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Amolina

Destino-Wandler

Eine Macht
zieht dich
in ferne Welten
an einen ewigen Ort
Verdammt
dort zu wandeln
Tag, Nacht
belanglos
immer zugegen
Leben
in den Träumen
anderer
Um ihnen den Weg
zu weisen
den du verlorst

 


Im letzten Monat bin ich viel herumgekommen. Nein, nicht auf deiner kleinen Welt. Ich habe Orte besucht, die weiter dort draußen liegen, als ich es je gedacht hätte. Ich bin auf den Wolken gewandert. In einer Dimension, die alle anderen miteinander verbindet. Ich habe Portale und jene Strömungen genutzt, die durch jeden Ort fließen, den man aus Geschichten kennt. Und noch viele mehr. Wenn man denkt, man würde bereits alle Ecken und Winkel kennen, die es dort draußen in der Welt oder gar den Dimensionen gibt, so stößt man doch stets noch einmal auf etwas Neues. So habe ich neulich endlich die Welt der Träume gefunden.

Es gibt Welten dort draußen, in denen die Träume leben. Alles, was man sieht, wenn man die Augen schließt, ist dort Wirklichkeit. Jeder Grashalm und jeder Berg, jede Erfindung und jede Idee. Aber das wäre nichts außergewöhnliches, wenn es auch in dieser Schöpfung eine weitere Gäbe. Vater und Tochter, gemeinsam und nacheinander errichteten sie diese Welten in ihren Dimensionen. In der Halle der Ewigkeit, eben dem Ort, an dem jedes noch so kleine Ereignis niedergeschrieben wird, habe ich ihre verwobenen Lebensgeschichten gefunden. Wollen wir doch mal sehen, was sich hinter ihnen verbirgt!

Die Geschichte der Träume, niedergeschrieben in der Halle der Ewigkeit, erzählt von einem Weltenbummler:

Es begann, als ein Stern am Rande jeder Welt dort draußen vom Himmel viel. Ein Licht erhellte jede Nacht, jeden Tag ungemein. Der Stern fiel, bis er sanft in jedem Boden versank. Das Licht des Sternes breitete sich überall aus und sammelte sich im Nirgendwo. Im Nirgendwo, das doch existierte auf der Dimension eines unbedeutenden Schöpfers. Es zentrierte sich vor seinen Füßen, auf dass sich eine kleine Hand aus dem Licht pellte. Sie schob alles um sich herum zur Seite. Vor dem Schöpfer stand ein kleines Mädchen und er nahm sie als seine Tochter. Noch nicht einmal der Bezeichnung einer Halbwüchsigen würdig, keimte in ihr der Wunsch von Bildern und Abenteuer in der Nacht auf. So erzählte sie diesen Wunsch ihrem Vater mit der Bitte, es doch wahr werden zu lassen. Er lachte und wandte sich dann wieder seiner Arbeit zu.
Verärgert feilte das Mädchen an ihrer Idee, bis sie schließlich erneut vor ihren Vater trat. Dieser erklärte ich, dass es für ihn unmöglich wäre, dies zu tun. Enttäuscht zog sie erneut von dannen, bis er ihr eines Tages eröffnete, dass er sie für bereithielte, ihre erste Schöpfung zu vollziehen.

Nach sieben Tagen und sieben Nächten ihrer Dimension waren schließlich die Träume geschaffen. Erschöpft sank das Mädchen zu Boden und schlief ein, nun mit Bildern vor den Augen. In der folgenden Zeit schuf sie in die Dimension der Träume Milliarden von kleinen Welten, die einen immer anderen Traum ermöglichten. Doch das Mädchen war zunehmendst unzufrieden. Sie wollte Menschen und Tiere, sowie sich selbst in den Träumen. Letzteres erfüllte sie sich, doch waren die Träume noch immer leer. Erneut trat sie also an ihren Vater heran. Zu ihrem Glück war dieser nur kurz zuvor beauftragt worden, selbst eine neue Schöpfung zu schaffen. Dieser Auftrag bestand darin, eine Welt für die verirrten und heimatlosen Seelen zu finden, die von den Menschen als Tote bezeichnet wurden. Sie irrten als Heimatlose zwischen den Dimensionen umher; rastlos und ohne Ziel. Doch es gab solche und solche von ihnen. Zum Großteil waren es unschuldige Menschen, die ein normales Leben geführt hatten. Die andren Toten waren jene, die den Weg des Lebens verloren hatten und nun eine Aufgabe aufgetragen bekommen hatten. Sie sollten die Menschen wieder auf den Pfad lenken, den sie einst verloren hatten.

Die Bitte seiner Tochter, die Träume mit Menschen und Tieren, mit sichtbarem Leben zu füllen, kam ihm somit gelegen. In der folgenden Nacht entnahm er einer bereits bestehenden Welt eine Hand voll Tiere, schickte sie in die Träume seiner Tochter und füllte die Welt mit den Toten, die ihren Frieden zu finden hatten. Jene Seelen, die den Weg verloren hatten, schickten sie, ebenso wie er es mit den Tierseelen getan hatte, in die Träume. Jedoch behielt er eine Hand voll von ihnen bei sich. Es waren scheinbar wahllose Seelen, doch sie wollten ihnen etwas Besonderes zu Teil haben lassen. So schufen sie in der Dimension der Träume eine weitere. Es war die erste Dimension innerhalb einer anderen. Diese gestalteten sie so, dass sie stets im Wandel war. Nie sollte sie erneut so aussehen, wie sie es bereits einmal getan hatte. Zufrieden mit ihrem Werk entließen sie die Seelen.

Doch zwang die Welt den Seelen schon bald auf, zu Splittern zu zerfallen, schwärzer als die Nacht es war und sich zu Körpern zusammenzufügen, wenn ein Mensch in einer der Welten ihre Hilfe brauchte. Was für eine Hilfe es auch sein mochte; immer sollten sie als Splitter zu in den Träumen der Menschen kommen. Jahre später bemerkten der Mann und seine Tochter diesen Fluch, der auf der Dimension zu liegen schien. Geschockt versuchten sie, ihn zu brechen. Doch hatte die Zeit bereits den Schleier der Unvergänglichkeit über alles und jeden gelegt. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als sie von dem hässlichen Wort des Toten zu befreien und ihnen einen würdigeren Namen zu geben. Wandler.

Seit jenem Tag, an dem diese Schöpfung abgeschlossen war, sind die Wandler dann und wann in den Träumen auserwählter Menschen. Zu jeder Zeit, wenn ihre Zeit gekommen zu sein scheint, kriecht das Schwarz ihre Finger hinauf. Es verbreitet sich auf ihren Händen, über ihre Arme bis sie gänzlich schwarz sind. Ihre Augen füllen sich mit der Dunkelheit wie steigendes Pech.
Es zehrt sie aus, trocknet sie aus bis sie schließlich zersplittern. Sie zersplittern und werden vom Winde verweht. Geweht an jenen Ort, an dem der Schlafende bereits auf sie wartet. Im Nichts, in einem Wald, auf einer Lichtung oder einer Wiese. Und je nach Person, je nach Traum und je nach ihrer Aufgabe ändert sich alles. Sie sprechen oder schweigen, sind wie Freunde oder lediglich an jedem Wort. Ständig im Wandel, zusammenfallend und sich wieder aufbauend, verfließend und verfliegend. Bis sie endgültig verweht werden. Sie vertrocknen und erblühen, zersplittern und schmelzen zusammen, immer und immer wieder. Und immer werden ihre Splitter kleiner, bis sie nicht einmal mehr Staub sind. Und immer wird ein kleiner Teil von ihnen verweht. Bis sie nicht mehr sind. Bis sie einer weniger sind. Nur, um bald wieder einer mehr zu werden. Alles ist im Wandel.

2 Kommentare

Fjalra am 7. Februar 2017

Das ist wunderbar schön!!!! Es ist so träumerisch geschrieben und mit viel Fantasie.

Franziska am 21. Oktober 2013

Ich hatte nicht genug Zeit alles zu lesen aber das was ich gelesen habe ist schon mal Super! (Ich muss unbedingt den Rest lesen)