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Kristin Billerbeck

Das Haus im Nichts

Prolog

Das Feuer knisterte und fraß sich die hölzerne Treppe hinauf. Es schlängelte sich die Gardinen entlang und kam auf die Tür zum Schlafzimmer zu, wo Odette ruhig schlief. Die Tür wurde aufgebrochen und eine Stichflamme zischte gegen das Bett, welches sofort Feuer fing und nach wenigen Sekunden in Flammen stand. Odette wachte auf, doch es war zu spät um aus dem brennenden Haus zu fliehen. Odette schrie, doch niemand hörte sie oder sah das brennende Haus, da die Villa weit außerhalb der Stadt stand. Odettes Nachtgewand fing Feuer.

Kapitel 1

500 Jahre später
„Wo ist die Taschenlampe?“ fragte Lucy. „Sie liegt neben meinem Bett in der Nachttischschublade.“ rief Mike, der gerade ein paar Brote in seinem Rucksack verschwinden ließ. Ted und Amy packten derzeit ein paar Decken, vier Luftmatratzen und drei Zelte in ihre Rucksäcke. Die vier Freunde wollten die Ferien im Wald zelten. „Trockenfleisch, Nudeln und noch ein paar andere Sachen. Was wollt ihr sonst noch so mitnehmen?“ fragte Ted, nachdem er den Inhalt seines Rucksackes noch einmal gecheckt hatte.
„Wie wäre es mit Schokolade als Beruhigung für Amy, wenn sie mal wieder eine Spinne gesehen hat!“ scherzte Mike.
„Stimmt doch gar nicht!“ keifte Amy Mike an und warf ihn mit einem Küchenhandtuch ab.

Bald waren alle fertig und es konnte losgehen. Teds Mutter fuhr die vier in den Wald. Mike hatte ein paar Probleme in das Auto zu passen, da er sehr groß war. Amy war die jüngste von allen, denn sie war erst 16, hatte aber zwei Klassen übersprungen, sodass sie nun mit den anderen ihr Abitur machte. Ted war der Clown der Gruppe. Zu allem musste er seinen Senf dazu geben und wenn es nur etwas war wie: „Das finde ich cool.“ oder so und dann gab es noch Lucy. Sie war die Schönheit in Person und die Jungs standen bei ihr Schlange. Das machte Amy manchmal ein wenig eifersüchtig.

Als sie im Wald ankamen, suchten sie sich eine gemütliche Lichtung, wo sie ihre Zelte aufstellten. Die Mädchen suchten Zweige um ein Feuer zu errichten und die Jungs bauten die Zelte auf und richteten diese gleich mit ein. „Warum haben Mädchen nur so viele Klamotten?”, beschwerte sich Mike, „Jetzt mussten wir ein Extrazelt für die Klamotten mitnehmen“
„Keine Ahnung, sie sind nun mal Mädchen, das ist ihre Bestimmung.“ setzte Ted, wie auch zu erwarten, einen Spruch ab.

Am Abend saßen alle eng um das Feuer gekuschelt, da es noch ziemlich kalt war, und grillten ihre Würstchen darüber, als sie plötzlich ein heulen und ein darauffolgendes jaulen hörten.
Sie sahen in der Ferne eine Gestalt. „Was war das?“ fragte Lucy ängstlich und Amy antwortete: „Das war bestimmt nur ein Wolf oder ein entlaufener Hund. Kein Grund zur Sorge.“
Das war leichter gesagt als getan und somit gingen alle ziemlich früh schlafen.

Am nächsten Morgen entschlossen die vier, dass sie den Wald erst einmal erkunden sollten, bevor sie hier die nächste Woche campen. Nur ein paar Minuten dauerte es, bis sie auf einen schmalen Gang standen, der eher wie ein Trampelpfad aussah, nur dass an vielen Stellen kleine Steinplatten hervorguckten. Dieser führte zu einer weiteren Lichtung. Es war wie ein großes Grundtück, nur ohne Haus. An manchen Stellen gab es Schatten, obwohl nichts da war, was den Schatten hätte werfen können. Natürlich riss Ted mal wieder einen Spruch: „Hier ist bestimmt ein Geisterhaus gewesen in dem eine alte Dame lebte, die eigentlich schon lange tot war!“

Doch dieses mal fand keiner den Spruch lustig, da es auf dieser Lichtung komisch war. Es fühlte sich an als ob man beobachtet werden würde und manchmal roch es nach Feuer und Rauch.
Amy sprach aus, was alle anderen auch dachten: „Ich finde es hier ziemlich unheimlich, Leute! Können wir nicht wieder zurück zu unseren Zelten?“ und natürlich stimmten die anderen Amy zu. Erst liefen sie normalen Schrittes. Dann wurden sie immer schneller und schneller und am Schluss rannten sie den kleinen Weg entlang zu ihrem Platz. Aber als sie auf der Lichtung ankamen, traf sie ein großer Schock! Ihre Zelte waren umgestoßen und alles lag auf dem Boden zerstreut. In die Erde war eine Botschaft geritzt: Ein Vermächtnis das gewahrt werden muss, Feuerduft und Rauchschwaden waren erst der Anfang, es wird nicht angenehm für euch werden, ihr werdet es bereuen hier eure Zelte aufgebaut zu haben. Reist ab oder es passieren weiterhin seltsame Dinge! Und nehmt euch in acht vor dem heulen und jaulen! Den vieren stockte der Atem. Wer hatte diese Botschaft hinterlassen und was wollte er von ihnen? Amy begann zu zittern, da sie unter Schock stand. Ted machte keinen lustigen Spruch und Lucy fragte:
„Wer war das und was will er oder sie von uns?“

Allen stand die Angst ins Gesicht geschrieben. Ted sagte mit zittriger Stimme: „Ich will nach Hause.“ Alle stimmten ihm zu: Sie würden morgen zurück nach Hause fahren. Natürlich mussten sie alles aufräumen und einpacken, was sie auch in Rekordzeit schafften. Leider war es schon zu spät um heute noch nach Hause zu fahren, somit mussten sie die Nacht noch im Zelt verbringen.
Alle saßen noch lange wach, aber keiner redete ein Wort. Schließlich aber fielen ihnen doch die Augen zu. Ganz friedlich schliefen sie, aneinander gekuschelt ein.

„Amy... Lucy... Mike... Ted... Amy... Lucy... Mike... Ted...“
Lucy schreckte auf und weckte die anderen. Wieder begann es:
„Amy... Lucy... Mike... Ted... Amy... Lucy... Mike... Ted...“
„Was ist das?“, fragte Ted. „ Ich habe kein gutes Gefühl Leute!“ sagte Amy leicht hysterisch. Mike war der einzige, der noch die Nerven behielt: „Wahrscheinlich bilden wir uns das alles nur ein. Ich geh da jetzt raus und beweise euch, das alles okay ist.“
Er schnappte sich eine Taschenlampe und wollte gerade aus dem Zelt kriechen, als Ted sagte: „Warte, ich komme mit. Wenn da draußen irgendwer oder irgendwas ist, dann kannst du das nicht alleine schaffen.“ „Ihr Jungs wollt uns beide doch nicht alleine hier lassen!“ fragte Lucy etwas sauer und ängstlich. „Entweder ihr kommt mit, oder ihr bleibt alleine hier!“ antwortete Ted. Natürlich kamen die beiden Mädchen mit, da es ihnen alleine zu unheimlich war.
Leider dachte keiner daran ein Handy mitzunehmen oder die Polizei zu informieren.

Wieder ging es los: „Amy... Lucy... Mike... Ted... Kommt her!“
„Das kommt aus der Richtung, wo wir die Lichtung gefunden haben.“ flüsterte Lucy. Auch den anderen war es aufgefallen, was sie nicht gerade beruhigte. Nun kamen ihnen die Zweige der Bäume, die ihnen ins Gesicht schlugen, und die Büsche am Wegesrand vor, als würden sie sich um ihre Körper schlingen und sie zurück zerrten, doch die vier waren wie in einem Bann, der sie zu der Lichtung führte. Sie waren bis eben gerannt, doch nun standen  sie wie angewurzelt da. Wo vorhin noch eine riesige Villa. Sie schimmerte leicht, als wäre sie nur Einbildung.
Wie gebannt starrten alle auf das Haus. Alles was sie sonst noch mitbekamen war, das sie einen Schrei hörten. Dann wurde alles schwarz.

Kapitel 2

Hustend wachten sie auf. „Wo sind wir?“ fragte Amy.
„Ich weiß es nicht.“ antwortete Ted. Mike massierte sich die Schläfe, da er durch irgendetwas Kopfschmerzen hatte.
„Wo ist Lucy?“ schrie Amy, die als erstes bemerkte, dass sie nur zu dritt waren. Amy, Ted und Mike. Lucy war wie vom Erdboden verschluckt.
„Der Schrei, war der von Lucy? Und wenn ja, was ist mit ihr passiert?“ japste Amy. Lucy war ihre beste Freundin seitdem sie sich im Kindergarten gegen die Jungs verschworen haben.
Sie hatten manchmal ziemlich Zoff und sprachen nicht miteinander, aber sie haben sich immer wieder vertragen. Sie wollten zusammen studieren. Somit war Amy den Tränen nah. War ihre Freundin entführt worden, oder gar tot?
„Ich finde es ziemlich klar wo wir sind. Wir sind in diesem komischen Haus.“ sagte Mike.

Das Haus war riesig! Überall waren irre viele Gänge, tausende von Türen auf bestimmt einem Dutzend Stockwerken. An der Decke waren lauter Zeichnungen von verschiedenen Bibelauszügen.
„Ach ne! Das hätte ich jetzt nicht gedacht.", meinte Ted,
"Viel wichtiger ist, Wo ist Lucy?“
Sie schauten sich um. Das Haus war bestimmt zwanzig Meter hoch, alt eingerichtet und hatte auf jeden Fall viele Räume, welche zu sehen waren, geschweige den, die hinter den anderen waren. Eigentlich waren es zu viele Räume um alle zu durchsuchen, doch sie mussten es versuchen, denn es ging um Lucy. Also gingen sich los und suchten die ersten Räume ab. Doch es hatte keinen Sinn. Es waren einfach zu Viele. Damit gab es nur eine Möglichkeit, welche Amy jetzt aussprach: „Wir müssen uns trennen!“ Auch wenn alle wussten, das es keine gute Idee war.
Erst würden sie weiter die Räume im Erdgeschoss absuchen. Später, wenn es Abend ist, sich wieder im Eingang treffen, hoffentlich mit Lucy. Alle gingen los in verschiedene Richtungen. Mike suchte in einem Raum, wo irre viele uralte Gemälde hingen. Auch ein Zeitungsartikel war dort vorhanden.

Heute Nacht brannte das Haus der Familie von Travenstein nieder. Ein Familienmitglied, Odette v.T. war in diesem Haus und starb. Familie und Freunde trauern um den großen Verlust.
Stand dort. Mike musste nicht lange überlegen, bis er wusste, dass es sich um ein und dasselbe Haus handelte, in dem sie sich momentan befanden. Einen Augenblick später hörte er Schritte auf dem Flur und Amy riss die Tür auf. Ihr Gesicht war kreidebleich, die Augen vor Angst weit aufgerissen und sie flüsterte mit bebender Stimme:
„Ich war in einem Spiegelraum. Auf einmal hörte ich wie sich eine Tür öffnete. Natürlich habe ich mich zur Tür umgedreht, doch die war fest verschlossen, als ich an dem Türgriff zog.
Erst dachte ich, ich bilde mir alles ein, doch dann drehte ich mich erneut um, zum Raum.“
Amy machte eine kurze Pause, als müsste sie sich überwinden, all das zu erzählen, „und dann war eine Person im Spiegel. Sie hatte einen dunklen Mantel an und eine Kapuze auf. Die Augen leuchteten gefährlich auf und aus seinem Mund kann ein kaum hörbares Knurren. Ich rannte natürlich sofort zur Tür, doch diese war verschlossen. Ich schrie, dann fühlte ich eine kalte Hand im Nacken. Ich drehte mich um, doch da war niemand. Das Fenster aber war geöffnet und die Vorhänge wehten. Es war das totale Horrorfilmfeeling. Ich weiß nicht, was hier vor sich geht, aber Spaß ist es nicht mehr.“ Mike sagte darauf zu ihr: „Amy, das hier ist von Anfang an kein Spaß. Wir sind hier in etwas geraten, was nicht normal ist. Wir befinden uns in einem Haus, welches vor knappen fünfhundert Jahren niederbrannte. Wir befinden uns in einem Geisterhaus!“

Kapitel 3

Mike zeigte den Artikel. Auch Amy war es klar, dass sie sich in diesem Haus befanden. „Wenn wir in diesem Haus sind, dann ist auch diese Odette hier!“ bemerkte Amy. Zur gleichen Zeit stand Ted in einem Raum, wo nur ein Bett und zwei Kronleuchter waren. Plötzlich hörte er einen Hilferuf von hinter der Wand. Der musste von Lucy sein. Sofort suchte Ted die Wand ab, suchte die Wand ab und nach geheimen Bodenplatten. Doch auf die einfachste Möglichkeit kam er erst, als er sich den Kopf an einem der Kronleuchter stieß. „Das habe ich doch schon einmal in einem Film gesehen.“ murmelte Ted vor sich hin. Dann zog er an einem der Kronleuchter, doch nichts passierte. „Hmm.“ Er zog an dem anderen Leuchter.

Doch anstatt, dass sich eine geheime Tür öffnete, drehte sich das Bett um, und darauf lag, leider nicht Lucy, aber ein Zettel wo draufstand: Deine Freundin befindet sich hier im Haus. Es geht ihr gut, aber sie vermisst euch sehr. Ihr müsst ihn finden oder ihn zu euch führen. Er ist sehr gefährlich, also seit auf der Hut. Und nehmt euch in acht vor dem jaulen und heulen!
Diese Nachricht beruhigte Ted. Er nahm den Zettel und ging zu dem Treffpunkt zurück, da es schon spät war. Amy und Mike saßen in der Zeit noch in dem Raum mit den Gemälden.
Sie hatten den Rahmen mit dem Artikel von der Wand genommen und ihn geöffnet. Ein kleines Bild war mit dazu gelegt. Es zeigte einen Raum mit ganz vielen Vorhängen.

Den beiden kam sofort in den Sinn: „Da muss Lucy sein!“ riefen sie gleichzeitig. Genau in dem Moment schlug die Uhr zehn Schläge. Sie mussten wieder zurück zum Treffpunkt. Beide liefen zur Tür und Amy wollte diese aufmachen, doch es ging nicht. Mike probierte es ebenfalls, doch wieder ließ sie sich nicht öffnen. „Sie ist abgeschlossen!“ jammerte Amy. Zehn Minuten lang riefen sie nach Hilfe, doch keiner hörte sie. Frustriert setzten sie sich neben die Tür an die Wand. „Das ist doch alles nur ein Traum! Es kann doch nicht real sein, oder?“ fragte Amy, die einen Nervenzusammenbruch hatte, „in ein paar Minuten wache ich auf und wir sehen uns dann in der Schule wieder. Die Ferien sind erst in ein paar Zagen und wir gehen dann zelten und haben ganz viel Spaß.“ Mike nahm Amy in den Arm. Sie zitterte am ganzen Körper und sofort liefen ihr die Tränen über die Wangen. Amy tat Mike leid.

Er probierte sie zu beruhigen, doch alle Versuche schlugen fehl. Amy weinte ununterbrochen,
bis sie irgendwann zu erschöpft war. Sie kuschelte sich an Mikes Schulter und döste langsam weg, als Mike plötzlich sagte: „Wir kommen hier wieder raus.“, er machte eine kurze Pause, dann sagte er: „Ich liebe dich!“ Amy war ziemlich überrumpelt. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie war schon seit Wochen in ihn verliebt, aber sie dachte immer, er würde auf beliebte Mädchen wie Lucy stehen, aber doch nicht auf Mauerblümchen wie sie. Amy war klein, schüchtern und war immer die stille, die in der Ecke stand. Mike war eher das ganze Gegenteil. Er war groß und muskulös, was wahrscheinlich daran lag das er Kaptein des Footballteams war. Es war für sie bis jetzt überhaupt wie ein Wunder, dass er mit ihr gesprochen hatte, und jetzt sagte er ihr, dass er in sie verliebt war!
„Ich musste es sagen, falls wir hier nicht mehr rauskommen, solltest du es trotzdem wissen“ Mike riss Amy aus ihren Gedanken. „Aber warum ich? Was ist so besonders an mir?“
fragte Amy. „Ich weiß nicht, du bist so anders!“ sagte Mike.

Im gleichen Moment suchte Ted nach den beiden, da sie vor einer halben Stunde verabredet waren. Er ging los zu dem Gang mit den Bildern, da dort der Raum war, in den Mike hineingegangen war. Er probierte den Türknauf zu drehen, doch dieser war wie eingefroren.
Er klopfte gegen die Tür und rief: „Mike, bist du hier drin?“
Als Amy und Mike das Klopfen und Rufen hörten, waren sie überglücklich. Beide riefen sie: „Ja, wir sind hier. Hast du Lucy gefunden?“
„Nein leider nicht, aber einen Zettel mit einem Hinweis.“

In dem Moment fiel Mike der Zettel mit dem Bild wieder ein und er rief: „Ich habe ebenfalls einen Hinweis gefunden, vielleicht passen sie ja zusammen.“
Im nächsten Augenblick hörte man ein weiter entferntes heulen. Dann rief Ted mit panischer Stimme: „Macht die Tür auf, schnell!“ Amy probierte es erneut und dieses Mal sprang die Tür auf. Ted machte einen Satz ins Zimmer und schmiss die Tür zu. „Was ist passiert?“ fragte Amy, die in der Zeit wieder zu Mike ging. „Da war eine Gestalt, aber jetzt erzählt ihr mir erst einmal, warum ihr Händchen haltet!“ sagte Ted. Dann erzählte Mike alles was vorgefallen war, seit dem sie sich im Flur getrennt hatten bis zum Klopfen an der Tür eben.
„Okay... Das muss ich jetzt erst einmal verarbeiten. Aber eben habe ich einen Schatten von einer Gestalt gesehen. Sie ging gebückt auf zwei Beinen. Die Arme hingen leicht nach unten, es hatte einen Buckel und eine Wolfsschnauze mit sehr vielen scharfen Zähnen! Leute, ich glaube in diesem Haus gibt es einen Werwolf!“

Kapitel 4

Kaum hatte Ted dies ausgesprochen, hörten sie vor der Tür ein heulen und ein darauf folgendes jaulen. Ebenfalls hörten sie einen grellen Klang. Die Tür öffnete sich einen Spalt. Mike drückte Amy fest und schützend an sich und Ted sprang auf ihre andere Seite. Amy war somit von den beiden eingeschlossen, trotzdem zitterte sie und Tränen liefen ihr über die Augen. Ted hielt ihr den Mund zu damit sie nicht schrie. Die Tür öffnete sich weiter und eine behaarte Hand schlang sich um die Tür. Genau die Gestalt, die Ted eben sah, guckte jetzt in den Raum. Es war tatsächlich ein Werwolf. Seine Augen leuchteten goldfarben auf, doch die drei Freunde sah er zum Glück nicht, da diese ja hinter der Tür standen. Der Werwolf drehte um und schloss die Tür hinter sich.

Erst nach ein paar Minuten, als der Schreck nachgelassen hatte, fing Ted an: „Wir haben ja alle einen Hinweis gefunden. Meins ist ein Brief, der auf jemanden hindeutet. Ich glaube aber, damit war der Werwolf gemeint.“ Er zeigte Amy und Mike den Brief.
„Aber wer sagt denn, dass das kein Fake ist und die Person ein Irrer ist der Lucy bereits getötet hat?“ fragte Mike und Amy nickte zustimmend, auch wenn keinem dieser Gedanke gefiel.
„Wo werden wir denn schlafen? Wenn der Werwolf hier rum rennt, werde ich nicht schlafen können, wenn ich nicht aus seinem Blickwinkel bin!“ sagte Amy und Ted antwortete:
„Jetzt weiß ich, wofür das Foto von euch ist. Es ist nicht der Ort, wo Lucy ist, sondern der Raum, den wir für die nächste Zeit unser Schlafzimmer nennen müssen.“ Alle fanden diesen Einwand zutreffend „Aber wo ist dieser Raum denn bloß?“ fragte Mike. „Das Zimmer ist im 3. Stockwerk, der sechste Raum hinter dem ersten Zimmer.“, antwortete Ted, „und bevor du fragst,
woher ich das weiß, das steht auf der Rückseite des Artikels.“

Das leuchtete ein, sodass die drei Freunde kurz darauf die Tür öffneten. „Haltet die Augen nach dem Werwolf auf!“ warnte Ted. Amy schrie auf einmal: „Ihh, da ist eine riesengroße Spinne!“. „Leute, die Spinne ist unser kleinstes Problem. Guckt zur Seite!“ wisperte Mike. Am anderen Ende des Flures stand der Werwolf und fletschte die Zähne. Er setzte zum Sprung an, als plötzlich jemand rief: „Rennt!“ Natürlich rannten die drei los, zusammen mit ihrer Retterin.
Der Werwolf war ihnen dicht auf den Fersen, als das Zimmer in Sicht kam. Mike setzte einen Kurzsprinnt ein, riss die Tür auf. Die anderen beiden hetzten hinein. Der Werwolf sprang, sein Maul weit aufgerissen, doch sie konnten rechtzeitig in den Raum fliehen. Doch wo war ihre Retterin? Von draußen hörte man ein klirrendes Geräusch. Dann ein jaulen, einen Schrei, der durch Mark und Bein ging, dann war es still. Amy riss entsetzt die Tür auf. Vor der Tür war nichts. Kein Werwolf und nicht die unbekannte Frau.
„Sie hat sich für uns geopfert.“ bemerkte Amy entsetzt. Der Raum mit den Vorhängen lag nun hinter den nächsten fünf Räumen. Sie öffnete die erste Tür. In den ersten Räumen war nichts Besonderes, doch im letzten Raum hing an der Wand eine Medaille zusammen mit einer Botschaft. Dort stand drauf: „Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt die erste Aufgabe bestanden und das richtige Zimmer gefunden. Morgen früh wird eure Freundin in dem Zimmer mit den Spiegeln sein. Eine von euch weiß ja schon, wo sich dieser befindet.

Amy, Mike und Ted schauten sich an. Man sah Amy an, dass sie nicht zurück in diesen Raum wollte, weil sie dort die Begegnung mit dem Mann im Spiegel hatte, doch gab es keine andere Wahl. Immerhin wollten sie Lucy zurück haben. Auch wenn man es kaum merkte, vermissten sie alle. Lucy hielt die Gruppe auf Trab und wenn es passte, plapperte sie ohne Punkt und Komma.
Alle waren froh, aber auch ein wenig misstrauisch. War es so leicht, Lucy zurück zu holen?

„Ich bin müde, können wir einmal gucken, wo wir schlafen können?“ fragte Amy, welcher fast die Augen zu fielen. Sie wühlten sich durch Lagen von Vorhängen. In einer Ecke waren mehrere Kissen gestapelt und auch ein paar Decken lagen dort. Mike und Ted bauten drei Betten, doch alle hatten zu viel Angst, sodass sie ihre Betten zusammenschoben. Sie hörte noch, wie Mike zu Ted sagte: „Hoffen wir mal, dass Lucy noch am Leben ist.“ „Ja das müssen wir wohl hoffen.“ Dann verschwamm alles vor ihren Augen und sie war eingeschlafen. Auch Ted schlief wenig später ein, nur Mike blieb nicht wach und fügte alles zusammen.

Plötzlich schreckte Amy aus dem Schlaf auf, sie schrie. Ted schreckte ebenfalls auf, aber das lag an Amy’s Schrei. Mike guckte Amy an, weil er vermutete, was Amy geträumt hatte. Dann fing sie an zu erzählen, was sie geträumt hatte: „Ich lief einen langen Flur entlang. Jeden Meter befand sich dort eine Tür. Aus manchen hörte man Schreie, in manchen sah ich euch beide, gefangen und in einem Raum stand der Mann aus dem Spiegel. Am Ende des Ganges stand Lucy. Sie schrie mir etwas zu, was ich aber nicht verstand. Dann kam eine Frau, sie sah aus wie ein Geist und zog Lucy durch die Wand. Ich rannte hinter den beiden her, war aber nicht schnell genug. Dann hörte ich wieder einen Schrei, dann ein Lachen, welches so unreal klang.“
„Odette! Der Geist war sicher Odette!“ riefen die Jungs gleichzeitig.

Kapitel 5

„Aber was war denn mit Lucy? Wird sie morgen Tod sein?“ fragte Amy. „Es war nur ein Traum, Amy. In Träumen passieren Dinge, die im realen Leben nicht passieren.“ Versuchte Mike, Amy zu beruhigen, doch diese erwiderte: „Bis vor ein paar Tagen wusste keiner von uns, dass es Geister oder Werwölfe gibt!“ Bis zum Morgen verbrachten alle immer mal im Döszustand, doch keiner schlief wirklich tief. Als alle einigermaßen wach waren, beschrieb Amy den Weg zu dem Spiegelzimmer. Nach ein paar Minuten standen sie vor der Tür. Ted öffnete die Tür ganz vorsichtig. Dahinter war ein Zimmer mit mehreren Zwischenwänden, und überall hingen Spiegel. Amy drückte sich fest an Mike.

Am anderen Ende des Raumes war eine weitere Tür. Auch diese öffneten sie. Es erschien ein langer, langer Flur und am Ende stand Lucy. An den Seiten waren überall Türen. Plötzlich ertönte eine Stimme: „Hallo ihr drei, schön das ihr zu uns stoßt. Wie ihr seht, steht am anderen Ende des Flures eure Lucy.“ Amy wollte gerade losrennen, doch Ted hielt sie fest.
„Sehr schlau, Ted.“, sagte die Stimme, „es wäre ja kein Spaß für mich, wenn ihr euch nur in die Arme nehmen würdet. Die Aufgabe, die ihr lösen müsst heißt Feuertür. Die Spielregeln sind einfach. Ihr müsst euch durch die Türen arbeiten. Mit einer Tür kommt ihr weiter nach vorne, mit einer Tür zurück nach hinten. Wie ihr seht gibt es immer drei Türen. Dazwischen befinden sich Fallen, die sich, wenn man auf sie tritt, auslösen. Ihr kommt immer in der mittleren Tür heraus. Und Achtung! Bei jedem Versuch kann sich alles ändern. Wenn ihr es schafft, dann müssen ihr noch eine Frage beantworten. Danach gehört Lucy euch. Dann startet mal.“

Amy, Mike und Ted gingen auf die erste vordere Tür zu. Sie kamen eine Ebene weiter.
Das schafften Sie ganze sechs Mal. Nun fehlten nur noch vier weitere Türen. Amy wollte durch die hintere Tür gehen, doch die Jungs zogen sie zur vorderen. Leider sprangen sie nun wieder eine Ebene. „Seht ihr! Wir hätten die andere Tür nehmen sollen.“ Meckerte Amy, die möglichst schnell zu Lucy wollte. „Denkt dran!“

Sie gingen wieder durch die Tür. Es klappte. Doch bevor sie wieder durch eine Tür gingen, durchschaute Ted das Spiel. Sie waren in einem Teufelskreis gefangen. Er erklärte dies den anderen. Dann rief er: „Odette! Wir können nicht gewinnen. Du willst, dass wir für immer hier bleiben und Figuren in deinem Spiel sind. Ich verlange, dass du einen von uns durch lässt, um das Spiel fair zu beenden. Wenn wir es schaffen, lässt du uns gehen, wenn wir es nicht schaffen, müssen wir machen, was du möchtest.“

Nach kurzer Zeit sagte die Stimme wieder: „Beachtlich, dass du weißt, wie ich heiße. Du bist wirklich schlau. Das denkt man gar nicht von dir. Du bist der erste der das Rätsel dieses Raumes löst. Die anderen wurden früher oder später verwirrt und nun sind sie verlorene Seelen in diesem Haus, die jede Nacht ihre Stimmen erklingen lassen. Somit gewähre ich dir deinen Wunsch.
Wer von euch soll die Frage der Wahrheit beantworten?“

Die Frage der Wahrheit? Amy, Mike und Ted guckten sich ratlos an. Was könnte damit denn bloß gemeint sein? „Ich finde, Amy sollte die Frage probieren zu lösen.“ sagte Ted schnell, da er nicht selber gehen wollte. „Das finde ich auch, aber es könnte auch schwer für sie werden, da es hier immerhin um ihre beste Freundin geht.“ gab Mike zu bedenken. Odette, die natürlich alles hören konnte, rief: „Ich habe mich schon längst entschieden, wer die Frage beantworten muss.“

Amy wollte gerade nach vorne gehen, als Odette erschien. Sie war wunderschön, ihre Haaren waren lang und leicht gewellt. Sie war mittelgroß, Mitte 20 und hatte ein Gewand, wie aus tausend und einer Nacht an. Sie schaute erst Amy, dann Mike an.
„Amy, du bist ein Mädchen aus einer Familie, der du sehr viel bedeutest. Darum sollst nicht du die Frage lösen müssen. Ted, kommst du bitte nach vorne, du bist der Auserwählte.“

Ted schluckte. Man sah ihm an, dass er Angst vor Odette hatte. „Komm schon, du schaffst das und wenn nicht, dann ist das eben so. Es wird noch andere Möglichkeiten geben, hier raus zu kommen.“ probierte Amy Ted aufzumuntern. Mike nickte zustimmend. Ted setzte langsam einen Fuß vor den anderen. Kurz bevor er vorne angekommen war, bewegte sich Lucy zum ersten Mal. „Sie würden sich bald wieder in die Arme nehmen können.“ dachte Ted. Auch wenn sich die beiden am Anfang nicht sonderlich mochten, haben sie mittlerweile doch eine wirklich dicke Freundschaft. Beide konnten sich alles erzählen und wussten, dass der andere wie ein Grab schweigen würde.

Dann sagte Ted leise zu sich selber: „Reiß dich zusammen Mann, es geht um Lucy, sei kein Feigling. Du vermisst sie und nun musst du sie Retten! Dank ihr habe ich Mike und Amy kennengelernt. Sie war eine Zeit lang meine einzige Freundin. Du gehst jetzt da nach vorne und löst diese verdammte Frage!“ und laut rief er: „Ich bin bereit Odette!“
„Das ist schön, mir wurde langsam langweilig. Ich werde dir gleich eine Frage stellen und du musst sie ehrlich beantworten. Hier ist deine Frage: „Würdest du dich für eine Person opfern,
die du liebst?“

Mit so einer Frage hatte keiner der Beteiligten gerechnet.
„Welche Art von Liebe meinst du, Freundschaft oder Liebeliebe?“, fragte Ted, der mal wieder eine List ahnte.
„Natürlich, hatte ich vergessen dies zu erwähnen? Ich meinte die Liebe, nicht die Freundschaft.“ wisperte Odette.
„Dann lautet meine Antwort: Nein, für die Liebe würde ich mich nicht opfern. Sie ist nicht so wichtig wie Freundschaft.“
„Und was hättest du bei Freundschaft gesagt?“ fragte Odette, die anscheinend erstaunt war, über diese schlaue Antwort.
„Da würde ich mich nur für eine ganz bestimmte Freundin opfern.“ rief Ted mit lauter, fester Stimme, sodass alle es hören konnten.
Odette schaute Ted tief in die Augen. Um ihre Lippen herum, bildete sich ein Ausdruck den keiner deuten konnte. Plötzlich liefen ihre Augen rot an und. Sie leuchteten richtig.
Odette schrie, zitterte, ja sie bebte sogar. Dann gab es einen lauten Knall! Alles war voll mit Nebel und jemand war verschwunden...

6 Kommentare

Celeste am 4. März 2015

Toll geschrieben!! Ich bin Meldors Meinung! Bitte, bitte schreib weiter!!!!!!!!!!!! Ich würde den Text nochmal überarbeiten... LG Celeste

anonymous am 24. April 2014

ich mag deine ideen, doch würde ich mehr details beschreiben, die personen näher erklären

Scipio am 29. März 2014

Der Titel hat mich irgentwie angesprochen. Ist gut!

Berry am 27. März 2014

Ist ja ziemlich gruselig... Aber gut geschrieben! LG

Pandora am 15. Februar 2014

Also die Idee der Geschichte finde ich gut und eigentlich ist sie auch gut umgesetzt, aber an manchen Stellen stolperst du etwas durch den Text.

Meldor am 3. Februar 2014

Bitte schreib weiter!!!!!!! Super geschrieben und eine tolle Atmosphäre. Gefällt mir äußerst gut! Weiter so! LG Meldor