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Tassilo

Der Kartograph

Hier mal eine kleine Fangeschichte zu den Recklessbüchern.

Hoffe sie gefällt euch.

Der Tunnel ist genau 820 Schritte lang und führt leicht abwärts. Er mündet in eine Höhle.

Menschen hätten sie in der vollkommenen Dunkelheit nie ganz überblicken können, doch zu meinem Glück bin ich kein Mensch sondern ein Goyl. Meine Goldaugen erfassen das Gewölbe bis zum anderen Ende.

Die Decke ist nicht sehr hoch, ich schätze sie auf etwa 2 Meter an den Wänden und 3 ½ an der höchsten Stelle. Auch ist die Höhle nicht sehr weitläufig. Kreisrund, mit etwa 20 Schritt Durchmesser. Ich kann nur 2 Öffnungen in den glatten, grauen Wänden ausmachen, den Tunnel aus dem ich gekommen bin und einen anderen, genau gegenüber.

Ich lasse mich mit dem Rücken am Fels zu Boden sinken und breite meine Sachen auf dem kühlen Stein aus. Mit sorgfältigen Strichen zeichne ich den 820 Schritt-Tunnel in die Karte ein.

Das ist meine Aufgabe. Ich zeichne Karten der endlosen, unterirdischen Tunnel. Kami´en selbst hat mich dafür ausgewählt. Bei dem Gedanken, an jenen Tag muss ich unwillkürlich lächeln.

Es war das erste Mal, dass ich den Palast des Königs betreten habe. Man hat mich direkt in den Thronsaal geführt. Einer der Onyx-Lords war da. Außerdem der Jaspisschatten seiner Majestät, General Hentzau. Kami´en Stand vor einer Karte der Oberwellt. „Du musst Kee´ra sein.“, sprach er mich an ohne den Blick zu wenden. „Dein Name bedeutet in unsere alten Sprache nichts anderes als >Tiefe<.“

„Ganz recht Majestät.“ Stimmte ich ihm zu.

„Komm her, Kee´ra. Sag mir was du siehst.“

Ich stelle mich neben ihn. „Die überirdischen Länder.“

„Das stimmt nicht ganz.“, wiederspricht er mir. „Was du da betrachtest ist eine Karte der überirdischen Länder. Jene, die über der Erde leben fertigen sehr genaue Exemplare an. Wir Goyl dagegen tun das nicht. Lediglich die Hauptstadt und die umliegenden Höhlen sind Kartographiert. Ich finde das sehr bedauerlich. Deshalb habe ich eine Aufgabe für dich, die gut zu deinem Namen passt. Ich möchte das du, so gut es dir möglich ist, in den nächsten 2 Jahren, Karten der Tunnel und Höhlen zeichnest.“

„Aber eure Hoheit!“, meldete sich sofort der Onyx-Lord zu worte. „Seine Haut…“

„Seine Haut ist aus Obsidian.“, unterbrach Kami´en ihn. „Das ist mir durchaus aufgefallen. Ich kenne die alte Feindschaft zwischen Onyx und Obsidian doch in diesem Fall wird seine Haut ihm von Vorteil sein.“

„Obsidian ist ein Vulkangestein und widersteht daher höheren Temperaturen als Malichit oder Jaspis. Grade in den tieferen Höhlen wird ihm das helfen.“, mischte sich nun auch Hentzau ein.

„Also Kee´ra, bist du bereit diese Aufgabe anzunehmen? Natürlich wirst du bei deiner Rückkehr angemessen entlohnt. Nun, was sagst du?“

Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen, als ich antwortete: „Es wird mir eine Freude sein.“

Mittlerweile habe ich den Tunnel fertig eingezeichnet und beginne mit der Höhle.

Da bemerke ich plötzlich eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Sofort sehe ich auf. Im Eingang des anderen Tunnels hockte eine Höhlenkatze.

Diese kleinen Raubtiere leben eigentlich viel Tiefer in den Stollen unter der Erde aber ab und an wagen sie sich nach oben. Sie greifen alles Mögliche an und diese hier hat es anscheinend auf mich abgesehen.

Pech für sie.

Noch bevor sie die Höhle zur Hälfte durchquert hat habe ich meine Flinte gezogen und geschossen. Der Knall echot von den Wänden wieder. Ich hasse es hier unten zu schießen. Der grelle Lichtblitz macht mich immer für mehrere Sekunden blind.

Als ich dieses Mal endlich wieder etwas sehe erkenne ich, dass ich getroffen habe. Vor meinen Augen tanzen noch immer weiße Punkte.

Doch immerhin haben sie mein Abendessen gesichert

3 Kommentare

Sabrina JH am 28. Juli 2014

Hey Tassilo! Musste mir doch gleich "Der Kartograph" durchlesen Das Kapitel hier ist echt super! Und der Anfang vom Rückblick ist schon recht gut zu erkennen (Vielleicht ein, zwei Leerzeichen mehr Abstand zum "normalen" Text noch) nur das Ende, zurück zum "normalen" Text ging flüssig und ohne erkennbaren Absatz. Ansonsten.... klasse! Freue mich auf mehr! GLG! Sabrina

Tassilo am 10. Juni 2014

Hey danke für deine Meinung. Bitte auch weiter Kommentieren.

Sonnenschein am 12. Mai 2014

Ich mag deine Geschichte, weil sie so sehr einfach zu lesen ist. Z. B. Habe ich sofort den Rückblick erkannt Nur das Ende hat mich ein bisschen erschrocken, weil der Anfang so harmlos angefangen hat. LG Sonnenschein