe so vorsichtig wie möglich das Blut ab, trotzdem zuckt er jedes Mal wenn ich ihn berühre. „Du machst das gut!“, sagt er leise und lächelt matt. Ich schüttele den Kopf. Gar nichts ist gut. „Komm wir müssen raus hier“, sagt er und zieht mich nach draußen. Wir befinden uns in einer großen Fabrikhalle. In einer Ecke türmen sich verstaubte Rohre, in der Mitte steht ein verrosteter Tisch mit ein paar Plastikstühlen drum herum. Wir haben die Halle schon halb durchquert als wir plötzlich Motoren Geräusche hinter uns hören. Zwei schwarze Autos fahren in die Halle. „Lauf weiter!“, schreit mir Freddy zu und lässt sich zurückfallen. Die Autos im Nacken renne ich weiter. Das Scheinwerfer Licht wird schwächer, als ich mich umdrehe sehe ich dass die Autos vor Freddy angehalten haben. Ich erreiche eine Stahltür, drücke sie auf und renne ins Freie.

17 Kommentare

Fjalra am 6. Februar 2017

Die Geschichte ist richtig toll geworden! Wie heißt die Fortsetzung ?

Waldelfe am 10. Januar 2017

Gibt es eine Fortsetzung? Und wenn ja, wo? Tolle Geschichte!

Spesi am 26. März 2014

Coole Geschichte! LG

Sternenblau am 26. März 2014

Ein riesen großes DANKESCHÖN an Insa. Für ihre Mühe und Geduld und überhaupt. LG Sternenblau

Aber da war doch gar nicht viel Mühe nötig, Sternenblau Freu mich trotzdem über Dein Dankeschön

Sternenblau am 31. Dezember 2014

Ja das ist das erste aber ohne das ä Problem. Ich hatte das nochmal geschickt damit das ä Problem behoben wird. Was ja auch passiert ist. Freu . Jetzt müsste nur noch das erste durch das richtige ersetzt werden oder ich schicke einfach beide nochmal und dann werden einfach die genommen. Danke für eure lieben Kommentare und frohes Neues. Auch natürlich an alle die mit und an dieser Website arbeiten.

Lollypop am 29. Dezember 2013

ICH möchte auch eine !!! Und es hat mich ein bisschen verwirrt, mit dem 3. Kapitel.. ist es nicht die erste? Ich hab mich auch mal mit Kapiteln und so vertan, das muss ich zugeben Insa und Ella wissen was ich meine ^^

Ella am 28. Dezember 2013

Hi, Sternenblau, ich bin endlich dazu gekommen, deine Story auch zu lesen Ich bin wirklich begeistert!!! Ich kann mich so schön in die Personen hineinversetzen (Und Freddy ist wirklich ein Arsch ) Aber das dritte Kapitel, ist doch das erste, oder? Nur mit ä, ö & ü... Und ja, ich möchte auch eine Fortsetzung!! Lg Ella

Sternenbau am 27. Dezember 2013

Danke für deinen lieben Kommi. Na gut Sonnenblume, wenn du noch eine Fortsetzung haben möchtest dann bekommst du eine. Möchte noch jemand eine Fortsetzung ?

sonnenblume am 23. Dezember 2013

WOW, WOW das ist echt cool was du da geschrieben hast ich finde es am besten von allen Kurzgeschichten die ich je gelesen habe P.S : ich würde mich auch über eine weitere Fortsetzung freuen

Sternenblau am 22. Dezember 2013

Danke für eure netten Kommentare. Euch allen ein frohes Fest.

Meldor am 20. Dezember 2013

Schön das du weitergeschrieben hast! Die Fortsetzung war sehr spannend und ich merke schon wie ich beginne den Freddy zu hassen . LG Meldor

Lollypop am 18. Dezember 2013

Oohh, die Fortsetzung lässt einen voll fesseln super gut geschrieben! LG Lollypop

Lollypop am 1. November 2013

Haha diese Geschichte ist soo cool!! So ein alltägliches Beispiel, wenn ich das mal so sagen darf. Das mit den Umlauten hat mich wenig gestört, aber frag mal Insa, warum es so ist. LG Lollypop

Die weiß es leider selbst nicht, Lollypop Liebe Grüße, Insa

Sternenblau am 1. November 2013

@Schneewittchen Ich habe mich auch schon gewundert warum das so ist. Ich habe ja auch schon andere Geschichten hier reingestellt und bei denen war das nicht so, alle habe ich mit dem gleichen Programm geschrieben also am falschen Programm kann es eigentlich nicht liegen. Eine Fortsetzung ist eigentlich nicht geplant aber wenn du unbedingt eine haben möchtest kann ich ja mal mein Glück versuchen

Schneewittchen am 31. Oktober 2013

Es klingt schon ganz gut. Ich hab mich bloß gefragt warum aus dem Ä immer ein Fragezeichen geworden ist, das hat mich ein bisschen vom Lesen abgehalten Ich finde, dass du manchmal etwas mehr hättest Beschreiben können. Gibt es noch eine Fortsetzung? LG Schneewittchen. PS: Tut mir Leid, wenn das jetzt zu viel Kritik war!!

Sternenblau am 26. Oktober 2013

Dankeschön !

Meldor am 24. Oktober 2013

Wunderschön! Hat mir sehr gut gefallen! Vor allem die realistische Sicht der Schüler auf die Schule und alles drum herum.