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Die Schreibhaus-Gäste

Adventskalender Geschichten

Türchen 1

geschrieben von Lollypop

Es war kalt am Montag. Ich lief stumm durch die Friedrichsstraße, die Hände in meinen Hosentaschen, mein halbes Gesicht in meinen Jackenkragen versteckt. Der kalte Wind ließ meine Ohren frieren. Um mich herum war alles mit Weihnachtslichtern beschmückt und erinnerten mich daran, dass heute Weihnachten war.

Ich hasste den Winter. Und ja, auch Weihnachten. (Früher hatte ich Weihnachten geliebt, aber jetzt, im Erwachsenenalter bekam man keine Geschenke.)

Ich wunderte mich immer wieder, was am Winter so toll sein kann. Skifahren, Schlittschuhlaufen – man kann sich verletzen. Punsch, Dampfnudeln – zugegeben, sie sind nicht schlecht, aber ich verbrannte mir trotzdem vor drei Jahren meine Zunge. Hm, Schnee... Schneemann bauen, Schneeballschlacht – ah ja, Schneeballschlacht. Wenn da zufällig ein Stein im Ball wäre? Dann wird es ganz bestimmt kein Spaß mehr, nein.

Engel, Weihnachtsmann, Nikolaus. Pah. Ich bin schon erwachsen.

Wie gesagt, ich fand keine guten Punkte für den Winter.

Plötzlich bemerkte ich ein kleines Häuschen, das mit Kerzen beleuchtet war. Ich konnte das Haus sehr gut sehen, weil der Besitzer anscheinend keine Gardinen oder Vorhänge benutzte und man so das komplette Haus betrachten konnte. Der Hausherr saß zufrieden auf der Couch, er beobachtete seine drei Kinder, die lachend um den riesigen Weihnachtsbaum hüpften. Ein braunhaariges Mädchen, ich schätze mal um die 6 Jahre alt, ging zurück zu ihrem Vater und kuschelte sich an ihn. Er streichelte ihre Haare und murmelte etwas in ihr Ohr. Plötzlich hellte sich ihr Gesicht auf und sie rief etwas ganz laut. Die Kinder stellten sich in einer Reihe auf und ihr Vater öffnete lächelnd die Tür. Die Nervosität der Kinder spürte sogar ich, und ich lief die Straße auf und ab, damit die Nachbarn nicht dachten, ich sei ein Stalker oder irgendetwas in der Art.

Die Tür wurde aufgemacht und ein rot-weiß-verkleideter junger Mann betrat den Raum.

Für sie war heute also Weihnachten. Am 2. Dezember. Aber das kümmerte sie wohl nicht – und mich ehrlich gesagt auch nicht.

Der Weihnachtsmann war ihr großer Bruder. Alle Kinder wussten es, denn grinsend zogen sie an seinem Bart oder an seiner Mütze, und schließlich gab der Junge – ich schätzte ihn um die 14 Jahre alt – auf und zog seine Verkleidung aus, lachend. Dann gab er jedem ein kleines Geschenk, in weiße Tütchen verpackt. Aufgeregt öffneten die Kinder ihre Geschenke. Das kleinste Mädchen bekam eine Puppe, die sie sanft im Arm hielt. Der kleine blonde Junge bekam ein Spielzeugauto. Das braunhaarige Mädchen das bis vor kurzem die Hand ihres Vaters hielt, bekam eine Lederkette, mit einem Anhänger in Form von einem Kreuz. Sie hüpfte auf und umarmte ihren Bruder. Doch dann bemerkte ich, dass sie ihn nicht umarmte, nein. Als ich sah, was sie tat, wurde mir ganz warm ums Herz.

Sie legte IHM die Kette an. Dann ging sie wieder zu ihrem Vater und griff schüchtern nach seiner Hand.

Der Junge schien als erstes nicht ganz realisiert zu haben, denn er schaute verwirrt auf die Kette, die an seinem Hals hing. Doch danach ging er auf seine Schwester zu und drückte sie ganz fest.

Ich erkannte eine Träne in den Augen des Vaters und ich beschloss, die Familie allein zu lassen und machte mich auf dem Weg.

Und eins wusste ich, jedes Jahr im Dezember werde ich an diese Familie denken.

Und vielleicht werde ich irgendwann aufhören, den Winter zu hassen.

Türchen 2

geschrieben von Ida

Weihnachtstraum

Merle träumte von Schneeschlössern und Schneeengeln, Kerzenduft und Plätzchenbacken, aber am meisten träumte sie davon, auf einem Schlitten davonzufliegen, bis hoch in die Wolken. Dann würde sie nicht zur langweiligen, dummen Schule gehen müssen, sie würde nicht ihre Familie streiten hören, sie würde nicht auf ihrem Bett in ihrem kleinen Zimmer liegen und sich eingesperrt fühlen wie in einem Gefängnis. Einmal wollte sie einen solchen Traum erleben.

Nachts saß sie an ihrem Fenster, guckte in den Sternenhimmel und tat so, als wäre die Welt weiß, als wäre sie weit weg, wo Träume lebten.

Sie hatte es sich gerade gemütlich gemacht, als ein Klopfen ertönte. Es war Pidgen. So stellte sich die kleine Kreatur vor. Weihnachtswichtel, nannte sie sich, und Merle glaubte es fast, denn wenn es Wichtel gegeben hätte, hätten sie ausgesehen wie Pidgen. Rote Schuhe mit Bimmelglocken, lange dürre Beine, ein Bauch so rund wie eine Walnuss und über allem eine grüne Weste und ein kurzer grüner Umhang. Sogar eine Mütze trug Pidgen, aber ohne Zipfel; knallrot war sie und so rund wie sein Kopf.

»Komm!«, piepste Pidgen, »Wir haben nur diese eine Nacht. Früher, da hat kaum jemand etwas vom Weihnachtsmann erwartet, aber heute will jedes Kind gleich zehn Geschenke oder zwanzig! Also, hopp, hopp! Die Rentiere warten nicht.«  

»Warte!«, rief Merle. »Wohin denn? Und woher kommst du überhaupt?«

»Dummes Mädchen, weißt du denn gar nichts? Da wünschst du dir die Seele aus dem Leib, ich muss extra die Rentiere aus dem Urlaub holen, den Schlitten putzen lassen und die Reiseroute buchen, und dann weißt du noch nicht einmal, wohin es geht? Immer diese Vorweihnachtswünsche… In die Wolken, natürlich, komm jetzt!«

Merle war so verblüfft, dass sie Pidgen einfach folgte. Das ging ganz leicht, sie musste nur das Fenster öffnen, ihren Kopf rausstrecken und schon saß sie in dem größten Schlitten, den sie je gesehen hatte. Er war rot lackiert, mit Flügeltüren aus dunklem Holz und grünem Samtpolster auf den Sitzen. Echte Rentiere stapften ihre Hufe in die Luft und, Merle glaubte es kaum, vorne im Schlitten saß der Weihnachtsmann.

Sie musste träumen. Das war die einzige Erklärung.

»Hü-ja!«, rief Pidgen. Die Rentiere setzten zu einem großen Sprung an, stoben in die Luft und zischten himmelwärts.

Pidgen zerrte ungeduldig am Umhang des Weihnachtsmannes. »Verfluchtes Ding«, piepste er. »Die Kobolde sind zu nichts nutze, jedes Mal ist etwas anderes kaputt. Nun, dann eben ohne Kabine.« Er schob den Weihnachtsmann beiseite, der knarrte und ächzte wie ein altes Möbelstück (Merle sah jetzt, dass er nur aus Holz und Stoff war) und nahm die Zügel selbst in die Hand.

Anstatt in wässrige oder frostige Wolken glitt der Schlitten plötzlich in einen weißen Nebeldunst hinein, der Merle für einen Moment die Sicht versperrte. Dann schoss er hinaus in ein Wolkental. Zu beiden Seiten türmten sich Wolkenberge, silbrig-weiß wie Perlen. In der Ferne fiel Schnee von Irgendwo nach Nirgendwo; am Himmel leuchteten Sterne, zum Greifen nahe.

Der Schlitten sauste hierhin und dorthin und drehte Achten und furchte mit seinen Kufen durch die Wolken.

Merle spürte keine Kälte. Wind rauschte ihr in den Ohren, als der Schlitten die höchsten Wolkenspitzen erklomm, um dann in die weitesten Täler hinab zu sausen.

Merle lachte und rief: »Schneller, bitte schneller!«

Sie flogen schneller.

Jetzt glaube Merle schon nicht mehr, dass es ein Traum war. Sie wollte auch gar nicht, dass es aufhörte.

»Gibt es denn sehr viel zu tun beim Weihnachtsmann?«, fragte sie.

»Eine maßlose Untertreibung«, empörte sich Pidgen. »Weißt du, wie viele Rechtschreibfehler sich in den Wunschlisten verstecken? Kindergekrakel ist die schwerste Schrift überhaupt. Sie zu entziffern ist wirklich zu viel von uns armen Weihnachtswichteln verlangt.«

»Es gibt also sehr, sehr viel zu tun.«

»Ja!«

»Ich will es nur einmal sehen. Du kannst mich ja auch gleich wieder zurückbringen! Bitte, Pidgen!«

Und wer konnte sich dem schon wiedersetzen? Also lenkte Pidgen den Schlitten in Richtung Weihnachtsstadt und zeigte Merle alles, worüber er sich so aufregte. Dabei strahlte sein Gesicht, wie es lange nicht gestrahlt hatte. Ob sie rechtzeitig zurückkamen? Merle schläft jetzt auf jeden Fall mit einem Lächeln auf dem Gesicht in ihrem Bett und Pidgen ist dabei, faule Kobolde aufzuwecken.

Manchmal gehen Träume also doch in Erfüllung. Man muss nur ganz fest wünschen...

Türchen 3

geschrieben von Kath

Eine Holzschachtel, oder wie ich einen Weihnachtswichtel kennelernte

Zuerst dachte ich, das Päckchen wäre ein Geburtstagsgeschenk, das ich vergessen hatte auszupacken. Es war in glänzendes, goldenes Papier eingeschlagen und verziert mit einer blutroten Schleife. Aber es sah nicht wirklich wie ein Geschenk aus, das meine Eltern mir schenken würden. Sie verpackten ihre immer riesengroß, das hier fand in meinen geschlossenen Händen Platz. Ich machte es mir auf dem Treppenabsatz gemütlich, zumindest so gut es ging. Meine Eltern und meine Schwester waren eben zum Kino aufgebrochen. An einem Zettel, der auf dem rote Band aufgefädelt war, stand: Für Etienne                                                                    

Weiter nichts - toll, jetzt wusste ich mit hundertprozentiger Sicherheit, dass es für mich war. Aber von wem? Von Oma, mit der wir seit Jahren nicht mehr reden, weil Mum behauptet, sie sei verrückt? Ich würde es wohl nur erfahren, wenn ich es öffnete, ich zog das Band auf. Und was, wenn es eine Bombe war? Egal, mit einer Handbewegung schob ich den Gedanken fort.

Das Papier glitt zu Boden und es gab eine Holzschachtel  frei. Ich wollte den Deckel anheben, doch er klemmte. In der Küche versuchte ich es mit einem Messer, aber auch das half nichts. Enttäuscht stellte ich die Box auf die Fensterbank in meinem Zimmer und legte mich schlafen.   

Ein leises Rascheln mischte sich in meinen Schlaf, vermutlich war es nur der Haustürschlüssel, dennoch schreckte ich ängstlich auf. Ich bewaffnete mich mit meinem alten Lexikon und schlich in den Flur. Zur Not könnte ich jemandem damit auf den Kopf hauen. Auf leisen Sohlen schlich ich die Treppe hinunter, es war niemand zu sehen. Und das Geräusch hatte auch aufgehört, einzig und allein mein schweres Schnaufen war zu hören. Ich vergewisserte mich, dass alles an Ort und Stelle war. 

Bevor ich wieder nach oben ging, verbarrikadierte ich noch die Haustür indem ich die Kommode davor schob. Es war mir egal, was meine Eltern davon hielten. 

Wieder im Bett stellte ich fest, ich konnte nicht mehr einschlafen und das Rascheln hatte schon wieder begonnen.

Ich ging wieder in den Flur, doch augenblicklich verstummte es. Also musste es aus meinem Zimmer kommen. Mit meinen Augen suchte ich mein Zimmer ab, aber ich konnte nichts Auffälliges feststellen. Ich schob mir den Sessel vors Fenster und schaute in den Sternenhimmel, langsam rieselte Schnee über das Dorf und blieb auf den Straßen liegen. Mein Blick streifte die Schachtel. Von wem sie bloß war? Na, klar! Wieso war ich denn noch nicht früher darauf gekommen? Das Rascheln kam aus der Schachtel. Ich versuchte, sie erneut zu öffnen, doch sie war so verschlossen wie heute Abend. Endschlossen ließ ich sie auf den Boden fallen. Mein Vater würde sich zwar nachher wieder über die Kratzer aufregen. Sie fiel mit einem ohrenbetäubenden Krachen auf den Boden, der Deckel war aufgesprungen. Neugierig hob ich sie hoch und blickte hinein. Aber sie war leer. Na super dafür also die ganze Aufregung. Enttäuscht ließ ich mich auf mein Bett fallen.

"Auua! Kannst du nicht mal aufpassen." Verwundert sprang ich auf. Ich hatte mich auf ein kleines Wesen gesetzt, das auf meiner Bettdecke lag. Verwundert hob ich es auf. "Was ist denn das für eine Begrüßung?" Es passte ohne Probleme auf meine Hand und trug einen nachtblauen Mantel, der über und über mit silbernen Sternen bestickt war. "Lass mich runter du blöder Mensch! Ich Wirklichkeit bin ich viel größer!" "Das beweist wiederum, dass das alles nicht wahr ist und es keine Zwerge gibt." Im Nachhinein habe ich keine Ahnung wie ich damals so gelassen reagieren konnte. Vor mir stand schließlich ein Wesen, von dem ich gelernt hatte, dass es nur in Märchen existierte. Heute denke ich, dass mein pragmatisches Handeln der Ausnahme Situation geschuldet war.

"Ich bin kein Zwerg", unterbrach er mich, "Ich bin ein sehr geschätzter Weihnachtswichtel, ich bin Ober-Gebäckteighersteller und unterer Vorsitzender der Lebensmittelgeschenckeherstellervertreter." Bei den letzten Worten war mir der Mund herunter geklappt. "Ja, da staunst du." Er zog eine bauchige Phiole aus einer seiner geräumigen Manteltaschen und lehrte sie in einem Zug. Er wurde um einiges schwerer und ich musste ihn absetzen. Auf dem Boden wuchs und wuchs er in Sekundenschnelle. Als es endlich aufhörte reichte er mir bis zur Hüfte. Die andere Größe war mir wirklich lieber gewesen. Er konnte sich kurze Zeit auf den Beinen halten, wankte dann aber bedenklich. Bevor er zu Boden stürzte fing ich ihn auf. "Muss mich wohl am Bein verletzt haben."

"Komm mit ich wickle dir einen Verband darum. Und dann bring ich dir etwas zu essen." Er nickte stumm und ich brachte ihn hinunter und setzte ihn vor den Kamin. Im Badezimmer holte ich Verband und ein wenig Salbe. Als ich die Treppe hinunter kam hatte der Wichtel Tränen in den Augen. Im ersten Moment dachte ich, ich hätte falsch gesehen, weil er eben so frech gewesen war, aber sie waren echt. Wortlos bandagierte ich sein Bein, kurz bevor ich fertig war begann er zu erzählen. "Ich werde für immer hier bleiben müssen.", schluchzte er. Ich gab ihm ein Taschentuch, aber dies sah er so verwirrt an das es mich zum Lachen brachte. Nach kurzer Zeit fiel er in mein Lachen ein und ich wischte ihm die Tränen weg. "Ihr seid so gut zu mir. Aber ich nicht", schluchzte er erneut.""Was ist denn los." "Nun ja. Ich habe mich über die Kinder beschwert, dass sie immer unfreundlicher werden und mehr Geschenke haben wollen. Aber das ist eine der goldenen Regeln, wir sind auf der Seite der Kinder und müssen sie unterstützen. Niemals dürfen wir uns gegen die Menschenkinder wenden. Also wurde ich vom Ministerium zur Strafe zu einem Menschenskind geschickt. Aber nun kann ich nicht mehr zurück, weil ich nicht laufen kann." Er sah mich verzweifelt mit seinen großen Augen an. "Wo musst du denn hin?" Ich musste ihm einfach helfen. Das hätte jeder getan, wenn er in seine großen, wässrigen Augen geschaut hätte."Nach Sternhausen, ein kleines Dorf in dem viele Wichtel leben." "Dann lass uns Mal losgehen, damit wir es auch finden. Weit von hier kann es ja nicht sein, immer hin gilt dieses Dorf als Wohnort der Rentiere die den Weihnachtsschlitten ziehen dürfen. Da können die Wichtel ja nicht weit sein." 

Ich kramte unseren großen Trekkingrucksack aus dem Schrank im Zimmer meiner Eltern. Als ich zurück kam erzählte mir der kleine Wichtel, dass er Pal hieß. "Pal es tut mir leid, aber würdest du dich bitte in den Rucksack stellen, dann kann ich dich besser tragen." Wiederwillig stieg er hinein und ich zog ihm die warme Bommelmütze meiner     kleinen Schwester über die Ohren. Ich selbst zog mir drei Paar Socken an und meine dickste Jacke. Meinen Eltern schrieb ich auf einen Zettel, dass ich bei einem Freund übernachten würde. Mit einer Taschenlampe stapften wir in dem wadenhohen Schnee los. 

Pal war ganz schön schwer. "Lass uns zuerst im Wald nachsehen", schlug ich vor und er stimmte mir zu. Die Tannen sahen in der Dunkelheit nicht sehr freundlich aus, immer wieder schreckte ich zurück. "Könntest du mal aufhören, so kommen wir ja nie voran!", beschwerte der kleine Wichtel sich. "Wenn du laufen würdest ginge das Ganze auch wesentlich schneller!" "Du musstest die Schachtel ja auf den Boden fallen lassen!" Eine Eule flog dicht an meinem Kopf vorbei und landete auf einen nah gelegenen Ast. "Kann ich dir helfen Junge, wie ich sehe trägst du einen Wichtel bei dir", säuselte die Eule. Ich wich verwundert zurück. "Wir suchen den Weg nach Sternhausen." "Immer weiter in Richtung des Mondes, aber nehmt euch vor den Wölfen in acht, die sind heute besonders aktiv." Wir bedankten uns freundlich für den Rat und gingen weiter.                                                         

Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren, es war bitterkalt und meine Hände fühlte ich schon bald nicht mehr. Wir gingen um die nächste Wegbiegung. Ein brauner Steinklotz lag mitten auf dem Weg. Der Mond tauchte alles in düsteres Licht. Doch der Stein bewegte sich. Was erklärte, dass es kein Stein war. Honiggelbe Augen drehten sich zu uns um. "Da kommt ja mein Futter." Der Wolf schaute uns mit einem schadenfrohen Grinsen an. "Und so jung. Darauf habe ich schon lange gewartet." Er ging im Kreis um uns herum, fletschte die Zähne und wollte mir ins Bein beißen, als Pal rief: "Lauf!" Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen, so schnell ich konnte lief ich bis sich der Wald lichtete und vor uns viele Häuser auftauchten. Die Fenster waren beleuchtet. Aber die Fachwerkhäuser waren ungewöhnlich klein. Die Sterne hingen viel tiefer am Himmel und leuchteten viel heller.

"Wir sind da! Wir haben es geschafft! Wir sind in Sternhausen!", freute sich Pal. Neugierig blickte ich durch die beschlagenen Fensterscheiben. Kinder saßen auf dem Boden und spielten, nur sie waren wesentlich kleiner als gewöhnlich. Ein Schneeball landete in meinem Nacken. Uhhh, war das kalt, ich schrie auf. Pal hatte sich mit Schnee bewaffnet, der beim Gehen auf ihn gerieselt war. Er hatte es auf mich abgesehen. Zum Glück kannte er nicht sonderlich gut zielen. Es entwickelte sich eine Schneeballschlacht und die Kinder aus den umliegenden Häusern stürmten herbei um mit zu machen. Meine Haare waren nachher nicht mehr blond sondern weiß vom Schmelzwasser des Schnees. Ein grauhaariger Mann kam aus einem besonders prachtvollen Haus auf mich zu und bekam auf dem Weg ein paar Schneebälle ab. Er lächelte und warf ebenfalls mit einem nach dem Täter. "Du musst also Etienne seine. Vielen Dank, dass du Pal zurück gebracht hast. Wenn du nun nach Hause möchtest musst du ganz fest daran denken, dann wirst du dort sein." Ich setzte meinen Rucksack ab und half Pal beim aussteigen. "Danke Etienne!", er schenke mir ein Lächeln und umarmte mich. "Pass auf dich auf, und sag nicht mehr so viel Schlechtes über Menschen wie mich." Der Mann legte einen Arm um Pals Schulter, der sich mit ihm einen Weg durch die Spielende Menge bahnte. Pal drehte sich nachmals um und lächelte.                

Denk an das weiche Bett, den Blick über das Dorf, den warmen Kamin. Mein Blick wurde verschwommen und ich fand mich in meinem Zimmer wieder. Müde ließ ich mich ins Bett fallen. Und schlief mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein. 

Am Weihnachtsmorgen fand ich auf meinem Fensterbrett eine Metalldose, die über und über mit wunderschön verziertem Gepbäck gefüllt war. Auf einem Lebkuchen stand in silberblauer Zuckerschrift: Danke Etienne                                                                                                      Etliche Male schlich ich in den Wald auf der Suche nach dem Dorf Sternhausen, doch bis heute habe ich es nicht noch einmal gesehen. Auch habe ich nie herausgefunden, wie wir damals dem Wolf entkommen konnten. Zu Weihnachten bekomme ich aber jedes Jahr wundervoll verzierte Kekse und meine Schwester fragt sich noch heute, wo ihre Lieblingsmütze abgeblieben ist.

Türchen 4

geschrieben von Lukas

Die Weinachtsgans

 

Es verlangt die Tradition

der Familie Müllersohn,

dass es an gewissen Daten

geben muss ‘nen schönen Braten.

Drum gibt es in Dezemberwochen

immer ziemlich viel zu kochen.

 

Nun geschah bei einem Schmaus

ne Geschichte, ei der Daus.

Die sehr beliebte Weihnachtsgans,

hergebracht vom Bauern Hans,

war in diesem einen Jahr,

im höchsten Maße sonderbar.

 

Sie sprang ihm gleich vom Arme

und rannte rein ins Warme.

In der guten Stube drang

an ihr Ohr der Musik Klang.

Dann begann, das glaubt ihr nie,

zu tanzen dieses Federvieh.

 

Der Leib mit voller Energie,

bewegte sich zur Melodie.

Im Takte sie begann zu schnattern

und dazu auch noch zu flattern.

Sie plustert auf ihr weiß Gefieder,

denn sie liebte Weihnachtslieder.

 

Die Kinder machten große Augen

und konnten es erst gar nicht glauben.

Doch nach ein paar Sekunden,

war der Schock schon überwunden.

Sie spielten mit ihr dies und das

und hatten dabei ganz viel Spaß.

 

Durch die ganze Heiterkeit,

war nun ganz schnell Schlafenszeit.

Sie legte sich zum Übernachten,

da kam der Hausherr sie zu schlachten.

Doch die Kinder war‘n daneben

und flehten ihn an um ihr Leben.

Herr Müllersohn ließ sich erweichen

und begann von ihr zu weichen.

 

So kam es, dass seit diesem Jahr,

die Gans das neue Haustier war.

Türchen 5

geschrieben von Plimaus

Vögel, Mäuse und Meerschweinchen

 

Draußen schneite es in dicken Flocken. Lotte saß mit ihren beiden Kindern Anna und Lars am Fenster und beobachtete die dicken Schneeflocken, die langsam auf die Erde fielen. "Wenn der Schnee auf der Erde liegt, finden die armen Vögel ja gar nichts zu essen, oder?" fragte Anna plötzlich. "Da hast du recht" stimmte Lotte ihrer Tochter zu. "Weißt du was? Wir gehen gleich morgen Vogelfutter kaufen!" versprach sie. Am nächsten Tag gingen Lotte und ihre beiden Kinder in eine Tierhandlung. Zuerst gingen sie in die Futterabteilung und Lars suchte das Futter aus. Er konnte zwar noch nicht lesen, aber da auf der Packung Bilder abgebildet waren, fand er bald das richtige Futter. Lotte legte zu der Tüte mit Sonnenblumenkernen noch eine Packung mit Meisenknödeln, dann waren Anna und Lars zufrieden. Um zur Kasse zu kommen, mussten sie zuerst durch die Tierabteilung, wo sich allerdings ein Problem ergab: Anna und Lars liebten Tiere! An den Aquarien machten die beiden nur große Augen, an den Vogelkäfigen begannen die beiden, auf die einzelnen Tiere zu zeigen und "Oh" zu rufen. Doch als als sie an den Meerschweinchen vorbei gingen, blieb Anna plötzlich stehen. Auch Lotte und Lars konnten an den süßen Tieren einfach nicht vorbeigehen. Einen kurzen Moment dachte Lotte nach, dann packte sie Anna und Lars und drehte um. Als sie wieder in der Futterabteilung standen, nahm Lotte einen der Ratgeber, die überall in den Regalen standen, und begann, alles einzusammeln, was auf der Einkaufsliste stand. Danach gingen die drei wieder in die Kleintierabteilung und suchten drei Meerscheinchen aus, die ein netter Verkäufer in eine Transportbox aus Pappe hob. Obwohl Anna darauf bestand, die Box zu tragen, legte Lotte sie in den Einkaufswagen, da sie nicht wollte, dass den Nagern etwas passierte. Dann schob sie ihren vollbeladenen Einkaufswagen in Richtung Kasse.

Als die drei zuhause ankamen begannen sie sofort mit der Einrichtung des neuen Meerschweinkäfigs. Nachdem Anna und Lars mit der Einrichtung der 'Möbel' fertig waren, öffnete Lotte die Box an einer Seite und stellte sie in den Käfig. Als die drei gerade den Käfig geschlossen hatten, kam Gerhard, Annas und Lars Vater, von der Arbeit nach Hause. Noch bevor dieser Schuhe oder Jacke ausziehen konnte, hatten Anna und Lars ihn schon ins Wohnzimmer zum Meerschweinchenkäfig gezerrt.

"Kann ich es kuscheln? Bitte Mama!" begann Anna zu betteln. "Noch nicht, Schatz. Schau mal, es hat Angst!" begann Lotte zu erklären. "Aber warum denn?" fragte Lars. "Weil es das alles noch nicht kennt. Der Käfig, die Umgebung und die Menschen sind neu für sie. Gebt ihnen ein bisschen Zeit zum Eingewöhnen... Ihr wolltet doch noch die Vögel füttern, oder?" half Gerhard aus. Die Kinder waren sofort begeistert, und kurz darauf standen die vier mit dem Vogelfutter im Garten. Anna und Lars liefen im Garten umher und hängten die Meisenknödel auf. Als sie damit fertig waren, bemerkte Anna plötzlich: "Und was ist mit den Mäusen?  Die haben doch auch Hunger, oder?" Also riss Lotte die Packung mit den Sonnenblumenkernen auf und verstreute eine Hand voll im Schnee.

Als die Familie dann am Abend auf dem Sofa saß, Weihnachtlieder hörte und Plätzchen aß, waren alle rundum glücklich: Von ihrem Platz aus konnten sie die Vögel draußen ihre Meisenknödel fressen sehen, und neben ihnen im Käfig saßen drei kleine, satte Meerschweichen und kauten zufrieden Salat.

Türchen 6

geschrieben von Lina

1. Dezember - Süße Weihnachtszeit

 

„Guten Tag. Was hätten Sie gerne?“ Ich hörte, wie meine fleißige Assistentin Paula den Kunden unsere selbstgemachten Bonbons verkaufte. Ich lächelte den Kunden zu, eine ältere Frau mit einem rothaarigen Jungen, vermutlich waren die beiden auf ihrem Oma-Enkel-Weihnachts-Bummel. „Habt ihr denn schon unsere Zimt-Orangen-Sahnedrops probiert?“ Der kleine Junge schüttelte schüchtern den Kopf und sah seine Oma an. Diese lächelte: „Nein, haben wir noch nicht. Aber ich glaube ich kenne jemand, der sie gerne probieren würde.“ Ich lachte und hielt ihr und dem Jungen je einen kleinen Bonbon hin. Fein säuberlich in rotes Papier eingepackt lag er in meiner Hand. Oma und Enkel nahmen beide ihren Bonbon entgegen und ich fühlte fast, wie eine wohlige Wärme sich in ihnen ausbreitete. Monas Bonbonstand hatte halt einfach die besten. Schade nur, dass nicht viele das so zu schätzen wussten. Gleich neben dem Weihnachtsmarkt, auf dem unser kleiner, roter Wagen stand, befand sich eine Drogeriemarktkette, die auch Bonbons anbot, nur viel günstiger als meine handgefertigten. Trotzdem war es bis jetzt ein erfolgreicher Tag gewesen. Es war der 1. Dezember und viele Menschen ließen sich zwischen den vielen Buden treiben.

Paula und ich standen schon seit dem frühen Morgen hier. Dank ihrem mitgebrachten Tee war uns warm und die Kunden ließen sich von der weihnachtlichen Stimmung anstecken und kauften meine Bonbons. „Möchtest du noch Tee?“ Paula lenkte meinen Blick von dem Stand mit der Weihnachtsschokolade auf den dampfenden Becher. „Gerne. Gut, dass du für uns sorgst.“ Ich nippte an dem leckeren Früchtetee und setzte mich auf unseren kleinen Hocker. Paula war Studentin und konnte das hier verdiente Geld gut gebrauchen. Da ich sie auch dringend brauchte, teilten wir uns am Ende des jedes Tages den Verdienst. Mein Mann konnte zum Glück auch etwas zu unserer Haushaltskasse hinzufügen und dennoch war das nicht viel. Ich hatte gelernt damit zu leben, wenn wir mit unseren zwei Wagen - Simon hatte einen mit Bienenhonig - durch Deutschland zogen. Bald waren wir beide fünfzig und der Wunsch nach einer Auszeit war schon da. Wir beide hofften, dass wir am Ende des Winters genug zusammen hatten, um unsere Tochter mit ihrer Familie in Frankreich zu besuchen. „Genug mit den Gedanken!“, schimpfte ich mich selbst und trank den Tee aus. Dann ging ich zu Paula und half ihr, die Etiketten auf die Tüten zu kleben. „Wo fährst du eigentlich an Weihnachten hin?“, fragte ich sie. „Noch nichts Besonderes. Ich besuche meine Familie in Frankfurt. Was habt ihr denn geplant?“ Ich kam nicht dazu diese Frage zu beantworten. Ein Mann stand vor unserem Stand: „Guten Tag, ich bin Thorsten Wank. Ich bin der Bürgermeister dieser Stadt.“, sagte der Mann und schüttelte über den Tresen unsere Hände. Paula und ich schauten ihn gespannt an. „Ich bin wegen etwas sehr leckerem hier.“ Erst jetzt bemerkte ich das Kamerateam hinter ihm, „Ich möchte gerne 300 Tüten Bonbons kaufen.“ Mir verschlug es den Atem, doch ich lächelte ihn an. „300 Tüten. Sie haben aber wirklich Appetit auf Bonbons, oder?“ Herr Wank lachte: „Ja, ich würde auch gerne eine nehmen, aber der Rest geht an unsere örtliche Kinderstiftung. Eine Spende zur Weihnachtszeit.“ Längst hatten sich viele Menschen um ihn versammelt. Ich bemerkte andere Männer die Flyer an diese begeisterten und applaudierenden Menschen verteilten. Paula raunte mir zu: „Was man nicht alles für den Wahlkampf macht.“ Ich kicherte und sagte dann: „Gerne Herr Wank!“

Zehn Minuten später war der Auftrag abgewickelt. Wir hatten über 700 Euro verdient und der Bürgermeister war mit seinem Kamerateam, das nun auch den großen Sack mit den Bonbons tragen musste, gegangen. Danach hatten wir noch viele Kunden zu bedienen. Nun war unsere Theke fast leer und ich wusste gar nicht, ob dies gerade eben echt passiert war. Nach einiger Zeit begriffen Paula und ich aber dann doch, dass wir eben sehr viel Geld bekommen hatten. „Hier, dein Anteil“, ich gab Paula die Hälfte des Geldes und sie strahlte mich an: „Danke Mona. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll!“ „Nimm das Geld und mach dir die beste Adventszeit deines Lebens.“, empfahl ich ihr, „Nächstes Jahr stehen wir dann wieder gemeinsam hier.“ Ich wusste nun, dass ich doch eine freie Adventszeit mit meinen Mann verbringen konnte. Dank des Wahlkampfprogramms unseres Bürgermeisters!“

Türchen 7

geschrieben von Lollypop

Ich kann leider nicht für die Wahrheit dieser kleinen Geschichte verbürgen, aber ich wünschte, ich könnte es :D LG Lollypop

 

Jamie war unzufrieden.

Jetzt wurde sie schon fünf Mal von diesem Baum gestochen. Ja, dem Tannenbaum, mit seinen hässlichen Nadeln. Sie konnte diese Pflanze einfach nicht ausstehen. Wieso konnte man nicht einfach einen anderen Baum zu Weihnachten aussuchen? Irgendeine andere Pflanze muss ja auch im Winter grün sein.

Weihnachten liebte sie, Winter liebte sie, Schnee, sogar den kalten Wind, obwohl er ihre Haare verwüstete. Den Dezember liebte sie. Nur nicht den Tannenbaum. Sie nannte ihn auch jedes Mal „Tannenbaum“ und nicht „Weihnachtsbaum“, denn sie glaubte daran, dass der Titel „Weihnachtsbaum“ jemand anderem gebührte. Ihre Fantasie schaltete sich wieder ein.

Weihnachtsbaum- Wettbewerb! Wer wird unser Weihnachtsbaum für diese 10.000 Jahre werden? stand auf dem Schild. Alle Arten waren willkommen, Ort: Versammlungsplatz.

Es herrschte Hektik am Versammlungsplatz. Die Mammutbäume machten den Großteil des Platzes aus und zerdrückten die kleinen Bäume wie die Bonsais. „Hey!“, kreischten sie dann immer, und die Mammuts mussten sich jedes Mal entschuldigen – denn Mammuts waren sehr mitfühlende, gefühlvolle Baumarten.

Der Tannenbaum war nicht zum Versammlungsplatz erschienen. Zu dem Zeitpunkt, wo das Schild aufgehängt wurde, hatte er geschlafen und nichts mitbekommen. Der freute sich, dass er zum erstem Mal alleine im Wald sein konnte, und ging zu den Vögeln. „Hallo ihr Vögel“, schrie er. „Wollt ihr mit mir spielen?“ Doch die Vögel antworteten nicht, sie fürchteten sich vor den Nadeln, die der Baum hatte. Traurig ging er weiter, zu den Tieren. „Hallo Eichhörnchen! Hallo Reh! Wollt ihr mit mir spielen?“ Doch auch die Tiere ignorierten ihn, sie machten sich hinter seinem Rücken lustig, dass er zu hässlich sei und deswegen nicht zum Wettbewerb gekommen sei.

Langsam verspürte der Tannenbaum Einsamkeit und wurde depressiv. Seine Nadeln hingen noch tiefer, und traurig ging er davon.

Die Jury, vier Waldelfen, schauten hinter dem Vorhang raus zu den Bäumen, die in Reihen aufgeregt mit den Ästen wedelten, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Alle vier hatten ein Blatt in der Hand, und hakten die Arten ab. Schließlich waren sie fertig – auch bei den ganz kleinen Büschen – und plötzlich rief ein Elf: „Der Tannenbaum fehlt!“

Für eine Sekunde waren alle Elfen still, nur das Brummen der Mammuts war zu hören. Doch dann grinsten alle vier Elfen so breit, dass man befürchtete, ihre kleinen Zähne würden auseinanderfallen.

Als der Tannenbaum sich auf dem Weg zu seinem Platz machen wollte, ein Platz abseits vom Versammlungsplatz, wo niemand ihn sehen konnte, da sah er ein grünes Licht. Ach ja! Die Waldelfen. Ob sie nicht vielleicht mit ihnen spielen wollten? Als er sich zu ihnen wandte, sah er, dass sie ebenfalls auf ihn zuschwirrten. 'Sie wollen bestimmt mit mir spielen!', dachte er und wartete erwartungsvoll auf sie. Doch es verlief anders. Die Elfen hatte ein riesigen Stern dabei, und sangen: „Du bist der neue Weihnachtsbaum, sei selbstbewusst und schön!“

Sie erschrak, als sie die Augen öffnete. Geschlafen hatte sie nicht, sie saß kerzengerade auf ihrem Stuhl. Wahrscheinlich war sie wieder in ihrer Fantasiewelt. Sie ging summend runter und entdeckte den Tannenbaum. Sie zögerte, doch dann streckte sie ihre Hand und streichelte die Nadeln des Baumes.

Es ist ein komisches Gefühl, wenn jemand sich selbst überredet, dachte sie, und ging raus in die frische Luft.

Türchen 8

geschrieben von LAK

Advent

Night

Nightengales fly

as they dip into the sky

seeking the Wise

who have begun to rise

They crook their necks

as they begin to peck

among the wreck

of old forgotten times

They hop about

going bippity bop

as if they are to telling you

there are memories under your shoes.

They besiege a tree

and bow their heads in harmony

as they dwell upon

a fallen camaraderie.

They are the night among day

the thieves of small things

they are the Wise. 

Türchen 9

geschrieben von Nadine Diab

Der einäugige Stutenkerl

 

An jenem Morgen hatte es in der Hermetischen Gasse zu schneien begonnen. Dicke Flocken wirbelten um die alte Villa, Hausnummer 7. Hermine Hermes und ihr Hund Kafka waren schon früh aufgestanden. Gemeinsam hauchten sie immer wieder ein Guckloch auf das beschlagene Fenster in Hermines Kinderzimmer und schauten auf die frostige Winterlandschaft vor ihrer Tür. „Schau mal, Papa hat gestern Nacht noch das Schild dekoriert!“, sagte Hermine und schaute Kafka erwartungsvoll an. Und wirklich. Grüne und rote Lichter, blinkende Sterne und Engel umrahmten die schon leicht verwitterte Reklame „Hundefriseur Hermann Hermes - Das Haupthaar ihres Herzchens ist mein Heiligtum“. „Also ich finde es kitschig“, erwiderte Kafka und kratzte sich erstmal ausgiebig. „Ich finde, er hätte es moderner gestalten können, nicht ganz so klassisch.“ Ihr müsst wissen, dass Kafka sich selbst für einen äußerst modernen Hund hielt, der seiner Meinung nach immer der Zeit voraus war. Von unten erklang eine Stimme. „Hermine, bist Du schon wach? Kannst Du mir helfen?“ Typisch Papa, dachte Hermine. Es vergeht auch kein Tag an dem er mal keine Hilfe brauchte. Sie sprang von der Fensterbank, schlüpfte in ihre Weihnachts-Rentier-Schuhe und zog ihren Bademantel an. „Komm, Kafka, wir gehen zu Papa!“ Der Foxterrier stand gelangweilt auf, gähnte und streckte sich, dann folgte er Hermine ins Erdgeschoss.

Hermann Hermes stand zwischen unzähligen Paketen. Sie alle waren von ihm fein säuberlich beschriftet worden. „Kugeln, Glocken“ stand auf dem einen. „Lametta“ auf dem nächsten. „Rentiere, Schafe, Wolpertinger“ auf einem anderen. „Hermine und Kafka, kommt her. Gott sei Dank seid ihr wach.“ Hermes strich sich das spärliche Haar von der einen wieder über die andere Seite seines Kopfes (eine Angewohnheit, die ihm seine Tochter seit Jahren vergeblich austreiben wollte). „Wir müssen hier unten wieder alles dekorieren und wir haben nur noch zwei Stunden Zeit. Dann kommt Frau Schnödewind mit Apollo.“ Kafka zog eine Augenbraue hoch und verzog hämisch sein Gesicht. Also ließ die Alte wieder ihren arroganten Pudel rosa färben und ihm die Krallen lackieren. Im Geiste malte Kafka sich schon aus, wie er Apollo morgen in seinen frisch gefärbten Schwanz zwicken und danach laut bellend wegrennen würde, als er von Hermine in die Seite gezwickt wurde. „Hey, jetzt hör zu, Du musst das Tannengrün in den Ecken verteilen. Danach setze ich dann die Rentiere rein.“

Nach fast zwei Stunden waren die Drei fertig und kein Winkel war mehr im Erdgeschoss frei. Alles leuchtete, blinkte und duftete nach Weihnachten. Hermine und Kafka setzten sich erschöpft neben eine riesige Krippe. „Jedes Jahr das gleiche Theater. Wieso macht er das immer auf den letzten Drücker“, seufzte Hermine und zupfte Kafka Tannennadeln und Lametta aus seinem Bart. Hermann Hermes hatte sich Engelsflügel aufgesetzt, schwang einen goldenen Stab in der linken und wedelte mit einer Tüte in der rechten Hand. Dann tänzelte er auf Zehenspitzen zu den Beiden hin. „Guten Tag, wertes Frollein Hermine“, flötete er und überreichte Hermine die Tüte. „Ich bin die Fee Killevips und habe ein Geschenk für Euch. Habt gut acht, das kleine Männlein ist mehr als es zu sein scheint.“ Hermine öffnete die Tüte, ein süßer Duft stieg empor und in ihren Händen hielt sie einen Stutenkerl. „Aber, aber der hat ja nur ein Auge“, sagte sie enttäuscht. „Liebes Kind, lass Dir von der alten Killevips sagen, dass unter den Blinden der Einäugige König ist. Ja, ja, ja!“ Es klingelte. Das waren sicher Frau Schnödewind und ihr Königspudel Apollo. Hermann Hermes rannte zur Tür. „Papa, die Flügel“, rief Hermine noch, aber Hermes hörte sie in seinem Eifer schon nicht mehr. Mit einer sichtlich erstaunten Frau Schnödewind und einem noch erstaunteren Apollo ging Hermes in das Untergeschoss der Villa, denn dort befand sich sein Salon. „Frau Schnödewind, Sie folgen mir unauffällig wie immer“, witzelte er und Hermine verdrehte die Augen. Jedes Mal dieselben blöden Witze. „Und, was machen wir jetzt?“, fragte sie Kafka. „Wir könnten nach oben gehen und den Stutenmann ins Bein zwicken.“ „Ach komm, der arme Kerl hat doch nur ein Auge. Wir wollen ihm nicht noch sein Beinchen nehmen!“ „Vielen Dank“, piepste da eine leise Stimme. „Es ist keine schöne Vorstellung gefressen zu werden.“ „Du kannst sprechen?“, fragte Hermine das Männchen in ihren Händen verblüfft. „Natürlich, wir alle können sprechen. Wir sagen nur nichts, weil wir am liebsten schweigend unser Ende hinnehmen. Das macht es nicht noch schwerer.“ Hermine streichelte den einäugigen Stutenkerl und gab ihm einen Kuss auf seine duftende Wange. „Hier brauchst Du keine Angst zu haben. Stutenkerle werden bei uns nicht gefressen.“

So kam es, dass der einäugige Stutenmann bei Familie Hermes eine wundervolle Weihnachtszeit verbrachte, auch wenn Kafka ihn manchmal heimlich in seine Beinchen zwickte. Und als er nach einigen Wochen nicht mehr so gut laufen konnte, weil sein Teig die üblichen Alterserscheinungen zeigte und ein wenig trocken wurde, setzte ihn Hermine in einen kleinen Sessel und hüllte ihn in eine kuschelige Decke ein. Und da sitzt er immer noch, nuckelt an seiner Pfeife und schaut vorwitzig mit seinem Rosinenauge in der Gegend umher.

Türchen 10

geschrieben von Plimaus

In dicken Flocken fällt der Schnee

 

Ich sah aus dem Fenster. Wir hatten schon Mitte November und bald war Weihnachten, aber es war immer noch kein Körnchen Schnee auf die Erde gefallen. Letztes Jahr um diese Zeit war die Erde zwar auch nicht weiß gewesen, denn der Schnee war schnell wieder geschmolzen, aber geschneit hatte es schon mal. Ich blinzelte. Was war das? Angestrengt beobachtete ich das weiße Gebilde, das langsam in Richtung Boden segelte und schaute ihm nach, bis ich es aus den Augen verlor. Doch sofort entdeckte ich noch eins und noch eins. Es wurden immer mehr. Auf der anderen Straßenseite sah ich das kleine Mädchen ans Fenster laufen, und ich sah auch ihr enttäuschtes Gesicht, als sie bemerkte, dass es sich nur um eine Feder handelte. Ich wusste, wenn ich kein so feines Gespür für das Wetter, besonders für Schnee gehabt hätte, hätte ich ähnlich geschaut. Ich wusste immer, wie das Wetter wurde, und ich wusste, wann es Schnee gab. Aber ich wusste auch, das meine Schwester und ihre Freundin oben eine Kissenschlacht machten, und wie oft das dazu führte, dass das gesamte Zimmer danach voller Federn waren, die meine Schwester für ihr Leben gern aus dem Fenster warf.

Ich seuzte und widmete mich wieder meinen Mathehausaufgaben. Nach einer gefühlten halben Stunde war ich endlich fertig. Ich steckte mein Heft in den Schulranzen, setzte mich auf meine Fensterbank, die ich mit Kissen gepolstert hatte, und sah wieder aus dem Fenster. Mittlerweile flogen keine Federn mehr an meinem Fenster vorbei, und so schnell würden auch keine mehr kommen, denn meine Schwester und ihre Freundin saßen unten vor dem Fernseher.

Plötzlich spürte ich ein leichtes Kribbeln im Bauch, das immer heftiger wurde. Ich warf einen kurzen Blick aus dem Fenster, aber da es noch nichts zu sehen war, lief ich zur Zimmertür, zog meine Jacke und meine Schuhe an und lief dann nach unten. Als ich am Wohnzimmer vorbeilief, steckte ich kurz den Kopf durch die Tür. Meine Schwester wusste was los war, sobald sie mein Gesicht sah. Sie sprang auf, aber ich war bereits draußen und sah mich um. Noch schneite es nicht, aber mein Gefühl sagte mir, dass das nur noch eine Frage der Zeit war. Atemlos erreichte meine Schwester die Tür, doch bevor irgendwer etwas sagen konnten explodierte das Kribbeln in meinem Bauch und die ersten Schneeflocken fielen vom Himmel.

Immer und immer mehr Flocken fielen auf die Erde. Ich breitete die Arme aus und drehte mich lachend im Kreis.

Es fielen immer mehr und immer dickere Flocken und schon bald waren wir über und über mit Schnee bedeckt, genauso wie unsere komplette Umgebung.

Es war fantastisch. Überall in den Fenstern leuchtete Weihnachtsdeko und ließ den Schnee wunderschön glitzern.

Türchen 11

geschrieben von Lina

9. Dezember - Ein traditioneller Opatag

 

Heute war ein schöner Tag. Das fand auf jeden Fall Tommy, denn heute konnte er endlich mal wieder seinen Opa im Seniorenheim besuchen gehen. Seine Mama und er konnten lange nicht mehr hingehen, aber an diesem schönen Dezembertag schafften sie es zum Glück. Tommy malte Opa noch ein Bild und Mama backte Kekse und dann gingen sie los zum Seniorenheim. Tommy fand das alles ziemlich aufregend und wollte immer rennen, doch Mama verbot es ihm, weil es draußen auf den Gehwegen so glatt war. Diese Nacht war es mindestens minus zwanzig Grad kalt gewesen! Bald konnte Tommy das Heim durch die beschneiten Bäume sehen. Da lief er noch ein kleines bisschen schneller.

Endlich waren sie da und Opa wartete auch schon auf sie. Im Heim lag kein Schnee und so konnte Tommy rennen und sich seinem Opa in die Arme werfen. Der freute sich mindestens genauso doll wie Tommy. Da kam Mama und Opa freute sich noch mehr. Nachdem auch Mama gedrückt wurde, gingen die drei in das Zimmer von Opa. Er hatte extra aufgeräumt, damit sich Tommy auch wohlfühlte. Mama hing die Jacken an der Garderobe auf und packte die Kekse aus und gab Tommy das Bild. Tommy gab das Bild dann Opa und machte mit seinen Fingern Zeichen. Die verstand Opa nicht und das fand er schade. Mama musste übersetzen. Tommy war stumm und musste immer mit seinen Händen Zeichen machen, um was zu sagen. Das fand er nicht so toll, doch er wollte Opa unbedingt sagen, dass das Bild nur für ihn war und dass er ihn und sich gemalt hatte, beim Schneemannbauen im Garten von Opas Heim. Mit Mamas Hilfe verstand Opa es dann auch und da freute sich Opa noch mehr über das Bild. Mama öffnete die Dose mit den Keksen aus und so saßen sie um den Tisch und aßen sie. Mama und Opa redeten und Tommy machte Zeichen, die Mama dann übersetzte. Irgendwann brachten sie Opa auch Zeichen bei, doch die vergaß er immer ganz schnell wieder, sodass Tommy es sehr lustig fand.

Später gingen sie noch im Garten spazieren. Ein Pfleger hatte extra einen Weg zum Spazieren gehen freigeräumt. Opa freute sich, weil er so besser vorankam und Tommy freute sich, weil er rennen durfte. Irgendwann waren sie mit dem Rundweg fertig, doch Tommy wollte unbedingt noch einen Schneemann bauen, wie auf dem Bild. Opa wollte das auch, nur er konnte sich nicht mehr so gut bücken. Also rollte Tommy mit Mama die Schneekugeln und Opa ging ins Heim zurück, um nach einer Karotte zu fragen. Bald kam er mit einer ganz großen wieder und freute sich, als er Tommy so glücklich spielen sah. Bald darauf war der Schneemann fertig. Ein bisschen schief war er geworden, aber Mama fand, dass er trotzdem der schönste Schneemann auf der ganzen Welt war. Da strahlte Tommy und machte Zeichen. Mama sollte ein Foto machen. Von Tommy, Opa und dem Schneemann. Das machte Mama sehr gerne. Anschließend gingen die drei wieder ins Heim, weil ihnen kalt war. Sie setzten sich ins Café und bestellten drei heiße Schokoladen. Tommys Lieblingspfleger kam und brachte die dampfenden Becher. Da saßen sie noch eine ganze Weile und unterhielten sich.

Um sechs Uhr mussten Tommy und Mama gehen. Sie drückten Opa nochmal und versprachen noch vor Weihnachten vorbeizukommen. Da hatte Tommy eine Idee. Opa verstand sie natürlich erst nicht, aber nachdem Mama es ihm erklärt hatte, freute er sich riesig und drückte Tommy zum dritten Mal an diesem Tag. Opa würde Weihnachten mit Tommy und Mama verbringen. Darauf freute er sich schon so und konnte es gar nicht mehr abwarten, bis Weihnachten war.

Türchen 12

geschrieben von Lollypop

Türchen Nummer 12

 

Am 7. Dezember wurde die erste Kerze des Adventskranzes angezündet.

Der Bürgermeister hatte dieses Jahr ein Projekt gemacht und bei der Rathausuhr die 12, 3, 6 und die 9 mit riesigen Glühbirnen ersetzt. Und ab heute leuchtete die 12.

Bill und Marine saßen auf der Straße und beobachteten stumm, wie die halbe Welt an ihnen vorbeilief. Vor ihnen wurde eine Mütze hingelegt, wo ein paar Kleingeld zu sehen war. „Komm, Marine“, meinte der Junge und zog sie hoch. „Lass uns heute zum Rathaus gehen, bevor wir in unser Heim zurückkehren.“ Das Mädchen nickte und richtete ihre braunen Rehaugen auf die riesige Uhr, die weit entfernt von ihnen leuchtete. „Das wird nicht sehr kurz werden, die Reise“, meinte sie. Bill zuckte die Achseln. „Mag sein. Doch das Rathaus ist echt schön. Ich war einmal da.“ Marine stand da, ein Fragezeichen war auf ihrer Stirn zu sehen. Doch er schwieg. Sie wollte gerade ihren Mund aufmachen, doch dann entschied sie sich dagegen und hob die zerfetzte Mütze auf. „Lass uns gehen.“

So liefen sie eine halbe Stunde lang die endlos scheinende Straße entlang. Einige Menschen schauten sie missbilligend an, andere einfach nur mitleidig. Doch die Kinder kümmerte es überhaupt nicht. Nichts kümmerte einen, wenn man genug zufrieden war mit dem, was man hat.

Sie waren vor dem Rathaus. Es wurde dunkler und kälter. Schnee erwarteten sie nicht, dafür war es noch nicht ganz so kalt, aber ihre Hände froren trotzdem. Sie standen einfach da, den Kopf im Nacken, um die Uhr sehen zu können, die riesige, leuchtende Uhr.

„Schön, was?“, fragte eine tiefe Stimme neben ihnen. Die Kinder schauten nicht zu dem Mann, ihre Augen waren nur auf die Lichter gerichtet, doch hören konnten sie noch. „Ja“, antwortete Marine. „Faszinierend“, kommentierte Bill. „Ich freue mich, dass sie euch gefällt.“ Sofort fuhren die beiden auf. Der Bürgermeister?

Er lachte, als sie verwirrt zu ihm schauten. „Ja, ich bin’s“, gab er schließlich zu. Dann holte er ein kleines Päckchen aus seiner Jackentasche heraus. „Hier. Das sollte eigentlich für meine Tochter sein, aber ich kann bis Weihnachten noch ein anderes besorgen. Der ist für euch. Ein frühes Weihnachtsgeschenk von mir.“ Er reichte Marine die Kiste und stiefelte davon.

Er ließ zwei Kinder zurück, die mit offenem Mund dastanden.

„Machen wir die Kiste auf?“, fragte Bill neugierig, doch Marine schüttelte heftig den Kopf. „Frühes Weihnachtsgeschenk, hatte er gesagt. Lass uns bis Weihnachten warten. Das sind doch nur noch 17 Tage.“ Er nickte leicht zustimmend und so gingen sie Hand in Hand nach Hause.

Kein anderer war so glücklich wie Bill und Marine jetzt waren.

Denn zum erstem Mal in ihrem Leben hatten sie etwas geschenkt bekommen.

Türchen 13

geschrieben von Charlotte

Leben

 

Siehst du die Vögel,

Wie sie fliegen,

Wie sie singen,

Die Schwerkraft besiegen.

 

Frei wie ein Vogel,

Ohne jeden Schuh,

So tanze ich

Im Rhythmus der Natur.

 

Fühle jedes Blatt,

Jedes kleinste Tier,

Die Luft ...

Das Leben fließt in mir.

 

Schritt für Schritt,

So wird's gemacht,

Ich drehe mich

Bis in die Nacht.

 

Selbst wenn ich schlafe,

Bleibt die Welt nicht stehn',

Sie dreht sich weiter,

Lässt das Wunder "Leben" geschehn'.

Türchen 14

geschrieben von Lina

7. Dezember - Eine Weihnachtliche Familie

 

Es war ein herrlich schöner Dezembertag. Die Sonne schien am wolkenlosen Himmel auf den frischgefallenen Schnee. Mindestens einen Meter hoch war es dieses Mal und die Meteorologen der Stadt sagten voraus, dass die Chancen gut ständen, dass auch an Heiligabend noch etwas davon übrig war. Das hoffte ganz besonders die Familie Bergmann, die heute am zweiten Advent zusammen in der Küche saß und frühstückte. Papa Lukas trank noch seinen Kaffee, während die beiden Kinder Hanna und Paul bereits mit ihren kleinen Geschenken aus dem Adventskalender spielten. Auch Mama Doris konnte den Morgen genießen, da sie heute keine Frühschicht als Ärztin im Krankenhaus hatte: „Wie wäre es, wenn wir heute nochmal Plätzchen backen? Die Dose ist schon fast wieder leer.“, schlug Mama Doris vor und die Hanna hörte sofort auf zu spielen: „Aber nicht wieder die doofen mit Marmelade, sondern die richtigen mit Zucker!“ Papa Lukas lachte: „Klar, heute dürft ihr euch aussuchen, welche Plätzchen wir backen.“

Das taten sie dann auch, gleich nach dem Frühstück. Mama Doris holte das große Familien-Plätzchen-Backbuch aus dem Schrank. Paul wollte unbedingt die mit den Gesichtern, aber Hanna fand: „Das ist doch nicht für Weihnachten!“ Sie wollte lieber rosafarbene Kekse, doch Paul wandte ein: „Das ist aber auch nicht weihnachtlich!“ Schließlich war Mama Doris die Rettung, denn sie fand welche, die man so verzieren konnte wie man wollte. Trotzdem sahen die dabei noch weihnachtsmäßig aus. Zuerst wurde der Plätzchenteig gebacken und dabei konnten Hanna und Paul noch nicht so viel helfen, also gingen sie in Pauls Zimmer, um währenddessen mit Lego zu spielen. Doch etwas stimmte nicht. „Was ist denn mit dir los?“, fragte Hanna ihren 2 Jahre älteren Bruder. „Ich glaube es gibt gar kein Weihnachten!“, behauptete Paul und guckte dabei ganz traurig. „Wieso das denn nicht?“, wollte Hanna natürlich sofort wissen. „In der Schule hat Laurent erzählt, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt und das heißt: Es gibt auch kein Weihnachten!“, schluchzte Paul und ließ sich auf sein Bett fallen. Hanna war noch im Kindergarten und konnte es gar nicht glauben. Nach einer Weile beruhigte sich Paul wieder und beide saßen wie gelähmt auf seiner Bettkante. Es sollte keinen Weihnachtsmann geben? Hanna konnte dies gar nicht glauben: „Aber warum kriegen wir denn dann Geschenke?“, fragte sie. „Laurent meint, dass das alles die Eltern machen würden.“, schniefte Paul. Da musste auch Hanna weinen. So machte der zweite Advent echt keinen Spaß! 

Auf einmal hörten die beiden ein leises Klopfen am Fenster. Hanna erschrak, aber Paul ging mutig zum Fenster und öffnete es. Beide konnten es kaum glauben. Da stand ein kleiner, dicker Mann mit einem braunen Mantel und einer Zipfelmütze. „Guten Morgen ihr Lieben. Darf ich reinkommen?“ Die Stimme des Mannes klang nett, also ließ Paul ihn in sein Zimmer. Da stand er nun und schüttelte den Schnee aus seiner Jacke, nachdem er sie ausgezogen hatte. „Was habt ihr denn?“, fragte er und hopste erst auf den Nachtschrank und dann auf Pauls Bett. Von dort aus kam er nur schwer voran, bis er bei Hanna angelangt war. Zuerst wich sie zurück, doch dann tat ihr der kleine Kerl leid und sie blieb sitzen: „Wer bist du denn?“, fragte sie. Der kleine Mann schnaufte vor Anstrengung: „Ich heiße Polluck und bin zweiter Assistenskobold in der Weihnachtsabteilung Aufklärung zum Glauben an den Weihnachtsmann. Ich musste unbedingt zu euch kommen. Mein Weihnachtskomponat schlug wie wild aus.“ Er zog ein kleines Gerät heraus, das aussah, wie ein kleiner Kompass. Es gab aber nur einen Zeiger, der sich wild in alle Richtungen bewegte. „Also ich versteh gar nichts mehr!“, stöhnte Paul.

Eine halbe Stunde später waren dann aber alle Fragen geklärt. Polluck kam von der Weihnachtsinsel Schneesturm ganz im Norden. „Dort wohnte auch der Weihnachtsmann“, hatte er erklärt. Neben dem Weihnachtsmann, den es offensichtlich also doch gab, lebten dort noch viele Kobolde und arbeiteten für ihn in den verschiedensten Abteilungen, wie im Sahnebonbonherstellen, Geschenke einpacken, Rentiere putzen und, so wie Polluck, in der Abteilung zur Aufklärung an den Weihnachtsmann. Dort arbeitete er mit seinen Kollegen daran, dass die Kinder der Welt immer an den Weihnachtsmann glauben, denn dies sei ein großes Problem. „Viele Kinder wollen einfach größer werden und da gehört offenbar auch dazu, nicht mehr an meinen Chef zu glauben.“, erzählte der Kobold traurig, „aber dafür bin ich ja da! Ich besuche die Kinder und berichte ihnen von meinem Leben.“ Hanna und Paul waren glücklich. Den Weihnachtsmann gab es doch! Laurent würde etwas zu hören bekommen, dass nahm sich Paul ganz fest vor. Da rief Mama Doris: „Ihr könnt jetzt kommen, der Teig ist fertig!“ Hanna schüttelte dem Kobold die Hand und auch Paul verabschiedete sich: „Keine Sorge, ich komm euch mal wieder besuchen.“, versprach Polluck und Hanna öffnete ihm das Fenster, sodass er herausklettern konnte. Er winkte noch einmal und war dann ganz plötzlich verschwunden. Die beiden Kinder lächelten, winkten dem Fenster nochmal zu und liefen dann überglücklich in die Küche zum schönsten Plätzchenbacken ihres Lebens!

Türchen 15

geschrieben von LAK

Advent II

 

the snowy angels

dash about

dusting roofs

and hoofs

scattered about

each claiming their way

Some singing

others praying

Some writing

others dancing

yet marking

their territory of yester year

saying they are home

 

Dazzling light springs like a kite

through brambles and troubles all about

cobwebs and bunnies

hence forth discovered

whilst secrets rest in their lair beneath the grout

 

The dirt is gone

yet there are still swan songs

to be sung

Of reveleries

and troubles

to fuflfill tea cups

 

Steam from cups

heat the liquid

like clay on rough edges

filling cracks

scalding wounds

realeasing built up tension

 

It crunches

it falls

Türchen 16

geschrieben von Susan

Áfram, die vorwärts Gehende – oder wie ein Baum in unsere Wohnzimmer kam

 

Es begab sich vor einigen Hundert Jahren hoch oben im Norden, dass eine junge reidgotische Wikinger-Kriegerin, eine Berserker, sich auf ihre erste und wichtigste Reise begab. Áfram war ihr Name, Kriegerin der Rose. Áfram war die Tochter eines großen Princeps namens Erik, doch ihr Vater war bereits vor einigen Jahren auf einer Reise verschollen. Gemeinsam mit elf seiner Männer hatte er abgelegt, doch niemand von ihnen war zurückgekehrt. Erik war nie mit mehr als zwölf Berserkern in Schlachten oder auf Reisen gewesen. „Man sollte dem Gegner immer eine faire Chance lassen“, hatte er einmal zu Áfram gesagt. Und niemals hatte Erik eine Schlacht verloren. Immer war er zusammen mit all' seinen Männern siegreich zurückgekehrt. Doch als er vor einigen Jahren aufbrach, das Ende der Welt zu suchen, kehrte er nicht zurück und auch die anderen elf Berserker blieben verschwunden.

An dem Tag, an dem Áfram ihre Ausbildung zur Berserker beendete, brach sie auf. Allein. Sie hatte kein Schiff zur Verfügung, denn mit dem einzigen, welches ihr Volk besaß, einer Knorr, war ihr Vater verschwunden. So blieb ihr nur ein kleines Segelboot. Sie hatte niemandem von ihrem Vorhaben berichtet und segelte mitten in der Nacht davon. Zunächst glaubten die Reidgoten an Áfram' Entführung, doch als sie das verschwundene Segelboot bemerkten, wurde klar, dass sie allein aufgebrochen war. Monatelang hörte niemand von ihr und auch Erik, seine elf Berserker und die Knorr blieben verschollen. Zehn Monate lang tauchte Áfram nicht wieder auf und zehn Monate lang herrschte der Winter im Lande der Reidgoten. Schnee und Eis wohin sie nur blickten und nicht ein Fleckchen grün war zu sehen. Sie mussten sich von Fischen, die sie aus dem zugefrorenen Meer angelten ernähren, um nicht zu verhungern.

Im elften Monat aber wurde es ein wenig wärmer und die Reidgoten schöpften Hoffnung. Das erste Zeichen dafür, dass der Boden unter all' dem Eis noch fruchtbar und lebendig war, stellte der Sprössling eines Nadelbaums dar. Die Menschen hegten und pflegten ihn, damit er die eisigen Temperaturen überstand und nach einiger Zeit wuchsen weitere Pflänzchen aus der eisigen Erde und es wurde sogar ein wenig wärmer. Im zwölften Monat nach dem Verschwinden von Áfram wurde es endlich Frühling. Die Reidgoten jubelten und veranstalteten ein großes Fest. Es wurde rund um den jenen ersten Nadelbaum getanzt, gesungen und gelacht, welcher das Ende des langen Winters verkündet hatte. An jenem Abend gab es erneut Grund zur Freude, denn als das Volk der Reidgoten um den Baum versammelt war, legte die vermisste Knorr unten am Hafen an. An Bord befanden sich Princep Erik mit seinen elf Berserkern sowie seiner Tochter Áfram. Die Krieger kehrten mit Geschenken für jeden einzelnen Reidgoten zurück und hatten genug Lebensmittel dabei, um sie alle für einige Monate zu ernähren.

Wo sie all' die Zeit gewesen waren, was sie erlebt hatten und wie sie an die vielen Gaben gelangt sind, ist nicht überliefert worden, doch noch heute feiern wir am Ende des zwölften Monats ein Fest unter einem Nadelbaum, wir essen und trinken und übergeben uns gegenseitig Geschenke, um an die heimgekehrten Berserker zu erinnern und an den kleinen Nadelbaum, der, als Zeichen für das Ende des Winters, den Menschen neue Hoffnung gab.

Türchen 17

geschrieben von Recklessfan

Der Wunderstollen

 

Es war einmal in der Adventszeit in einem kleinem Dorf, in dem lebte Grace McFear mit ihren drei Brüdern. Ihre Eltern sind vor einem Jahr gestorben und seitdem kümmerte sie sich um ihre Brüder. Sie lebten in einem Waisenhaus, das gerade in einer Hungersnot war. Es gab nur sehr wenig Essen für jeden. Das Waisenhaus war sehr arm und konnte deshalb wenig für die vielen Kinder tun.

Eines Tages wurde es immer kälter und ihr Essen immer knapper. Kurz vor Weihnachten wurden ihre drei Brüder sehr krank und Grace hoffte, dass sie Heiligabend noch bei ihr sein werden. Also pflegte sie die kranken Jungen so gut es ging und munterte sie auf. Sie sangen miteinander Weihnachtslieder, spielten Gesellschaftsspiele und tranken Tee. Doch bis Weihnachten ging es ihnen nicht gerade besser. Am Morgen von Heiligabend starrten die Waisenkinder mit glitzernden Augen aus dem Fenster und schauten den Arbeitern dabei zu, wie sie den großen Weihnachtsbaum aufbauten. Alle außer Grace Brüder, die mit hohem Fieber im Bett lagen. Den ganzen Tag hatte Grace Angst sie zu verlieren; ihre einzige Familie. Im Waisenhaus wurde kein Weihnachten gefeiert, aber ein paar saßen zusammen und lasen sich aus ihren wenigen Büchern vor. Ihre Brüder fragten sie, ob sie nicht auch mal wie die anderen Kinder der Stadt ein richtiges Weihnachtsfest feiern könnten. Grace sagte nichts, denn sie wollten ihren Brüdern keine falschen Hoffnungen machen.

Am Abend ging es ihren Brüdern leider schlechter und mit zittriger Stimme laß sie ihnen ihre Lieblings Weihnachtsgeschichte vor. In der Geschichte aßen sie Christstollen und der Jüngste der drei Brüder meinte, wie schön es wäre genau so einen jetzt zu essen. Und da Grace Angst hatte, dass dies der letzte Wunsch ihrer Brüder wäre, ging sie in die Gemeinschaftsküche und suchte nach den Zutaten eines einfachen Stollen. Es wurde auch ein sehr einfacher, denn sie fand die wichtigsten Zutaten, Rosinen und ein paar Gewürze. Sie machte einen schnellen Hefeteig und fügte noch Rosinen und von jedem Gewürz etwas herein. Schnell kam der Stollen über das Feuer, das bereits brannte und ungeduldig wartete Grace darauf, dass er fertig wird. Endlich war er nach zehn Minuten fertig und vor Eile verbrannte sie sich am Stollen. Sie schnitt ihn in vier Stücke, legte sie auf einen großen Teller und lief wieder in den Schlafsaal. Dort lagen ihre Brüder mit hohem Fieber im Bett und versuchten für ihre Schwester durchzuhalten. Doch als sie den Stollen sahen leuchteten ihre Augen und gemeinsam aßen sie ihren Weihnachtsstollen und schliefen schnell ein. Doch Grace konnte nicht schlafen, denn ihr Stollen könne ja nicht ihre Brüder heilen, doch schließlich schlief sie auch noch ein.

Am nächsten Tag aber war das Fieber wie durch ein Wunder verschwunden und glücklich weckten die Jungen ihre große Schwester, um ihr diese erfreuende Nachricht zu sagen. Müde wachte Grace auf, doch als sie die frohen Gesichter ihrer Brüder sah, war sie plötzlich hellwach. Sie fragte sie, was passiert sei und sie sagten ihr, dass sie über Nacht gesund wurden. „Du hast uns halt einen Wunderstollen gezaubert!“ sagte der Jüngste von ihnen und hüpfte auf den Schoß seiner großen Schwester. In dem Moment, in dem sie von ihrem Wunderstollen erfuhr, verschwand ihre Angst und sie freute sich sehr.

Das Leben der Jungen veränderte sich auch, denn als sie erwachsen waren fanden sie wunderschöne Ehefrauen, der Jüngste wurde zum Entdecker für unerforschte Orte des Kaisers ernannt, der Zweitjüngste wurde zum General der Armee, der Älteste studierte Jura und wurde ein erfolgreicher Richter und Grace machte eine Bäckerei auf, die ihre Brüder finanziert haben. Doch das Rezept des Wunderstollen bleibt Grace McFear's Geheimnis.

Türchen 18

geschrieben von Fuchsflamme

Wintermärchen

 

Als sie aus dem kleinen Allerleikrimskramsladen kamen, hatte es wieder begonnen zu schneien. Normalerweise hätte Red sich über das kalte Weiß gefreut. Aber nicht um diese Zeit. Der Raureif glitzerte auf den Stämmen und den harten, gefrorenen Waldwegen, Berge aus Schnee, die einem bis zu den Knöcheln reichten, eine Kälte, das einem der Atem weiß von den Lippen hing - und das alles mitten im Juli.

Gerüchten zufolge hatte die Schneekönigin das gesamte Land eingefroren. Als angebliche Strafe für all jene, die seit jeher ein glückliches und unbeschwertes Leben führten. Zudem sollten die, denen das Unheil wie Schneckenschleim auf der Haut klebte, sich mit ihnen verbündet haben.

Red streifte sich ihren langen, klatschmohnroten Seidenmantel über und zog sich die Kapuze über den Kopf. Sie trug dicke, pelzgefütterte Stiefel und Handschuhe. Um ihren Hals schlang sich ein Wollschal. "Warum bist du mir gefolgt?", fragte sie ihren Begleiter, während sie zu einem Schlitten gingen, gezogen von einem Rentier, das im Schnee nach Grasresten suchte.

Der Junge trug mehrere Kleiderschichten übereinander und sah dadurch aus wie ein abgemagerter Grizzlybär, dem der Reif im Pelz steckte. Er erwiderte: "Ganz einfach. Was auch immer du vorhast, du kannst das unmöglich alleine schaffen." "Ich bin kein kleines Kind mehr, Hannes", erwiderte Red. Beschwichtigend hob er die behandschuhten Hände. "Das habe ich auch nicht in Frage gestellt, Red", erwiderte er, "Trotzdem, du wärst erfroren, hättest du den Allerleikrimskramsladen nicht gefunden. Wie weit, denkst du, kommst du in der Tundra? Keinen halben Meter."

Red seufzte. "Du hast ja Recht", murmelte sie Inzwischen standen sie vor dem Schlitten. Das Rentier hörte auf im Schnee zu scharren. Stattdessen versuchte es seine breite Nase in Hannes' Manteltasche zu stecken. "Rudolph!", rief dieser, "Hör auf! Du kriegst ja die letzte Möhre." Er reichte dem Tier etwas, das mehr an eine Schwarzwurzel erinnerte, die jemand orange angemalt hatte. Dieses zerkaute sie begeistert.

Hannes stieg auf den Schlitten. Er hielt Red die Hand hin. Während die junge Frau sich hochzog, fragte er: "Also, was ist dein Plan?" Sie antwortete: "Wir müssen das Schloss der Schneekönigin finden. Sie ist die Einzige, die über diesen Winter Macht hat. Sie wird ihn wieder rückgängig machen können."

***

Das Rentier rannte mit schnellen Sätzen durch den Wald. Schnee stob unter den Schlittenkufen auf, welcher schlingerte und schlitterte. Die Achse knarrte. Inzwischen hatten Red und Hannes das Dorf, in dem sie lebten, verlassen. Der Wald, durch welchen Rudolph sie nun führte, war groß, dicht bewachsen, und so verwildert. Die Tannen verschränkten ihre Zweige und die dunkelgrünen Nadeln erstickten das Licht der fahlen Wintersonne. Das Holz knarrte und ächzte vor Kälte. Die einzigen Lebewesen, die Red entdeckte, waren einige Eichhörnchen, die die Stämme hoch flitzten, um sich in ihre warme Kobeln zu flüchten.

"Weißt du, wo der Palast liegt?", fragte Hannes, während er die Zügel locker in der Hand hielt. Red schüttelte den Kopf. "Nein, leider nicht. Aber ich denke, es liegt im Norden. Weil dort immer Schnee ist." "So weit", erwiderte der Braunhaarige mürrisch und rückte sich die Mütze ins Gesicht, "hätte ich auch gedacht."

Plötzlich riss Rudolph den Kopf hoch und blieb kerzengerade stehen. Er blähte die Nüstern und starrte mit geweiteten Augen gerade aus. "Rudi?", fragte Hannes und ließ die Zügel schnicken. "Rudolph? Ist alles in Ordnung?" Das Rentier schnaubte nervös und zuckte mit den Ohren.

Das sieht nicht gut aus. Red und Hannes tauschten einen besorgten Blick. Die Braunhaarige tastete mit der Hand nach dem langen Fleischermesser, das sie in einer Futterung in ihrem Hosenbein versteckt hielt. Falls jemand kam, würde dieser eine böse Überraschung erleben.

Bewegte sich da etwas zwischen den Zweigen? Red sah sich um. Sie kniff die dunklen Augen zusammen, versuchte das Dickicht aus Stämmen zu durchdringen. Aber alles sah so eigenartig gleich aus in dieser weißen Landschaft. Da! War da nicht eben Schnee runtergefallen? Red stand auf und spähte zu einer Fichte, deren Zweige im Wind zitterten.

Das leise Knurren ließ Rudolph sich aufbäumen und Red vor Schreck wieder auf ihren Sitz plumpsen. Ihr Kopf fuhr herum. Hannes versuchte verzweifelt sein panisches Rentier wieder unter Kontrolle zu bringen. Vor ihnen stand ein gewaltiger, schwarzer Wolf. Er hatte silbriges Fell an der Oberlippe und an seinen Flanken und Beinen mischten sich braun, grau und weiß in das Schwarz seines Pelzes.

Goldene Augen starrten sie an. Das Gesicht war Red vertraut. Spätestens als der Wolf mit tiefer, rauer, heiserer Stimme zu sprechen begann, erkannte sie ihn: "Wohin so früh, Red Riding Hood?" "Oh, nein, Biggs", rief Red wütend, "Noch einmal falle ich nicht drauf rein."

Biggs wandte den Kopf und legte die Ohren leicht an. "Oh, wie schade", meinte er, "Ich dachte, wir könnten uns so begegnen wie in alten Zeiten." Red zog das Fleischermesser hervor. Die gezahnte Klinge war dreißig Zentimeter lang. "Geh uns aus dem Weg, Wolf!", rief sie, "Sonst benutze ich das hier."

Der schwarze Wolf setzte sich gelassen auf den Boden. Er hob eine Pfote und begann sie mit seiner langen Zunge zu reinigen. Die Augen hielt er geschlossen. Nur ein schmaler, goldener Strich zeugte davon, dass er sie weiterhin beobachtete. "Das würde ich lassen", meinte er gelassen. Als das Mädchen drohend mit dem Messer vor seinem Gesicht rumfuchtelte, meinte Biggs trocken: "Steck das weg, Red. Es sieht lächerlich aus. Außerdem weiß ich auch so, wo ihr hinwollt."

Was? Vor Schreck hätte Red beinah die Waffe fallen gelassen. Sie starrte ihren alten Feind an, der sich so gar nicht um sie zu kümmern schien. Ein kurzer Anflug von Furcht machte sich in ihr breit. Konnte dieses Untier Gedanken lesen?

Als Hannes mit der Hand zu dem Gewehr an seinen Füßen tastete und dabei drohend sagte "Verschwinde endlich, Gaffer Wolf!", meinte Biggs: "Und du solltest die Flinte lieber stecken lassen. Ich hätte euch eh zwischen den Kiefern, bevor du abdrücken könntest." Er ließ die Pranke sinken und sah die beiden Jugendlichen mit seinen Bernsteinaugen an.

"Wo wollen wir nach deiner Meinung hin?", fragte Red und versuchte das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken. Sie hasste das! Das gibt es einfach nicht! Diese Bestie hatte sie schon wieder nur durch bloße Worte entwaffnet. Wie machte er das bloß?

Biggs erwiderte: "Ihr wollt die Schneekönigin Frieda besuchen und sie bitten, den Winter aufzuheben." Bei ihren erstaunten Gesichtern lachte er belustigt. "Das war nicht schwer zu erraten. Sogar ein Troll hätte das gekonnt. Ihr zieht nach Norden und dort liegt Friedas Schloss."

Red verengte die Augen. Warum sollten sie es leugnen, wenn der Wolf es ohnehin schon wusste? "Ja, wir gehen dorthin", sagte sie mit fester Stimme, "Und du wirst uns nicht aufhalten." Er lächelte. "Das war gar nicht meine Absicht. Ich wollte euch meine Hilfe anbieten."

Hannes und Red wechselten ungläubige Blicke miteinander. Furcht lag wie ein Keim darin. War dies ein schmutziger Trick? Schnell sagte der Dunkelhaarige: "Wir brauchen deine Hilfe nicht, Wolf." "Ach, nein?" Biggs grinste und entblößte die hinteren Zähne, gezackt wie der Kamm eines Berges. "Der letzte Mensch, der in Friedas Eispalast gelangen wollte, war ein Spion des Königs. Frieda hat ihn in einen Eisklotz eingefroren. Ihr könnt ihn gleich am Hang ihres Berges besichtigen. Ein abscheulicher Anblick und eine gute Drohung, um unliebsame Gäste fernzuhalten."

Red starrte auf ihr Fleischermesser. "Ich denke, du weißt trotzdem, wie man zu ihr gelangt." Biggs grinste so sehr, dass er alle seine speichelbesudelten Zähne in ihrer ganzen, tückischen Pracht zeigte. "Sicher." "Was willst du als Preis?" "Moment....!", setzte Hannes zum Protest an, dem klar wurde, was hier lief. Biggs schnitt ihm das Wort ab. Seine goldenen Augen taxierten Reds Körper wie eine appetitliche Frucht. "Das wird sich zeigen."

 

Der Wolf führte sie schnell und zügig durch den Wald. Red, Hannes und Rudolph hatten längst den begehbaren Weg verlassen. Biggs führte sie über einen verschlungenen, ausgetretenen, schmalen Trampelpfad. Der Schnee war hier teils platt getreten, doch am Rand immer noch flockig und weich. Die Fußabdrücke des Wolfes waren so breit wie Reds beide Hände und gut einen Zoll tief.

Biggs lief so schnell, dass Rudolph sich ziemlich anstrengen musste, um mitzuhalten. Mehrere Male mussten Red und Hannes aussteigen und den Schlitten aus langen, knorrigen Wurzeln, Steinen und Löchern befreien, in denen er sich verfangen hatte. Der Wolf selbst nahm davon kaum Notiz. Er lief weiter, unermüdlich und in schnellem Trab.

Erst als der Mond begann am Firmament entlang zu klettern und Red und Hannes gegen die Versuchung des Schlafes regelrecht ankämpfen mussten, legten sie eine Rast in einer Schlucht ein. In der Ferne zeichneten sich die ersten Berge ab.

Biggs verschwand in dem kargen Tannenwald, um zu jagen, und Red und Hannes begannen ihre Decken für die Nacht vorzubereiten. Ihr gemeinsamer Atem malte weiße Wolken in die Luft. "Wie kannst du ihm nur vertrauen?", fragte Hannes mit gedämpfter Stimme, während er Schnee zur Seite schob, damit der Boden darunter sichtbar wurde.

"Wir sind auf ihn angewiesen", erwiderte Red strikt. Unter ihren Armen trug sie gefrorene und schüttere Zweige, die sie zu einem Lagerfeuer aufschichtete. "Aber Red", hielt Hannes entsetzt dagegen und warf einen kurzen Blick zu Biggs, welcher gerade zurück kehrte. "Er ist ein Wolf! Nicht nur irgendeiner, sondern der Wolf. Den, den alle fürchten. Müsstest du ihn nicht am meisten fürchten? Nach dem, was er dir angetan hat?"

Red legte den letzten Balken weg und erhob sich. Unruhig und wütend glitt ihr Blick zu dem Untier, das in dem kalten Schnee lag. Ein schwarzes Ungetüm, dessen Boshaftigkeit wie Gift durch seine Adern floss. Biggs hatte den Kopf auf die Tatzen gelegt. Seine Schnauze war von Blut befleckt. Von wem ist es diesmal?, fragte Red sich schaudernd.

"Ich weiß, was er getan hat", zischte Red verbissen und begann den Zunder anzuzünden, damit sie sich endlich wärmen konnten. Wieder wanderte ihr Blick zu Biggs, der mit erhobenem Kopf dalag, die Ohren als Schutz vor dem kalten Wind angelegt. "Und ich habe es nicht vergessen. Niemals!"

Wie konnte sie auch? In ihren Träumen kam es immer wieder vor, dass Red in einem engen, dunklen Raum gefangen war, dessen schleimige Wände pulsierten und sich gegen sie drückten. In ihren Ohren war das Gurgeln und Glucksen der Magensäure, die sich durch ihre Kleider fraß, in der Hoffnung auf nacktes Fleisch zu treffen. In ihrer Nase der Geruch von Verwesung und in ihrem Herzen das Gefühl von Panik, Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

Das Feuer brannte inzwischen endlich. Hannes und Red legten sich unter ihre Decken. Sogar das Rentier Rudolph schien die Gefahr des Feuers der Gefahr gefressen zu werden vorzuziehen. "Glaub mir, Hannes", flüsterte Red in die Stille der Nacht, "Ich weiß mehr über Wölfe als du."

***

Sie brauchten drei volle Tage, um endlich den Berg zu erreichen, auf welchem das Schloss der Schneekönigin stand. Kalte Tage und frostige Nächte. Der Schnee fiel ununterbrochen und mehrere Blizzards sorgten dafür, dass ihr Weg zusätzlich erschwert wurde. Red hatte inzwischen drei Kleiderschichten übereinander gezogen, in der Hoffnung, nicht zu erfrieren.

Am Morgen des vierten Tages erreichten sie endlich den Hang, der nach oben führte. Red schauderte innerlich, als sie die Eisskulptur sah, von der Biggs gesprochen hatte. Der Mann hatte die Augen panisch geweitet und seine Arme schützend hochgerissen, während das weißblaue Eis ihn umschloss wie Bernstein ein Insekt.

Biggs stiefelte gerade langsam durch den Kniehohen Schnee, als der massive Wolf plötzlich innehielt und nach unten spähte. "Was ist?", fragte Hannes. Er und Red traten nun ebenfalls an seine Seite, um besser sehen zu können. Eine Gruppe von Reitern hielt in die Richtung des Berges. Die Pferde waren kräftig und ihr Fell glänzte. Uniformen wurden im schneedurchflockten Wind sichtbar und Schwerter glitzerten bedrohlich.

"Ist das nicht Prinz Charles?", fragte Red erstaunt. Hannes nickte. "Was macht der denn hier?", murmelte er. "Ich will es nicht wissen", knurrte Biggs und wandte sich ab, "Aber wir können von Glück sagen, wenn sie vom Kurs abkommen. Los jetzt! Wir haben noch einiges an Kletterarbeit vor uns."

Als sie endlich vor dem Schloss der Schneekönigin ankamen, konnte Red nur staunen. Das gesamte Gebäude war ein kunstvolles Gebilde, geschliffen wie ein Diamant. Hohe, gotische Fenster, bizarre Verschnörkelung an Säulen und Geländer, Fresken voller Blumen und Tieren. Und das alles aus blau, lila und weiß schimmerndem Eis.

"Wow", stammelte Hannes, der strahlte wie ein kleiner Junge, "Das ist genial! Ich liebe Eis." "Was soll das denn jetzt heißen?", fragte Red schmunzelnd. "Na ja, ich lebe vom Eisverkauf und so ein Kunstwerk. Das ist beeindruckend." Das Mädchen nickte nur. Ja, es ist wunderschön.

Es gab nur eine Tür, die man über eine lange Vortreppe erreichte, welche sich über eine Schlucht spannte. Red, Hannes und Biggs standen davor. Kurz zögerte sie, doch dann klopfte das Mädchen mit dem weinroten Mantel vorsichtig an. Die Tür schwang auf. Die Inneneinrichtung war mindestens genauso aufwändig und schön. Ein Kronleuchter, der verzweigt war wie eine Schneeflocke, hing von der Decke.

"Schneekönigin?", fragte Red leise, "Frieda? Eure Majestät? Seid Ihr hier?" Sie hatte keine Ahnung, wie man diese Person anzusprechen hatte. Suchend sah das Mädchen sich um. Dann lenkte eine hübsche Frau ihre Aufmerksamkeit auf sich.

Sie hatte eine hellweiße Haut und langes, platinblondes Haar, das zu einem einzigen Zopf geflochten war. Ihre Augen waren blau wie der Himmel an einem Wintertag und auch das schimmernde, hauchdünne, lange Kleid, welches sie trug, wies einen ähnlichen Farbton auf.

"Seid gegrüßt, meine Gäste", sagte die Frau, "Biggs, wer sind diese Menschen?" Der Wolf lief zu ihr. Dabei trat er so vorsichtig auf, als fürchte er, seine Krallen könnten den glatten Boden vernichten. "Dies sind Red und Hannes, Frieda", erklärte der Wolf und wies mit dem Schweif auf die beiden Fremdlinge, welche so gar nicht in diese Umgebung passen wollten.

Red riss die Augen auf. Das ist Frieda, die Schneekönigin? Sie wusste nicht, was sie erwartet hatte. Eine erwachsene Frau wohlmöglich, eine herrische, aristokratische Gestalt. Aber nicht dieses zarte, anmutige Ding, das kaum älter als sie selbst zu sein schien.

"Was wollt ihr hier?", fragte Frieda. Red holte tief Luft und machte einen Schritt vor sowie einen Knicks. "Königin Frieda, wir sind hier her gekommen, weil wir Sie bitten möchten, diesen Winter aufzuheben", sagte sie. Das folgende Lachen war leise, unschuldig und hell wie das eines Kindes. "Warum?", verlangte die Schneekönigin zu wissen.

"Das gesamte Land ist eingefroren", erwiderte das Mädchen in dem weinroten Mantel hastig, "Die Menschen werden erfrieren und verhungern. Bitte! Ihr seid die Einzige, die diesen Fluch aufheben kann. Nur Euch gehorcht die Tödlichste aller Jahreszeiten." Frieda erklärte: "Ich habe diesen Fluch gewählt, um euch etwas zu lehren. Eine Lektion zu erteilen. Seit Jahrzehnten herrscht in diesem Land ein ungeschriebenes Gesetz: Das Gute wird belohnt, das Böse wird bestraft. Ihr habt davon natürlich nichts bemerkt, weil ihr alle in eurer perfekten kleinen Welt lebt. Aber meinesgleichen kennt das Leiden. Nun seid ihr an der Reihe unseren Schmerz und Frust zu empfinden."

Frieda breitete die Arme aus, als wolle sie das ganze Gebiet umfassen. "Überhaupt! Was für eine Macht habt ihr, um diesen Winter zu stoppen? Um mich zu stoppen?" Wieder dieses engelsgleiche Lachen, bei dem Red sich die Nackenhaare aufstellten. Die Frau mit dem Herzen aus Eis.

Red nahm allen Mut zusammen. "Wieso? Ihr könnt es doch einfach wieder auftauen lassen." Frieda schüttelte den Kopf. "Nein", erwiderte sie. Ihre blauen Augen richteten sich auf den Wolf. "Biggs, geleite sie wieder nach draußen." "Aber - !", rief Red aus, als ihr Feind auf sie zukam, das dunkle Gesicht bar jeglicher Emotion. "Hinaus!", rief Frieda und die Zähne, die sich ihnen entgegen bleckten, waren Drohung genug.

Hannes und Red rannten aus dem Schloss wie fliehende Kinder vor einem Dämon. Hinter ihnen schlug die Tür zu. Und das Mädchen mit dem roten Mantel wollte am liebsten im Schnee versinken und weinen.

Türchen 19

geschrieben von Lina

18. Dezember: Weihnachtliches Chaos

 

„Nächster Halt: Bahnhofstraße“, informierte die Stimme aus dem Lautsprecher meine Fahrgäste. Ich schlängelte mich mit meinem Bus echt so schnell es ging durch die Autos, aber trotzdem hatte ich gut zehn Minuten Verspätung. Das würde meinen Chef nicht gerade freuen, wenn er sich die Zahlen heute Abend angucken würde. Doch nicht nur die ganzen Autos und die Ampeln waren Schuld. Viele der Fahrgäste hatten nun eine Woche vor Weihnachten noch so viel zu erledigen, dass sie mit zehn Tüten in den Bus stiegen. Bis diese Leute bezahlt hatten, all ihre Tüten genommen hatten und sich irgendwo in den sowieso schon vollen Bus gestellt hatten, war viel Zeit vergangen. Aber egal, mein Chef wusste genau, dass es um die Weihnachtszeit stressiger wurde. Ich freute mich schon riesig auf meinen Weihnachtsurlaub. Ich schaute auf die Uhr: Es war schon kurz vor sechs, gleich an der nächsten Haltestelle würde mich mein Kollege ablösen. Endlich, ich sah die Haltestelle, an der ich austeigen konnte.

Zehn Minuten später stand ich in der kalten Dezemberluft. Zu mir nach Hause sind es von dieser Haltestelle nur fünf Minuten und so ging ich entspannt los, den ganzen Stress vom Busfahren konnte ich immer auf meinem Heimweg verdauen und so entspannt zu meiner Familie kommen. Ich bog in eine Nebenstraße ein und steckte mir die Hände in meine Jackentasche, weil sie sonst abgefroren wären, bevor ich zu Hause ankommen konnte. Da war auch schon unser kleines Haus, in dem ich mit meinem Mann und meiner Tochter Lilian lebte. Gerade wollte ich unsere Haustür öffnen, da sah ich ein kleines, rotes Päckchen auf der Fußmatte liegen. Ich hob es auf und öffnete die Haustür. „Lilian, Thomas! Ihr müsst mal kommen!“, rief ich ins Haus, sobald ich meine Schuhe und meine Jacke ausgezogen hatte. Beide kamen aufgeregt angelaufen, sie wussten ja nicht, was passiert war. Das Päckchen hatte keinen Absender. „Vielleicht kommt es ja von unseren Nachbarn zu Weihnachten?“, vermutete mein Mann Thomas, doch ich erwiderte: „Eine Woche vor Weihnachten?“ Also mussten wir das Päckchen wohl öffnen, um mehr zu erfahren. Ich nahm Lilian auf meinen Schoß, denn wir hatten uns aufs Sofa gesetzt. Thomas brachte mir eine Schere und ich schnitt das Klebeband auf und öffnete den Karton. Es hätte wirklich nur etwas sehr Kleines reingepasst, aber was ich da auspackte, verwunderte mich doch sehr. Zuerst stob eine kleine Wolke aus goldenem Glitzer auf und landete auf dem Sofa. Lilian lugte gespannt in den Karton: „Jetzt mach weiter, Mama!“, bat sie, denn so ganz geheuer war ihr die Sache nicht. Ich tat ihr den Gefallen und griff hinein. Eine kleine Flasche lag in meiner Hand, die mit einem Korken verschlossen wurde. Ein Etikett hatte sie nicht, aber ein kleiner Zettel war um den Flaschenhals gewickelt. Lilian kippte den restlichen Inhalt des Päckchens aus. Noch mehr Glitzerstaub und ein Brief. Ich nahm den Brief in die Hand und las: Für Familie Klein Der Brief und die Flasche waren also eindeutig für uns bestimmt. „Lies du ihn vor.“, bat ich Thomas und er öffnete den Brief: 

Liebe Familie Klein, ich hoffe ich habe euch nicht sehr erschrocken, doch ich fand, dass die Flasche mit meinem Antistresstrank bei euch nötig ist, damit ihr auch noch weiter gut durch die kalte Jahreszeit kommt. Ich habe ihn selbst entwickelt. Außerdem habe ich das Rezept beigelegt, mit dem ihr den Trank nachkochen könnt. Bewahrt es gut auf, damit es euch keiner klaut, denn es ist unbezahlbar. Noch eine besinnliche Weihnachtszeit! Euer Weihnachtsmann P.S.: Falls ihr euch wundert, wie das Paket zu euch gefunden hat: Es war mein treuer Wichtel Zozi. Seid so lieb und stellte ihm eine Schale Milch vor die Tür, damit er genug Kraft hat, wieder zurück zu fliegen.

Wir guckten uns alle erstaunt an. Lilian sagte dann: „Wir haben Post vom Weihnachtsmann bekommen!“ Sie freute sich ziemlich, doch mein Mann und ich schauten uns zweifelnd an. „Wo ist denn das Rezept?“, fragte ich, denn ich war neugierig, was in diesem angeblichen Antistresstrank drin sein sollte. „Hier an der Flasche.“, Lilian löste den Zettel, der mit einem goldenen Draht befestigt war. Allerdings konnte sie noch nicht lesen und so las ich das Rezept:

Zutaten: 100g – gehackte Haselnüsse, 100g – Spekulatius, 50g – frischer Winterschnee, 50ml – frische Milch, 10g – goldener Glitzerstaub Zubereitung: Alle Zutaten, bis auf den Glitzerstaub vermischen. Diesen erst zuletzt hinzufügen, nachdem alles verrührt wurde.

Ich konnte es immer noch nicht glauben, doch Lilian und auch Thomas begannen schon den wertvollen goldenen Glitzerstaub, der auf dem ganzen Sofa verteilt war, aufzusammeln. „Glaubt ihr wirklich, dass das stimmt?“, zweifelte ich. Thomas nickte: „Natürlich, ich glaube der Weihnachtsmann wollte uns etwas Gutes tun.“Da ich es immer noch nicht glauben konnte, kochte ich am Abend nach dem Rezept auch den Antistresstrank – und es funktionierte wirklich. Sobald ich den Glitzerstaub in das Gemisch fallen ließ, wurde es flüssig und schimmerte golden. Um mich zu vergewissern, stellte ich noch eine Schale mit Milch vor die Tür. Am nächsten Morgen war diese leer und ich war überzeugt. So genossen wir zu dritt noch eine entspannte Weihnachtszeit, denn die vielen Busfahrgäste konnten mir jetzt nichts mehr anhaben.

Türchen 20

geschrieben von Lollypop

An die Menschen da draußen, die dieses Märchen genauso lieben wie ich :)

Türchen Nummer 20

 

Das Mädchen saß zusammengekauert auf dem Boden. Man sah, wie sie zitterte, in ihrer zerrissenen Kleidung. Sie hielt etwas in ihren kleinen Händen. Ich streckte mich, um zu sehen, was genau.

Sie hatte Streichhölzer. Nicht dein Ernst, dachte ich, als mir plötzlich das Bild in den Kopf stieg.

Ich rannte zu meiner Schublade und holte ein kleines Heft hervor. Das war ein Heft voller Märchen – davon hatte mir meine Mum immer vorgelesen. „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ las sie immer abends vor, denn bei der Geschichte schlief ich immer ein.

Ich machte meine Zimmertür auf und ging in den Flur. Meine Mum hörte mich und fragte, wohin ich wollte. „Raus, komme gleich zurück“, antwortete ich geistesabwesend und ging hinaus in die frische Luft.

Es war kalt draußen, aber es fing an zu regnen. Eigentlich fand ich den Regen besser als den Schnee, denn Schnee war mir oft zu klischeehaft, vor allem bei Geschichten. (Bestes Beispiel: Es fing an zu schneien.)

Das Mädchen sah hoch, als ich mich zu ihr herunterbeugte. „Wollen Sie Strichhölzer kaufen?“, fragte sie leise und hoffnungsvoll. Ihr Gesicht hellte sich kurz auf, als ich nickte. Anschließend nahm ich all meinen Mut zusammen.

„Wie viel musst du verkaufen, damit du nach Hause kannst?“

Für einen Moment sah sie verwirrt zu mir herüber. Dann strahlte sie. Ihr Gesicht war so wunderschön. Trotz ihrer Erscheinung, trotz ihrer Kleidung war sie wunderschön.

Ich hielt die Streichhölzer in der Hand. Sie waren ziemlich warm, das Mädchen hatte das wohl die ganze Zeit festgehalten. Ich drehte mich um – sie war weg. Lächelnd ging ich in mein Haus zurück.

Als ich die Augen aufschlug, brauchte ich ein paar Minuten, um zu realisieren, dass das alles nur ein Traum war. Ich fuhr mir durch die Haare. Was für ein Traum. Ich stand auf und blieb abrupt stehen, als ich etwas auf meinem Schreibtisch war. Zwei Dinge.

Streichhölzer.

Ein Heft, in braunes Leder und Staub gewickelt.

Das Märchenbuch, das ich seit meiner Kindheit in jener Schublade verstaut hatte. Es war plötzlich auf meinem Schreibtisch. Doch nicht etwa..?

Ich schlug eine Seite auf. Ich grinste, als ich das Bild sah. Das Bild eines Mädchens, das zusammengekauert auf dem Boden saß. Das Schwefelhölzer in ihrer Hand hielt. Zerrissene Kleidung anhatte.

Doch etwas an dem Bild war anders. Es hatte sich verändert. Und ich wusste nicht, wie das geschah, aber es war mir auch egal.

Das Mädchen schaute direkt in meine Augen und lächelte.

Türchen 21

geschrieben von Plimaus

Weihnachtszeit

 

Vorbei sind endlich jetzt das Hocken,

Und das Warten auf die weißen Flocken

die letzte Nacht vom Himmel fielen.

Jubelschreie, Kinder spielen.

Weihnachtsstimmung überall,

süße Klänge, lauter Schall.

 

Hell erleuchtet sind die Lichter,

Und der Schnee fällt immer dichter.

Längst schon steht der Tannenbaum

Festlich geschmückt - ein wahrer Traum.

Und die Geschenke erst darunter,

ja, da werden alle Kinder munter!

 

Und das lange, lange Warten auf die Weihnacht,

hat die Ungeduld der Kinder schnell entfacht.

Nur ein Türchen öffnen jeden Tag,

obwohl jedes Kind es gerne mag.

Wie jedes Jahr ist es so weit:

Jetzt ist endlich Weihnachtszeit!

Türchen 22

geschrieben von Delphine

Ein verhängnisvoller Brief

 

Aus irgendeinem Grund wusste ich von Anfang an, dass diese Weihnachten etwas Besonderes werden würden, vielleicht kann man so etwas an der Luft schmecken, oder riechen, vielleicht sagt der Geschmack der Weihnachtsplätzchen es einem oder der Geruch der Tannennadeln. Als ich an diesem Morgen vor die Haustür trat, ahnte ich allerdings noch nichts von den Ereignissen, die auf mich zu kamen. Ich rieb mir nur fröstelnd die Hände, denn es war sehr kalt, zu meinem Bedauern lag allerdings kein Schnee. Der Morgen war zwar noch grau, doch die Sonne bahnte sich langsam, fast zaghaft durch Schwaden von Nebel einen Weg zum frostbedeckten Boden. Ich pustete mir eine wiederspenstige Haarsträne aus dem Auge und machte mich auf den Weg zur Schule. Als ich bei der Post um die Ecke trat, sah ich dort einen alten Mann stehen, er sah auf einen Brief in seiner Hand hinunter, blickte wieder auf, blickte wieder auf den Brief hinunter und wieder auf. Verwundert blieb ich stehen und sah den Mann an. Plötzlich schien er sich ein Herz zu fassen, er schob den Brief ein Stück durch den Schlitz des Briefkastens und - zog ihn wieder heraus. Wütend zerknüllte er den Brief und warf ihn in den Mülleimer neben dem Breifkasten. Dann stapfte er mit langsamen, schlurfenden Schritten davon. Ich weiß bis heute nicht genau, warum ich es damals tat, doch als der alte Mann um die Ecke des nächsten Hauses verschwunden war, lief ich zu dem Papierkorb. Papierkörbe sind meistens eine sehr schmutzige Angelegenheit, doch dieser war erstaunlich sauber und ganz oben auf dem Berg von Altpapier lag - ein zerknüllter Brief. Also nahm ich den Brief von den anderen Papieren herunter und begann das Papier vorsichtig zu glätten. Dass ich eigentlich zur Schule musste, hatte ich vollkommen vergessen. Als ich das Papier vollständig auseinander gefaltet hatte, konnte ich auch den Absender lesen: Lennard Scholp stand dort in geschwungenen Buchstaben. Eilig riss ich den Brief auf und begann zu lesen:

Liebe Familie, seit langer Zeit habe ich jetzt nichts mehr von euch gehört, ihr seid wohl wirklich umgezogen, oder ihr beantwortet einfach meine Post nicht, eure Telefonnummer scheint nicht mehr zu funktionieren, warum kenne ich euren Wohnort nicht? Warum kenne ich eure Telefonnummer nicht? Warum antwortet mir keiner auf meine Briefe? Ich probiere hiermit ein letztes Mal einen Brief an euch zu schreiben, in der Hoffnung eine Antwort zu bekommen. Ich bitte euch, das Weihnachtsfest mit mir zu verbringen!!!Viele Grüße, euer Opa, Papa, Schwiegervater, Lennard!P.S.: Ich würde mich wirklich freuen, euch nach den langen drei Jahren wieder zu sehen!!!!

Betroffen ließ ich den Brief sinken, was hatte dieser Mann für eine Familie? Oder war ihnen wirklich etwas passiert? Plötzlich keimte eine Idee in mir auf. Was, wenn ich es für den Mann herausfinden könnte? Seine Adresse und die seiner Verwandten standen auf dem Brief.

Als ich am Nachmittag nach Hause kam, gab ich die Adresse der Verwandten in den Computer ein, nur um fest zu stellen, das sie mindestens zwei Stunden Autofahrt von hier entfernt wohnten! Kein Wunder, dass der Mann, also Lennard, nie zu ihnen gefahren war, um sie zu besuchen! Dann fand ich plötzlich ihre Telefonnummer, überglücklich schrieb ich sie auf einen Zettel und machte mich auf den Weg zu dem Haus des Mannes. Vor seiner Wohnungstür blieb ich einen Moment zögernd stehen, unsicher, ob ich das richtige tat, dann fasste ich mir ein Herz und klingelte.

Es dauerte eine Weile, eine Stimme rief: "Ich komme gleich" und dann ging die Tür auf. Lennard Scholp blickte mir ins Gesicht und runzelte die Stirn, als er irgendein wildfremdes Mädchen vor seiner Wohnung stehen sah. "Was ist?" fragte er nicht ganz unfreundlich. Ich streckte meine behandschuhte Hand aus (die kratzigen Wollhandschuhe, die meine Nachbarin strickt) und er sah den Brief, den ich darin hielt. "Woher hast du den?", fragte Lennard plötzlich ungehalten, "spionierst du immer anderen Menschen hinterher?""Äh nein, es tut mir leid, aber haben sie es schon einmal mit dieser Telefonnummer probiert?" fragte ich und vor Scham stieg mir die Röte in die Wangen, doch ich hielt ihm trotz allem energisch einen Zettel mit der im Internet gefundenen Telefonnummer entgegen. Freundlicher guckte Lennard noch immer nicht, doch er nahm mir den Zettel ab und sah ihn an, dann schüttelte er langsam den Kopf.

Ein paar Minuten später saß ich bei Lennard in der Wohnung - er hatte mich gebeten, ihn zu duzen - und trank warmen Zimttee. Er starrte immer noch die Telefonnummer in seiner Hand an.Schließlich sah er auf und kratzte sich kurz am Ohr. "Ich finde es zwar immer noch nicht in Ordnung, dass du mir nachspioniert hast, aber darüber werde ich wohl Mal hinweg sehen", sagte er. "Du hast viel und nicht gerade Unbedeutendes für mich getan, darf ich dich trotzdem noch um einen Gefallen bitten?" Seine Hände zitterten, als er sich Tee in eine Kannne goss. Ich nickte."Würdest du......, würdest du für mich anrufen, ich glaube ich kann das nicht", sagte er und klang fast schüchtern dabei. Mir war zwar etwas unwohl bei dem Gedanken, irgendwelche wildfremden Leute anzurufen, doch ich nickte tapfer.

Kurze Zeit später reichte er mir ein Telefon und ich wählte die Nummer, die auf dem Zettel stand. "Laura Scholp", meldete sich eine Stimme am anderen Ende der Leitung. Ich schätzte ihren Eigentümer auf Mitte vierzig. "H-hallo", antwortete ich ,"hier ist Dana Ebersbach, ich habe vor kurzer Zeit einen Mann namens Lennard Scholp kennengelernt, er dürfte ihr Schwiegervater sein, er würde seine Familie gerne zu Weihnachten treffen, aber er wusste nicht genau wo.....""Er wusste nicht, wo wir wohnen und so wird es auch bleiben!!!" fügte Laura hinzu. "Was denkst du, warum er das nicht wusste? Weil es ihm keiner gesagt hat, und warum nicht, weil wir kein Interesse an seiner Gesellschaft haben, wir hätten ihn wirklich ins Heim geben sollen, aber Ludwig...""Will Ludwig ihn denn auch nicht sehen, er ist doch sein Sohn?" Ich fiel ihr ebenfalls ins Wort, aber meine Stimme klang nicht halb so energisch wie die ihre.,,Auch Ludwig hat kein Interesse an der Gesellschaft eines alten Tölpels, er wollte bloß nicht, dass wir ihn ins Heim geben, aber das hat nichts zu bedeuten, hörst du - GAR NICHTS!!!!" Damit legte sie auf. Lennard stand hinter mir und sah traurig aus, er hatte alles mit gehört.

In den nächsten Tagen besuchte ich Lennnard oft, er konnte sehr lustige Späße machen und viele tolle Geschichten erzählen, doch ich fand, dass er von Tag zu Tag schweigsamer wurde. Die Sache mit seiner Familie machte ihm sehr zu schaffen. Immer wieder starrte er zu den Fotos auf seinem Kaminsims die ihn und seine Familie darstellten. Mit der Zeit wurden meine Eltern misstrauisch, sie fragten sich, wo ich die vielen Nachmittage verbrachte, an denen sie am Adventskaffeetisch saßen und heißen Tee schlürften. Als ich eines Nachmittags wieder zu Lennard kam, saß dieser vornüber gebeugt auf seinem Sessel und sah noch trauriger aus als sonst. Ich kannte mich inzwischen in seinem ganzen Haus aus, hatte schon oft für ihn eingekauft und kannte auch den Besitzer des Hauses besser als viele andere Menschen, doch so traurig hatte ich ihn noch nie gesehen. ,,Sie sagen ich muss ausziehen, wenn sich niemand um mich kümmert." Er hielt einen Brief hoch, der sehr förmlich aussah. "Wenn sich niemand um mich kümmert, muss ich ins Heim." Er zitterte. ,,Aber ich kümmere mich doch um dich!", rief ich bestürzt ,,das muss doch etwas bringen!" Kopfschütteln. ,"Das gilt nicht, du bist noch ein Kind, du hilfst mir schon viel zu viel, bestimmt wirst du zu Hause schon des Öfteren vermisst."

Als ich am Abend nach Hause kam sah meine Mutter  mir bestürzt ins Gesicht "Ist irgendwer gestorben?" fragte sie, "du guckst ja, als kämest du von einer Beerdigung!""Lennard muss ausziehen." schniefte ich."Wer ist Lennard? Hast du vielleicht vergessen mir etwas zu erzählen?" Ihre Augen funkelten und ich begann zu erzählen, von dem Brief und von den gemeinen Verwandten und von Lennards Haus, das von oben bis unten mit gemütlichem Gerümpel voll gestopft war. Es wurde ein langer Abend.

Ein paar Tage später fuhr ein Umzugswagen vor unsere Tür. Wir haben ein ziemlich großes Haus. Mein Vater ist Maler. Früher hat er zu Hause gearbeitet und deshalb hatten wir auch ein sehr großes Atelier in unserem Haus, wir haben es ganz leer geräumt und neu gestrichen und dann ist Lennard eingezogen. Viel von seinem Gerümpel musste er leider weggeben, doch am Tag des Umzugs (zwei Tage vor Weihnachten) saß er trotzdem stolz und mit vor Freude glänzenden Augen mit uns am Abendbrotstisch und strahlte. Auch ich war fröhlich - wer wäre das nicht, wenn man zu Weihnachten ein neues Familienmitglied bekommt!!!

Türchen 23

geschrieben von Lina

24. Dezember - Weihnachtliche Post

 

Lieber Jonas, vielen Dank für deinen Wunschzettel. Ich bin der Engel Emilia und arbeite für den Weihnachtsmann. Ich habe deinen Wunschzettel sehr gerne gelesen. Du hast den Weihnachtsmann gefragt, wie ein Heiligabend bei uns abläuft und wir wollen es dir natürlich erzählen. Eins erstmal vorweg: Solltest du enttäuscht sein, dass der Weihnachtsmann deinen Wunschzettel nicht persönlich gelesen hat, keine Sorge. Ich und meine Arbeitskollegin Anja lesen dem Weihnachtsmann jeden Wunschzettel einzeln vor. Er hört sich dann alles an. Währenddessen hört der Oberweihnachtswichtel Tommi sich auch alles an und schreibt eine lange Liste, was die Wichtel noch bauen müssen. Bei so vielen Kindern auf der Welt sind die Listen, die er schreibt, echt lang. Zum Glück arbeiten tausende Wichtel für den Weihnachtsmann, denn alleine würde er das niemals schaffen. Was ich sehr bemerkenswert finde: Der Weihnachtsmann kennt alle Namen der kleinen Wichtel, von Artos bis Zizerus, alle sind ihm wichtig.

Wahrscheinlich fragst du dich jetzt, was der Weihnachtsmann überhaupt die ganze Adventszeit macht, wenn wir beiden Engel ihm die Wunschzettel vorlesen und die Wichtel die Geschenke bauen. Ich will es dir erklären. Erstmal wird der Weihnachtsmann gebraucht, um die Geschenke, die die Wichtel bauen, groß zu zaubern. Du kannst dir bestimmt vorstellen, dass kleine Wichtel auch kleine Schlitten, Puppenhäuser und Baukästen herstellen. Der Weihnachtsmann zaubert die Spielzeuge und all die anderen Weihnachtsgeschenke dann groß. Das ist sehr viel Arbeit, denn jedes Geschenk hat seinen eigenen Zauberspruch, um wieder groß zu werden. Manche weiß er mittlerweile auswendig, doch für ausgefallene Wünsche muss er in seinem dicken Buch nachschlagen. Manche Geschenke, die in diesem Buch stehen, werden gar nicht mehr oder nur noch kaum benutzt. Vor ungefähr achtzig Jahren mussten die Wichtel Unmengen an Zinnsoldaten herstellen. Die Jungen auf der Erde wünschen sich im Moment aber lieber Eisenbahnen oder Bausteine. So muss der Weihnachtsmann immer wieder neue Sprüche erfinden. Auch das kostet Zeit, lieber Jonas. Außerdem muss er den Plan der Bescherung ausarbeiten. Das ist eine große Karte, auf der steht, wann er am Heiligabend wo zuerst hinfliegt und wo zuletzt. Immer mehr Kinder kommen auf die Welt und so ist es immer wichtiger, einen guten Plan zu haben und organisiert zu bleiben.

Du siehst, auch der Weihnachtsmann hat im Dezember kaum eine freie Minute. Wir Engel und Wichtel müssen zum Glück nicht viel schlafen, sonst wären wir ja immer nur müde… Neben uns zwei Engeln, dem Oberweihnachtswichtel und den anderen Wichteln leben hier beim Weihnachtsmann noch eine paar andere Weihnachtsgeschöpfe. Da wäre einmal der Küchengel August und der Putzengel Miranda. Die beiden sind ebenfalls sehr fleißig und sorgen für unser Wohl, wo sie nur können. Dann gibt es da noch die Weihnachtsboten. Dies sind Wichtel, nur kleiner als die Wichtel, die die Geschenke bauen. Die Boten holen die Wunschzettel von den Poststellen ab und bringen sie zu uns ins Weihnachtsdorf. Diesen Brief wird dir auch ein kleiner Kollege von mir bringen. Einen weiteren wichtigen Job haben die vier Rentiere des Weihnachtsmannes. Sie haben zwar das ganze Jahr über frei, aber an Heiligabend müssen sie richtig lange Strecken zurücklegen. Da bin ich lieber ein Engel und bleib in der warmen Stube. Übrigens ist es nur ein Märchen, das Rentier Rudolf gibt es bei uns nicht, denn erstens hat keiner eine rote Nase und zweitens sind sie alle gleich geschickt, gleich schnell und gleich süß. Wenn, dann müsste man alle Rudolf nennen!

Eben habe ich unser Weihnachtsdorf erwähnt. Falls du uns besuchen kommen magst, du wirst uns nicht finden, denn wir wohnen an einem so geheimen Ort, dass niemand weiß, wo er uns findet. Das finde ich auch gut so, denn so werden wir von der Arbeit nicht abgelenkt und haben genug Zeit für die Geschenke. Das findest du doch bestimmt auch wichtig, oder?

Jetzt möchte ich mal zum Heiligabend kommen, denn das ist schließlich der Höhepunkt des ganzen Dezembers. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, deswegen fang ich einfach mal bei meinem Heiligabendmorgen an. Wie alle Weihnachtsgeschöpfe habe ich noch tief in die Nacht gearbeitet, um alles fertig zu bekommen. Der Küchenengel August kocht uns allen einen kräftigen Stärkungstee und wir helfen dem Weihnachtsmann, die Geschenke in Säcke zu verladen. Die meiste Arbeit haben dabei die Weihnachtsboten. Trotz ihrer Größe können sie große Lasten heben. Das macht einiges einfacher. Anja und ich haken auf einer sehr langen Liste alles ab, was schon in den Säcken verpackt ist, damit der Weihnachtsmann später auch nichts vergisst. Wenn er zum Beispiel dein Geschenk vergessen würde, wärst du bestimmt auch traurig. Die Wichtel knoten alles an den großen Weihnachtsschlitten, während der Weihnachtsmann sich hübsch macht. Er zieht seinen großen, roten Mantel seine geputzten Stiefel an (Engel Miranda hat sie gestern erste gesäubert). Danach ist es im Weihnachtsdorf meistens schon Mittag, wenn alles fertig ist. Dann muss sich der Weihnachtsmann sputen, um noch seinen Plan der Bescherung einhalten zu können. Wir verabschieden uns alle mit einem Weihnachtslied. Meistens ist es „Stille Nacht, heilige Nacht“, denn dies ist das Lieblingslied vom Weihnachtsmann. Wenn wir ihm hinterher winken, wie er mit dem Schlitten und ein paar seiner Botenwichtel wegfliegt, sind wir alle etwas traurig, weil jetzt die Weihnachtszeit für uns fast schon vorbei ist. Dann werden wir aber alle ganz schnell wieder fröhlich. Die schöne Zeit ist eben erst fast vorbei. Das große Weihnachtsessen fehlt noch und natürlich gibt es auch bei uns im Weihnachtsdorf Bescherung. Wenn der Weihnachtsmann von seiner Bescherungstour auf der Erde wiederkommt, haben wir, also alle Weihnachtsgeschöpfe, den Tannenbaum geschmückt, den Tisch gedeckt und die große Bescherung vorbereitet. Wir essen alle gemeinsam mit dem Weihnachtsmann und das schmeckt immer ziemlich gut. So gut, dass wir die nächsten zwei Tage immer noch satt sind. Dann packen wir unsere Geschenke aus. Weihnachtsmann hat uns allen auch ein Geschenk gemacht. Wie er das immer schafft, weiß ich bis heute nicht.

So lieber Jonas, jetzt weißt du wie bei uns im Weihnachtsdorf gearbeitet und gelebt wird. Ich wünsche dir, auch im Namen des Weihnachtsmannes und allen Geschöpfen, noch ein paar wunderschöne Festtage. Lass dich heute Abend von deinem Geschenk überraschen und genieß das Fest mit deiner Familie. Dein Engel Emilia

Türchen 24

geschrieben von Lollypop

Hallööchen! Wie ihr nachher auch lesen werdet, habe ich in meiner Geschichte die Namen „Anna“ und „Ben“ verwendet, wie die Kinder von Cornelia. Ich wollte eine kleine Geschichte für sie schreiben, wo ihre Familie auftaucht. Als Dank dafür, dass sie sich am 21. Dezember (2014) anderthalb Stunden für uns Zeit genommen hat... Also noch einmal, im Namen der gesamten Chat Teilnehmer: Danke noch einmal Cornelia!! ^^ Und natürlich auch ein dickes dickes Dankeschön an Insa, dass sie uns das Ganze ermöglicht hat :) Ohne euch wäre alles nur ein Traum, etwas Unerreichbares!

Heiligabend ging bald zu Ende.

Amelia kroch leise durch die riesige, aber faszinierend beschmückte Tür hinein in das wunderschöne Haus.

Sie staunte nicht schlecht, als sie den riesigen Weihnachtsbaum sah, der nicht nur mit Christbaumkugeln geschmückt war, sondern auch mit kleinen, selbst gemachten Holzengeln. Vor lauter Bewunderung war Amelia noch nicht dazu gekommen, die vielen Geschenke auf den Boden zu stellen – sie taumelte nach hinten, als sie hoch schaute und den Kopf in den Nacken legte und fiel zu Boden. Im letzten Moment konnte sie die Geschenke festhalten. Sie atmete tief durch und schaute sich noch einmal im Wohnzimmer um. Niemand schien da zu sein. Wahrscheinlich unterhielt sich die Familie in der Küche oder im Esszimmer – oder sonst wo. Sie stellte lächelnd die Geschenke ab. Es waren sieben – für die Mutter, die Tochter, den Sohn, die Tante und ihren Mann und noch ein paar andere. Sie versammelten sich alle in Los Angeles, und es herrschte Weihnachtsstimmung im Hause, obwohl es nicht schneite. Die Geschenke waren nicht sehr groß, deswegen brauchte die Weihnachtselfe keine Tasche, um sie hierher zu schleppen.

„Wer bist du?“

Der Junge hinter ihr tippte sie an und Amelia fuhr quietschend hoch. In Windeseile versteckte sie die Geschenke hinter ihrem Rücken, doch ihr Gegenüber bemerkte es. „Oh, ein Weihnachtself?“, fragte er lächelnd. Zitternd nickte sie. Noch nie war sie einem Menschen gegenüber gestanden. Noch nie! Sie hatte sich doch vor wenigen Minuten vergewissert, dass niemand im Haus war...

„Sind das Geschenke für uns?“, fragte er neugierig, während er hinter Amelias Rücken lugte. Sie nickte wieder. „Für die ganze Familie, inklusive Bekannte“, nuschelte sie nervös. Wieso erzählte sie ihm das?

Man sah Ben – sie wusste, wie sie alle hießen, denn man musste ja schließlich die Geschenke den Personen zuordnen – an, dass er wissen wollte, was er geschenkt bekam. Doch es war immer noch der 24., und in der Regel hieß es, dass man die Geschenke erst zu Weihnachten bekam. Er musste noch ein paar Stunden warten, und die Ungeduld stand ihm in das Gesicht geschrieben. „Darf ich wenigstens die Verpackung sehen?“, flehte er, doch Amelia schüttelte streng den Kopf. Ben seufzte. Plötzlich wurde die Tür erneut geöffnet und ein etwas älteres Mädchen stürmte herein. „Gott, es ist immer noch verdammt warm! In Europa schneit es. Oh, du bist schon da, Ben? Wer ist das neben dir?“ Anna beugte sich zu Amelia herunter und ihre Kinnlade klappte herunter. Sie schaute den grinsenden Ben an. „Doch nicht etwa...?“ „Doch“, unterbrach er sie. „Wir sollten sie schnellstmöglich weiter arbeiten lassen, meinst du nicht? Sie hat unsere Geschenke noch nicht abgelegt.“ Dankend verbeugte Amelia sich und sortierte die Päckchen nach dem Empfänger – so stand es in der Regel. Kinder links, Erwachsene rechts.

Als Amelia fertig mit den Geschenken war, drehte sie sich um und verbeugte sich erneut vor den Geschwistern. „Ihr dürft das Geschenk erst morgen oder frühestens um Mitternacht auspacken, das steht bei Regel 2. Erst am 25. 12. dürfen die Kinder die Geschenke auspacken.“ Sie wusste, dass es sehr hart war, das verpackte Geschenk vor sich liegen zu sehen und es doch verboten ist, es nicht zu öffnen. Sie musste das auch jedes Mal durchziehen. Jaja, auch Weihnachtselfen machen sich gegenseitig Geschenke.

„Also dann“, meinte sie und verbeugte sich ein letztes Mal. „Anna und Ben, ich verlasse nun das Haus. Habt noch ein frohes Weihnachtsfest. Einen guten Rutsch ins neue Jahr!“ Sie stapfte zurück zur Tür. Als sie noch einmal zu den Geschwistern sah, winkten sie. Lächelnd winkte Amelia zurück. Ihre Angst vor den Menschen war wie weggeflogen. Sie summte leise „Jingle Bells“, schnappte sich ihre Tasche und ging zum Haus, das gegenüber stand.

 

-- So, das war’s mit der Geschichte. Vielen Dank fürs Lesen! Ich hoffe, die Geschichte hat euch gefallen... Ich wünsche euch allen (Insa, Gästy, Cornelia und ihre Kinder, Bashar, Velos, Marley & Mozart, Luna & das kleine süße Monster in der Mülltonne inklusive :D ) ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das neue Jahr! Prost, auf ein weiteres Jahr voller unvergesslicher Momente, auch mit der „Schreibhausfamilie“ :)

*** UND EIN DICKES DANKESCHÖN AN DICH, LIEBE LOLLYPOP, FÜR DEINE FANTASTISCHE IDEE DES ADVENTSKALENDERS AUS GESCHICHTEN. WIR WÜNSCHEN DIR ALLE EIN FUNKELNDES FEST UND ALLES SCHÖNE FÜR 2015 :) ***

10 Kommentare

Ben am 12. Dezember 2016

Gute Geschichte

Ben am 12. Dezember 2016

Stimmt, echt super

Waldelfe am 6. Dezember 2016

Was für eine süße Idee!!!!! Ich fand die Geschichten total toll, echt voll gut geschrieben!

schreibmali am 6. September 2016

Wow! Tolle Geschichte nur warum am 2.Dezember Weihnachten? Aber so toll geschrieben! Vor allem der Anfang! Wie alt bist du den?

Luna am 11. August 2016

Es ist zwar August trotzdem ist es wunderbar !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

lara am 12. Februar 2016

ich finde es richtig cool !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Regina.S am 4. November 2015

AAAAAAAHHHHHH SO SPANNEND

Bence am 2. April 2015

Da wird einem wirklich warm um's Herz ... Danke für diese wunder-, wunderschöne Geschichte! Genau das richtige für dieses April Wetter (welches man schon im März spüren konnte) --- Gruß, Bence

Lollypop am 21. Januar 2015

May, vielen lieben Dank!! *Freudentränen* ich habe es sooo genossen, deinen liebevollen Kommentar zu lesen. Ich kann dir wohl nicht genug danken! Hab ein schönes neues Jahr! LG Lollypop

Mayflowerdream am 13. Januar 2015

Deine Geschichte hat mir Tränen der Rührung in die Augen getrieben. Wunderbar und gerade das Richtige für den kalten Januar, um sich an die Weihnachtszeit zu erinnern!!! Es ist so eine wundervolle, wunderschöne Vorstellung, die du beschrieben hast und dazu kommt-was nun wirklich nicht unerheblich ist, sondern ausschlaggebend für eine gute (Short)story- dein toller Schreibstil. Wie du die Unlust deiner Protagonistin am Anfang ausgedrückt hast und wie sich diese radikal ändert, als sie die glückliche Familie sieht. Wundertoll!!! Liebe Grüße, May