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Luisa

Der Traum der Wildnis

Kapitel 1

Ich habe hier eine neue Geschichte fürs Forum. Wundert Euch nicht, es sind zwei verschiedene Hauptpersonen. Eure Luisa

„Es ist so langweilig“, meinte Fress zu Brownie. „Den ganzen Tag hocken wir in diesem Stall, zermalmen Strohalme und essen öd schmeckendes Trockenfutter.“
„Immer so negativ“, neckte Brownie seinen Freund.
„Ach, übrigens, hast du von Taps gehört?“ Neugierig stellte Fress die Ohren auf.
„Nein, was ist denn mit ihr?“
„Sino hat es mir erzählt…“
„Jaaa, Sino. Der mit dem perfekten Leben als Wildkaninchen,“ unterbrach Fress bitter.
„Was hast du gegen ihn?“, wunderte sich sein Freund. „Er ist zwar nicht der Freundlichste,
aber als Nachrichtenüberbringer ist er doch 1A.“
„Schon gut“, meinte Fress. „Also, was ist jetzt mit Taps?“
„Sie hat doch Junge bekommen, sogar drei Stück.“
„Weiß ich doch“, antwortete das cremefarbene Männchen.
„Aber Taps’ und Flecks Versorger haben ihr zwei Junge wieder weggenommen.“
Entrüstet sträubte sich Fress’ weiches Nackenfell.
„Was erlauben sich diese räudigen Aasfresser?“
„Also, Fress! Eigentlich sind Versorger doch nett.“
„Die jedenfalls nicht!“, beharrte Fress.
„Musst du denn ewig so schlecht gelaunt sein?“, maulte Brownie.

„Hey!“, schrie Fress entrüstet, denn eine weiße Hand schob sich in diesem Moment durch die Stalltür. Sie griff sich den Futternapf und nahm ihn heraus. Die beiden hörten das laute Klirren von fallenden Futterbröckchen auf Porzellan. Dann wurde das Gefäß wieder auf das Holz des einstöckigen Stalls gestellt und die Wasserflasche wurde abgenommen. Nach wenigen Minuten wurde das triefende Ding erneut an das Gitter gehängt.
Nachdem der Versorger verschwunden war, rannte Brownie zum Trinken. Er drückte seine kleine rosa Zunge an das Metallplättchen die dann das Wasser freigab, doch nach wenigen Zügen zog der dunkelbraune Widder sich schon wieder zurück. „Bäh!“ Brownie schüttelte sich angewiedert. „Das schmeckt nach  Algen und altem Plastik.“
„Was hast du erwartet? Honig?“, spottete Fress. „Es liegt daran, dass hier nie etwas sauber gemacht wird; nicht die Wasserflasche und auch nicht das Klo.“ Mit einem Ohrenzucken deutete
er auf den früher mal weißen, dreieckigen Plastikkasten, der mit Köddeln überhäuft war. Hinter dem einzigen Fenster des Raumes wurde es langsam dunkel. „Schlafenszeit!“, gähnte Brownie und machte sich ein gemütliches Nest bereit. Auch Fress legte sich hin, doch er blieb noch lange wach.

Kapitel 2

Jeden Tag sitze ich auf dem Gartentisch und blicke in den großen Wald und immer frage ich mich, wie das Leben dort wohl verläuft. Ich rede mir dann meistens ein, dass ich es doch bei meinen Hausleuten am besten hab; ein warmer Schlafplatz, ein gefüllter Futternapf und manchmal noch eine Schüssel warme Milch. Diese Gedanken habe ich schon einmal meinem Freund Barny geschildert, doch er meinte nur: „Wenn du es unbedingt wissen willst, dann finde es doch heraus.“ Das hatte mir nicht viel geholfen; natürlich, er hatte Recht, aber aufgrund der Geschichten, die erzählt werden, habe ich noch nie eine Pfote in diesen düsteren Ort gesetzt. Es heißt, im Wald würden riesige Vögel hausen, die sich auf arglose Tiere stürzen und sie mit einem Bissen verschlingen. Es konnte selbstverständlich auch nur eine Geschichte von einer Mutter sein,
die nicht wollte, dass ihre Jungen zu nah an den Wald gehen.

Gedanken versunken sprang ich vom Tisch und schlich durch die offene Terassentür ins Innere des Hauses. Ich durchquerte das Wohnzimmer und ging die Treppe hoch. Neben der Tür, die zum Badezimmer führte lag mein Korb. Meine Hausleute hatten ihn mit einem bequemen Kopfkissenbezug augepolstert, der aber stark nach Waschmittel roch. Ich rollte mich zusammen, drehte mich ein paar mal um die eigene Achse, legte mir meinen weißen Schwanz auf die Augen und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Kapitel 3

Am nächsten Morgen wachte Fress schon früh auf. Draußen ging gerade die Sonne auf. Er lief zum Fressnapf, genemigte sich ein paar Futterkrümel und ein bischen von dem Algen Wasser.
Über Nacht war ihm plötzlich klar geworden, dass er nicht sein ganzes Kaninchenleben in diesem muffigen Stall verbringen wollte. Deshalb weckte er Brownie auf, um dieses Problem mit ihm zu besprechen.
„He, Brownie! Aufgewacht! Wir müssen was bereden.“
Doch sein Freund drehte sich nur im Schlaf um und murmelte etwas unverständliches.
Also pustete Fress ihm ins Ohr.
Sofort war er hellwach. Er schaute sich mit Teller großen, blauen Augen hektisch um und erblickte seinen vor lachen prustenden Stallkameraden. Wütend schnaubte der sonst gutmütige Brownie. „Was sollte das denn? Ich dachte, es sei irgendwas besonderes passiert.“
„Ist es auch. Ich habe nachgedacht und…“
„Oho!“, unterbrach der Braune, „das ist wirklich was Besonderes!“
„Sehr witzig,“ kommentierte Fress.
„Also, pass auf. Ich habe schon einen Plan geschmiedet, wie wir das machen.“
„Wie wir was machen?“, fragte Brownie verwirrt.
„Na, wie wir fliehen können.“, erklärte der Cremefarbene, als sei das das klarste der Welt.

„Aber warum sollten wir von hier fliehen?“, fragte sein Freund. „Weil es hier schrecklich ist: Keine gute Pflege, kein Auslauf, kein Platz. Und ich habe schon überlegt, wie wir von hier wegkommen. Es gibt zwei Möglichkeiten. Die erste: Wir warten, bis die Versorger versehentlich die Stalltür offen lassen.“
„Lieber nicht“, schob Brownie ein. „Weißt noch als sie das Wasser ausgetauscht haben und da die Tür auf blieb? Du hast deine Nase nur für einen Moment aus der Tür gehalten und der Versorger hat sie dir promt ins Gesicht geschlagen; natürlich versehentlich“, fügte er hinzu. „Natürlich,“ erwiederte Fress sarkastisch.
„So, Möglichkeit zwei sieht so aus: Wenn die Hand sich den Napf greift, beißt einer von uns krätig in deren Finger, um den Versorger abzulenken und dann hauen wir beide blitzschnell ab. Na, wie findest du es?“
Sein Stallkamerad ließ sich mit seiner Antwort Zeit.
„Ich weiß, dass du unbedingt hier raus möchtest und dein Plan ist gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich auch gehen will.“
Langsam begriff Fress. „Wenn das so ist..."
Er wendete sich traurig und wütend ab. Er hatte nicht erwartet, dass sein bester und einziger Freund gar nicht fliehen wollte.

Kapitel 4

Am nächsten Morgen wachte ich von Schreien auf. Ich öffnete verwirrt die Augen und sah gerade noch, wie der größere meiner Hausleute brüllend nach unten gestikulierte. Nun packte er die Andere am Arm, schüttelte sie und beförderte sie mit einem Stoß die Treppe hinunter.
Dann drehte er sich in meine Richtung und ich bekam es mit der Angst zu tun. Würde er auch mir etwas antun? Doch dann wandte er sich ab, öffnete immer noch wutschnaubend die Badezimmertür und verschwand dort drinnen. Ich richtete mich zitternd auf und rannte mit gespitzten Ohren die Treppe hinunter, zu der Gestalt die dort am Boden lag. Ihr Kopf war auf die vorletzte Stufe geprallt und es bildete sich bereits eine klebrige Blutlache. Die Angst vor dem Großen schüttelte mich heftig und so rannte ich durch eine offene Gartentür ins Freie.
Ich versteckte mich hinter einem riesigen Blumentopf, um Zeit zum nachdenken zu gewinnen.
Plötzlich fielen mir Barnys Worte ein: „Wenn du es unbedingt wissen willst, dann finde es doch heraus“. Ja, jetzt würde ich es machen, ich würde in den Wald gehen. Doch ich beschloss vorher noch Barny zu besuchen und ihm alles zu erzählen. Das war ich ihm schuldig. Also schlich ich um das Haus herum und ging vorsichtig die Straße hinunter zu dem Haus, in dem mein Freund wohnte. Schon von weitem konnte ich ihn auf einem Zaunpfahl sitzend erkennen.

Barny war ein großer, schlanker Kater mit braun geschecktem Fell. Er wohnte erst seit ein paar Monaten bei seinen Hausleuten, doch ich verstand mich bereits blendend mit ihm. Vor seiner Zeit hatte dort ein grießgrämiger alter Kater mit verfilztem grauem Pelz gehaust. Er war immer unfreundlich gewesen und hatte sich mit so ziemlich niemandem verstanden. Ich war noch nicht ganz bei Barnys Zaunpfahl angelangt, als er mich entdeckte.
„Mimi, was machst du denn hier. Eine hübsche Katze wie du sollte um diese Zeit noch schlafen.“
„Hallo Barny! Ich bin schon so früh auf den Pfoten, weil ich dir unbedingt etwas erzählen muss.“, erwiederte ich.
Barnys Stirn kräuselte sich, doch meinte er: „Na, dann, komm doch hoch.“
Mit der Schwanzspitze deutete er auf einen freien Fleck auf dem Zaunpfahl. Als ich oben saß fragte er besorgt: „Also, was gibts denn?“ „Hmm,“ druckste ich herum, „ich weiß nicht wie ich es sagen soll. Na, ja, ich glaube, dass einer meiner Hausleute den anderen eben umgebracht hat.“
Überrascht sprang Barny auf: „Das glaube ich nicht. Du hattest bestimmt nur einen Alptraum.“
„Nein, das war es ganz sicher nicht,“ sagte ich bestimmt.
Ich sah ihm an, dass er immer noch an meiner Geschichte zweifelte. „Wie wärs,“ begann er langsam, „wenn wir einfach nachsehen. Ein kleines Abenteuer käme mir gerade Recht.“
„Aber ohne mich. In dieses Haus bringen mich keine zehn Hunde mehr rein,“ antwortete ich. „Also gut,“ meinte der Braune, „dann gehe ich alleine.“ Und ohne ein weiteres Wort sprang er vom Zaun und rannte die Straße hoch.

4 Kommentare

Waldelfe am 27. Januar 2017

Echt Super geschrieben! Aus der Perspektive von Tieren.... Die Idee find ich super!! Fortsetzung!!

Fjalra am 8. Januar 2017

Ja, eine Fortsetzung wäre echt gut, eine, in der die Kaninchen und Katzen sich begegnen.

LESERATTE am 28. Februar 2016

schreib weiter!!!!!!! biiiiiiiiettttteeeeeeeeeeeeeee!!!!!!!!!!!!!!!! ich war total in die geschichte versunken schreib weitter bitte bitte BITTE!!!!!!!!!!!!!!

mond am 5. Januar 2015

Du kannst ja richtig gut Geschichten schreiben, es würde mich nicht wundern wenn ein Verlag dich nehmen würde!